Reine Geschmackssache?

  • Hallo,

    ich habe bislang nur Erfahrung mit Süsswasser und plane jetzt ein Meerwasseraquarium (80 Liter, Blenny Aqua Medic Advanced).

    Mir gefallen Süsswasserbecken nach Art aquascaping (u.a. nur wenige Pflanzenarten, keine „Fischsuppe“), wo ein „Bild“ entsteht, eine „Geschichte“ erzählt wird.

    Bei den Meerwasseraquarien ist mir aufgefallen, dass dort oft sehr viele verschiedene Tierarten versammelt sind. Hat das biologische Gründe oder ist das eine reine Geschmackssache?
    Bitte nicht falsch verstehen, aber die meisten Becken kommen mir vor wie eine bunte Sammlung von möglichst verschiedenen Tieren auf kleinem Raum. Ich als Laie habe nicht den Eindruck, dass wirklich ein bestimmtes Biotop dargestellt werden soll. Aber ich kann mich natürlich irren, und über Geschmack lässt sich nicht streiten.

    Deshalb würde ich einfach nur gerne wissen, ob es im Meerwasserbereich auch eine ästhetische Richtung (wie z.B. „Amano“ bei Süsswasser) gibt. Wenn ja, wo gibt es vielleicht Fotos davon?

    Viele Grüsse
    Anja

  • Riffe sind Biotope mit einer ähnlich dem Regenwald sehr hohen Artenanzahl. Insofern passt das schon, auch wenn meist stark geografisch gemixt wird, da nur gewisse Fischgruppen überhaupt sinnvoll haltbar sind in einem Korallenbecken.

  • Hallo Anja,

    ein kleines Stück Biotop nachzubilden wird leider viel zu selten praktiziert.
    Bei einem 80l Becken bist Du mit dem Fischbesatz ohnehin stark eingeschränkt, dafür kann man aber einige andere Spezies wie Garnelen sehr gut pflegen. Auch ist es oft schwierig wenn man sich auf eine bestimmte Region und Besatz festgelegt hat, die Tiere überhaupt zu bekommen....

    Designerlinie ist mir zum Glück keine bekannt! Es handelt sich ja um Natur.

    LG,
    Wolfgang

    PS: wir haben deswegen mehrere kleine Becken, es verträgt sich ja auch nicht alles, und manche haben sich zum Fressen lieb ;-))

  • Danke für die Antworten.

    Ich glaub, ich hab mich unklar ausgedrückt.

    Natürlich ist ein Riff ein Biotop, aber nachgebaut auf engem Aquarienraum ist es ja nicht unbedingt eine Kopie von einem viertel Quadratmeter Originalriff. Das wäre ja wahrscheinlich gar nicht so vielfältig, vielleicht sogar langweilig. Sondern im AQ mehr so eine abstrakte „Idee“ von einem Riff. Oder?

    Meine nachgefragte ästhetische Richtung (aquascaping, Amano usw.) ist ja auch mehr eine „Idee“, ein „verdichtetes Symbol“, als die Kopie einer Realität.

    Mit verschiedenen Tierarten meinte ich für mein geplantes kleines Becken keine Fische, sondern vor allem Korallen usw.

  • Hallo Anja,

    meinst du eine Art Themenbecken oder ein Becken, das nur mit Korallen besetzt ist, die auch in der Natur in der gleichen Region vorkommen?

    Es gibt vorgestellte Becken, die sich z.B. auf Großpolypige Korallen beschränken oder z.b. ausgefallene Krustenanemonen (hab ich im Nanobereich schon mal gesehen), ein Anemonenbecken etc. Außerdem gibt es diverse Artenbecken, z.B. Seepferdchenbecken.

    Viele Grüße
    Corinna

    LIFE IS BETTER IN FLIP FLOPS ❤️

  • Hi Anja,

    das kann man so nicht sagen.
    Wenn Du tauchen bist, findest Du je nach Gegend die unterschiedlichsten Riffe.
    Das kann von einer Acro Monokultur metergroß bis zu einem dicht besiedelten Riffbereich führen, wo kein cm² vom Gestein mehr frei ist, und sich auf einem m² 100 Arten tummeln ( mal nur die sichtbaren ).

    Das ist dann eher eine Frage Deines persönlichen Interesses, was Du pflegen möchtest.

    Lg,
    Wolfgang

  • Hallo Corinna,

    ich versuch es mal anders auszudrücken:

    der eine findet eine Schrankwand in Gelsenkirchener Barock schön, der andere in skandinavischem Design. Beide Wände erfüllen als Aufbewahrungsort von Gegenständen ihre Funktion, und die Gläser und Bücher und Nippessachen sind fachgerecht untergebracht.

    Der eine gestaltet sein AQ nach dem Goldenen Schnitt, will möglichst keine sichtbare Technik, nicht von jeder Pflanzenart ein paar, sondern eine Landschaft gestalten, ein Bild komponieren, der andere will einfach nur die Steine irgendwie auftürmen und dann möglichst viele verschiedene Korallen usw. unterbringen. Je bunter, desto besser.

    Dem einen gefällt als Gemälde, wo der röhrende Hirsch wie echt aussieht. Der andere mag abstrakte Kunst.

    Ich will nicht die Natur kopieren, also nicht auf meinem viertel Quadratmeter einen viertel Quadratmeter Naturriff nachbilden. Sondern das Bild, die Illusion, die Idee eines Riffs. Ähnlich wie ein gutes Gedicht mehr ausdrückt als die einzelnen Worte bedeuten.

    Im Süsswasser gibt es Designerbecken, wo eine Parklandschaft, ein japanischer Garten, ein Wald mit Weg und Lichtung usw. „verdichtet“ und idealisiert dargestellt wird. Den Pflanzen geht es gut, und den wenigen Fischen auch. Da gibt es richtige Künstler, die ihre Becken öffentlich präsentieren. Daran kann man sich dann orientieren.

    So etwas suche ich im Meerwasserbereich.

    Viele Grüsse
    Anja

  • Hallo Anja,

    wie Du selber schreibst: Den Pflanzen geht es gut... Nur handelt es sich bei Korallen eben nicht um Pflanzen sondern um Tiere.

    Ich kenne die Becken, die Du beschreibst. Diese werden ja größtenteils mit teppichbildenden Planzen "designed", die dann zu irgendwelchen Gebilden etc. zurechtgeschnitten werden. Das dürfte im MW-Becken eher weniger möglich sein. Hier sind -wie schon beschrieben- Artenbecken zu realisieren.

    Den meisten geht es hier eher darum, einen kleinen Ausschnitt eines Riffs so naturnah wie möglich nachzuempfinden und keine Dörfer oder Städtchen nachzubauen :ylol

    Viele Grüße

    Michael

  • Hallo Anja,
    falls ich Deine Eingangsfrage richtig verstehe: Zusätzlich kommt im Meerwasser dazu, dass es beiweitem komplexer ist als Süsswasser... Es hilft kein einfacher 50% Wasserwechsel, um die gröbsten Fehler auszugleichen, es gibt zig Plagen, die nur wieder mit speziellen Tieren bekämpft werden können (oder viel Geduld).
    Nebenbei kommt natürlich bei einigen auch der Sammeltrieb und "muß ich haben" dazu, aber bei vielen ist es der Wunsch, ein funktionierendes Biotop zu bauen, in dem bis auf Fütterung, Spurenelemente und Entfernung der Fütterung (Abschäumung) kein Eingriff notwendig ist.

  • Hi,

    ich wollte etwas ähnlich wie Alex schreiben. Viele der unterschiedlichen Tiere sind auch irgendwie "Funktionstiere". Nur mal ein paar Beispiele (meist gibt es Alternativen):

    - Baggergrundeln für sauberen Sand
    - bestimmte Lippfische gegen Turbellarien
    - Doktorfische und Kaninchenfische gegen die einen, Algenblennis gegen die anderen Algen
    - Falterfische gegen Glasrosen
    - Seesterne für den Bodengrund
    - Seeigel und Schnecken für die Aufwuchsalgen
    - Garnelen zum Putzen der Fische (das ist nicht nur niedlich, sondern vor allem gesundheitsfördernd)
    - (meist rote) Anemonen als Heimat der Clownfische
    usw.

    Dann entstehen in einem Aquarium immer "Nischen": Man kann z.B. nur begrenzt viele Freischwimmer einsetzen, hat dann aber immer noch Platz für bodennahe Fische oder eine standorttreue Symbiosegrundel mit ihrem Knallkrebs.

    Bei der Korallenauswahl ist es vielleicht schon eher Geschmackssache, aber auch hier besetzen z.B. anspruchslosere Weichkorallen die schattigeren Bereiche im Becken und bunte SPS die oberen Regionen.

  • Natürlich sollte das System möglichst optimal stabil gesund laufen. Da muss man sicher Kompromisse machen in der Gestaltung. Dass auf bestimmte Plagen reagiert werden muss, ist auch klar. Vielleicht ist man im Seewasser AQ sehr viel weniger frei in der Gestaltung als im Süsswasser? Braucht bestimmte Funktionstiere usw. Ist man vielleicht einfach schon froh, wenn das Becken über längere Zeit ohne Plagen und Krankheiten und grössere Verluste einigermassen läuft? Was im Süsswasser ja im Prinzip nicht so extrem schwierig ist.

    Hier mal trotzdem, wenn es erlaubt ist, ein Beispiel:

    http://i-cdn.apartmenttherapy.com/uimages/ny/9-2…-aquarium-1.jpg

    wo nach meinem Empfinden etwas erzählt wird, was über Wasser+Steine+Pflanzen+Fische hinausgeht. Das sollte im Prinzip doch mit Wasser+Steine+Korallen+Funktionstiere auch möglich sein, oder?

    Hat jemand vielleicht Fotos von seiner Meinung nach ästhetisch besonders gelungenen Würfeln unter 100 Liter? Also nicht das Kriterium, dass besonders schwierige Tiere gepflegt werden, oder besonders viele, oder einzelne besonders exotische. Sondern wo das Gesamtkunstwerk einfach besonders schön ist.

  • Hm, so richtig weiß ich noch nicht, was du meinst. Ich kenne mich mit Süßwasser überhaupt nicht aus, aber zumindest ist es im Meerwasser so, dass sich die Beckenoptik durch das Korallenwachstum permanent verändert. Auch der "poetischste" Riffaufbau ist irgendwann zugewachsen...

    Anbei mal ein Foto von unserem ersten Becken. Kein Würfel und brutto 112l, aber na ja :winking_face:

  • Hallo Anja,

    Ich betreibe beides, Riffaquaristik und Aquascaping a la Amano.

    Ich denke, es ist grundsätzlich möglich, aber es wird dir nicht den gleichen spass machen wenn du ein Riff aufbaust und darin nur xenien hast und als blickpunkte zB einige enzmann äste! Dazu wachsen die meerestiere langsamer als irgend ein glosso-teppich, pflanzenbecken kannst du richtig in Form schneiden, ich denke bei den korallen sind viele froh wenn sie überhaupt wachsen, die werden dann ihre Schützlinge kaum beschneiden!

    Wenn, dann am ehesten mit weichen wie hier auf dem video, das wäre für mich ein riffscape: http://youtu.be/4pl82HUpUtU

    Gruss
    Matthias

  • Nach viel Lesen im Forum und Gucken von Meerwasser AQ Fotos ist mein vorläufiges Fazit, dass sich die Prinzipien der ästhetischen Gestaltung von Süsswasseraquarien nur sehr begrenzt auf MW Aquarien übertragen lassen. Nämlich nur in sehr grossen Aquarien, weil sonst einfach die Proportionen Tier zu Behälter nicht stimmen.

    Korallen und Co sind einfach zu gross, oder werden in kurzer Zeit zu gross, um in Aquarien unter 500 Liter durch eine grosse Zahl gleicher Art eine Wirkung von Weite und Grosszügigkeit zu entfalten. Gerade auch der negative Raum ist bei Nanoaquarien kaum zu realisieren. Beim Süsswasser kann durch Wahl der Pflanzen und Gestaltungselemente (Miniwurzeln, die wie Bäume wirken, kleine Steine, die wie Felsen wirken) die Relation auch im Nano gewahrt bleiben und durch den negativen Raum die Illusion von Weite erzeugt werden, wenn man eine kleine Zahl Garnelen oder Fische nimmt, die nicht grösser als 4 cm werden.

    Beim MW AQ unter 100 Liter ist es wohl zwangsläufig immer nur ein mehr oder weniger geschickt gestalteter Steinhaufen mit vielen bunten Korallen und Co., der praktisch das ganze Becken dominiert und dadurch schon nach kurzer Zeit einen Eindruck von Enge und Überfüllung durch ein Sammelsurium vermittelt.

    Oder habe ich da Möglichkeiten übersehen?
    Oder gibt es Korallen, Krustenanemonen usw., die im Durchmesser von ein oder zwei Euro bleiben? Nicht höher als 5 cm werden? Oder einen Teppich bilden können von max. 2 cm Höhe? Oder kann man durch vertretbare „gärtnerische“ Eingriffe die Tiere so klein halten?

  • Hallo Anja,

    ich denke auch, dass ein ansprechendes Meerwasseraquarium um die 100l schwer zu realisieren ist, wie aber durchaus einige Nanos beweisen, dass es auch klappt.

    Hab mich aber durch deine Fragestellung an den "Fossa und Nielsen Band Nr. 2" erinnert - da werden verschiedene Aquariengestaltungen angedacht. Wenn ich mich recht erinnere in etwa Gestaltungsmöglichkeiten ala
    -normales Riff
    -die Riffschlucht
    -die Sandzone
    -ein Höhlenaquarium,...

    Man kann also durchaus verschiedene Riffausschnitte darstellen - zBsp Sandzone:
    ein Aquarium mit nur wenige Steine im weißen Sand, bei einem darunter eine Höhle mit Symbiosegrundel und Krebs, vielleicht mit ein paar Keniabäumchen darauf, welche durchaus gekürzt werden können od. so ähnlich. Die Rückwand mit Riffkeramik oder Riffdeko, worin die Technik untergebracht ist, dazu ein paar grabende Seesterne oder Seegurken - da hättest du dann einen speziellen Riffausschnitt.

    mfg

    Michael

  • Hi,

    So wirklich auf dem Punkt gebracht .... Weiß ich nicht was du möchtest.

    Willst du nun Meerwasser einsteigen und es wie Süsswasser aufbauen ? Stören dich, dass die Korallen so groß werden ? Möchtest keine extrem vermischten Tierarten im Becken ? Möchtest du ein Artenbecken ?

    Alsi ich kenne genug Nano Becken und die sehen sehr toll aus.

    Du kannst alles machen was du möchtest. Was du nicht toll findest ist Geschmackssache aber zum Glück kannst du es anders machen (steht jedem frei).

    Ati 8x80w,BubbleMaster 200,DeBary,Kalkreaktor+Ph-Control,2x6105+7095,Sander C50,Pelletreaktor

    Gruß

    Cemil

  • Hallo Michael,

    leider ist die alte Ausgabe vergriffen und die neue noch nicht erschienen.
    Die Idee mit der Sandzone finde ich sehr interessant!
    Gibt es dazu Fotos im Netz?

    Viele Grüsse
    Anja

  • Muss ich mal machen wenn ich bei Kollegen bin aber du findest auch genug über google.


    Hier 35 liter kann auch gut aussehen

    http://www.reefnews.eu/wp-content/uploads/2010/05/edge2.jpg

    Oder


    http://crusta.de/wp-content/upl…_meerwasser.jpg
    Oder
    60L

    http://www.korallenriff.de/bilder/galerie/gross/5588.jpg

    Wie gesagt für weiteres soehe google

    Ati 8x80w,BubbleMaster 200,DeBary,Kalkreaktor+Ph-Control,2x6105+7095,Sander C50,Pelletreaktor

    Gruß

    Cemil

  • Hallo Anja,

    Fotos kann ich leider keine anbieten.
    Ich glaub auch nicht, dass wirklich viele solch ein Becken realisieren, da die Vielfalt des Riffs doch sehr verlockend ist.
    Aber zum Thema Sandzone wurde im Forum schon einiges diskutiert und event. sind auch ein paar Fotos von realisierten Projekten enthalten.

    mfg

    Michael

  • Hallo zusammen,

    ich schalte mich hier auch mal rein. Praktisch ist es leider so, dass wir in der Meerwasseraquaristik schon nur Steinhaufen mit Tieren haben, auch wenn der eine oder andere denkt, mit Riffkeramik da ganz andere Strukturen zu bauen. Praktisch sehen auch diese Becken selten anders aus, je kleiner das Aquarium um so schlimmer.

    Aber es gibt schon Gestaltungsmöglichkeiten wie Sandzonen, Riffschluchten, Höhlen und man findet immer wieder Aquarien erfahrener Aquarianer, die diese Steinhaufen vermeiden. Mit blauen Rückwänden (in der Riuffschlucht oder Höhle) kann man die Illusuion der Tiefe erzeugen, dem wirkt allerdings die optische Verkürzung durch das Salzwasser entgegen. Leider finden sich heute kaum noch Aquarien mit speziellen Artengruppen wie Karibikbecken, Seegraswiesen und was mich noch mehr stört sind die vielen Bonsai-Anlagen mit vielen Korallen aber nur kleinen Tieren, die dann ständig abgebrochen und zerschnitten werden. Dort frage ich mich dann, warum will jeder Aquarianer, dass seine Korallen schnell wachsen. Ist dass überhaupt notwendig? (Im Laden bekommt man die Ableger heute ohnehin kaum noch abgenommen).

    Was praktisch gar nicht in der MeerwasserAquaristk versucht wird, natürliche Artengemeinschaften zusammenzustellen. z.B. gibt es im Roten Meer eine Tiergesellschaft aus Feuerkorallen, die im unteren Bereich durch Rhodactis -Scheibenanemonen und Xenia ergänzt werden. Hier ist von seiten der Wissenschaft noch Beobachtungsbedarf - wie sich die tiere verhalten und gegenseitig beeinflussen. Aquarianer könnten da Pionierarbeit leisten.

    Sehr interessant sind auch die Blickwinkel in ein Aquarium . Ich habe mal 2 Riffschluchten gesehen (habe ich nur als Dia), da haben die Aquarianer die kleine Seitenscheibe als Sichtfenster genutzt und die becken längs rechts und links bis oben als Canyon dekoriert - war geil, erfordert aber einen extrewmen Aufwand in der pflege.

    2. Beispiel: In Bochum gab es mal ein Becken, wo unten nur eine sandfläche existierte mit wenigen Steinen (Korallen und Algen) aber darüber eine ca. 1, 20 m hohe Wassersäule stand (Maße aus der Erinnerung). Das Becken war speziell mit Licht ausgeleuchtet und die hohe Wassersäule fand ich damals genial.


    Ich hänge mal ein paar Bilder mit Kommentaren an, die hoffentlich etwas davon zeigen:

    hier mal eine Blaukammer für Schwämme und azooxanthellate Korallen

  • Hier mal eine Pfeilerdekoration bei mittigen Riffaufbau, interessant sind die Tiefenwirkungen , wenn man seitlich am Riff entlang schaut.


    und ein Becken mit einem ähnlichen Aufbau wie in der Natur (oben Korallen unten scheiben) hier bringt die Masse der Tiere die Wirkung

  • Hallo,

    auch ich habe mir während der Planung meines Beckens viele Gedanken zum Thema Struktur, Steinhaufen, Höhlen, Überhänge, Tiefenwirkung und Wahl der einzubringenden Steinmenge gemacht. Die (auch heute noch) oft zu sehenden "Steinhaufen" entsprechen nicht meinem Geschmack. Zum einen wirkt dadurch selbst ein großes Becken gedrungen, zum anderen bleibt den Fischen kein Schwimmraum, keine optimalen Revier- bzw. Sichtgrenzen und keine Schlafplätze. Außerdem mag ich die Sammlung möglichst vieler Korallen nicht, die dann künstlich klein gehalten werden, damit sie sich nichts antun. Ich mag es lieber etwas "natürlicher" - was immer das heißen mag. Aus meiner Sicht eben abwechslungsreich, größere Korallenstöcke (okay, man braucht Zeit und Geduld, aber das habe ich beides), die sich auch mal berühren dürfen oder durcheinander wachsen. Und eben Strukturen und Wohlfühlbereiche für die Fische.

    Die Nachbildung eines bestimmten Riffbereiches war nicht mein Ziel. Sehe mein Becken auch eher als Mischbecken von Weich-, Steinkorallen und eben auch Krusten, Scheiben etc.
    Habe aber versucht, möglichst viele Nischen zu besetzen, die sich auch in der Natur finden lassen. Große Anzahl von Herbivoren im Bereich der Fische, Schnecken, Einsiedler und Krabben. Tiere für den Boden wie Archaster, Nassarius und Babylonia. Große und kleine Fische in (in meinen Augen) ausgewogenem Verhältnis.

    Und das ist dabei herausgekommen... :smiling_face:

    Ina

  • Hallo,

    Anja:
    Oder gibt es Korallen, Krustenanemonen usw., die im Durchmesser von ein oder zwei Euro bleiben? Nicht höher als 5 cm werden? Oder einen Teppich bilden können von max. 2 cm Höhe? Oder kann man durch vertretbare „gärtnerische“ Eingriffe die Tiere so klein halten?

    Sicherlich kann man auch auf kleinere Tiere zurückgreifen, die unbenommen auch irgendwie zu einem Nano passen. Vorausgesetzt die Bedingungen für ein optimales Wachstum bleiben auch in diesem Milieu stabil, was man bei einigen kleineren „Einmachgläsern“ durchaus in Frage stellen kann (Problem der Wärme/Verdunstung usw.).
    Größtenteils wird aber doch versucht nach persönlich ästhetischem Empfinden ein Becken einzurichten. Den Versuch der Kopie eines Biotops gilt für Süß- und Salzwasser-Freaks gleichermaßen. Dabei sind uns durch die besonderen Bedürfnisse der Tiere und der vorhandenen Beckengrößen Grenzen gesetzt. Fast jeder winzige, unscheinbare Ableger wird sich im Laufe der Zeit zu einem prächtigen Tier (Pflanze) entwickeln. Oft von der Wuchsform noch anspruchsvoller und/oder von den Farben noch intensiver. Für viele bleibt dieses Ziel erstrebenswert, weil sie dadurch Einblicke in die verschiedenen Stadien der Entwicklung und der arttypischen biologischen Lebenszyklen ihrer Spezies bekommen. Ob dieses Erlebnis auch mit einem Nano so möglich sein wird? Mit einem entsprechenden Gestaltungswillen lässt sich (fast) jedes Aquarium nach Weite und Großzügigkeit gestalten. Nur unterhalb einer gewissen Größe beginnt manches lächerlich zu wirken. Eine gewisse Relation zur Vielfalt eines natürlichen Biotops sollte schon gegeben sein.
    Bei der Betrachtung des Riffs in der Natur ergeben sich, natürlich je nach Blickwinkel, auch die verschiedensten Perspektiven. Die meisten Aquarianer unterziehen sich der Mühe, so etwas bis ins Detail nachzuempfinden. Mehr oder minder gelungene Aquarien sind das Resultat und wahrscheinlich auch die Normalität in unserem Hobby.
    Aber niemand würde auf den Gedanken kommen, dafür gleich einen Kurs in Innenarchitektur in Anspruch nehmen zu müssen.

    Gruß
    Hajo

    Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
    Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
    aber aufhören zu leben.
    (Mark Twain)

    Wenn ich die See seh, brauch ich kein Meer mehr!

  • Hallo Ina,

    was mir gefällt an deinem AQ ist die gewisse „Luftigkeit“ und die Sandflächen. Aber es scheint auch über 100 l zu haben, was ich als obere Grenze für Nano sehen würde.
    Wie alt ist das AQ auf dem Foto?

    Gruss
    Anja

  • Hallo Anja,

    genau diese "gewisse Luftigkeit" wollte ich auch erzeugen. Hat demnach geklappt. :grinning_squinting_face:

    Zu Deinen Fragen:

    Das Becken fasst knapp 800 Liter und hat auf dem Bild etwa eine Standzeit von 1,5 Jahren.

    Ina

  • Um mein Anliegen besser zu erklären, (nicht um AQs von Besitzern mit anderem Geschmack runterzumachen), hier mal nach den Versuchen zu erklären, was mir gefällt, jetzt ein Versuch was mir NICHT gefällt:

    Pfeilerdekoration: die grossen gelben Fische wirken in dem kleinen AQ wie in Gefangenschaft, der Pfeiler wirkt aus der Balance und kopflastig

    Blaukammer: blauer Fisch (wie oben gelbe Fische) einfach zu gross für so ein kleines AQ (ich rede nur von der ästhetischen Wirkung, nicht darüber, ob der Fisch sich wohl fühlt oder nicht) , kein negativer Raum der Spannung aufbaut, stattdessen eine langweilige Mauer

    Riffschlucht: Aufbau links und rechts finde ich gut gelungen (wenn die Sandfläche vor der Schlucht frei wäre und nicht mit für den Vordergund viel zu grossen Tieren vollgestellt wäre, ergäbe sich vielleicht sogar ein blickleitender Sandweg durch die Schlucht, dem man gerne entlang tauchen würde), aber die beiden riesigen Tiere links und rechts nehmen dann doch wieder vieles vom Eindruck einer tiefen Schlucht, so dass es dann doch nur eine kleine Kerbe zwischen zwei Aufbauten ist

  • hi anja,

    nun, jeder macht seine ästetik, wie's ihm gefällt.

    ein mewaaqua mit "bonsaikorallen" im "nanotank" funzt nur im kleinen, zeitlichen rahmen, da die teile einfach weiterwachsen und durch beschneiden nicht in einer natürlichen form gehalten werden können.

    je kleiner das becken, je kleiner die auswahl von tieren und um so schwieriger ein wirklich "natürliches" umfeld zu gestalten.

    die "amano" becken stellen ja nur infolge der kleinbleibenden und kurzgehaltenen pflanzen eine art verkleinerte uw-landschaft da.

    sie erheben ja nur bedingt anspruch auf wirkliche natürlichkeit eines biotopausschnitts.

    klar, es lassen sich n paar steine ins 60-liter-"riff-becken mit etwas sand drum herum einbauen und mit
    einem partnergrundelpaar mit knallkrebs besetzen....aber das mag wahrscheinlich nicht deiner vorstellung einer ästetik dieses natürlichen riffbereichs entsprechen.

  • Hi Anja,

    was ich mich gerade fragen musste und vielleicht hast du es auch schon geschrieben, aber hast du solche Becken mal live gesehen? Ich finde Aquascaping-Becken auch recht hübsch, aber manche wirken mir viel zu surreal und überzogen (nebenbei hab ich noch Süßwasser).

    Viele Grüße,
    Björn

  • Jo,

    danke, du bringst die Sache für mich als Anfänger gut verständlich auf den Punkt:

    „ein mewaaqua mit "bonsaikorallen" im "nanotank" funzt nur im kleinen, zeitlichen rahmen, da die teile einfach weiterwachsen und durch beschneiden nicht in einer natürlichen form gehalten werden können.“

    Ich hab es mir fast gedacht, frage aber trotzdem noch nach:

    Welche „bonsaikorallen“, Bonsaianemonen und BonsaiCo kämen denn noch am ehesten in Betracht für Nano 60 l? Oder gibt es da wirklich gar nichts, was tendenziell etwas kleiner bleibt, was man mit gutem Gewissen beschneiden kann, und was trotzdem in einer ansehnlichen Form bleibt?

    „partnergrundelpaar mit knallkrebs“ mit „n paar steine .. mit etwas sand drum herum“ fände ich super, wenn die Steine nach den Prinzipien japanischen Gestaltungslehre gesetzt werden . Dann noch ein paar „bonsaikorallen“ oder so , und ich könnte mir vorstellen, dass es gelingt wenigstens Weite und Grosszügigkeit zu erzeugen und dass die Fische (Grundeln) nicht wie durch Gefangenschaft beengt wirken.

    Gruss
    Anja

  • Hallo Björn,

    das finde ich atemberaubend in der Spannung des negativen Raumes, der perfekten Lage des Hauptsteines, der Neigung des Kontersteines, der Fortführung der Wellenbewegung der Rotala durch den Nebenstein, usw.

    http://www.aquatic-gardeners.org/ADA2006_images/larger/1_lg.jpg

    Wenn man das als Vorlage im weitesten Sinne für eine Art Riffschlucht nehmen würde, welche Korallen und Co kämen da in Frage? Wenn das in einem Nano nicht ginge, aber in einem grösseren Mewaaqua wenigstens annähernd, würde mich das auch sehr interessieren.

    Gruss
    Anja

  • Hallo Anja,

    ich glaube auch, dass wir von Äpfeln und Du von Birnen redest. Nicht böse sein, nicht negativ gemeint. Aber (auf mich bezogen) wir Meerwasseraquarianer lieben ja gerade das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Lebensformen im Riff. Wir freuen uns, wenn die Korallen wachsen und irgendwann ihre natürliche Wuchsform annehmen. Oder wenn Fische von Putzerfischen oder -garnelen umsorgt werden. Oder wenn Fische, Garnelen, Krebse, Würmer, Korallen und sonstige Wirbellose in einer "naturähnlichen" hohen Dichte harmonisch miteinander, voneinander und durch einander leben. Sicherlich spielt immer auch die Optik eine große Rolle, aber das was Du meinst, wird wahrscheinlich so direkt im Meerwasserbereich nicht richtig funktionieren.

    Wie ich lese, hast Du Dich mit der Thematik "Meerwasser" auch noch nicht soooo ausgiebig beschäftigt. Wenn man in den Anfängen froh ist, dass überhaupt die erste Steinkoralle wächst und nicht stirbt. Oder wenn sich das erste Mal eine Garnele unbeschadet gehäutet hat. Das alles hast wahrscheinlich noch nicht erlebt.
    Dann ist das "In-Form-Halten" von Korallen echt Dein kleinstes Problem :grinning_squinting_face:

    Wie gesagt, nicht böse gemeint, aber vielleicht solltest Du Dich doch erst mal mit der ganzen Materie etwas intensiver beschäftigen.

    Ina

  • Hallo Ina,

    du hast völlig Recht, denn ich habe von der ganzen Materie praktisch keine Ahnung. Deshalb ja auch meine Fragen hier im Forum.

    Auch mich interessiert total das Verhalten von Tieren, z.B. Symbiose Grundel-Krebs. Aber nur in einem Umfeld, das mich auch ästhetisch anspricht und wo ich nicht das Gefühl habe, dass die Tiere stark eingeengt sind und sich eigentlich mehr bewegen wollten.

    Im Süsswasser war mir das gelungen. Vor allem Weite und Grosszügigkeit sind mir wichtig. Habe nur Fische in Becken getan, die je nach Schwimmfreudigkeit der Fische mindestens 20 bis 30 mal länger waren als der Fisch. In kleinen Becken waren halt nur Garnelen. Das Gärtnern war möglich, ohne die Pflanzen in ihrer Gestalt zu deformieren. Tote Tiere wegen falscher Haltung gab es praktisch nicht. Damit hätte ich bei häufigerem Vorkommen auch ein ganz grosses ethisches Problem.

    Wenn mir das nach meinen Prinzipien unmöglich im MW AQ erscheinen sollte, lass ich das Ganze. Wenn nicht, käme der nächste Schritt: Konzeption des AQs, theoretische Auswahl der Tiere, Infos über die Technik usw. Da hätte ich dann noch tausend Fragen.

    Um es mal sehr zugespitzt zu sagen: so wenig ich Süsswasseraquarien mag, die wie eine Fischsuppenschüssel aussehen, so wenig mag ich vollgestopfte MW AQs, wo alle naslang was stirbt lange vor seiner Zeit, ständig neuer Ersatz gekauft wird, mehr ein Sammeltrieb befriedigt wird usw.

    Gruss
    Anja

  • Hallo Anja,

    ich bin da eigentlich ganz bei Dir. Auch ich versuche meinen Tieren ein Umfeld zu bieten, das sie nicht zu sehr einengt (soweit es ein AQ mal überhaupt zulässt). Das meinte ich auch mit "Luftigkeit". Eben die Umsetzung einer lockeren, abwechslungsreichen Struktur, in der verschiedene Lebewesen ihre Nischen und "Wohnräume" finden.

    Für meinen Geschmack ist es mir mit meiner Umsetzung ganz gut gelungen. Andere werden das natürlich wieder anders sehen. Wenn ich Dich richtig verstehe, dann möchtest Du eben auch ein gut funktionierendes AQ mit einer entsprechenden Optik. Natürlich ist dieses schwerer je kleiner ein Becken ist. Das betrifft auf der einen Seite die Biologie, die natürlich in einem größeren Becken besser ins Gleichgewicht kommt und dort auch bleibt. Auf der anderen Seite ist eine lockere Struktur in einem größeren Becken in meinen Augen auch etwas besser zu erreichen. Müssen ja nicht gleich 1000 Liter sein - aber 100 Liter sehe ich da schon eher als absolutes Minimum.

    Mir gefällt zum Beispiel auch das Becken von Christiane weiter oben sehr gut. Dort ist in meinen Augen in einem relativ kleinen Becken ein schöner, harmonischer und luftiger Aufbau gelungen.

    Ina

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