Hallo Community,
ohne jetzt den schon recht langen Ursachenforschungsthread im Detail durchgearbeitet zu haben ...
Beim Überfliegen dieses Themas vermisse ich grundlegende Anmerkungen über den Stamm Cyanobacteria. Die Mehrzahl ihrer Vertreter - wenn nicht alle - sind entweder überhaupt Pionierlebewesen, die als Erstbesiedler einen Lebensraum für anderes Leben erst aufbereiten, oder sie besiedeln Nischen, in denen sich andere Organismen nicht behaupten können.
Ihre Anpassungsfähigkeit macht sie so erfolgreich, und trotzdem werden sie im Aquarium - wenn man der Natur die nötige Zeit lässt - in der Regel nach einiger Zeit von anderen Organismen abgelöst. 'Wirksame' Mittel werden den Prozess höchstens unterstützen und verkürzen, niemals aber die Cyanobakterien 'vernichten'. Oder lieg ich da falsch?
Dass es so schwierig ist, ein Patentrezept zu finden, liegt wohl daran, dass es mehrere unterschiedliche Ursachen für den Umstand gibt, dass sich Konkurrenten nicht etablieren können. Geh ich in dem Zusammenhang von den Nitrifikanten aus, dann brauchen die Sauerstoff, und sie sind lichtscheu. Beides Faktoren, die in völlig gegensätzlich erscheinenden Aquarien zu 'Cyanoplagen' führen. Vermutlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Ursachen, warum die Biologie nicht wie gewünscht in die Gänge kommt.
So wie ich es versteh kann's nicht darum gehen, Cyanobakterien aktiv zu bekämpfen, sondern nach Faktoren zu suchen, die ihren Konkurrenten Vorteile bringen. Nach meiner laienhaften Vorstellung steht es in Aquarien mit einem Sauerstoffdefizit auch mit Schwefelbakterien im Zusammenhang. Eigene Beobachtungen in der Vergangenheit zeigen, dass gesteigertes Cyanowachstum mit vergleichsweise niedrigem Redoxpotenzial (< 200 mV) einhergeht und häufiger H2S-Herde entstehen. Was dabei Ursache ist und was Wirkung vermag ich nicht zu beurteilen, aber in derartigen Fällen hilft es gewöhnlich, die Beläge samt den obersten 1-2 mm der Substratschicht abzusaugen.
Eine andere Beobachtung (die vermutlich zu den von Bernd Koberstaedt erwähnten physikalischen Ursachen gehört) ist der Umstand, dass sich Feinpartikel organischen Ursprungs mitunter an Substratoberflächen anlagern als ob hier eine besondere Anziehungskraft bestünde. Auch da gedeihen (rote) Cyanobakterien in der Folge besonders gut. Auffallend ist dabei auch eine spürbare Temperaturerhöhung des Wassers. Substratoberflächen mit einem 'gesunden' Bakterienfilm wirken hingegen geradezu 'schmutzabweisend'. Gibt's dafür eine Erklärung?
Falls diese Frage in dem Ursachenthread schon beantwortet wurde, ich das aber angesichts des abschnittweise sehr hohen Levels übersehen habe: Nehmt mir das bitte nicht übel, sondern verweist einfach darauf. Dann versuch ich's noch einmal dort ![]()
Liebe Grüße
Linda
