Meerwassertreffen in Timmendorf am Wochenende 5.-7. September

  • Auch in diesem Jahr findet selbstverständlich wieder eine Ostsee - Exkursion in Timmendorf auf der schönen Insel Poel bei Wismar statt. Nun schon zum 53. Mal treffen sich Meeresaquarianer aus ganz Deutschland und hoffentlich wieder aus Nachbarländern zum gemeinsamen Tierfang, Fachsimpelei, Exkursionen und selbstverständlich auch gemütlichem Beisammensein.

    Es werden wieder "Profis" aus dem Aquaristikbereich dabeisein, ansonsten werden natürlich diverse Langzeitaquarianer mit Geschichten aus der „guten alten Zeit“ und jede Menge Erfahrung aufwarten können.


    Samstag Abend gibt es dann gegrillte Lachsforelle, damit man auch kulinarisch die Ostsee schätzen lernt.


    Ich selbst werde für Technikinteressierte wieder ein paar brandneue technische Entwicklungen zum Ausprobieren dabeihaben, diemal unter anderem die neue elektronische 8000 Liter Pumpe von Aquabee, die unter Vollast gerade mal 50Watt verbraucht


    Treffpunkt und zentrale Anlaufstelle ist das große weiße Festzelt auf dem Zeltplatz Timmendorf, welches vom Eingang am Leuchtturm gut sichtbar ist.
    Einfach vom Hafen aus links abbiegen zum Zeltplatz, dort durch das grüne Tor, dann ist das Zelt schon sichtbar. Darin wieder diverse Aquarien mit allerlei interessantem Meeresgetier.


    Wer uns nicht findet oder Fragen hat, kann mich einfach unter 0381 2002094 anrufen, das Handy ist immer empfangsbereit. Die Mitarbeiter am Zeltplatzeingang, geben natürlich auch gern Auskunft.


    Wer also Interesse hat, kann einfach vorbeikommen, wir sind von Freitag, den 5.9. bis Sonntag, den 7.9. vor Ort, einige auch bis Montag.

    Kinder sind sehr willkommen. Für die Lachsforelle wird ein kleiner Unkostenbeitrag von 5€ erhoben, der Rest ist selbstverständlich frei.


    Wer zusammen mit uns zelten möchte oder noch ein paar Impressionen braucht, erfährt hier alle Einzelheiten:


    http://www.campingplatz-leuchtturm.com


    Natürlich gibt es auch Zimmer oder Ferienwohnungen in unmittelbarer Nähe.


    Wir freuen uns auf viele schöne Fachsimpeleien und erfolgreiche Fänge.

  • Ja diesmal wird es um einige spektakuläre Schauaquarien der Welt gehen, unter anderem aus Japan. Da das Wetter aber nochmal richtig sommerlich werden soll, wird sich das Meiste wohl draußen abspielen, vom Meert kann man als MEERESaquarianer schließlich am meisten lernen.

    Wir werden sicherlich einmal die Seegraswiesen direkt am Zeltplatz und zum anderen die Steilküste links neben dem kleinen Hafen "betümpeln":

  • Verdammich...
    Was habt Ihr alle gegen Wattenscheid und Currywurst? :grinning_squinting_face:

    MfG
    Björn

    -------------------------------------------------------------
    Wisst ihr, was das tragische an Kanada ist?

    Die hätten französisches Essen, britische Kultur und amerikanische
    Technologie haben können, aber die haben französische Technologie,
    britisches Essen und amerikanische Kultur bekommen.

  • Moin,

    Currywurst in Verbindung mit Wattenscheid, mhhhh hat was.

    Aber jetzt zieht es mich erst einmal auf diese Insel :winking_face: . Mal hoffen das die Bahn einigermaßen frei ist.. Ab auf die Insel..... :grinning_squinting_face:


    Gruß Stefan

    Viele Grüße
    Stefan


    Wer andere schlecht machen muss, um besser dazustehen, beweist damit anschaulich, das in seinem Leben einiges verkehrt läuft !!

    Armut und Reichtum wohnen nicht im Hause, sondern im Herzen der Menschen.

    ________________________
    Becken : 2,0x60x60 , Technikbecken 160l, Bel. Ultra Solaris 6 x 80W, Abschäumer Aqua Medic, Heizung : Heizspirale an der ZH

  • Oh Mann, hoffentlich bist Du nicht eher da als ich - der übliche Freitagsstreß mal wieder, als ob den Leuten das nicht auch alles bis Donnerstag einfallen würde. Na bin gleich dort, dann wird das große Festzelt aufgebaut, damit jeder weiß, wo wir überhaupt sind!

    Bis gleich

    KORALLENWELT - gegr. 1993 - Torsten Luther - Inhaber
    Tätigkeitsschwerpunkte: Aquariendekorationen, Abyzz Pumpen, Propellerpumpen, Großanlagen, Planungen

  • Erster

    Viele Grüße
    Stefan


    Wer andere schlecht machen muss, um besser dazustehen, beweist damit anschaulich, das in seinem Leben einiges verkehrt läuft !!

    Armut und Reichtum wohnen nicht im Hause, sondern im Herzen der Menschen.

    ________________________
    Becken : 2,0x60x60 , Technikbecken 160l, Bel. Ultra Solaris 6 x 80W, Abschäumer Aqua Medic, Heizung : Heizspirale an der ZH

  • Naja, es dauert ja auch etwas, bis man solch ein Expeditionsauto vollgestopft hat - dafür Ankunft bei schönstem Sommerwetter und das Zelt mit vereinten Kräften aufgebaut!

    Stefan, was hätte ich ohne Dich gemacht....

  • Nach gemütlichem Eintrudeln am Freitagabend setzt sich der Troß dann am Samstag früh in Bewegung. Wir sind zu dem Zeitpunkt sicherlich die ungewöhnlichsten Strandbesucher, werden aber immerhin von einer echten Hansekogge empfangen:

  • Hallo zusammen,
    das Treffen auf der Insel Poel hat dieses Jahr wieder sehr viel Spaß gemacht ... sogar meiner Frau :winking_face:
    Besonders hervorzuheben war der leckere Fisch am Samstag Abend. Danke Torsten! Die anderen Höhepunkte wie z. B. der Erfahrungsaustausch, die Vorträge, das fangen und bestimmen der Garnelen und Fische usw. waren natürlich auch wieder sehr interessant. Ich hoffe, dass ich mich 2015 wieder mit euch treffen kann.
    Schöne Grüße
    Mirco

  • Klar, sollst mal sehen, wie schnell sowas zu einem festen Termin im Leben wird...
    Wobei natürlich das Wetter diesmal prima mitgespielt und Poseidon ein Einsehen mit uns hatte. Es ist natürlich auch etwas ganz anderes, Tiere in Pflege zu nehmen, die man wirklich selbst gefangen, behutsam nach hause transportiert und selbst sehr lange an Aquarienverhältnisse gewöhnt hat. Das ist schon etwas Anderes, als einen Zehner an der Ladenkasse zu bezahlen.
    Unter fachmännischer Anleitung weiß man ja auch, wo man suchen muß, auch den der Keschermeister noch etwas skeptisch dreinschaut:

  • Auf geht´s zunächst in die Seegraswiesen - immer ein sehr interessantes Biotop. Das Meer an diesem Samstag wie ein Spiegel, das ist selbst für uns Einheimische bei 24°C doch eine Seltenheit. Somit ist die Fangaktion ein Kinderspiel. Hier sieht man gleich zwei verschiedene Methoden der Erfassung: einmal mit dem Großkescher und vorn im Bild eine automatische Planktonpumpe.
    Dredge - ziehen durch die Seegraswiese ist bei uns immer sowas wie die Neptuntaufe der neu Hinzugekommenen. Hier hat Herr Schäfer junior - selbstverständlich unter sachlicher Beaufsichtigung - leichtes Spiel:

  • Mit "geballter Marubis Power" wird das Meer beklaut und der Fang grob gesichtet:

  • Die besten Kapitäne stehen natürlich, wie immer, an Land....
    Bei der Fangauswertung sollte es schnell gehen: Der gesamte Fang wird sortiert und in unterschiedliche Gefäße verbracht, durchbestimmt und ausgezählt. Mit Handkeschern noch überschaubar, aber bei großen Dredgen oder Strandwaden wird jede helfende Hand gebraucht. Eine solche Arbeit kommt natürlich auch bei normalen Strandbesuchern gut an. Langgediente kennen die Fragen schon, aber wir haben ja auch genug Profis aus öffentlichen Schauaquarien dabei, die sind einiges von Laien gewöhnt:

  • Schon direkt am Ufer beginnt ein schönes Habitat, welches vor allem durch Darmtang (hervorragendes Futter für unsere Doktorfische und "Selbstgefangenes" schmeckt natürlich viel besser!) und verschiedene andere Grün- und Braunalgenarten geprägt ist. Schon im knöcheltiefen Wasser findet man langschnäuzige Seenadeln, die sich prima auch in warmem Wasser halten lassen, solange die Futterkonkurrenz nicht allzu groß ist.
    Jeder pickt sich die für ihn interessanten Sachen heraus.

  • Harold, Du hast ja auch einen unglaublich weiten Weg.... leider waren wir dann diesmal OHNE INTERNATIONALE Beteiligung.
    Hier die ersten Fangergebnisse aus der Seegraswiese:

    Erfreulich, daß es wieder beide Garnelenarten Palaemon squilla UND P. elegans in großen Mengen gibt, man dachte in den letzten Jahren ja fast, daß die eingewanderte elegans unsere ursprünglich einheimische P. squilla ganz verdrängt, was man überall an der Küste beobachten konnte. Ähnliches ist ja derzeit fast von der eingewanderten Schwarzmundgrundel zu befürchten, die wesentlich robuster und größer sind, als unsere bisherige Schwarzgrundel, Gobius niger.
    Die Garnelen halten sich wunderbar auch im Riffbecken und zumindest die P. elegans sieht ja auch toll aus.
    Schwimmgrundeln, Gobiusculus flavescens, sind ebenfalls schöne Mitbringsel.


    Strandkrabben bleiben besser da, wo sie sind, insbesondere, wenn sie fast das Ausmaß eines 25kg Salzeimers annehmen...

    Musashi habe ich leider nicht gefangen, der ist mir eher so zugelaufen und unser alljährliches Fangmaskottchen!

    Viele Aquarianer nutzen auch wildgefangene Algen im Refugium oder einfach als Futter für die zuhausegebliebenen Doktorfische. In solch einem Biotop, wie dem oben abgebildeten wird es im Sommer schnell mal 30°C warm. Man muß die Mitbringsel aber natürlich sehr lange, möglichst 24 Stunden, an den deutlich höheren Salzgehalt anpassen.

  • Bilder

  • Genauso wichtig, wie die Meeresbiologie ist natürlich das gemütliche Beisammensein, besonders ausgiebig natürlich in den Abendstunden. Schon legendär ist mittlerweile die Sonnabend - Abend - Meerforelle vom Grill! Natürlich aus der Ostsee und ökologischer Aquakultur.
    Blindgeschmackstests mit richtigen Profis aus dem Seafood Bereich haben übrigens keinen Unterschied zu norwegischem Zuchtlachs oder Ostsee Wildlachs ergeben - das ist ja auch mal was!

    Hier mal ein richtiger Profi bei der Vorbehandlung, danach versuche ich mich noch im Würzen.
    Alles selbstverständlich unter den wachsamen Augen des Marubis - Vorstandes und Musashi...

  • Ich übernehme tradionell den verantwortungsvollsten Teil der Veranstaltung: die Essenszuteilung! Da darf nix schiefgehen, sonst wird der Koch am nächsten Tag Kielgeholt...
    Wenn alles gut läuft, stehen dafür die Frauen Schlange - ist ja auch was!

    Natürlich nur, wenn nix anbrennt...

    ... und man bekommt life am Grill die Diskussionen über guten oder schlechten Geschmack mit - über den sich ja bekanntlich NICHT streiten läßt:

  • Ein weiteres Highlight sind natürlich auch immer die Fangaktionen und Fachsimpeleien mit unseren Spezialisten. Hier ist Dietmar in Aktion mit seiner tollen Eigenkonstruktion einer kontinuierlichen Planktonpumpe. Wirklich eine tolle Sache für Züchter und solche, die es werden wollen! Selbstverständlich wird auch alles mit vorhandenen Mikroskopen begutachtet.

  • Natürlich wird für den hinreichenden Erkenntnisgewinn auch immer getaucht und geschnorchelt. Man kann zum Beispiel auch bei spiegelglattem Wasser noch eine Menge über Strömung lernen. Unsere Marubis Jungs in eigener "Uniform" und "fast mit eigenem Boot" - da kann unsereins nicht mithalten, aber las richtiger Jung von´ne Küst braucht man im September noch kein Neopren:

  • Gegenüber den Badegästen haben wir Unterwassergucker natürlich andere Möglichkeiten die Faszination bestimmter Meerestiere zu erleben:

  • Oft sind es auch die kleinen eher unscheinbaren Tiere, die interessanten Diskussions- und Beobachtungsstoff bieten, wie die eingewanderte Schwarzmundgrundel, Seenadeln, die überhaupt nicht im Seegras, sondern auf Sandgrund leben oder die Individuendichte des kleinen Sandkühlings, obwohl die Ostsee eigentlich groß genug ist und ausreichend Platz bietet.
    Schwimmgrundeln sind wirklich sehr anmutige Tiere, siehe auch weiter oben.

  • Torsten...so eine schöne Dokumentation! Daaaanke!

    Ärgere mich mal wieder richtig...hoffentlich hat Mirko genug Garnelen mitgenommen und bekommt bald Nachwuchs (Äh, ich meine natürlich die Garnelen :face_with_tongue: ?

    Und wo bekommt man schon kostenlos so viele durchtrainierte Männerkörper zu sehen...??? :grinning_squinting_face:

    Das die Frauen bei Dir Schlange stehen, hast Du sicher auch so richtig genossen :winking_face:

    Viele Grüße

    Kathrin

  • Und wie, aber bei Mirko kann ich nicht mehr mithalten, obwohl wir, fast 300km auseinanderwohnend, uns putzigerweise NICHT beim Meerwassersymposium, sondern beinahe hier in der Sporthalle beim Punktspiel unserer jeweiligen Zweitligamannschaften kennengelernt hatten - das Leben ist schon komisch!

    Aber solche Tage muß man auch genießen, so schön ist das Meer selten, auch wenn es nur die kleine Ostsee ist, bei jedem wirkt sie auf Ihre Weise:

  • Der letzte Ausflug geht Sonntags immer an der Steilküste rechts vom Hafen entlang. Den genießt jeder auf seine Weise:

  • Hallo Torsten

    Auch von mir hier noch einmal vielen Dank für die Bilder. Nächstes Jahr komme ich wieder, keine Frage. Unterkunft ist schon gebucht. :smiling_face:

    Marine Nachzucht ist eine Chance, wenn man den Mut aufbringt sie zu nutzen.
    Ich entscheide mich für den Mut.

    Gruß Harald

  • Es ist schon unglaublich, wie dicht die einzelnen Exemplare der Sandkühlinge aufeinanderhocken, im Aquarium gäbe es Mord und Totschlag. So hat doch jede Exkusion auch immer etwas Neues, aus dem wir Aquarianer etwas lernen können und genau das macht ja eine solche Veranstaltung auch aus, daß Leute mit verschiedenen beruflichen und aquaristischen Hintergründen sich austauschen, fachsimpeln und ihre Beobachtungen für die Nachwelt festhalten.
    Das ist eben etwas anderes als die hundertste theoretische Meinung aus einem Internetforum.

  • Nach so viel schönem Wetter war es dann am Sonntagvormittag doch etwas bedeckt, aber immer noch über 20°C warm und auch da hat die Ostsee Ihren Reiz. Der Hinweg führt immer am oder im Wasser entlang, zurück geht es oben auf der Steilküste, wo man die Schönheit der Ostseelandschaft nochmal so richtig genießen kann, bevor einen der Alltag zum Wochenbeginn wieder einholt.

    Für mich persönlich bildet dieses Wochenende nun schon seit fast 40 Jahren immer so etwas wie den krönenden Abschluß des Sommers, an dem man sich mit langjährigen Freunden und Gleichgesinnten trifft. Auch wenn das Wetter vielleicht nicht immer so gut mitspielt, wie in diesem Jahr.

  • Abschließend möchte ich noch einen Bericht aus dem Jahr 2000 hier einstellen, den unser damaliger Vorsitzender, Klaus Bischoff, erstellt hat und welcher sehr schön die Motivation der Aquarianer in der Mitte des letzten Jahrhunderts wiedergibt.
    Man konnte eben noch nicht alles im Laden kaufen, Dinge wie "Bakterien" oder "Spurenelemente", diverse Mittel und "Methoden", ohne die manch ein Zeitgenosse heute die Meeresaquaristik glatt für unmöglich hält waren nicht in Ansätzen denkbar und wären wahrscheinlich nur müde belächelt worden.


    In diesem Sinn treffen sich also auch heute noch, 52 Jahre nach der ersten Exkursion, engagierte Meeresaquarianer, egal ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi, zum gemeinsamen Beisammensein rund um die Meeresaquaristik.
    Es ist eine vollkommen zwanglose Veranstaltung, deren Intensität jeder für sich selbst bestimmt, egal ob als tauchender Zeltbewohner, Wochenendausflügler mit Ferienwohnung oder Tagesbesucher. Dabeisein ist, wie so oft alles.


    Vielleicht sehen wir im nächsten Jahr ja noch mehr Forenmitglieder auf der schönen Insel Poel wieder.
    In diesem Sinn: kommt mal alle schön durch den Winter! (Den man ja heutzutage mit Tauchurlauben an fernen Gestaden erheblich verkürzen kann - zumindest emotional!)


    Langzeituntersuchungen im Bereich der Insel Poel in der Wismarbucht


    Als unsere Fachgruppe 1957 gegründet wurde, bekam man wenige Tiere. Die einzigen Quellen waren Müllegger in Büsum, ein alter Freund von T. Kielreuther aus der Vorkriegszeit.

    In Westberlin G. Pietschonka – Lichterfelde, hier gab es Nordsee- und Mittelmeertiere, später auch Korallenfische z.B. kleine Riffbarsche. Das war teuer; der Wechselkurs betrug 1:4 – 1:5. So haben wir uns schon bald um die Tiere der Ostsee gekümmert. Die Beschaffung war günstiger und billiger und man konnte es mit seinem Urlaub verbinden und es waren die gleichen Arten. Zuerst fingen wir mit Brille und Flossen gezielt am jeweiligen Urlaubsort; allerdings war das wenig effektiv. Etwas später wurde mittels Dredge und Schiebekescher gefangen.

    Auf der Suche nach günstigen Fangplätzen sind wir dann 1962 auf Timmendorf, Insel Poel, gestoßen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Im Hafen war auch bei schlechten Wetter und Nachts ein Fang möglich und erfolgversprechend. Die Hälterung der Tiere erfolgte mit Setzkeschern am Steg, idealerweise war der Zeltplatz direkt neben dem Fangort.

    Wir kamen an einem ziemlich stürmischen Tag am 22.9.1962 und fingen in den Seegraswiesen zu fischen an. Auf Anhieb fingen wir an der inneren Mole Grundeln, Seesterne, Seenadeln, Seehasen und Aalmuttern. Dabei waren auch ein Klippenbarsch, einige Flundern und eine Palaemon squilla. Seestichlinge und Seescorpione gingen leider nicht ins Netz.

    Nachdem wir nun regelmäßig im September nach Timmendorf fuhren, stellten wir fest, dass es nicht in jedem Jahr die gleichen oder ähnliche Fangergebnisse gab. So kamen wir 1975 auf die Idee an Hand einer Liste zu dokumentieren, welche Tiere in welcher Menge gefangen wurden. Für die ersten Jahre 1962-1974 liegen daher nur sporadische Aufzeichnungen vor. Es handelt sich um Tiere, die mit nach Berlin genommen wurden.

    Die Methode mit der wir den Bestand ermittelten, ist auf Grund der Zielsetzung unserer Exkursionen nicht besonders wissenschaftlich, da nur an einem Wochenende gefangen wurde und das Wetter ebenfalls eine große Rolle spielt. Ein weiterer, viel zu großer Einfluss waren die unterschiedliche Teilnehmerzahlen und die Intensität mit der gefischt wurde. Der Ehrgeiz bestimmte Tiere zu fangen war in den ersten 20 Jahren größer als in den folgenden Jahren. Außerdem waren wir jünger und konnten noch stundenlang im kalten Wasser stehen.

    In den letzten Jahren fischten wir fast nur noch mit der Dredge, die dann am Strand geleert und die Tiere dann dort sortiert und gezählt wurden. Trotz steigender Teilnehmerzahlen wurde immer weniger gefischt. Als Ausgleich hat sich die Aufenthaltszeit auf der Insel verlängert; man konnte dann auf „schöneres“ Wetter warten.

    Als 1997 der Hafen ausgebaggert und zur Marina umgebaut wurde, stand er uns lange Zeit für Tierfänge nicht mehr zur Verfügung. Das war nicht weiter schlimm, denn nur noch wenige Tiere wurden mitgenommen, da sich nur wenige für die Kaltwassertiere interessierten und diese lediglich als Futter interessant waren (Mysis, Garnelen, Algen).


    Die Ergebnisse sind eine Sammlung von Daten, die man einordnen kann. Wir haben die Tiere in erster Linie nach ihrer systematischen Zugehörigkeit zusammengefasst.

    Die Einteilung erfolgte nach der Gruppierung Zehnfußkrebse, Schlangen- und Seenadeln, Grundeln, Plattfische, Stichlige, diverse Fischarten wie Seehase, Seeskorpion und Aalmuttern.


    Die Schlussfolgerungen

    Anhand der Fangergebnisse lassen sich Rückschlüsse ziehen, welche Arten man mit großer Wahrscheinlichkeit fangen kann, bei welchen Arten man mit Ausdauer fischen muss und welche Arten zu den Seltenheiten zählen. Warum Tiere regelmäßig zu fangen sind oder in manchen Jahren fehlen, lässt sich nicht ableiten. Hier kann man nur spekulieren!

    Gründe dafür könnten sein: Salzwassereinbrüche aus der Nordsee, Wetterbedingungen (Wind, Wellen) oder Wassertemperaturen. All das führt zu widersprüchlichen Ergebnissen.

    Anm. D. Schönfelder: Es fehlt noch die Artenverschleppung.

    Bei den Krebsen fällt auf, dass die Strandkrabbe seit 1975 in ihrem Bestand abnahm. Sie wurde in vielen Jahren nur selten gefangen. Sie fehlte in den Jahren 1980-1982, 1986-1990 und 1996 -1997. In großen Mengen kann sie nur noch 1984 und 1993, 1994 vor. Die Fischer behaupten, dass in Jahren mit vielen Dorschen wenige Strandkrabben vorhanden sind.

    Das Vorkommen der Großen Felsengarnele Palaemon elegans in der Ostsee wurde oft in Frage gestellt. Tatsache ist, dass wir sie bis auf wenige Ausnahmen 1982, 1987-1989 und 1997 immer gefangen haben. Das lag sicher auch daran, dass wir besonders nach ihnen gesucht haben; Abends im Hafen mit der Taschenlampe. Daher auch 1997 kein Erfolg, als der Hafen ausgebaggert wurde. Leider haben wir nicht vermerkt, ob es sich um Jungtiere oder adulte Tiere handelte. In den letzten 15 Jahren (Anm. D. Schönfelder: Bericht stammt aus dem Jahr 2000) als besser darauf geachtet wurde, waren es oft nur Jungtiere. Erst im letzten Jahr konnten 3 Weibchen mit Laich gefangen werden. Sie wurden als Belegexemplare von Heinz Schöne dem Berliner Naturkundemuseum übergeben. Die alte Theorie, dass die mit Ballastwasser eingeschleppten Tiere nicht fortpflanzungsfähig sind, konnten wir durch die Aquariumhaltung bei einer Dichte von 1.012 durch deren mehrfaches laichen und der erfolgreichen Aufzucht wiederlegen.

    Aus praktischen Gründen hatte sich bei uns eine „vereinfachte“ Nomenkatur eingebürgert.

    Als Beispiel die Sandgarlene Crangon crangon, Schwimmgarnelen Palaemonetes varians und Palaemon squilla als „richtige“ oder Palaemon elegans als „gute“ Garnelen...

    Da der Unterschied zwischen P. varians + P. squilla nicht so auffällig sind, haben wir mal 1994 als es sehr viele Jungtiere gab, über 100 Tiere bestimmt und sind dabei auf ein Verhältnis von 1:1 gekommen.

    Die Seenadeln: Die Grasseenadel Sygnathus typhle wurde ausnahmslos in jedem Jahr mehr oder weniger häufig gefangen. Seltener in den Jahren 1976-1985. Die Kurzschnäuzige Seenadel Sygnathus rostellatus wurde selten gefangen. Ausnahmen waren die Jahre 1984, 1989, 1991, in denen sie regelmäßig im Netz war.

    Stichlinge sind stets vorhanden (bis auf unsere erste Exkursion). Besonders auffällig waren Rückgrat Verkrümmungen beim Seestichling Spinachia spinachia. In manchen Jahren traten sie häufig auf, aber dann auch wieder nicht. 1994, nach dem heißen Sommer, waren besonders viele verkrüppelt. Gleichzeitig wurden auch viele tote Strandkrabben angespült.

    Die 3- und 9-stachligen Stichlinge waren in den 70iger Jahren noch gleichmäßig verteilt, dann hat langsam der Anteil der Neunstachligen Stichlinge zugenommen. Ausnahmen waren die Jahre 1989, 1993 und 2000, in denen die Neunstachler selten waren.

    Plattfische: Flundern und Steinbutte waren bis 1986 regelmäßig gefangen worden. Mal mehr, mal weniger, dann fehlten die Butte 2 Jahre bis auf eine Ausnahme 1995, danach sind sie nur noch selten oder fehlend. Nachdem auch die Flundern seltener wurden haben wir von 1990-1998 keine mehr gefangen, erst in den letzten Jahren waren sie wieder regelmäßig im Netz. Seezungen wurden immer in unregelmäßigen Zeitabständen gefangen und wenn, dann auch nur vereinzelt, die letzten 1992.

    Grundeln: Die Schwimmgrundel Gobius flavescens ist immer in der Aquarienhaltung sehr empfindlich gewesen. Sie war bis 1976 noch regelmäßig meist in Schwärmen zu beobachten. Dann traten große Schwankungen in ihrem Vorkommen auf; entweder fehlten sie ganz oder sie waren selten zu fangen. Ausnahme 1981, 1984, 1989 regelmäßig vorkommend.

    Im Gegensatz dazu hat der Bestand der Schwarzgrundel Gobius niger zugenommen. Sie fehlte von 1976-1982, dann wurde sie stets in einigen Exemplaren gefanfen, erst in den letzten Jahren wieder seltener und in den Jahren 1996, 1998-1999 fehlte sie ganz.

    Besonders in den Jahren nach der Wiedervereinigung 1990-1991 besiedelte sie mit Vorliebe Bierbücsen. 1991 waren im Hafen von 3 Getränkedosen 2 mit Gobius niger besetzt. Sand- und Strandgrundeln sind immer, mehr oder weniger stark, vorhanden.


    Die für uns Aquarianer interessanten Fischarten, zu denen auch die Aalmutter zählt, wurde regelmäßig gefangen, oft nur in geringen Stückzahlen. Gefehlt hat sie 1995-1998. Der Seescorpion Cottus scorpius wurde insgesamt selten oder gar nicht gefangen.

    Typisch ist auch hier dass sich das Fangergebnis nach den Wünschen richtet. Als wir 1997 ein Belegexemplar benötigten (für die Buchreihe Meer und Museum) waren wir auch erfolgreichnachdem wir seit 10 Jahren keinen mehr fingen. Das heisst, dass die Fische, die als fehlend angegeben werden, dennoch vorhanden waren, wenn auch selten.

    Die Seehasenbabys sind im allgemeinen regelmäßig bis dominant. In den Jahren 1991-1995 waren sie selten oder fehlten ganz. 1996 waren sie wieder dominant und fehlten 1997. Sie fehlten neben vielen anderen Arten auch 1982 nach dem sogenannten Jahrhundert Sommer.

    Seesterne und Seescheiden sind vor Timmendorf selten zu finden. Seesterne werden von den Fischern gelegentlich als Beifang mitgebracht und landen so im Hafen. Meistens werden sie dann von Urlaubern gesammelt und getrocknet. 1978 wurden massenhaft kleine Seesterne von den Fischern mitgebracht (sonst haben wir sie in der Wohlenberger Wieck gesammelt). Nach dem Orkan 1985 wurden 2 Seesterne und 9 Tunicaten im Spülsaum gefunden.

    Fische die überhaupt nicht mehr gefangen wurden (seit Einführung unserer Statistik) sind der Butterfisch und der Klippenbarsch. 1965 konnten noch über 15 Exemplare gefangen werden. Außerdem der Schwarzäugige Lippfisch Cr. Melops. Später wurden nur noch 1979 zwei Klippenbarsche gefangen.

    Wie aus dem geschriebenen zu entnehmen ist:

    • durch unsere Erfassungsmethode sind wir von vielen Zufällen abhängig
    • es ist nur eine Momentaufnahme für ein jeweiliges Wochenende im September
    • Geprägt durch das Wetter, dem Wasserstand, den Wellen und durch den Ehrgeiz waren nur bestimmte Tiere zu fangen


    Wir können aber sagen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, bestimmte Tiere zu fangen.


    Bemerkungen und Besonderheiten

    1962 stürmischer Tag, 1 Klippenbarsch, Seesterne, Seenadeln, Aalmuttern, Grundeln, Flundern + P. squilla

    1965 15 Stück Klippenbarsche C. rupestris, 9 Symphodus, 3 Stück Schwarzäugiger Lippfisch Cr. melops

    1976 Kleine Strandkrabben am Sandstrand in Muschelkolonien (Knöcheltief)

    1978 Seesterne massenhaft vom Fischer

    1979 Müllers Zwergbutt

    1980 Seesterne in der Wohlenberger Wieck häufig

    1981 Seegras nimmt stark zu, fast nur Z. nana, Z. marina nur selten und macht einen kranken Eindruck, violette „Schwebealgen“ in Schlieren weit verbreitet: Wimperntierchen Mesodinium rubrum

    1982 Mysis in riesigen Schwärmen, Jahrhundert Sommer, Blasentang nur Kümmerwuchs, Seegras im Rückgang,

    1 Steinpicker vom Fischer Agonus cataphractus

    1983 Blasentang wieder normal, Seegras wieder dichte Bestände

    1985 Orkan, 2 Seesterne, 7 Tunicaten

    1987 sehr wenige Muscheln, wahrscheinlich durch Eisgang im sehr kalten Winter rasiert

    1988 Seegras fast abgestorben, im Hafenbecken keine Tiere zu sehen, wie ausgefegt

    1989 2 Wochen vorher Orkanschäden, viele große Seehasen

    1990 sehr große Seepocken im Hafen, Wasser sehr stark belastet

    1991 von 3 Bierbüchsen waren 2 von Gobius nieger besiedelt

    1993 Seegraswiesen sind spärlicher als sonst und niedriger mit großen Lücken, an der Quermole wächst wieder Blasentang

    1994 Sehr viele Seestichlinge mit Rückgrat Verkrümmung, tote Strandkrabben häufig angespült, P. varians: P.squilla 1:1, 5 kleine Dorsche beim Dretgen (3-5 cm) gefangen

    1995 Hafenwasser extrem schmutzig, sehr viel abgestorbenes Seegras, es hat an einigen Tagen gestunken wie eine Kloake, aber viele P. elegans im Hafen. Große Wolken der Purpurroten Wimperntierchens Mesodinium rubrum

    1996 Jungtiere von Sygnathus typhle massenhaft im Hafen

    1997 Bauarbeiten im Hafen, kein Fang möglich

    1998 Stichlinge selten, dafür Nachts im Hafen in Massen, genau so P. squilla, dagegen beim Dretgen nur 3 Stück, Nachts an Pfählen in großen Mengen

    1999 Jungtiere von P. squilla

    2000 3 erwachsene Weibchen von P. elegans mit Laich

  • Das ist ja der Hammer Torsten!!!
    Ein imenser Erfahrungsschatz aus über 50 Jahren.
    Toll das das weiter gepflegt wird.

    Olaf

    Gruß von der Ostsee

  • Hallo,

    endlich komme ich dazu ein paar Zeilen zu verfassen :smiling_face:
    Ich habe mich sehr kurz entschlossen das Wochenende an die Ostsee zu fahren. Da meine Frau nicht konnte hatte ich meinen "kleinen" mitgenommen. Wir haben uns völlig ohne Ahnung und Erwartung, was auf uns zukommt auf den Weg gemacht. Nach einer relativ kurzen Fahrzeit von 5 Stunden (Freitagsverkehr) angekommen, galt es erst einmal sich zurecht zu finden. Zeltplatz gebucht, Zelt aufgebaut und dann die Frage " wo ist das Meer". Tür raus - Bäume- 20 Meter gehen - Sonne -Strand -Meer :winking_face_with_tongue: .

    Natürlich erst einmal ins Wasser und nicht schlecht geschaut. Überall waren Grundeln, Seenadeln, Quallen, Krabben, Muscheln etc. Und das trotz "Tourismus/Badegäste" . Für uns fast nicht zu erfassen was dort alles rumschwamm - Wahnsinn. Bis jetzt waren wir noch alleine, was ja nicht so sein sollte. Also suchten wir und wurden beim Insel Café fündig. Nach kurzer Begrüßung und dem ein oder anderen Kaffee ging es gemütlich zurück auf den Zeltplatz, wo wir dann das "große, weiße Zelt" mit vereinten Kräften aufbauten. Das klappt nächstes Jahr bestimmt noch besser und schneller, jetzt wissen wir ja wie es geht *g* .

    Es ist selten das man so offenherzig integriert wird, eine sehr schöne Erfahrung! :thup

    Das wir eigentlich als Gäste dort waren, konnten wir zu unserer Verblüffung zu keiner Zeit spüren Was soll man weiter erzählen, die Bilder von Torsten sagen eigentlich schon alles. Für uns Binnenländler war es eine wahnsinnige schöne und interessante Erfahrung. Das Meer, die Tiere, das Wetter die Menschen - einfach genial. Ein wunderbares Wochenende, was aufgrund der langen An- und Abfahrt am Sonntag leider viel zu früh zu Ende ging :loudly_crying_face: . Gerne wären wir noch an der Steilküste schnorcheln gegangen, naja das nächste Mal.

    Also von der Insel verabschieden (was sehr schwer gefallen ist) und in den Verkehr gestürzt, mit allem was passieren kann – Straßensperrung, Verkehr ohne Ende, Stau und zu allem Überfluss auch noch einen Motorschaden :angry_face: , zum Glück kurz vor der Heimat.

    Nochmals herzlichen Dank an Torsten, Katja, Roland, Mirco und allen anderen für ein solches Wochenende. Mein „kleiner“ und ich schwärmen immer noch, wenn wir uns drüber unterhalten.
    :thumbs_up:

    Viele Grüße
    Stefan

  • Das klappt nächstes Jahr bestimmt noch besser und schneller, jetzt wissen wir ja wie es geht *g* .

    Hallo Stefan,
    das habe ich letztes Jahr auch gedacht und dieses Jahr konnten wir beim Aufbau nicht dabei sein. Solange der Aufbau immer von anderen gemacht wird und nur wenige immer dabei sind, wird es immer wieder die gleichen Probleme geben :winking_face:
    Schöne Grüße
    Mirco

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