Maximalalter Doktorfische

  • Hallo zusammen,

    da ich immer mal nach dem zu erwartenden Alter gefragt werde und es auch heißt -"dass erreichen die im Riff sowieso nicht" hier mal einige Altersangaben aus Otholitenuntersuchungen im Indopazifik.´Man beachte den vlamingii.

    Acanthurus auranticavus 26 Jahre
    Acanthurus bahianus/tractus 29 Jahre
    Acanthurus blochii 32 Jahre
    Acanthurus coeruleus 27 Jahre
    Acanthurus chirurgus 12 Jahre
    Acanthurus dussumieri 17 Jahre
    Acanthurus lineatus 37 Jahre
    Acanthurus mata 22 Jahre
    Acanthurus nigricans > 25 Jahre
    Acanthurus nigroris/nigros 33 Jahre
    Acanthurus nigricauda 33 Jahre
    Acanthurus nigrofuscus 15 Jahre
    Acanthurus olivaceus 29 Jahre
    Acanthurus pyroferus 26 Jahre
    Acanthurus xanthopterus 32 Jahre
    Ctenochaetus binotatus 23 Jahre
    Ctenochaetus striatus 27 Jahre
    Naso brevirostris 22 Jahre
    Naso hexacanthus 38 Jahre
    Naso lituratus 23 Jahre
    Naso unicornis 26 Jahre
    Naso vlamingii 40 Jahre
    Paracanthurus hepatus 18 Jahre
    Zebrasoma scopas 36 Jahre
    Zebrasoma velifer 30 Jahre

    Beste Grüße Andre

    Einmal editiert, zuletzt von Andre Luty (28. Dezember 2011 um 21:39)

  • moin, andre

    super zusammenstellung, bestätigt meine meinung, daß eigentlich alle docs +/- 30j schaffen sollten, wie viele andere auch.

    leider betreibe ich das hobby noch nicht so lange und zwei gaus haben auch lücken geschlagen.

    aber mein erster fisch, ein mirakelbarsch, hat alle tücken überstanden und ist jetzt ca 30j bei mir, und mein ältester doc, ein gelber, hat auch schon 30j auf den puckel, davon die hälfte bei mir.

    mfg
    michael

  • Was ich daran interessant finde, das Größen und Alter nicht proportional zusammenhängen laut dieser Studie.

    Das finde ich etwas seltsam, aber dennoch danke für die Informationen.

    Gibt es eine Quelle, bzw. weisst Du wieviel Gehörplatten untersucht wurden pro Art und Spec. ?


    MfG Philipp

  • Hallo zusammen, vorab eine kurze Info an die anderen Forenteilnehmer. Bei Otoliten handelt es sich um sog. Ohrsteine. Der Name Otolit leitet sich aus dem Proteinanteil (Otolit) dieser "Steine" ab.
    Die komplette Studie aus dem Jahre 2001 "Age-Based Studies on Coral Reef Fishes" koennt ihr hier finden.

    Gruß Dieter

    Einmal editiert, zuletzt von coralife (29. Dezember 2011 um 09:52)

  • Hallo,

    zuerst vielen Dank Dieter für die Zusatzinformation, denn ich konnte mit dem Begriff Otolithen hier zunächst nicht viel anfangen.

    Dass Alter und Größe nicht immer im direkten Zusammenhang stehen ist nicht verwunderlich. Schon in den Aquarien lässt sich beobachten, dass das Größenwachstum auch vom Raumangebot beeinflusst wird. Aber hierfür gibt es ja noch jede Menge anderer Faktoren, von der individuellen genetischen Disposition bis hin zu den Ernährungsgewohnheiten. Dies kann man auch bei uns Menschen beobachten, wobei wohl gerade eher kleinwüchsige Menschen mit speziellen Ernährungsgewohnheiten in einigen asiatischen Bereichen ein besonders hohes Lebensalter erreichen.
    Als Anhaltspunkt welche Lebenserwartungen der Fische denkbar sind, ist die Untersuchung schon interessant und erstaunlich. Die aufgeführten Maximalwerte dürften allerdings kaum als reale Durchschnittswerte gelten! Auch wir Menschen werden im Schnitt bei weitem nicht so alt wie ein Johannes Heesters. Auch die Fische in der Natur unterliegen selbstverständlich vielfältigen Lebensbedingungen, so dass die Bandbreite des tatsächlich erreichten Alters extrem unterschiedlich ist.
    In gut gepflegten Aquarien haben Fische hinsichtlich ihrer Lebenserwartungen im Vergleich zur natürlichen Umwelt oftmals sehr gute Bedingungen. Ob dies für die Tiere dann tatsächlich auch ein Glücksumstand ist, lässt sich mit hier unangebrachten menschlichen Maßstäben aber nur schwer beurteilen.

    Viele Grüße

    Bernd

  • Hallo,

    das wir das mit dem Größenwachstum nicht pauschal sehen dürfen habe ich schon mal im MeerwasserAquarianer am Beispiel Acanthurus bahianus beschrieben. Hier noch aml der jetzt aktualisierte Text:

    Vom Braunen Karibik-Doktorfisch (Acanthurus tractus - damals noch als A. bahianus beschrieben) wurden an 10 unterschiedlichen Riffstandorten große Längen-Variationen festgestellt. Die einzelnen natürlichen Populationen zeigten deutliche Unterschiede in den Wachstumsparametern, wie z.B. ihre Kopfgröße im Verhältnis zur Gesamtlänge sowie in ihrer erreichten Maximallänge [Robertson et al. 2005/1]. Die Maximallänge wurde mit 24 cm bei schon relativ jungen Exemplaren (5 Jahre) bei den Bermuda-Inseln gemessen, die meisten Längen-Messungen lagen bei 15 - 20 cm. An der venezuelanischen Küste wurden die kleinwüchsigsten Populationen mit durchschnittlich ca. 14 cm Gesamtlänge bestimmt. Die extremsten Unterschiede wurden vor allem zwischen den im Folgenden beschriebenen zwei Vorkommensgebieten festgestellt, jedoch wurden keine genetischen Differenzen zwischen den Populationen gefunden: Bei Bermuda wachsen die Jungfische in den inneren Riffen gleichmäßig bis zum Alter von 2 – 6 Jahren und siedeln nach und nach in die Außenriffbereiche über, wo sie ein Alter von 35 Jahren erreichen können. Die mittlere Oberflächentemperatur betrug dort 22,9 °C. In Belize besiedeln die Fische vom Jugendstadium bis zu den Adulten ca. 10 Jahre lang gleichmäßig die inneren und äußeren Riffbereiche und wachsen deutlich schneller. Sie erreichen vor allem in den inneren Riffbereichen ein ca. 50 % höheres Gewicht. Hier betrug die mittlere Oberflächentemperatur 28,1°C. In Belize wurden auch die größten Unterschiede in den Habitatgrößen gefunden. Für A. tractus wurden in der Studie die schnellsten Wachstumsraten, die je für einen Doktorfisch ermittelt wurden, gemessen. Das Maximalalter, die Überlebensrate, die Maximallänge und die Wachstumsraten sind umgekehrt proportional zur Wassertemperatur, d.h. je höher die Temperatur, um so geringer das Wachstum, um so kleiner der Fisch und um so eher sterben die Fische. Für die Größe der Fische sind außerdem Relationen zur Habitatstruktur festgestellt worden. Eine hohe Lebensdauer bei 3 isolierten Inselpopulationen wurde nicht dem isolierenden Effekt zugeschrieben, sondern eher den niedrigeren Temperaturen. Der Einfluss der Fischereiintensität auf die Länge, das Alter und die Siedlungsdichte der Doktorfische wurde in einer getrennten Analyse der Standorte ausgeschlossen [Robertson et al. 2005/2].

    Bei einer Masterarbeit (Trip E.D.L. 2004) wurde festgestellt, dass Tiere einer Art (C. striatus) im Indik länger Leben als z.B. im Pazifik (oder umgekehrt?) - es gibt also noch andere Parameter, die die Lebensspanne beeinflussen. Auch wurde festgestellt, dass generell Karibische Arten kürzer leben als Indopazifische.

    Ich sehe das mit mit den Tieren die im Aquarium nicht ihre Maximallänge erreichen nicht mehr so schlimm. Wichtig ist bei Doktoren, sie müssen in ca. 3 - 4 Jahren die Größe für den Eintritt der Geschlechtsreife erreichen. Bei den meisten Arten sind das so 12 - 15 cm Länge.

    beste Grüße Andre´

  • Hallo Andre,

    die Ergebnisse sind schon interessant. Vielen Dank auch für Deine Zusammenfassung, denn sich durch den ganzen Text hindurch zu kämpfen braucht schon seine Zeit.
    Dass die Lebenserwartung bei niederen Temperaturen größer ist, lässt sich vermutlich mit dem dann verringerten Stoffwechsel erklären. Überraschend finde ich, dass damit aber auch ein stärkeres Größenwachstum verbunden ist. Eigentlich hätte ich es umgekehrt vermutet.

    Viele Grüße

    Bernd

  • Hallo Zusammen

    Spannendes Thema! Bezüglich Grösse und Temperatur fällt mir gerade die Bergmann´sche Regel ein. Allerdings ist sie zum Teil umstritten und trifft ja eher auf gleichwarme Tiere zu.

    Gruss
    furu

  • Hallo,

    ich habe neue Daten für Ctenochaetus striatus bei Samoa - 37 Jahre, hingegen im Oman nur 12 Jahre.

    Noch was Interessantes aus einer Dissertation [TRIP 2004]:

    Länge Ctenochaetus striatus laut fishbase bis 26 cm Totallänge, meist jedoch um 18 cm (= Adultgröße)
    - Population aus dem Indik meist bis 16 cm Totallänge
    - Population aus dem Pazifik meist bis 26 cm Totallänge (diese Tiere wachsen im 1. lebensjahr schneller - höhere Temperatur ? Längere Warmwasserphase - mehr Futter ...)
    - beide Populationen ab 12 cm geschlechtsreif

    und jetzt alle grübeln, was das richtige Maß für die Kalkulation der Beckengröße ist!

    beste Grüße Andre´

    3 Mal editiert, zuletzt von Andre Luty (7. Februar 2012 um 21:17)

  • Hallo!

    Bei uns im Verein gibt es einen Paracanthurus hepatus der 25 Jahre alt ist.
    Das Tier ist aber überraschend klein. Ca. 20cm.
    Es handelt sich um die "Unterart" mit gelben Bauch.

    Einen Acanthurus leucosternon gab es bis voriges Jahr ebenfalls mit dem selben Alter in meiner Nähe.
    Dieser hat leider eine Übersiedlung wegen Beckenauflösung nicht überlebt.
    Diesen Fisch habe ich persönlich nicht gesehen. Er soll ca. 15cm gro0 gewesen sein und lebte, ich wage es kaum zu schreiben, in 250 Liter.

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