• Also ich wäre - auch für den Preis - ein potentieller Abnehmer, wenn ich nicht gerade so viele andere Kosten (und teure Hobbys :base:) an der Backe hätte.

    Der Preis wird mit der Zeit sicherlich sinken - das ist ja meistens so. Der hohe Preis ist aber "early-adoptern" egal, denn man hat eine Koralle die genetisch so niemand hat. Das ist ja schon ein Anreiz. Bei den Korallen von der Stange weiß man auch im Regelfall wo diese farblich hingehen werden, bei genetisch neuen Korallen ist das ja eine art Glücksspiel, was einige sicherlich auch glücklich machen dürfte.

    Ich find das, was die beiden da machen, echt spitze. Und ich finde auch, man sollte sowas (wenn man denn kann) sowohl von unternehmererischer als auch von privater Seite durchaus unterstützen.

    Grüße
    Tom

  • So sehe ich das auch. Ich habe mir ein wenig aufgeregt, weil das eingetreten ist, was zu erwarten war. Naiverweise bin ich davon ausgegangen, dass man in so einer vergleichsweise kleinen Hobby-Gemeinde solche Projekte respektiert, abseits von rechtlichen Fragen und Preisdiskussionen. Nach dem Motto, Lust hätte ich schon auf diese Korallen und gefraggte zu wesentlich niedrigeren Preisen wären eine "Versuchung", aber ich lasse es, um das ganze Projekt zu unterstützen. Sozusagen eine freiwillige Selbstbeschränkung von Händlern, daraus keinen Profit zu schlagen und von Konsumenten, die entweder die Originale kaufen oder es halt sein lassen.

    Das ist ja mehr oder weniger auch das was, Claude ausführlich in einem seiner Videos versucht hat, zu untermauern. Zur Abwechslung stimme ich ihm da mal voll und ganz zu :winking_face:

    Grüße

    Chris

  • So ganz erschließt mir nicht der Sinn, im Aquarium ein genetisch "einzigartiges" Tier zu haben. Wenn es stirbt, dann stirbt es. Außerdem hat man in den aktuellen Aquarien von jeder Art oder Unterart sowieso nur ein Tier. Also ist das genetisch gesehen eine Vielfalt.

    In Monokulturen sieht die Sache vollkommen anders aus. Wenn in diesen die Vielfalt bei Null liegt (alles Klone), kann eine einzige ungünstige Bedingung den kompletten Bestand himmeln. Bei einer genetischen Vielfalt wird es wahrscheinlich Individuen geben, die mit der ungünstigen Bedingung besser klarkommen und u.U. überleben.

    Auch sehe ich in der geschlechtlichen Vermehrung eine Supermöglichkeit, Tiere zu produzieren, die sich erheblich besser an Aquarienbedingungen angepasst haben. Die Larven, die nicht klarkomme,n verschwinden, die Larven mit der "besseren" Ausstattung wachsen heran. Evolution ist (fast) nur durch geschlechtliche Vermehrung möglich.

    LG Burkhard

  • Jetzt muss ich auch ne kleine Anmerkung anbringen. Korallen haben auch eine Lebenserwartung (wenn auch eine sehr lange), die durch unsere Vervielfältigung der Fragmentierung nicht zurücksetzt wird. Wir sind also auf Importe mit jungen Tieren bzw. sexuell reproduzierte Tiere mehr oder weniger angewiesen, zumindest auf lange Sicht. Egal wo die Tiere herkommen.


    Würden allein die Quellen der Importe verschwinden, würde der Markt ganz anders ausschauen. Mit den Korallen aus den Zuchtanlagen können wir uns noch nicht komplett alleine versorgen. 🤷


    Ich find's nen super Ansatz und einen riesen Schritt in die richtige Richtung. Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, ob ihm das Tier oder die Richtung/Methode passt.


    Ähnlich zu den Nachzuchten, preislich höher weil mehr Aufwand dahinter steckt. Je fundierter und besser die Methode, desto mehr Konkurrenz wird es geben und d.h. letztendlich sinkende Preise. Das eine beschriebene Tier gibt's es nur als NZ, weil der Export bzw Import gestoppt wurde.

    VG

    Chris

  • Jetzt muss ich auch ne kleine Anmerkung anbringen. Korallen haben auch eine Lebenserwartung (wenn auch eine sehr lange), die durch unsere Vervielfältigung der Fragmentierung nicht zurücksetzt wird.

    Das habe ich mich auch immer mal wieder gefragt. Weißt du da genaueres? Es gibt ja so Korallen, wie die Milka, die in der Natur so nicht vorkommen. Die müssten ja schon ewig nur über Fragmentation gewonnen worden sein. Ist wirklich so, dass Korallen eine Art Lebenserwartung haben, auch wenn sie ständig neu fragmentiert werden? Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das bei den meisten Pflanzen nicht so, wenn man Stecklinge macht. Da gibt es keine programmierte Alterung.

    Bin gerade über das hier gestolpert: Sex bevorzugt

    Schon faszinierend, was die beiden machen. "Als effektivstes Pigment identifizierten die Forschenden das Cycloprodigiosin – allerdings nur in einem engen Konzentrationsrahmen. Bei 0,2 µg pro Milliliter induzierte die Substanz eine komplette Ansiedlung der Larven. Lag dessen Konzentration jedoch nur bei 0,1 µg pro Milliliter, siedelten keine Larven auf dem festen Untergrund. Noch erstaunlicher: Bei 0,3 µg pro Milliliter starben alle Korallenlarven binnen 48 Stunden ab."

    Wenn man bedenkt, wieviel Fehlversuche es dabei gegeben haben muss und wieviel Arbeit da drinnen steckt, sind die aktuellen Preise wahrscheinlich sogar mehr als nur angemessen.

    Grüße

    Chris

  • Da gibt's wissenschaftliche Publikationen die das untersuchen. Es gibt Tiefsee LPS die haben über 1000 Jahre, andere haben nur 200-300 Jahre. Sehr nach Art und Lokation abhängig.

    Und jain, die Farbe der Milka hat sich im Aquarium etabliert, die Koralle selbst kam eher bräunlich Mal aus'm Meer.


    Nach meinem Verständnis setzt die Fragmentierung nicht den Zähler auf 0 zurück, weil es das gleiche Tier bleibt. Nur eine sexuelle Vermehrung setzt den Zähler auf 0. Ah btw, Korallen sind ja keine Pflanzen 😉

    VG

    Chris

  • Nach meinem Verständnis setzt die Fragmentierung nicht den Zähler auf 0 zurück, weil es das gleiche Tier bleibt. Nur eine sexuelle Vermehrung setzt den Zähler auf 0. Ah btw, Korallen sind ja keine Pflanzen 😉

    Die selbe Logik könnte man aber auch bei Pflanzen anbringen. Scheinbar wird da aber der Zähler, z.B. bei der Stecklingsvermehrung, auf 0 zurückgesetzt. Sicher bin ich mir aber auch nicht, daher wäre es ganz interessant, es mal genau zu wissen.

    Grüße

    Chris

  • Hi,

    Bythell und Kollegen schreiben in einer Übersichtsarbeit 2018:

    Zitat

    Reef corals are also widely regarded as potentially immortal at the level of the asexual lineage and are assumed not to undergo an intrinsic ageing process. However, putative molecular indicators of ageing have recently been detected in reef corals. While many of the large massive coral species attain considerable ages (>600 years) there are other much shorter-lived species where older members of some populations show catastrophic mortality, compared to juveniles, under environmental stress. Other studies suggestive of ageing include those demonstrating decreased reproduction, increased susceptibility to oxidative stress and disease, reduced regeneration potential and declining growth rate in mature colonies.

    https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/brv.12391


    Übersetzung:

    Zitat

    Riffkorallen gelten ebenfalls weithin als potenziell unsterblich auf der Ebene der asexuellen Abstammungslinie, und es wird angenommen, dass sie keinen intrinsischen Alterungsprozess durchlaufen. Allerdings wurden kürzlich mutmaßliche molekulare Indikatoren für Alterung in Riffkorallen nachgewiesen. Während viele der großen massiven Korallenarten ein beträchtliches Alter erreichen (>600 Jahre), gibt es andere, viel kurzlebigere Arten, bei denen ältere Mitglieder einiger Populationen im Vergleich zu Jungtieren unter Umweltstress eine katastrophale Sterblichkeit aufweisen. Weitere Studien, die auf Alterung hindeuten, sind solche, die eine verminderte Fortpflanzungsfähigkeit, eine erhöhte Anfälligkeit für oxidativen Stress und Krankheiten, ein verringertes Regenerationspotenzial und eine abnehmende Wachstumsrate in reifen Kolonien belegen.


    Dann noch eine Begriffsklärung: jedes einzelne genetisch identische Fragment heißt Ramet ("Klon") und die Gesamtheit aller Rameten heißt Genet. Diese Begriffe kommen eigentlich aus der Botanik (einzelne Erdbeerpflanze = Ramet, alle durch Ausläufer entstandenen Pflanzen zusammen = Genet). Pflanzliche Geneten können über zehntausend Jahre alt werden (z.B. "Pando" in Utah). Ob die Geneten schließlich an Alterungsprozessen sterben oder zufällig bzw. durch Selektion ist meines Wissens nicht klar.


    Rameten sind übrigens nicht zwingend absolut genetisch identisch. Bei jeder Zellteilung können ja Mutationen auftreten die dann an alle Tochterzellen weitergegeben werden. Dadurch entsteht in diesem Ramet dann ein genetischer Mosaizismus. Wenn eine Mutation z.B. eine Farbänderung bewirkt, ergibt sich dadurch über die Zeit vielleicht ein andersfarbiger Ast. Bricht man nun zwei Ableger unterschiedlicher Äste dieses Stocks, kann man zwei Rameten desselben Geneten mit unterschiedlichen Farben erhalten.


    Jedenfalls würde ich sagen, dass Unsterblichkeit ein sehr großes Wort für real existierende Organismen ist. Aber mehrere hundert oder gar tausend Jahre scheinen für Geneten riffbildender Steinkorallen nicht unüblich zu sein. Damit dürfte die Gefahr relativ gering sein, dass ein bei Aquarianern gerade beliebter Genet innerhalb der nächsten Jahrzehnte an Altersschwäche ausstirbt. Rameten unterliegen natürlich der uns bekannten Alterung durch Faktoren wie Selbstabschattung etc., die zum Absterben des Stocks führen können.


    Viele Grüße

    Hanno

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