bipartitus längere Zeit eingegraben

  • Hallo zusammen,

    habe vor ca. 3 Wochen 2 Macropharyngodon bipartitus gekauft. Beide gleich gefärbt, das größere Tier verhält sich aber schon als Männchen und balzte schon beim Händler das kleinere Tier an. Also sind die beiden auf dem Weg ein Paar zu werden. Sie haben sich gut eingelebt, werden nicht gejagt von den anderen, alles schön.

    Leider hat das größere Tier vor 1 Woche angefangen, das sagen wir, Weibchen vehement durch unsere 500 l zu jagen. Das Weibchen hat das 1 - 2 Tage mitgemacht, dann ist sie dauerhaft im Sand verschwunden. Einen Tag später hat sie so gerade aus dem Sand gelinst, sieht ihn und verschwindet wieder im Sand.
    Heute mittag seh ich sie schwimmen, blaß, flach und wackelig auf den Beinen.
    Schnell Flockenfutter rein, sie frißt auch hastig. Sieht er sie, stürzt er gleich hinterher.

    Ist die Jagerei normal? Gibt sich das irgendwann oder muss ich damit rechnen, dass das Weibchen bald verhungert, wenn ich sie nicht rausnehmen?

    Wer kann mir da bitte helfen?

  • Hi Joe,

    Zitat

    wie sieht denn der größenunterschied aus?


    Tja, der Unterschied zwischen den Tieren ist nicht besonders groß. Eines ist etwas kräftiger, das andere etwas zarter. Das trifft es auch eher, ich schreibe die ganze Zeit von dem größeren und kleineren Tier, das ist so nicht ganz richtig.

    Das zartere und gejagte Tier steht hier im Vordergrund, das verdeckte Tier ist das kräftigere und verhält sich als Männchen. Und zur Zeit stehen bei diesem Tier Spiegelfechtereien an der Glasscheibe hoch im Kurs. :face_with_rolling_eyes:


    Während der Fütterung: das zartere Tier ist wieder links, das kräftigere Tier ist rechts. Die Bilder habe ich am ersten Tag des Kaufs gemacht, war der 20.08.2009. Da gabs noch keine Jagereien zwischen den Beiden.

  • hi petra,

    dolle fotos :thup

    nun, eigentlich ist "das" männchen noch nicht umgefärbt sodern es scheint der kampf zu toben: wer wird was?

    durch den geringen größenunterschied sind die hackereien vorgegeben.

    allerdings wird auch, falls es jetzt noch gut geht, sich kurzfristig das weibchen unweigerlich umwandeln wollen und das wird dann ihr ende sein.

    sie bleiben nicht, wie bei den anemonenfischen, ständig mann + frau :frowning_face:

  • Hi Petra,

    ooooch - sind die niedlich!!! Ich liebe die M. bipartitus - hab selbst auch zwei.

    Allerdings war bei mir der Größenunterschied deutlich. Hatte nen größeren alteingesessenen Fisch und habe nen zweiten "Winzling" (der sich in relativ schlechtem Zustand befand) zugesetzt. Nach den ersten beiden Attacken dachte ich nach dem Zusetzen nicht, dass der Neue das überlebt - da sind richtig die Schuppen geflogen... Er hat sich aber nicht einschüchtern lassen und beide schwimmen seit Monaten friedlich durch´s Becken. Anzeichen von Geschlechtsumwandlungen hab ich bisher noch nicht feststellen können.

    Zu Deiner Situation: ich denke wirklich, dass es die Umwandlung des "größeren" Tieres zum Männchen sein könnte. Es ist vermutlich wirklich nicht so geschickt, dass beide etwa gleichgroß sind. Aber wenn Du die Zeit hast und den "Kleineren" unterstützen kannst (mit von Dir erwähnter Futtergabe etc.) geht es sich ggf. in den nächsten Tagen aus.

    Riskante Variante: wenn man den gängigen Lehrmeinungen glauben darf, kann es auch helfen, zusätzliche Exemplare zuzusetzen - allgemein sagt man, dass das (angehende) Männchen dann sein Werben auf mehrere Tiere verteilen kann - eben der Natur entsprechend, wo die Tiere in kleinen Harems-Gruppen zusammenleben.

    Alles Gute und berichte bitte weiter!

    LG aus N

    Stefan

    ...if there is life after death, there is no death -
    and if death does not exist, we do not live...

  • Hi Joe,

    Zitat

    durch den geringen größenunterschied sind die hackereien vorgegeben.


    Shit auch, war mir bis heute nicht bewusst.
    Es waren bei dem Händler auch die einzigen bipartitus, Auswahl an Größeunterschiede entfielen somit, ich hab auch einfach nicht darauf geachtet muss ich sagen zu meiner Schande. Bei meiner Begeisterung für Gesicht, Muster und Farbe musste ich die Beiden dann einfach mitnehmen.

    Zitat

    allerdings wird auch, falls es jetzt noch gut geht, sich kurzfristig das weibchen unweigerlich umwandeln wollen und das wird dann ihr ende sein.


    Um das zu verhindern, müsste ich mich von einem Tier trennen. Das zartere Tier hat sich heute nur für 2 Minuten gezeigt und sich dann an unbekannter Stelle wieder eingegraben. Das kräftigere Tier ist ständig mit den anderen Lippis unterwegs.
    Wen krieg ich also eher mit der Fischfalle samt Spiegel darin? Das kräftigere Tier, ganz klar. Was ich dann nur nicht weiß: wann zeigt sich das schwächere Tier wieder zur Fütterung oder verhungert es mir möglicherweise ohne sich nochmal zu zeigen?

    Hi Stefan,

    Zitat

    ooooch - sind die niedlich!!! Ich liebe die M. bipartitus - hab selbst auch zwei.


    Ich liebe die auch - an den kleinen Schnäuzchen kann man schlecht vorbeischauen.

    Zitat

    Zu Deiner Situation: ich denke wirklich, dass es die Umwandlung des "größeren" Tieres zum Männchen sein könnte.


    Ja sehe ich auch so.

    Zitat

    Es ist vermutlich wirklich nicht so geschickt, dass beide etwa gleichgroß sind.


    Genau, Anfängerfehler.

    Zitat

    Aber wenn Du die Zeit hast und den "Kleineren" unterstützen kannst (mit von Dir erwähnter Futtergabe etc.) geht es sich ggf. in den nächsten Tagen aus.


    Die Umsetzung macht mir zu schaffen: das kleinere Tier ist mehr weg als sichtbar. Das war heute Zufall, dass ich es gesehen habe und ausser der Reihe gefüttert habe. Sehen konnte ich auch, dass das Tierchen keine Ruhe mehr zum Fressen findet. Vielleicht muss ich tatsächlich ein Tier entfernen, wie ich schon oben Joe geschrieben habe oder einfach zuschauen, wie es weitergeht. Weiß nur nicht, ob ich bereit bin, die Dinge so laufen zu lassen, ich bin da eher der mitleidige Charakter.

    Zitat

    Riskante Variante: wenn man den gängigen Lehrmeinungen glauben darf, kann es auch helfen, zusätzliche Exemplare zuzusetzen


    Hab ich kurz in Erwägung gezogen. Ist aber zum Scheitern verurteilt, weil der Händler grad über keine bipartitus verfügt und mein Mann hat als Erstbetreiber des Beckens da auch noch was mitzureden. Er ist der Meinung, dass wir ein fast reines Lippfisch-Becken haben mit den 2 Halichoeres iridis, 1 Labroides dimidiatus, 1 Macropharyngodon ornatus und 2 Macropharyngodon bipartitus.

    Ich danke euch Beiden für die Unterstützung und werde mein weiteres Vorgehen unter besonderer Berücksichtigung der Ereignisse noch mal überdenken. Hab ich das nicht schön gesagt? :wink

  • Hallo,

    Ich hatte mir vor 4 Wochen eine 4er Gruppe besorgt, wovon einer deutlich kleiner war. Der größte hat dann die beiden etwas kleineren gejagt. Wobei sie durchaus die meiste Zeit über zusammen schwammen, nur abends (eventuell auch mal zu anderen Zeiten), wurde es etwas hektisch. Nachdem der eine Bipartus den anderen anfängt zu jagen und in der in die andere Beckenhälfte flüchtete, übernahm dort ein Sechstreifenlipfisch die Verfolgungsjagt. Das ganze war so stressig, dass der verfolgte irgendwann im Ablaufschacht endete. Sah ramponiert aus und ich habe ihn ins Filterbecken umgesiedet. Das selbe passierte dann noch dem anderen mittleren Grosszahnlippfisch. Momentan sehe ich im Filterbecken aber auch immer nur einen, keine Ahnung ob es der zweite nicht überlebt hat. Werde den Fisch aber abgeben und nicht zurück setzten. Änhliches war auch bei den Sechsstreifenlippischen, dort ist auch nur noch ein Paar gross/klein (der dritte ist den üblichen Weg: ->Ablaufschacht->Fitlerbecken->Aquariumladen gegangen). Jetzt scheint es sich erstmal beruhigt zu haben: die bipartus vertragen sich und der Sechstreifenlippi jagt vertreibt mal den einen mal den anderen wenn er sich gerade gestört füllt, sie nehmen es aber locker.

    Gruss,
    Steffen

  • Hallo zusammen,

    aufgrund meiner Domain-Kündigung sind die oben gezeigten Bilder gelöscht worden. Deshalb hier mit Textzitat noch mal angehängt:

    Zitat

    Das zartere und gejagte Tier steht hier im Vordergrund, das verdeckte Tier ist das kräftigere und verhält sich als Männchen. Und zur Zeit stehen bei diesem Tier Spiegelfechtereien an der Glasscheibe hoch im Kurs. Augen rollen


    Zitat

    Während der Fütterung: das zartere Tier ist wieder links, das kräftigere Tier ist rechts. Die Bilder habe ich am ersten Tag des Kaufs gemacht, war der 20.08.2009. Da gabs noch keine Jagereien zwischen den Beiden.

  • So, heute melde ich mich nach längerer Zeit mit einem Update über die beiden bipartitus zurück. :wink

    Das kleinere Tier wurde ja heftig von dem größeren Tier gejagt und verschwand für immer längere Zeit im Sand. Das Jagen wurde so schlimm, dass es sich nur noch alle 3 Tage morgens zum Fressen blicken ließ, so geschehen am 23.09., 26.09. und 29.09.

    Ich habe mich an diesen Tagen mit der Futtergabe blitzmäßig beeilt, bevor das kleine Tier genervt und gestresst vom größeren Tier wieder im Sand verschwand: erst Flockenfutter, anschließend Artemia und Mysis.
    Der kleine bipartitus hat stets alles gierig in sich hineingestopft, was ging, bis er den Schnabel nicht mehr zubekommen hat. Nach 15 Minuten Wartezeit noch mal eine letzte Gabe Artemien, die dann wieder "reinpassten".

    Schon während und kurz nach dem Fressen ging der größere bipartitus auf den kleineren bipartitus los, er hat ihn so blitzschnell durchs Riff gejagt, dass es für das menschliche Auge manchmal nicht nachvollziehbar war. Manchmal hat er sich vor so einer Attacke erst senkrecht mit dem Kopf nach oben und gespannten Flossen vor dem kleinen bipartitus aufgebaut. Ich sehe solch ein Verhalten auch bei den anderen Lippfischen wie meinem ornatus und deute das als Drohgebärde. Anschließend gabs die übliche Jagerei durchs Becken. Der Kleine warnach kurzer Zeit ruckzuck in seinem Sandbett verschwunden und tauchte erst 3 Tage später zur morgendlichen Fütterung wieder aus dem Sand auf. Dass der Kleine schnell an Masse verlor und nach einer Woche dünn wie ein Blatt Papier war könnt ihr euch sicher vorstellen.

    Ich hatte mich zwischenzeitlich damit abgefunden, das kräftigere, größere Tier abzugeben. Also Fischfalle mit Spiegel ins Becken und 3 oder 4 Tage drin gelassen. Als einziger ist mir der ornatus in die Falle gegangen, der bipartitus sah sich zwar von ausserhalb der Falle im Spiegel, drohte etwas, aber reingegangen in die Falle ist er kein einziges Mal. Immer blieb er kurz vor dem Eingang stehen. Also Falle wieder raus.

    Ich war sauer, die Zeit drängte, ich wollte den kleinen bipartitus nicht durch Verhungern oder Stress verlieren. Ich konnte mich aber auch nicht dazu durchringen, den kleinen oder großen bipartitus aus dem Sand mit zwei Netzen auszugraben. So ganz genau wusste ich nicht deren Lage im Sand, zumal die Tiere beim Eingraben unter dem Sand ein Stück weiter surfen bis zu ihrem endgültigen Schlafplatz.

    Nach dem 29.09. änderte sich die Lage etwas. Der kleine bipartitus tauchte "schon" am 30.09.2009, 01.10 und 02.10. morgens sofort auf, nachdem das Licht angegangen war und stellte sich fürs Essen vorne ans Glas, wenn er mich reinkommen sah. Was mich dann etwas erleichterte, er blieb auch 1 -2 Stunden nach der Fütterung draussen. Das war mal was Erfreuliches. Der größere bipartitus hat währden dieser Stunden immer wieder gedroht und gejagt, allerdings mit der Neuerung, den Kleinen auch mal zwischenzeitlich in Ruhe zu lassen, ihn intensiv zu beobachten oder gar wegzuschwimmen. Ich konnte diese ruhigen Zeitabschnitte erst gar nicht fassen. Der kleinere bipartitus war in diesen Tagen aber auch ohne die Jagerei furchtbar unruhig und ist fast ständig am Glas auf- und abgestiegen.

    Manchmal konnte ich beobachten, wie der kleine bipartitus auf den großen bipartitus zuschwamm, also Kontakt suchte. Er hat sich regelrecht angebiedert bzw. aufgefordert, wenn er mit abgestellten Flossen und dabei den Körper zu einem "S" verbogen, auf den größeren bipartitus zuschwamm. Der größere bipartitus hat darauf mit langsamen Bewegungen und ebenfalls abgestellten Flossen reagiert. Das Aussehen ändert sich ebenfalls während dieser Kontakaufnahme, beide Tiere wechseln von gelb-grün im Gesicht nach türkis-hellblau. Man umkreist sich so für einige Zeit. Kurze Zeit später ist es dann auch wieder mit der Harmonie vorbei und die Jagerei geht wieder los. Nach ca. zwei Stunden mit diesen abwechslungsreichen Auftritten ist der Kleine dann für den Rest des Tages wieder im Sand verschwunden.

    Hier mal ein paar Schnappschüsse von dem Dialog der Beiden:

    Mit dem 03.10. und bis heute wurde der Umgang zwischen den Beiden immer entspannter, die Jagereien nahmen an Intensität und Häufigkeit ab, heute habe ich noch keine Jagerei sehen können. Ich sitze natürlich auch nicht ständig vor dem Aquarium. Aber immer, wenn ich zufällig vorbeischau, geht es absolut friedlich zu zwischen den Beiden und sie tuckern gemächlich durch die Korallen oder über den Bodengrund.
    Ich hoffe für die Beiden und für meine Nerven, dass diese Lage so bestehen bleibt und die bipartitus die Situation, wer das Weib und wer den Mann gibt, endgültig klären konnten.

    Noch mal ein Bild von heute, 05.10.:

  • Hallo,

    Das klingt ja wirklich gut- vielen Dank für den wirklich sehr detaillierten Bericht, ich wünschte, man würde hier öfter etwas so informatives lesen :] :thup :thup :thup

  • Hallo Sabine, hallo Jannes,

    vielen Dank für eure positiven Rückmeldungen. :wink

    Ich hatte selber Spass beim Aufschreiben der Erlebnisse mit den bipartitus und andererseits beim Blick ins jetzt friedliche Aquarium.
    Kleinere Mitteilungen über bipartitus und die anderen Bewohner :cfish:ergeben sich sicher öfter, schon wenn man Einzelbilder kommentiert oder Bilderserien fotografiert. Ich bleib dran.

    Update zu den bipartitus vom 06.10: alles roger bei den Beiden.

  • Hallo Petra,

    schöne Doku und tolle Bilder! :thup
    Schreib weiter, es macht Spaß, mitzulesen!

    Salzige Grüße
    Dirk

    Der frühe Vogel fängt den Wurm.
    Aber die zweite Maus bekommt den Käse!

  • Hallo Petra,

    schöner Beitrag von Dir, ich pflege seit etwa 2 Jahren ein Paar. Meine beiden waren zu Beginn zwar auch gleich groß, Stress gab es aber nicht.
    Falls sich das eine Weibchen dann zum Bock umfärbt, kannst Du aber bereits einmal nachschauen ob du alle Korallen fest verankert hast.
    Der Bock jagt dann das Weibchen ständig in einem Wahnsinnstempo durchs Becken, um dann Minuten später wieder mit Ihr eng umschlungen durchs Becken zu schwimmen. Die Jagdzeiten sind aber deutlich länger, auch sollte dein Becken dann sehr sprungsicher sein.
    Vor kurzem hatte ich meine Beckenabdeckung entfernt und die Lampen zum besseren hantieren im Becken hochgezogen und war kurz mit dem Auto weg.
    Als ich zurückkam lag das Weibchen ungefähr 1 m vorm Becken auf dem Boden, schwimmt aber inzwischen wieder kerngesund herum.
    Trotz diesem Verhalten möchte ich die Beiden aber nicht mehr im Becken missen.
    Das Beste ist aber wenn man die Schlafplätze beider kennt und morgens zufällig sehen kann, wenn sie wieder "auftauchen".
    Ich habe mal ein etwas älteres Bild der beiden beigefügt, der Bock dürfte inzwischen sicherlich ca. 10-11 cm groß sein.

    Gruß
    Uwe

  • Hallo Dirk und hallo Uwe,

    vielen Dank für eure ermunternden Rückmeldungen. Da muss man ja einfach weitermachen. :winking_face:

    Uwe
    Ich bin heute nicht so fit in der Birne :yrf, eine beginnende Erkältung macht sich gerade breit.
    Deshalb nur kurz: deine Schilderung über die bipartitus habe ich gierig gelesen, fast schon verschlungen, Geht mir genauso wie dir und den anderen Lesenden: Erfahrungen anderer Aquarianer mit diesen Tieren lese ich sehr sehr gerne.
    Unser Aquarium ist mit Plexiglas abgedeckt, die Korallen zu 99 % angeklebt (außer abzugebenden Ablegern) und wir richten uns dann mal auf ein heiße Phase bei einer Balz ein. =)

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