...bzw. - wie lange und bei welchen "minimalsten" Salinitäten können unsere tropischen Aquarienfische überleben.
Hallo,
ich mach dazu hier einen neuen Thread auf, obwohl es eigentlich die Geschichte des von mir betreuten Meerwasserbeckens betrifft. Aber nachdem es vom Thema als solches sicher für manchen interessant ist und weil ich auf die Gefahren hinweisen will, denke ich es ist besser so.
Ist etwas länger...
Auf alle Fälle fällt das unter die Rubrik: "es passiert immer dann, wenn niemand da ist" sowie "dumm gelaufen" und "gerade noch mal Schwein gehabt" (wenn man das hier sagen kann......).
War ja am Wochenende in SIFI; als ich Sonntag Abend nach Hause komme ein Anruf auf meinem Anrufbeantworter: vom Hotel - sie haben am Morgen angerufen und draufgesprochen, dass die Salinität nicht mehr passt. Ich soll dringend den früheren Hausmeister (ist seit 2 Wochen nicht mehr dort) am Handy anrufen.
Dummerweise hatte ich von dem keine Handynummer - also um 2200 Uhr im Hotel angerufen.
Die Rezeptionsdame teilt mir mit, dass sie gerade zu haben (von Sonntag bis incl. Donnerstag wird im ganzen Haus wie wild um- und dazugebaut bzw. renoviert) und sie keine Handynummer von ihm haben.
Ok - jetzt kann ich dann sowieso nichts machen, rufe dann morgen in der Früh an.
Hab dann also gestern gleich um 0800 Uhr angerufen und kurze Zeit später kam der Rückruf von Lisi, die für das Aquarium "zuständig" ist. Sie schildert mir die komplette Geschichte:
Nachdem ja noch jede Menge Dreck im Becken war, hatte ich mehrere Maßnahmen ergriffen um dem Abhilfe zu schaffen. Eine war, dass ich bei meinen letzten beiden Wartungstagen am Becken mit einer 2000L Pumpe den ganzen Tag über einmal das Wasser aus dem Becken über Filterwatte laufen ließ. Beim zweiten Mal hab ich das direkt im Technikbecken auch noch gemacht. Um weiteren Dreck auch dazwischen rauszubringen, hatte ich zwei blaue Filtermatten in das Technikbecken eingebracht, die alle zwei Tage rausgenommen und gesäubert wurden. Dabei rann aber jedes Mal wieder einiges vom Dreck ins Becken. Also brauchte es eine besser Lösung. Dazu hab ich die AMA Filtersäcke bestellt (da bleibt der ganze Dreck drinnen) und dem Haustechniker erklärt, dass er sie im Technikbecken unter den Einlauf vom Becken (ca. ein 10er Rohr) hängen sollte. Ich hatte gleich mehrere bestellt und ihm auch erklärt, dass er sie regelmäßig kontrollieren müsse, da sie sehr schnell voll seien. Am Freitag hat er dann den ersten montiert. Allerdings sowohl am Auslauf vom Beckenwasser ins Technikbecken als auch am danebenliegenden Einlauf vom Abschäumer. Da ist etwas wenig Platz (ca 30cm für beide Rohre - und ganz knapp an der Hinterkante des Technikbeckens - dadurch ist da kein Platz für die Plexiglashalterung, die es für die Säcke gibt - aber normal geht es auch ohne die - wenn man es denn richtig macht....) Er hatte die allerdings so hoch montiert, dass der obere Plastikrand des Beutels in beiden Fällen auf der Oberkante des Technikbeckens "lagen" und zwangsläufig auch etwas über den Rand des Technikbeckens hinten überstanden. Damit war das Rohrende ca. 5cm unterhalb der Sackoberkante.
Bei einer Kontrolle am Sonntag dann der Schock, Wasser im Raum - die Säcke waren durch den Dreck ziemlich zu und da das Wasser durch die zwei Förderpumpen mit mehr als 8000L pro Stunde ins Technikbecken "umgewälzt" wird, kommt aus dem Rohr mächtig was raus und mußte sich so den Weg darüber hinaus bahnen - somit lief zwangsweise ein Teil des Wassers hinten über den Rand des Technikbeckens
:(.
Da am Aquarium eine automatische Niveauregulierung/Nachfüllvorrichtung hängt, die bei Wasserfehlstand Wasser aus der angeschlossenen Leitung nachdosiert, wurde das Fehlwasser fleißig durch süßes ersetzt..... 8o;(.
Kurzum: es war einiges an Wasser ausgelaufen, bis er es entdeckte und in einer gut 1 m[h]2[/h] großen Vertiefung (wo die Rohre aus dem Technikbecken in den Boden geleitet werden um das Wasser unter dem Boden zum Aquarium zu führen) stand das Wasser laut Haustechniker etwa 15cm hoch! Er hat die Säcke dann gleich entfernt und einen neuen unters Einlaufrohr - richtig - tiefer gehängt, sodaß das Wasser im Falle der Verstopfung lediglich über den Sack überläuft, aber nicht übers Becken rausschwappen kann.
Schlauerweise hat er auch die Salinität mit dem Refraktometer nachgemessen und als Konsequenz mal etwas Salz nachdosiert. Dann haben sie versucht mich zu erreichen, haben es aber nur Zu Hause versucht, wo natürlich niemand war.
Lisi erklärte mir dann gestern weiter beim Telefongespräch in der Früh, dass das Refraktometer eine Salinität von 20 anzeigen würde (8o
8o) - ich hab gleich mal gefragt, ob denn am Becken alles ok sei - sie meinte ja, bis auf ein paar Seeigel, die wohl rumlägen, aber alle Fische seinen bestens.
Ich erklärte ihr, dass ich am Abend gleich nach der Arbeit raufkommen würde und sie mal bis dahin zumindest mal langsam Salz ins Becken zugeben sollten.
Als ich Abend raufkomme, gleich mal ein Blick ins Becken - ok alle Fische sehen ganz normal aus, aber die Korallen haben zeimlich gelitten.
Ich messe mit meinem Refraktometer und tatsächlich - mich trifft fast der Schlag - die Salinität liegt bei 20!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Da ich wegen der Renovierungsarbeiten keinen Zugang zu einem PC hatte hab ich schnell mal Ruedi angerufen (danke für die Hilfe!) um die fehlende Salzmenge zu ermitteln (ich hab leider nicht sein Gesicht gesehen, als ich ihm sagte er solle mir mal am PC mit dem Calculator ausrechnen wie viel Salz ich zugeben müsse, damit ich bei 2000L von 20 auf 30 käme... (sein Ergebnis gut 23kg!)
Da müssen also ungefähr geschätze 600 Liter ausgeronnen und durch Süßwasser nachdosiert worden sein.
Weitere Folgen des Unfalls: die Glasfaser-Deckenbeleuchtung der Bar (die dummerweise so wie die ganze Unterhaltungselektronik ebenfalls in diesem Raum untergebracht ist - die Aquarientechnik wurde später hier eingebaut) ist wieder mal "beimTeufel", ganz zu schweigen, was das Wasser, das nicht in der Vertiefung stand, sondern schon den Weg in die Decke "gefunden" hatte, so für Folgen hat.....
Ich hab dann also die Salinität langsam wieder auf 30 angehoben. Puh, die Fische scheinen echt hart im Nehmen zu sein - bisher kein Ausfall und auch keine Streßzeichen wie Pünktchen etc. (nicht mal beim Weißkehl).
Also ich weiß jetzt wieder mal, warum ich kein Freund von Nachfüllanlagen bin, die an der Wasserleitung hängen und so unbegrenzt Süßwasser zuführen können. Hätte es die Speisung aus einem Reservoir mit begrenzter Menge gegeben, dann wäre nach der Entleerung der Wasserstand im Becken bis zum Kamm gesunken (im cm Bereich) und die Pumpen am Technikbecken trocken gelaufen - aber auf alle Fälle lange nicht so viel Wasser ausgelaufen bzw. das Becken fast ausgesüst worden. (so was hatten die ja schon mal, als der Abschäumer viel zu feucht eingestellt war).
Vor allem, wenn da niemand ist, der sich da etwas besser mit allem auskennt.
Kontrollanruf heute morgen - soweit alles ok.
Na ja, immerhin noch Glück im Unglück mit den Fischen gehabt....
Grüße
Markus
