Faulstellen im Sand

  • Hallo,

    ich hab die letzten Monate arge Probleme mit dem Sand.
    Und zwar finden sich überall tiefschwarze Faulstellen.

    Bei Beckeneinrichtung 2008 habe ich ganz feinen weißen Sand
    benutzt, absolute Hammeroptik, aber dann nur noch Probleme.

    Der Sand behielt nicht die tolle Farbe und wurde immer trüber.
    Trotz diversen Sanddollars, Seeigeln, Grundelen und Schnecken
    die den Sand in Bewegung halten finden sich immer mehr
    Faulstellen. Es betrifft natürlich auch Stellen wo nichts aufliegt, der
    Aufbau ist eh meist auf Stützen.

    Die Sandflächen die im Schatten liegen sind oft noch wie "neu".

    Nun hatte ich ein Drittel des Beckens abgesaugt, ein bisschen vom alten
    der noch in Ordnung war, war noch drin und ich füllte mit neuem groberen
    Sand auf. Und jetzt habe ich (ein paar Wochen später) wieder den gleichen
    Ärger.

    Nun frage ich mich ob sich diese Faulstellen nur den Rest des alten
    Sandes betreffen oder das sich das wie Pest auch gleich den neuen Sand krallt.

    Heute morgen habe ich nun angefangen weiter abzusaugen. Alle Aufbauten hatte ich
    die letzten Tage bereits auf Gestellen aus Lichtratserplatten noch höher gesetzt.
    Aufgrund der Notwendigkeit des Sandes für die diversen Tiere kommt eine
    kompletter Hauruckaustausch nicht in Frage, ich denke ich werde aber heuer
    eine Hälfte des Beckens sandfrei machen.

    Hat jemand den gleichen Ärger mit zu feinem Sand ? Oder was könnte noch
    ein Problem sein ?

    Grüße,
    Chris

    Einmal editiert, zuletzt von 12R-CHRIS (2. Juni 2010 um 10:57)

  • Hi Chris,

    Diese Erfahrungen kann ich mit dir teilen!
    Ich habe etwa 2cm AMA Nature's Ocean Marine White sand drinn,
    am Anfang sah der wirklich Hammermässig aus, zwischenzeitlich
    würde ich etwas gröbere Körnung verwenden!

    Trotz starker Strömung etc. bildet der Sand an gewissen Stellen
    so wie Verklumbungen, die irgendwie unschön aussehen!
    Wenn ich dann manchmal den verwehten Sand wieder im Becken verteile
    konnte ich auch schon "schwarze Stellen" feststellen. Nach dem Verteilen werden
    diese Stellen jedoch innert 10min wieder weiss. Ob das faule Stellen sind
    oder halt einfach Bakterien oder keine Ahnung was... ???

    Jedenfalls durchmische ich so jede zweite Woche den Sand mit einem umfunktionierten
    Stabklingenreiniger (ohne Klinge). Danach sieht der Sand wieder aus wie neu.
    Der Abschäumer hat dann für etwa 1h was zu tun, aber den Korallen etc. geht es deshalb
    nicht irgendwie schlechter.

    Wie hoch ist denn deine Sandschicht?

    Gruss
    Matthias

  • Hallo,

    also das mit dem Mischen kann ich so nicht bestätigen, der
    Sand bleibt bei mir an den Stellenb leider schwarz, hab es jetzt nochmal
    getestet. Sandhöhe war ursprünglich ca 8 cm cm, mittlerweile ist
    es weniger weil ich schon hie und da Sand entfernt habe.

    Es sind 3 Sanddollars drin, 2-3 Herzseeigel, 2 Seewalzen und 3
    Grundeln die den Sand durch"kauen". Allerdings muss man ja auch
    sagen dass die Grundeln ja mehr die Oberfläche bearbeiten, da
    hab ich keine schwarzen Stellen, der Sand ist aber selbst da nicht
    mehr rein sondern viel dunkler.

    Das mit den Verklumpungen stimmt, teilweise ist das Zeug richtig
    hart geworden und lässt sich gar nicht mehr zerbröseln.

    Also ich bin mal gespannt ob das mit dem neuen Sands nochmal
    passiert oder ob es wirklich nur an der Sorte lag....

    Grüße
    Chris

  • Hallo,

    trotz komplettem Wechsel des Bodengrunds und Erhöhung der
    Besatzung um 2 weitere große Grundeln die den Sand durchkauen
    sieht es jetzt nach ein paar Monaten wieder aus wie vorher.
    Es sind nur noch 30-40kg Sand drin. An manchen Stellen
    höher, an manchen Stellen kaum Sand.

    Dennoch finde ich wieder tiefschwarze Stellen und zwar in verschiedenen
    Bereichen des Beckens. Gammelstellen oder schlecht durchströmte Stellen
    gibt es nicht, alle Aufbauten stehen auf Gestellen und werden auch unterspült.

    Die Strömung wurde extra umgestellt und so weiter und so fort.

    Die Sanddollars, die Seegurken, die Herzseeigel sind immer unterwegs, aber
    scheinbar nützt das in meinem Becken nichts.

    Ich würde den Sand ja komplett rausnehmen, aber ich hab ja wirklich einiges
    an Lippfischen die im Sand übernachten.

    Was tun ?

    Grüße
    Chris

  • Moinsen,
    kommt die schwarze Färbung nur an den Stellen mit höherem Sand vor oder auch an Stellen an denen quasi kein Sand ist? Im ersteren Fall würde ich anaerobe Bereiche mit ihrer eigenen Bakterienfauna vermuten, im letzteren Fall eine Verunreinigung des Sandes, mit was auch immer.

    " Und der Haifisch, der hat Tränen und die laufen vom Gesicht
    Doch der Haifisch lebt im Wasser so die Tränen sieht man nicht
    In der Tiefe ist es einsam und so manche Zähre fliesst
    Und so kommt es , dass das Wasser in den Meeren salzig ist "

    Beste Grüße

    Stefan

  • Hallo,

    nun, die Sandhöhe scheint nicht so relevant zu sein, es ist
    in hohem als auch in niedrigen Bereichen. Auch ist es meist
    recht nah zur Oberfläche, also nichtmal tief unten.

    Grüße
    Chris

  • Ich habe auch ab und zu so schwarze Stellen im feinen Aragonitsand. Das scheint aber nicht direkt mit der Schichthöhe zusammen zu hängen und auch nicht auf besonders viel Mulm im Sand zu basieren. Wenn ich die Stellen mit der Aquarienzange umschichte, fällt mir da nicht auf, dass besonders viel Dreck aufgewirbelt würde.
    Ich war da auch zunächst recht besorgt. Ich habe aber bisher keine negativen Auswirkungen feststellen können. Es riecht nicht, wenn man die Stellen umgräbt und es steigen auch nur selten (und wenn dann sehr wenig) Blasen auf, so dass ich nicht davon ausgehe, dass dort viel anaerobe Faulprozesse stattfinden. Die Stellen werden von Grundeln, Seesternen und Lippfischen nicht gemieden und auch bei Korallen und Fischen merkt man keine negative Reaktion, wenn ich mal wieder umgrabe.
    Mittlerweile sehe ich das relativ entspannt, auch wenn es vielleicht nicht optimal ist. Bin ich da zu sorglos?

  • Hallo Nils und Chris,

    ihr könnt euch beim diesem Thema auf eure Nase verlassen. Wenn ihr regelmäßig Proben der dunklen Stellen
    entnehmt und diese nicht nach faulen Eiern stinken, dann habt ihr kein Problem. Auch harmlose Eisenoxide können
    solch eine Färbung erzeugen.

    Gruß Armin

  • Hallo Heinz,

    wie Thomas schon schrieb kommt der Geruch vom Schwefelwasserstoff und der ist sehr giftig. Ursache kann
    Ablagerung von zu viel organischem Material (Futter, tote Organismen) im Boden, zu wenig Strömung in diesem
    Bereich und zu wenig Wühl- und Putzarbeit durch grabende Tiere sein.

    Wenn das Problem nicht biologisch durch den richtigen Tierbesatz (grabende Fische und Seesterne, Seegurken usw.)
    gelöst wird kann es auch durch regelmäßige (oberflächliche) Bodengrundreinigung verhindert werden.

    Gruß Armin

  • Hi auch wenn ich erst Anfänger bin ist mir beim Ausräumen des nun gebraucht gekauften Beckens auch diese schwärzlich graue Sandverfärbung aufgefallen diese war aber zumeist im Beteich der Riffkeramikverkleidung am Schacht. Hintergrund vermute ich eben kaum Strömung und einfach Ansammlung von "Speiseresten" etc. Der Sand war nicht sehr fein und in diesem Bereich auch geklumpt und stark riechend.

    Denke ich muss bei der Neueinrichtung hier auch aufpassen dass entweder keine Stellen entstehen die nicht beströmt werden bzw keine solche Stellen schaffen wo sich Sand unter die Keramik schiebt den man dann nicht säubern oder nur mit sehr viel Mühe entfernen kann.

    Grüße
    Georg

  • Hallo Armin,
    schon dein Lösungsansatz mit dem Eisenoxid stiess bei mir auf Befremden. Fällungen von Eisensalzen bei Redoxpotentialen von > 150mV erwarte ich nicht und solche Redoxpotentiale von < 150 mV warte ich nicht an der Sedimentoberfläche.
    Deine eindeutige Empfehlung zu mehr grabenden Tieren nach dem Motto "viel hilft viel" gefällt mir zumindest in ihrer Eindeutigkeit nicht.
    In den Becken von Nils und Chris scheint es schon reichlich Tiere in Form von Fischen, Igel, Gurken und Sternen zu geben, welche den Sand "lüften".
    Authoren, die sich mit starken Bodensedimentschichten im Aquarium auseinandersetzen (Shimek, Jaubert, .....) verzichten bewusst auf Tiere, die die Fauna und Flora im Bodensediment dezimieren. Phytobenthos des euphotischen Bereichs und benthales Zooplankton werden dort wichtige Aufgaben wie Sauerstoffversorgung, Nitratfixierung, Phosphatfixierung, Abbau organischen Sediments usw zugeschrieben. MIr ist nur ein Dr. K. bekannt, der anderer Meinung ist.
    Nils und Chris führen einen Krieg gegen dieses benthales Plankton. Ich sehe in mehr grabenden Tieren auch das Problem und nicht unbedingt die Lösung.
    Wenn mittig auf der Sandfläche bei viel Licht der Sand dunkel wird und es im Schatten weiss bleibt, glaube ich nicht an anoxische Verhältnisse im Sand, sondern an phototrophe Organismen mit dunkler Farbe.

    mit Gruss
    Rainer

    Einmal editiert, zuletzt von Rainer S. (27. September 2010 um 21:06)

  • Also ich kann ja mal meine schwarzen Stellen näher beschreiben, damit ihr alle Fakten kennt...

    1) Sand ist 0,5 - 1mm Aragonitsand. War früher immer 1-2mm Korallenbruch und nie schwarze Stellen
    2) Schwarze Stellen liegen z.t. sehr nah unter der Sandoberfläche. Ein bisschen wedeln und man sieht grauen Sand.
    3) Im Becken (160x70x60) leben 4 grabende Sterne und in Paar Baggergrundeln. Dazu noch zwei Lippfische, die im Sand schlafen.
    4) Keine nennenswerte Blasenbildung an schwarzen Stellen.
    5) Keine Reaktion der Korallen beim aufwirbeln der schwarzen Stellen
    6) Lippfische schlafen auch problemlos in schwarzem Sand
    7) Schwarze Stellen kommen sowohl im Sand am Filterschacht (wenig Licht, ruhige Strömung) als auch an einigen anderen Stellen mit viel Licht und starker Strömung vor.
    :smiling_face_with_sunglasses: Ich habe jetzt über einige Monate ganz wenig Vodka dosiert (ca 3ml auf 700 Liter täglich). Mit dem Einzug von 20 neuen Korallen vor 2 Monaten habe ich das nun wieder auf 0 zurückgefahren. An den schwarzen Stellen ändert das nichts.

    Ich war anfangs recht beunruhigt über die schwarzen Stellen, da ich auch direkt an Faulprozesse gedacht habe. Das scheint hier aber nicht gegeben zu sein. Ich denke dann würden die Tiere auch ganz anders auf die schwarzen Stellen reagieren.

  • Hallo,

    vielen Dank mal für die Gedanken die Ihr Euch da macht !
    Absolut interessante finde ich auch das Statement von Rainer
    von wegen "phototrophe Organismen". Das klingt einleuchtend.

    Die Folge wäre aber dann doch dass früher oder später der
    ganze Sand dunkel wäre ?!

    Grüße
    Chris

  • Hi Nils,

    Zitat

    Original von Nils
    Also ich kann ja mal meine schwarzen Stellen näher beschreiben, damit ihr alle Fakten kennt...


    Danke für die Einzelheiten.

    Zitat

    1) Sand ist 0,5 - 1mm Aragonitsand. War früher immer 1-2mm Korallenbruch und nie schwarze Stellen


    Der "kleine" Unterschied der Sand ne Nummer feiner zu wählen führt zu einer Halbierung der durchschnittlichen Porendurchmessers, einer eher geringen Abnahme des Porenanteils, aber zu starken Veränderung des Verhältnisses von Haftwasser zu freiem Porenwasser, ca Faktor 2.
    Den ohnehin schon geringen Einfluss von advektiver Strömung und Diffusion beim Stoffaustausch Sediment<->Wasser schwächst du dadurch nenneswert.

    Zitat

    2) Schwarze Stellen liegen z.t. sehr nah unter der Sandoberfläche. Ein bisschen wedeln und man sieht grauen Sand.


    Schwarze Stellen unterhalb der Sedimentoberfläche in können eine Ausfällung von Metallsalzen sein. Das Redoxpotential nimmt mit zunehmender Tiefe ab, wodurch es zur Fällung von Eisensalzen kommen kann.

    Zitat

    3) Im Becken (160x70x60) leben 4 grabende Sterne und in Paar Baggergrundeln. Dazu noch zwei Lippfische, die im Sand schlafen.


    Interessant wäre die Grösse der Sandfläche oder deren Fächenanteil. Hast du mal "lebenden Sand" eingebracht? Ich meine nicht Livesand, sondern den direktimportierten, teuren lebenden Sand.

    Zitat

    4) Keine nennenswerte Blasenbildung an schwarzen Stellen.


    Gasblasenbildung im Bodensediment sind nicht allein kennzeichnend für anoxische Verhältnisse. Einerseits ist auch Stickstoff wasserlöslich und andererseits produzieren Algen obenflächennah auf den Sedimentpartikeln auch Sauerstoff.

    Zitat

    5) Keine Reaktion der Korallen beim aufwirbeln der schwarzen Stellen
    6) Lippfische schlafen auch problemlos in schwarzem Sand


    Hättest du "Fäulnis" im Boden würden die Tiere mit Sicherheit reagieren. Die Lippfische würden morgens nicht wach, da der Schwefelwasserstoff, wie bereits gesagt, recht giftig ist. Die schwarze Farbe käme dann u.a. vom Eisen(II)-sulfid, welches dort ausfällt.

    Zitat

    Ich war anfangs recht beunruhigt über die schwarzen Stellen, da ich auch direkt an Faulprozesse gedacht habe. Das scheint hier aber nicht gegeben zu sein. Ich denke dann würden die Tiere auch ganz anders auf die schwarzen Stellen reagieren.

    Stellen beobachten, gelegendlich ne Probe rausschöpfen und unter die Nase halten oder wenns das Auge stört auswechseln.

    Gruss
    Rainer

  • Moin Chris,

    Sand wird nicht zwangsläufig dunkel. Phototrophe Organismen stellen beim Bodensediment neben organischen Partikeln von der Sedimentoberfläche die beiden "Antriebsquellen" der Biozönose dar. Verwertet werden beide Quellen von u.a. Würmern (Vielborstern, Wenigborstern,...) oder Krebschen (Muschelkrebse, Copepoden, Amphipoden,..). Dabei wird der Sand auch durchmischt. Durch den Verzehr und durch die Durchmischung bleibt der Sand sauber/weiss. Das Schlagwort heisst hier Bioturbation.
    In der Natur und in einem Aquarium, indem diese Tierchen eine Chance haben, wird der Sand nicht merklich dunkler.

    Gruss Rainer

  • Hallo Rainer,

    da im Meerwasser das Löslichkeitsprodukt von z.B. Magnetit meist weit überschritten ist, brauchst du für Fällungen
    nicht das von dir genannte Redoxpotential. Kann es sein, dass du da Oxide mit Sulfiden verwechselst?

    Die von dir vermuteten phototrophen Organismen müssten sich leicht ablösen lassen. So könnte vielleicht durch einfaches
    Ausspülen einer Sandprobe die Ursache gefunden werden.

    Gruß Armin

  • Moin Armin,
    danke für deine Rückmeldung. Magnetit hab ich nicht auf den Radar gehabt, da ich es für wasserunlöslich hielt. Ich dachte an Ausfällungen im Rahmen der Eisenatmung. Der Übergang Fe(III) zu Fe(II) findet laut Barrie Entsch, Kevin G. Boto, Robin G. Sim, and John T. Wellington
    (Phosphorus and nitrogen in coral reef sediments) bei 100-150 mV statt, also laut der selben Studie unterhalb der Sedimentoberfläche.
    Ich gebe also nur fremdes Wissen wieder, welches mir aber plausibel erscheint. Um ein paar mV will ich mich nicht streiten, es geht mir eigentlich um die Lösung des Problems und etwas dabei zu lernen.

    Die Becken von Nils, Chris und Matthias haben gemeinsam:
    Weissen Sand mit schwarzen Flecken, grabende Tiere, keine Schwefelwasserstoffbildung.

    Unterschiede:
    Sandoberfläche schwarz, Sand unterhalb der Oberfläche schwarz, Sand klumpt, Sand klumpt nicht, Schwärzung löst sich auf, Schwärzung löst sich nicht auf.

    Meine Vermutungen:
    Das/die Problem/e ist/sind komplexer (eher biologischer) Natur . Es ist nicht mit "noch ne Grundel rein" zu beheben.
    Eine Ausfällung von Eisensalzen wird nicht in allen drei Fällen die Ursache sein.

    Was ich weiss:
    Über Sedimente/Substrate im Aquarium und was in ihnen vorgeht weiss ich zu wenig. Was ich meinte zu wissen, ist teilweise falsch oder falsch bewertet. Hier sehe ich zumindest meine "Baustelle".

    Die Position von Dr. Jens Kallmeyer zu grabenden Tieren im DSB verstehe ich z.B. überhaupt nicht und je mehr ich versuche die Position dieses promovierten Wissenschaftlers zu verstehen, umso weniger verstehe ich sie.

    mit Gruss
    Rainer

    PS: Hast du jetzt einen Nebenjob als Nachtwächter? Dein Posting war von 01:30!!

    Einmal editiert, zuletzt von Rainer S. (2. Oktober 2010 um 11:20)

  • Hallo Rainer,

    mir ging es gar nicht darum, dass Eisen unbedingt die Ursache für die Schwarzfärbung sein muss, ich hatte es nur
    als eine Möglichkeit genannt. Ich bin nur über dein "Befremden" gestolpert :winking_face:

    Mit der Redoxgrenze, die in dem von dir erwähnten Artikel genannt wird, verhält es sich übrigens umgekehrt:
    Unterhalb von 150 mV werden die Eisenverbindungen löslicher, da dann divalenten (Hydr-)oxide gebildet werden.

    Mit grabenden Organismen mache ich selbst übrigens schon lange gute Erfahrungen. Früher besorgten es nur
    Seesterne und Seewalzen, seit ich vor einigen Jahren eine Aalgrundel eingesetzt habe, wird eh alles immer wieder komplett umgegraben.

    Ich könnte mir auch vorstellen, dass die feine Körnung das Problem verursacht.

    Gruß Armin

  • Moin Armin,

    danke für den Aufklärungsunterricht. Heisst das dann, dass die Schwärzung unterhalb der Sandoberfläche wahrscheinlich kein Eisenoxid ist?

    Wir sollten bei dem Thema "Sand im Aquarium" vielleicht differenzieren nach der Aufgabe des Sandes.
    1) Ist der Sand als Dekoration eingebracht worden
    2) Ist der Sand nur das notwendige Habitat um beispielsweise ein bestimmtes Tier zu pflegen.
    3) Hat der Sand eine tragende Funktion für die Beckenbiologie (DSB)

    Während bei 1 und 2 der schrittweise Austausch gegen neuen Sand ( evtl mit mehr Porenvolumen) angesagt ist, sieht es bei Fall3 schon anders aus. Da ist schnell der Wurm drin, wenn der Wurm nicht drin ist.
    Lies bitte mal (ist zwar kein Riff):
    Direct measurement of dissolved inorganic nitrogen exchange and denitrification in individual polychaete (Nereis virens) burrows
    by Erik Kristensen, Mikael Hjorth Jensen and Robert C. Aller

    Artenverteilung in Abhängigkeit (u.a) von der Sedimentzusammensetzung:
    Patterns in the distribution of macrofaunal communities in coral reef sediments on the central Great Barrier Reef by Martin J. Riddle

    Was passiert wenn diese Organismen dezimiert werden?

    Gruss
    Rainer

  • Hallo Rainer,

    danke für die Literaturtipps. Dass Polychaeten einen immensen Nährstoffaustausch im Boden bewirken können,
    ist mir klar. Ich denke jedoch, dass wir im Aquarium in den seltensten Fällen ein in dieser Hinsicht naturnahes System
    vorfinden. Die Dichte des Tierbesatzes ist hier ungleich höher und die Gefahr, dass sich eine Spezies im Becken
    nicht etablieren kann, ist daher groß. Ein Beispiel: Mein Bodengrund brodelte vor vielen Jahren bei jeder Fütterung,
    da ich einen immensen Polychaetenbesatz hatte. Dann setzte ich eine einzige Palinurus in das 1500 Liter Becken
    und nach einigen Monaten fand ich keinen einzigen Borstenwurm mehr. Selbst nachdem die Languste Opfer einer
    Teppichanemone wurde, hat sich der Polychaetenbestand nie mehr richtig erholt.

    Ich denke, dass wir im Aquarium hauptsächlich mit planerisch-technischen Mitteln den Nährstoffaustausch im Boden
    garantieren müssen, wobei ein grober Bodengrund sowohl leichter durchströmbar ist als auch mehr direkte Strömung
    aushält, ohne davonzuschwimmen. Größere grabende Organismen haben sich bei mir, wie schon erwähnt, sehr
    bewährt. Wobei wir im Vivarium einen ganz anderen Weg gehen: Nicht allzu tiefer Bodengrund, dafür wöchentliche
    Reinigung mit Auswaschen eines Teils des Korallenbruchs.

    Mir sind Versuche, die natürlichen Verhältnisse nachzubilden ausgesprochen sympathisch, Becken ohne Bodengrund
    finde ich schrecklich. Für mich gehören aber auch die grabenden Tiere zu den natürlichen Verhältnissen dazu.
    Einen Versuch mit feinem Mittelmeersand und den zugehörigen Kleinlebewesen habe ich aus Neugierde übrigens
    auch seit einigen Jahren laufen. Als pflegeleichte Alternative zu starker Strömung und grobem Bodengrund
    kann ich es aber nicht empfehlen.

    Gruß Armin

  • Nabend Armin und natürlich auch alle anderen
    auch wenn ich die Quellen nur überflogen hab, scheinst du richtig zu liegen mit

    "feiner Sand schlecht"
    Aerobic and anaerobic decomposition of organic matter in marine sediment: Which is fastest?
    Erik Kristensen

    "viel Strömung gut"
    Solute release mechanisms from confined sediment cores in stirred benthic chambers and flume flows;
    M. Huettel, G. Gust

    auch Licht hilft nicht viel bezüglich Sauerstoffeintrag
    Denitrification and photosynthesis in stream sediment studied with microsensor and whole-core techniques;
    Lars Peter Nielsen, Peter Bondo Christensen, Niels Peter Revsbech and Jan Smensen

    Gruss
    Rainer, der LEDs viieel laaangweiliger findet als Sand

    Nachtrag:
    Borstenwürmer scheinen ersetzbar:
    Oxygen and inorganic nitrogen contents and fluxes in burrows of the shrimps Callianassa japonica and Upogebia major; Isao Koike and Hiroshi Mukai

    2 Mal editiert, zuletzt von Rainer S. (4. Oktober 2010 um 21:39)

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