Methode "Pseudo Balling"??

  • Hallo zusammen
    EinThema das mich schon lange interressiert.
    Wenn man die Regale der gutsortierten Aquahändlern durchsucht findt man eine große Auswahl an Aufhärtungsprodukte mit Namen wie etwa KH plus oder ähnlich. Auch viele Produkte zur Erhöhung des Calzium und Magnesiumwertes werden angeboten. NaCl freihes Meersalz muß man meist suchen. Die Dosierungsanleitungen dieser Produkte sind meist sehr allgemein formuliert.
    Dies weckt in mir den Verdacht das viele von uns (ich auch) relativ schnell und unkompliziert diese Mittel verwenden, das Ergebnis KH und Calzium Wert kann man ja messen.
    Diese Mittel basieren nach meiner Meinung doch alle auf Natriumhydrogencarbonat bzw. Calzium chlorid, eben der Ballingsalze.(Oder liege ich falsch?,bitte informiert mich)
    Wir verwenden also ohne Rechnerei Mittel die uns im Ergebnis die Suppe versalzen also die NaCl Wert erhöhen, das Ionengleichgewicht verschieben.
    Natürlich ist dies bei einer gelegentliche Dosierung nicht so tragisch, da ja NaCl ein Mengenelement ist.
    Gibt es bei euch Erfahrungen wann es aber doch Kritisch wird? Welche Folgen hat eine Ionenverschiebung in Becken, gibt es pathologische Befunde die auf eine NaCl Vergiftung hinweisen oder gibt es Möglichkeiten den Na bzw. Cl Wert zu bestimmen?
    Ich freue mich auf eine ausgiebige Disskusion über diese "Pseudo-Ballingmethode"
    Grüße Lars

  • Hallo Lars :smiling_face:

    eine sehr gute Diskusson die Du hier anregst :smiling_face:
    Ich versuche es mal meine Meinung zu posten...

    Zitat

    Original von Lars Kläning
    Diese Mittel basieren nach meiner Meinung doch alle auf Natriumhydrogencarbonat bzw. Calzium chlorid, eben der Ballingsalze.(Oder liege ich falsch?,bitte informiert mich)


    ===> Du liegst damit sicher richtig, es wurde auch früher schon oft mal darüber disktuiert. Es ist so das solche flüssigmittel einfacher sind wenn sich leute nicht mit der Ballingmethode beschäftigen wollen. Auch macht es für zum beispiel kleine bis kleinste Becken noch Sinn von den Kosten her. Für grosse Becken die einen guten Verbauch haben kommen diese Mittel dann ohnehin normal nicht mehr in Frage, ausser man hat zuviel Geld über :smiling_face:

    Zitat

    Wir verwenden also ohne Rechnerei Mittel die uns im Ergebnis die Suppe versalzen also die NaCl Wert erhöhen, das Ionengleichgewicht verschieben.
    Natürlich ist dies bei einer gelegentliche Dosierung nicht so tragisch, da ja NaCl ein Mengenelement ist.
    Gibt es bei euch Erfahrungen wann es aber doch Kritisch wird?


    ===> nein, mir ist so noch kein Fall einer Ionenverschiebung bekannt.
    Zumindest kein nachweisbarer.

    Zitat

    Welche Folgen hat eine Ionenverschiebung in Becken, gibt es pathologische Befunde die auf eine NaCl Vergiftung hinweisen oder gibt es Möglichkeiten den Na bzw. Cl Wert zu bestimmen?


    ===< siehe oben. ich kenne genug die mit der einen oder anderen Methode verfahren, und das ohne das NACL freie 'Meersalz. Keiner klagtet bisher über Probleme. Falls es welche geben sollte, ist es doch eher so das heute halt einfach weit mehr Wasser gewechselt wird als früher und man so doch auch wieder vorbeugt.

    Zitat

    Ich freue mich auf eine ausgiebige Disskusion über diese "Pseudo-Ballingmethode"


    ===> Stimmt, eine echt schöne und interessante Anregung :smiling_face:

    Ich denke das das grosse problem einfach die Ballingmehtode ist die viele nicht verstehen. Würde Sie jeder verstehen würde sie vermutlich jeder machen. Es ist halt schon so das es viele gibt die sich nicht mit der Problematik beschäftigen die kaufen halt im Laden KH Plus, MG Plus etc. Dabei muss man nur ein wenig lesen..

    Wir arbeiten zum Beispeil seit Jahren schon mit Magnesium aber leider nie mit CA. Nun war auch mal Calzium dran, und ich selbst habe es falsch gemacht. (nicht nacheinander sonder zugleich dosiert) Wenn man es aber dann mal gerafft hat, ist eine Zugabe nach Balling weit billiger als Flüssigprodukte.

  • Danke Robert
    Du machst mir Mut!
    Aber ihr anderen ? Ist das Thema zu langweilig, weil ihr alle schon tausendmal darüber gesprochen habt? Oder ist es zu speziell ?
    Oder ist es einfach durch Roberts Antwort schon umfassend beantwortet?
    Lars

  • Was ich an der balling methode am verwirrendsten finde, ist dass kein einziger händler bei mir diese methode kennt.... :confused_face: :st:

    :grinning_squinting_face: iP!!

    iP's Most Rated Sept/06:
    1. ENUR - Calabria 2006
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  • Es kommt die Frage auf, ob wir mit der rumrechnerei überhaupt etwas sinvolles machen oder ob man die Ionenverschiebung ausser acht lassen kann.

    Es sind ja m.E. auch zwei Arten von Ionenverschiebungen möglich:

    1. Ich dosiere immer nur Cacliumchlorid, dann habe ich hinterher Cl > Na

    2. Ich dosiere immer NaHCO[T]3[/T] dann habe ich hinterher Na > Cl

    3. Ich dosiere beides gleich, dann habe ich hinterher eine Verschiebung von NaCl -> Mineralsalze


    Ich kann mir nämlich gut vorstellen, das Leute sehen "ich habe zu wenig Calcium, dosiere ich mal CaCl" oder "ich habe zu niedrige kH, härte ich mal auf".

    Denn, falls das noch niemandem aufgefallen ist, alle die Balling anwenden und deren sonstige Werte in Ordnung sind (Mg vor allem) haben ziemlich ähnliche Werte in der Hinsicht, jetzt auf kH und pH Wert bezogen!

    Zu meiner Frage oben: Sagen wir, ich dosiere täglich jeweil 50ml von den Balling Flüssigkeiten (Standart Mischung). Macht 350ml die Woche oder 3,85l in 11Wochen.
    Ich mache wöchentlich 60liter Wasserwechsel, das heißt in 11 Wochen habe ich 660liter ausgetauscht von 650l Volumen.
    Ist die Ionenverschiebung dann noch als gravierend anzusehen?

    Einmal editiert, zuletzt von kenny (25. März 2004 um 13:48)

  • Hallo,

    Jetzt nur mal zur KH:

    Es gibt KH-Erhöher, z.b. derPH/KH-Puffer von Salifert, der aus mehr Komponenten, als nur HCO3 (Balling) besteht.
    Der nennt sich selber Tri-Buffer, sollte also auch aus drei Komponenten zur Erhöhung der KH bestehen.

    Ob es wichtig ist die KH-Bildner gemäß der Meerwasserbeschaffenheit zuzugeben, glaub ich aber nicht, da die letzten 10 Jahre ja gute Erfolge nur mit OH- Ionen (Kalkwasser) erreicht wurden.
    Und da OH- Ionen die KH sogar senkt und nur die Alkalinität erhöht, scheint nur diese von Wichtigkeit.


    Zum Zusammenhang Zwei-Komponenten-Methode, also Balling ohne NaCl-freies Meersalzzugabe in Bezug auf Ionendisbalancen existieren in Netz frei zugänglich Untersuchungen (Shimek??), die dem keine so hohe Bedeutung beimessen.

    Viele Grüße
    Frank

    2 Mal editiert, zuletzt von FrankE (25. März 2004 um 15:36)

  • Hallo nochmal
    Klasse das wir jetzt mal drüber reden :]
    @ iP
    Bei Händlern wundert mich eh nichts mehr! (alle hier im Forum schreibenden sind natürlich ausgeschlosse) Kleine Anekdote dazu:
    Neulich beim Händler nach einer algemeinen Frage beende ich das Gespräch mit den Worten "Wenn du jetzt noch einen Tip für mich hast wie ich meine Psycho-Nachzucht ocellaris in ihre Kupferanemone bring kommt die Antwort: "Ocellaris mögen keine Kupferanemonen die gehen lieber in Blasenanemonen":mauer:
    Aber tatsächlich beschäftigen sich wohl sehr viele von uns nicht mit der Ballingmethode weil sie zu sehr nach Chemieunterricht klingt. Begriffe wie Molekulargewicht, Mol und soweiter sind natürlich erstmal verwirrend. Auch hat man Angst etwas falsch machen zu können und kauft daher lieber das super-öko-bio-turbo-mega- Calziumplus der Firma marinoaquaterraxyz mit der wahnsinnig genauen Dosieranleitung "nach Bedarf 10ml pro 100liter Aqurienwasser". Woraufhin der gewissenhafte Aquarianer erstmal abschätzt wieviel Wasser er denn nun wirklich im Becken hat
    @ Kenny
    richtig und wichtig was du schreibst: Man kann sicherlich nur den ein oder anderen Wert erhöhen, ist wohl auch eher die Regel als die gleichmäßige Zugabe und damit eine Ausgewogene Na und Cl Bilanz
    Augenscheinlich korrigieren wir mit einem Regelmäßigen Wasserwechsel
    die Ionenschieflage, daß sie tatsächlich nicht ins Gewicht fällt.
    @ FrankE
    Weist du noch den Link? Würd mich wirklich interressieren.
    Frage zum Kalkwasser : Ist es nicht so das das OH mit dem CO2 (zugabe in Dunkelperiode) zu carbonaten reagiert und auch so zur Kh erhöhung führt?
    Dein Rezept für KH Bildner find ich gut bis auf das Silikat

  • Zitat

    Original von FrankE
    Zum Zusammenhang Zwei-Komponenten-Methode, also Balling ohne NaCl-freies Meersalzzugabe in Bezug auf Ionendisbalancen existieren in Netz frei zugänglich Untersuchungen (Shimek??), die dem keine so hohe Bedeutung beimessen.

    Hallo Frank!

    Ich denke, daß solange regelmäßige (wöchentliche) Wasserwechsel stattfinden, das Problem der Ionenverschiebung zu vernachlässigen ist. Ohne die (auch aus anderen Gründen nicht zu ersetzenden) Wasserwechsel kommt es zwangsläufig zur Erhöhung der Salinität und einer Ionenverschiebung. Meines Erachtens sollten die Wasserwechsel auch wöchentlich durchgeführt werden, um die Schwankungen der Salinität möglichst gering zu halten.

    Gruß,

    Michael

  • Ich pumpe, wenn ich die Balling Flüssigkeiten hinzugebe, vorher die entsprechende Menge aus dem Becken mit Dosierpumpe. Bei mir verdunstet (neuerdings) am Tag gar nich mehr soviel ...

  • Hallo Lars,

    Zitat

    Frage zum Kalkwasser : Ist es nicht so das das OH mit dem CO2 (zugabe in Dunkelperiode) zu carbonaten reagiert und auch so zur Kh erhöhung führt?


    Das wäre mir neu. Durch Kalkwasser erhöht sich die mit den Meßsets gemessene KH, aufgrund der OH-Ionen, und gleichzeitig verringern sich die "eigentlichen" ..karbonate.
    Es ist nunmal so, daß viele Messets angeben KH zu messen was nicht der Fall ist.
    Aber schau mal unten in den links...

    Zitat

    Dein Rezept für KH Bildner find ich gut bis auf das Silikat


    Ist nicht mein Rezept, sondern die Zusammensetzung der Alkalinitätsbildner im Meerwasser :smiling_face:
    Der Tri-Buffer wird wohl nur aus den ersten drei Substanzen bestehen.

    Zitat

    Weist du noch den Link? Würd mich wirklich interressieren.


    Nachtrag: Artikel sind nicht mehr online -sorry.
    Folgendes waren die Titel von Craig Bingman:
    Simulating the Effect of Calcium Chloride and Sodium Bicarbonate Additions on Reef Systems
    Additional Simulations: The Combined Effect Of Calcium Chloride
    /Sodium Bicarbonate Additions And Water Exchanges

    Anscheinend sind alle frei verfügbaren Artikel von Bingman gelöscht worden.


    Calcium and Alkalinity

    Solving Calcium and Alkalinity Problems
    http://www.advancedaquarist.com/issues/nov2002/chem.htm

    How to Select a Calcium and Alkalinity Supplementation Scheme
    http://www.advancedaquarist.com/issues/feb2003/chem.htm

    Purity of Calcium Chloride
    http://www.advancedaquarist.com/issues/mar2004/chem.htm

    Calcium and Alkalinity Balance Issues
    http://reefkeeping.com/issues/2002-04/rhf/feature/index.htm

    Calcium Carbonate as a Supplement (Aragamight; Liquid Reactor)
    http://www.advancedaquarist.com/issues/july2002/chem.htm

    The Relationship Between Alkalinity and pH.
    http://www.advancedaquarist.com/issues/may2002/chem.htm

    The Chemical & Biochemical Mechanisms of Calcification in Corals
    http://www.advancedaquarist.com/issues/apr2002/chem.htm

    Calcium
    http://www.advancedaquarist.com/issues/mar2002/chem.htm

    Alkalinity
    http://www.advancedaquarist.com/issues/feb2002/chemistry.htm

    Viele Grüße
    Frank

    2 Mal editiert, zuletzt von FrankE (25. März 2004 um 22:55)

  • Hi Michael,

    Zitat


    Ich denke, daß solange regelmäßige (wöchentliche) Wasserwechsel stattfinden, das Problem der Ionenverschiebung zu vernachlässigen ist.


    Glaub ich auch.

    Zitat

    Ohne die (auch aus anderen Gründen nicht zu ersetzenden) Wasserwechsel kommt es zwangsläufig zur Erhöhung der Salinität und einer Ionenverschiebung.


    Ob Probleme auftreten hängt ja vor allem von der Menge des Besatzes, der wiederum die Ca+KH-Menge bedingt, ab.
    Schau dir auch mal die ersten beiden oben angegebenen Artikel an.

    Ich halte es so, daß ich alle 3 Wochen einen Wasserwechsel mache. Meine KH fällt täglich um 1,2 dKH.
    Bis jetzt ergibt sich aus der Änderung der Salinität in diesen drei Wochen keine Probleme.
    Bei über 2 dKH kann das natürlich anders aussehen...

    Viele Grüße
    Frank

  • Hallo Frank!
    Herzlichen Dank und tiefe Verbeugung für die links
    :respekt:

    Zitat

    Durch Kalkwasser erhöht sich die mit den Meßsets gemessene KH, aufgrund der OH-Ionen, und gleichzeitig verringern sich die "eigentlichen" ..karbonate.

    Das hab ich auch schon gehört. Kannst du mir mal erklären wieso?
    Es ist doch so das das CO2 im wässrigen Milieu zu Kohlensäure reagiert, welche dann in zwei Dissoziations Schritten zu Hydrogencoarbonat und Carbonat weiterreagiert. Bei diesen Schritten werde Protonen frei die im alkalischen Milieu durch die OH Ionen zu Wasser reagieren, also aus der Reaktionsgleichung entfernt werden. DasReaktionsgleichgewicht wird als in Richtung Carbonat verschoben.
    Wo liegt mein Fehler? klärt mich bitte auf!

    Der Begriff "Rezept war nicht ganz ernst gemeint.Hätte vielleicht ein ironisches Smiley dransetzen sollen.
    Lars

  • Hi Lars,

    Zitat

    Das hab ich auch schon gehört. Kannst du mir mal erklären wieso?


    Hab gerade die meisten meiner Bücher verliehen und da ich mit Kalkwasser nichts mache sofort nach dem Lesen das Meiste wieder vergessen... :smiling_face:
    Vielleicht kann ja jmd, der hier mitliest deine Frage beantworten??
    Oder, du hast doch bestimmt die Fossa-Nilsen Bände, schau da mal im ersten oder zweiten Teil, da ist es recht gut erklärt.


    Wenn dir die links gefielen, lies hier mal:
    http://reefcentral.com/forums/showthr…threadid=102605
    http://www.advancedaquarist.com
    http://www.reefs.org/library/index.html
    http://reefkeeping.com
    http://www.aquarium.net/
    Besten Quellen im Netz :winking_face:

    Viele Grüße
    Frank

    2 Mal editiert, zuletzt von FrankE (26. März 2004 um 16:02)

  • Zitat

    Original von kenny
    Zu meiner Frage oben: Sagen wir, ich dosiere täglich jeweil 50ml von den Balling Flüssigkeiten (Standart Mischung). Macht 350ml die Woche oder 3,85l in 11Wochen.
    Ich mache wöchentlich 60liter Wasserwechsel, das heißt in 11 Wochen habe ich 660liter ausgetauscht von 650l Volumen.
    Ist die Ionenverschiebung dann noch als gravierend anzusehen?


    Im natürlichen Meerwasser sind grob überschlägig 30 Gramm NaCl in einem Liter Wasser enthalten.

    Bei einer wöchentlichen Zugabe von je 0,35 Litern Ballinglösung Teil 1 und 2 zu einem Aquarium mit 650 Litern Inhalt erhöht sich der NaCl-Gehalt um insgesamt 20,45 Gramm. Wird ein wöchentlicher Wasserwechsel von 60 Litern ausgeführt, so wird ein Teil dieses NaCl-Überschusses wieder entfernt, ein Teil verbleibt im AQ.

    Rechnet man das Woche für Woche durch, ergibt sich ein Grenzwert von 201,14 Gramm Überschuss, der dann stabil bleibt (siehe Grafik). Das macht pro Liter AQ-Wasser gerade mal 0,31 Gramm, also 1%.

    So betrachtet erübrigt sich bei deinem Beispiel durch den regelmäßigen ca. 10%igen wöchentlichen Wasserwechsel die Zugabe von NaCl-freiem Meersalz zur Aufrechterhaltung der Ionengleichgewichte.

  • Hallo,

    natürlich wurde über die Ballingmethode hier schon so oft diskutiert, dass es vielleicht ein alter Hut ist, aber nichts desto trotz ist es eine interessante Diskussion.

    Ich selbst habe Calciumchlorid und Natriumhydrogencarbonat ohne das NaCl-freie Salz über 1,5 Jahre angewendet, und ich hatte nie Probleme damit. Wasserwechsel wollte ich eigentlich 5% wöchentlich machen, die Regel war aber 10% monatlich, wenn ich dran gedacht habe (nicht gerade vorbildlich, ich weiß...). Wie gesagt, Probleme hatte ich dadurch nicht. Das heißt aber nicht, dass das für jedes Aquarium gilt.

    Also lieber jede Woche 5% wechseln, dann ist man auf der sicheren Seite.

    Kalkwasser und Karbonathärte/Alkalinität:

    Zitat: "Durch Kalkwasser erhöht sich die mit den Meßsets gemessene KH, aufgrund der OH-Ionen, und gleichzeitig verringern sich die "eigentlichen" ..karbonate."


    Ist beides richtig, aber zwei paar Schuhe. Die erste Aussage bezieht sich auf die Messung an sich, die zweite auf das, was man mit Kalkwasser im Aquarium "anrichtet".


    Die Karbonathärte ist definitionsgemäß etwas anderes als die Alkalinität, aber sie sind ineinander umwandelbar. Was wir mit den KH-Tests messen ist die Alkalinität!

    Und zwar misst man mit den KH-Tests den Verbrauch von Carbonationen bei der Titration der Probe mit Salzsäure (HCl). Als Indikator dient ein Farbstoff, der seine Farbe pH-Abhängig ändert (Farbumschlag), kennt man ja.
    Die im Meerwasser vorhandenen Karbonate werden durch die Titration mit Salzsäure zu Hydrogencarbonat und schliesslich durch die Ansäuerung in Kohlensäure (H2CO3) umgewandelt. Dadurch puffern sie aber die mit der Salzsäure eingebrachten Protonen ab, d.h. die pH-Änderung ist zuächst minimal und es erfolgt kein Farbumschlag.

    Die Kohlensäure kann dann, wenn weiter HCl eingetropft wird, zurück zu Wasser und CO2 reagieren. Der Farbumschlag erfolgt dann, wenn in der Probe keine Carbonate und Hydrogencarbonate mehr vorliegen, die den pH-Wert abpuffern können.
    Dann kommt es zum Farbumschlag. Das bis dahin verbrauchte Volumen an HCl kann dann in Alkalinität oder Karbonathärte umgerechnet werden. Eigentlich messen wir also die Alkalinität, was man auch als Säurebindungsvermögen bezeichnet.

    Bei Zugabe von Kalkwasser steigt bei der Messung die Alkalinität deshalb an, weil durch den Eintrag von OH- Ionen mehr Salzsäure benötigt wird um die Carbonate in CO2 umzuwandeln. D.h. also nicht, dass dadurch mehr Karbonate in der Probe vorhanden sind, sondern nur, dass die Karbonate langsamer zu CO2 umgewandelt werden. Da wir mit den KH-Tests eigentlich die Alkalinität messen, hat der pH-Wert (den man mit Kalkwasser beeinflußt) demnach einen Einfluß auf das Messergebnis.

    Das ist der Einfluß von Kalkwasser auf die Messmethode.


    Im Aquarium selbst ist es aber nochmal anders, denn bei hohen pH-Werten steigt die Tendenz von Kohlensäure, bis zum Carbonat-Anion zu dissoziieren, was ja auch schon gesagt wurde. Calciumhydrogencarbonat ist in Meerwasser stabiler als Calciumcarbonat, d.h. wenn man Kalkwasser ins Wasser zutropft, dann kann schneller Calciumcarbonat ausfallen, wodurch sich natürlich auch die KH ändert. Denn wenn Carbonate aus dem Wasser entfernt werden, verringert sich auch die Säurebindungskapazität (Alkalinität), d.h. die aus der Alkalinitätsmessung resultierende Karbonathärte ist gesunken.

    Das mit dem Kalkwasser und der KH-Messung ist also etwas komplizierter, aber wie gesagt, die zitierte Aussage stimmt so.

    Ist ja eigentlich offtopic, weil es hier um die Balling-Methode geht. Allerdings finde ich nicht, dass die Methode kompliziert ist, weil
    1) genau beschrieben ist, wieviel Salz von welcher Sorte man in wieviel Osmosewasser lösen und täglich zugeben muß, und

    2) weil man sogar abgepackte Massen der Salze direkt kaufen kann.

    Um Stoffmengen (mol) etc. kommt man also drumrum. Ich finde es ist gerade für einen Anfänger komplizierter einen Kalkreaktor richtig einzustellen als die Balling-Methode anzuwenden.

    H Hersteller

  • Mal ganz nebenbei: Muss man zum Herstellen der Balling-Lösungen unbedingt Osmosewasser verwenden oder tuts auch Leitungswasser ?

  • Ich setze meinen wöchentlichen Vorrat mit Leitungswasser an. Ich setze aber sowieso keine Osmoseanlage ein.

  • Zitat

    Original von Stefan Ott
    Ich setze meinen wöchentlichen Vorrat mit Leitungswasser an. Ich setze aber sowieso keine Osmoseanlage ein.

    Genau so siehts bei mir halt auch aus. Ich hab keine Osmoseanlage oder nen Reinstwasserfilter und will auch keinen :smiling_face:

    Aber wenns das auch tut, ist es ja perfekt. Wegen der Keime: wenn die Lösung nicht allzu lange steht, sollte das kein Problem sein.

    Tnx für die Infos!

    Einmal editiert, zuletzt von Alexander Rau (20. April 2004 um 22:40)

  • Das hängt auch stark von der Wasserqualität ab. Hier bei mir z.B. ist viel Silikat im Wasser aber noch schlimmer: Ab und an sind hohe Kupferkonzentrationen im Wasser (seltsamerweise nicht immer).

    Also auch das Leitungswasser regelmässig messen! Kupfer kann auch durch die Hausleitungen eingetragen werden, die Stadtwerke sind dann nicht schuld.

  • Hallo Stefan

    Zitat

    Original von kenny
    Schon wegen der Haltbarkeit (Keimdichte) würde ich nur reinstes Osmosewasser nehmen!

    Glaubst Du wirklich, das in einer konzentrierten CaCl2 oder NaHCO3 Lsg noch viele Bakkies durchhalten? Im normalen Meerwassern sind durchschnittlich 10000 Zellen/ml. Wenn ich mir die meisten Osmoseanlagen anschaue, dann kommen da wahrscheinlich mehr Bakkies raus als reingehen, auf jeden Fall wenn die Membrane nicht wirklich gut gewartet ist.
    Im übrigen wachsen Bakterien in Osmosewasser sehr gut, durch Luftaustausch besorgen sie sich alles was sie brauchen. Konzentrierte Salzlösungen sind da schon ein anderes Problem, da haben die meisten Bakkies echte Probleme mit.

    Grüße

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • Hallo ihr "Ballinger",

    ich selbst arbeite nicht mit Balling sondern mit einem Kalkreaktor (der mit Knop Koralit gefüllt ist). Funktioniert auch ganz gut, nur dass nach einer gewissen Zeit halt meine KH hoch und Ca und Mg leicht absinken. Nun habe ich mir gedacht, den Ca - Wert mit CaCl etwas anzuheben und den Mg Wert mit MgCl.
    Den Mg Wert sollte man ja eigentlich mit MgCl und MgSO3 anheben (wegen Verhältnis Sulfat zu Chlorid), aber beim "normalen" Balling ist ja auch nur MgCl drin. Das verwirrt mich etwas. D.h. doch, dass es beim "normalen" Balling auch immer zu einer "Schieflage" zwischen Sulfat und Chlorid kommt, oder habe ich da was falsch gedeuted?
    Kann man die Methode, die ich mir so vorgestellt habe, anwenden (10% WW alle 2 Wochen) und den daraus resultierenden erhöhten Cl[H]-[/H] Eintrag durch den WW kompensieren und das veränderte Verhältnis zwischen Chlorid und Sulfat (bei Mg Zugabe) genauso? Aber wie gesagt möchte ich den Kalki weiter betreiben, die Zugaben sind lediglich als "Wertekosmetik" zu verstehen.

    MfG Marcus

  • Zitat

    Original von Marcus Nitzsche
    Den Mg Wert sollte man ja eigentlich mit MgCl und MgSO3 anheben (wegen Verhältnis Sulfat zu Chlorid), aber beim "normalen" Balling ist ja auch nur MgCl drin.
    MfG Marcus

    Wie kommst Du darauf? Die Magnesiumlösung, wie im Chronzschen Rechner beschrieben basiert auf beiden Chemikalien....

  • Zitat

    Wie kommst Du darauf? Die Magnesiumlösung, wie im Chronzschen Rechner beschrieben basiert auf beiden Chemikalien....


    Das Stimmt, es gibt aber auch Literaturangaben die sich nur auf Magnesiumchlorid beziehen, z.B. Knop "Steinkorallen im Aquarium - Band 2"
    von daher finde ich die Frage von Markus schon interresant.
    Im Übrigen kann ich mir schon vorstellen das theoretisch Keime in einer NaC03 Lösung wachsen, aber in der Praxis komt das wohl nicht vor. Wenn man jedoch davor Angst hat, stellt seine Stamm lösungen in den Kühlschrank und benutzt zum ansetzen destiliertes Wasser
    Grüße Lars

  • Hallo Stefan,

    also ich habe bei korallenriff.de unter Erfahrungsberichte "Calciumzugabe nach Balling" geschaut. Und unter dem Punkt "mit zusätzlicher Magnesiumzugabe" steht halt nur MgCl drin, kein MgSO3.

    Das hat mich halt gewundert.

    MfG Marcus

  • Zitat

    Original von Marcus Nitzsche
    Den Mg Wert sollte man ja eigentlich mit MgCl und MgSO3 anheben (wegen Verhältnis Sulfat zu Chlorid), aber beim "normalen" Balling ist ja auch nur MgCl drin. Das verwirrt mich etwas. D.h. doch, dass es beim "normalen" Balling auch immer zu einer "Schieflage" zwischen Sulfat und Chlorid kommt, oder habe ich da was falsch gedeuted?

    Hallo Marcus,

    beim "normalen" Balling gibt man ja das natriumchloridfreie Meersalz zu, da ist dann das Sulfat drin enthalten. Deshalb hat Hans-Werner in einem seiner letzten Rezepte, wo er auch Magnesiumchlorid hinzugibt, kein Magnesiumsulfat drin.

    Der erweiterte Rechner auf meiner Seite ist quasi ein Balling-Rechner und ein Magnesium-Rechner in einem, für die Zugabe des NaCl-freien Salz wird allerdings nur der Balling-Teil berücksichtigt. Deshalb wird hier auch zum Magnesiumsulfat gegriffen. Ich sollte mir mal Gedanken machen, wie man das alles etwas klarer darstellt. :O

  • Hallo Thomas,

    jetzt wird mir das schon klarer!
    Zu meiner Frage: Kann ich denn mit meiner vorgeschlagenen Methode auch arbeiten?

    MfG Marcus

  • Hallo Markus,

    sicher kannst du mit MgCl2 arbeiten. Das ist sogar besser, als wenn du
    Chlorid und Sulfat (SO4) nimmst. Die Cl/SO4-Methode ist eigentlich noch
    aus der "Vor-Balling-Zeit", man hatte sich dabei nur an dem Verhältnis
    der häufigsten Anionen im Meerwasser orientiert, eben Chlorid und Sulfat.

    Das Problem ist aber, dass Magnesium, genau wie Calcium, als Karbonat (CO3)
    verbraucht wird. Somit bleibt Chlorid und Sulfat übrig. Das Chlorid kann man
    durch die Ballingmethode kompensieren, das Sulfat reichert sich an. Also
    lässt man es besser weg.

    Gruß Armin

    Gruß Armin

  • Hallo Armin,

    danke für deine Antwort!

    Du sagst, dass man mit Balling das Chlorid kompensieren kann (sicher mit NA+ aus NaOH). Nur ich betreibe ja kein wirkliches Balling, sondern einen Kalki. Der hält meine KH auf guten Werten. Nur Mg und Ca möchte ich mit MgCl2 bzw. CaCl2 korrigieren. Dadurch würden ja immer überschüssiges Cl- im Becken bleiben. Nun möchte ich von euch "Chemikern" halt mal wissen, was mit dem überschüssigen Cl- passieren kann und wieviel CaCl2 bzw. MgCl2 ich bedenkenlos zudosieren kann (bei 10% WW im Monat)?

    MfG Marcus

  • Hallo Marcus,

    schau mal in den Meerwasseraquarianer 3/2003. Da habe ich vorgerechnet,
    wie sich der Cl-Wert verändert und was tolerierbar ist.

    Wenn du dir den MWA nicht besorgen kannst, schick mir ne PN.

    Gruß Armin

    Gruß Armin

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