Woher weiss ich eigentlich wie ich aussehe ...?

  • Hallo Zusammen,

    mit dem Einzug eines zweiten Kaisers steltl sich mir eine Frage, die unseren Fischspezialisten warscheinlich ein müdes Schmunzeln abringen wird. Woher weiss der Fisch eigentlich das der andere so aussieht wie er selbst? Oder noch einfacher woher weiss der Fisch wie er selbst aussieht? In dem Zusammenhang kennen wir das Agressionsverhalten von Neuankömmlingen im Aquarium, das ja verhaltenstechnisch klar ist. Da kommt einer in mein Revier und das möchte ich nicht. Jeder Fisch dann mit den Mitteln die Ihm zur Verfügung stehen.

    Heisst das dann vielleicht auch das sich Agression nur auf diesen Zustand reduzieren lässt oder gibt es noch andere Aspekte an die ich vlt. nicht gedacht habe.

    Viele Grüße

    Eric

  • Kaiserfische erkennen sich über ihr Farbkleid. Es dient zur Auffindung von Artgenossen. So erkennen sich auch potentielle Geschlechtspartner oder auch Konkurrenten. Ein innerartlicher Vorteil besteht in der zum Teil völlig abweichenden Jugendfärbung der Jungfische. Das Aufwachsen im gemeinsamen Revier ist bis zum Beginn der Umfärbung weniger gefährdet, aber keineswegs immer absolut friedlich. Die andersartigen Jugendzeichnungen sollen den Nachwuchs vor der eigenen Art schützen. Man hat aber herausgefunden, dass Jugendfärbung kein spezieller Schutz ist, sondern er leistet eher einen allgemeinen. Es wurde mehrfach beobachtet, dass Jungfische erkannt und vertrieben wurden.

    Gruss

    Hajo

    Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
    Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
    aber aufhören zu leben.
    (Mark Twain)

    Wenn ich die See seh, brauch ich kein Meer mehr!

  • Kaiserfische erkennen sich über ihr Farbkleid. Es dient zur Auffindung von Artgenossen. So erkennen sich auch potentielle Geschlechtspartner oder auch Konkurrenten. Ein innerartlicher Vorteil besteht in der zum Teil völlig abweichenden Jugendfärbung der Jungfische. Das Aufwachsen im gemeinsamen Revier ist bis zum Beginn der Umfärbung weniger gefährdet, aber keineswegs immer absolut friedlich. Die andersartigen Jugendzeichnungen sollen den Nachwuchs vor der eigenen Art schützen. Man hat aber herausgefunden, dass Jugendfärbung kein spezieller Schutz ist, sondern er leistet eher einen allgemeinen. Es wurde mehrfach beobachtet, dass Jungfische erkannt und vertrieben wurden.

    Gruss

    Hajo

    ... genau das habe ich mir auch gedacht ... aber woher weiss der Fisch wie er selbst aussieht und daraus folgernd woher weiss der Fisch dann das der andere ein "Art"genosse ist?

  • Körperbau, Geschlecht plus Farbkleid. Kommunikation durch Laute. Hormongesteuerte Interaktionen sind bei den verschiedenen Arten unterschiedlich zu bewerten. Sonst würde es nicht immer häufiger zu Hybriden führen.

    Gruss

    Hajo

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  • Hallo Hajo,

    ich verstehe das schon. Aber wie identifiziert der Agressor sich selbst wenn er nicht weiss wie er aussieht (Spiegel gibt es ja keinen)? Dann geht es eigentlich nur um Laute, Geruch und die Reaktionen wären dann im Umkehrschluss bei jedem artfremden Fisch ähnlich! Der Agressor sieht sich im Meer ja nicht selbst. Du verstehst was ich meine?

    Viele Grüße

    Eric

  • Hallo Eric!

    Der Fisch reagiert auf viele wie oben schon geschrieben wurde.

    Sein eigenes aussehen ist dabei belanglos. Wenn er z.B. auf ein Farbmuster reagiert muss er dazu nicht wissen wie er selber aussieht. Konrad Lorenz hat dazu schon vor 100 Jahren viel geforscht und geschrieben.

  • ... danke Reinhard, dann ist es nicht das Aussehen. Wäre ja auch komisch ...

    Hallo zusammen!

    Zu Farben und Mustern.

    Farben und Muster signalisieren über weite Strecken den Revierbesitz und dienen damit der Arterkennung und gleichermassen der Abschreckung und Anziehung ( Fricke 1988) Zu der Färbung wird auch die soziale Kommunikation und Tarnung angeführt.

    Experimente mit Modellen vom Imperator zeigten folgendes: Vorausgeschickt sei, dass Jungfische 4 Stadien durchlaufen, von denen die letzten beiden den halbwüchsigen Jungfisch als Imperator erkennen lassen. Jungfische der Stadien 1 und 2 wurden systematisch ignoriert. Aggressive Interaktionen gab es nur ab Färbung der Stufe 3 , welche die Altersfärbung erkennen lässt.

    Das zum Thema Arterkennung durch Färbung.

    Gruss

    Hajo

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  • N'Abend Eric,

    vorgestern ist mir leider mein jahrealter Feuer-Korallenwächter herausgesprungen. Er war im Becken gut gelitten - keine Probleme von allen Seiten.

    Gestern habe ich einen neuen eingesetzt, sah für mich aus wie der alte. Und wurde sofort von mehreren anderen gehetzt ...

    Grüße vom Nordeifelrand,
    Werner

    Reefer 425, 2 x Hydra 32 + 40 Watt umlaufende LED-Leisten 13.000 K.+ 5 Spots
    6 Turbellen, Rundströmung mit Wellen im 1-Sekundentakt, "Ebbe - Flut" alle 3,5 h
    Deltec 600i, Fe-Adsorber (Ramsch-Perlen), Biopellets, Balling light
    15 % Wasserwechsel/Woche

    Täglich lebende Artemianauplien + 120 cm³ frisch gezapftes Phytoplankton

  • N'Abend Eric,

    vorgestern ist mir leider mein jahrealter Feuer-Korallenwächter herausgesprungen. Er war im Becken gut gelitten - keine Probleme von allen Seiten.

    Gestern habe ich einen neuen eingesetzt, sah für mich aus wie der alte. Und wurde sofort von mehreren anderen gehetzt ...

    Wie der Alte? Das war er aber nicht für all die anderen. Die lassen sich kein X für ein U vormachen! Es wird dann umgehend versucht, die Beckenhierarchie neu zu ordnen. Eine nicht selten vorkommende Situation.

    Gruss

    Hajo

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  • (...) Die lassen sich kein X für ein U vormachen! (...)

    Naja, aber warum fallen sie dann z. B. auf ihr eigenens Spiegelbild herein?

    Grüße vom Nordeifelrand,
    Werner

    Reefer 425, 2 x Hydra 32 + 40 Watt umlaufende LED-Leisten 13.000 K.+ 5 Spots
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  • Naja, aber warum fallen sie dann z. B. auf ihr eigenens Spiegelbild herein?


    Der Fisch erkennt in seinem Spiegelbild nicht etwa sich selbst, sondern die Konkurrenz. Er erkennt seinen Gegenüber durch seine artspezifischen Merkmale. Das steckt in den Genen. Ein territorialer Fisch ist an sein Revier gebunden. Dieser Aktionsraum wird gegen jeden Konkurrenten, sei es auf geschlechtlicher Ebene oder als Nahrungskonkurrenten, verteidigt. Artfremde Eindringlinge können zwar auch Nahrungskonkurrenz bedeuten, sind aber weniger Konkurrenten, als jene derselben Art zugehörig. Der stärkste Aggressionstrieb zeigt sich intraspezifisch in Zusammenhang mit der Geschlechtsreife.

    Gruss

    Hajo

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    Wenn ich die See seh, brauch ich kein Meer mehr!

  • ... lustig, zeigt aber auch das es doch nicht so einfach zu verstehen ist. Ich denke eher das Agressionsverhalten und das Erkennen des Artgenossen in den Genen liegt. Ich habe mich da ein wenig zu sehr auf das Fischreich verlassen. Im Prinzip trifft es auf alle Tiere zu. Vielleicht kommt auch noch ein wenig der Geruchssinn dazu. Fische schauen warscheinlich nicht so genau hin, aber riechen und hören funktioniert deutlich besser.

    In meinem Fall war es über längere Zeit in einem großen Becken zu beobachten (gut strukturiert versteht sich) das Fische die sich bis aufs Messer hassten nach einer Weile einträglich nebeneinander her schwammen. Sei es weil der andere die Lage gecheckt hat oder aber weil das Stresspotential abgenommen hat und das die Fische auch riechen.

    Auf jeden Fall ein interessanter Aspekt über den wir ruhig weiter philosophieren können.

    Viele Grüße

    Eric

  • Hallo zusammen!

    Territoriales Dominanzverhalten und Erkennen von Artgenossen.
    Wir brauchen gar nicht tief in die Verhaltensforschung abzutauchen. Im Prinzip ist es einfach.
    Fische erkennen ihre Artgenossen an genetisch fixierten Merkmalen. Bei Fischen ist es vorwiegend das Erscheinungsbild, inklusive Geruch etc.
    Ein territorialer Fisch ist an sein Revier gebunden.
    Sogar Jungfische sind territorial. Ihre Minireviere, oft nur einen halben Meter im Durchmesser, verteidigen sie rigoros gegen jeden kleinen Artgenossen.
    Nicht immer wird jeder von dem Fisch besuchte Ort gegen seinesgleichen verteidigt. In einem regelmässig besuchten Revier kann es durchaus neutrale Gebiete geben. Diesen vom Fisch nicht verteidigten Bereich nennt man seinen Aktionsraum.
    Der Fisch erkennt seine Art durch artspezifische Merkmale.
    Tiere mit ähnlichen Lebensansprüchen werden sich immer verdrängen, wenn in ihrem Wohngebiet irgendwelche ökologischen Mittel begrenzt vorhanden sind. ( Fricke 1970)
    Zuerst regulieren die Fische durch Aggressivität feste Dominanzverhältnisse, in der Natur sowie auch im Aquarium, sodass jeder genau seinen Platz innerhalb z. B. der (Becken)hiercharchie kennt. Auch die räumliche Verteilung im Revier (Aquarium) wird festgelegt, inklusive Schlafplätze.

    Im Riff wird um Versteckplätze inner- und zwischenartlich gekämpft. Je enger der Lebensraum, umso aggressiver werden die Arten. Territoriales Verhalten sichert einem Tier oder einer Tiergruppe einen bestimmten Lebensraum oder bestimmte Zufluchtsstätten. Schliesslich ist territoriales Verhalten ein Mittel, die Überausbeutung eines Raumes etwa durch Überbeweidung zu verhindern. Es kann der Eindruck erweckt werden, dass Tiere nur um Nahrung und Versteck kämpfen. In Wirklichkeit richtet sich die inner- und zwischenartliche Aggression auf die Verteilung ALLER vorhandenen ökologischen Mittel, um die Konkurrenten in Streit geraten (Fricke).

    Aggressivität ist bei Fischen teils angeboren, teils durch Umweltfaktoren bedingt. Aggressives Verhalten kann vererbt, wie auch erlernt werden!
    Forscher nehmen an, dass es nicht DIE Aggression gibt, sondern unterschiedliche Aggressionstypen, die immer dann eingesetzt werden, wenn aggressives Verhalten im Leben eines Tieres gerade benötigt wird, beim Kampf um Nahrung, bei der Auseinandersetzung um einen geeigneten Geschlechtspartner oder bei der Verteidigung eines sozialen Verbandes. Rifffische werden aggressiv, wenn sich viele Individuen etwas Gleiches teilen müssen. Auch im Aquarium zu beobachten.
    Die Qualität der Aquarienhaltung beeinflusst ebenfalls das Verhalten. Eine artgerechte Haltung kann dazu beitragen, dass Fische sich von ihrer friedlicheren Seite zeigen.
    Fische passen ihr Verhalten in sozialen Situationen an, um Konflikte mit Konkurrenten zu vermeiden oder um sich selbst zu schützen. Letzteres zeigt sich u. a. als Demutsverhalten.

    Gruß

    Hajo

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  • So einfach sehe ich das nicht.

    Das Beispiel mit meinem innerhalb von 24 h nachgesetzten Korallenwächter zeigt, dass dieser Fisch von den Raufbolden sofort als Fremdling erkannt wurde. (Ich selbst kann keinen Unterschied sehen, gleiches Geschlecht, Größe und Färbung.)

    Andererseits fallen diese Raufbold auch sofort auf ihr Spiegelbild herein und greifen an.

    Letzteres hat weder Geruch noch sonst etwas. Somit erkennt der Fisch wohl überwiegend über die Optik ein Feindbild. Dazu gehört er auch selbst, da er sein Aussehen nicht kennt.

    Grüße vom Nordeifelrand,
    Werner

    Reefer 425, 2 x Hydra 32 + 40 Watt umlaufende LED-Leisten 13.000 K.+ 5 Spots
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  • Hallo Werner!

    Das habe ich bereits alles versucht zu erklären. Dass du keinen Unterschied erkennen kannst, muss ja nicht bedeuten, dass es die anderen Insassen auch so sehen. Gewiss nicht! Der Ehemalige hat die Hierarchie durchlaufen. Er ist angepasst ( worden). Der Ersatz muss im Aquarium die Vermeidung von Konflikten erst noch lernen!!

    Gruss

    Hajo

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  • HaJo,

    das ist alles klar, meinte ich jedoch nicht. Sondern dass die Fische einerseits an Kleinigkeiten den Unterschied merken, anderderseits ebenso auf das geruchlose Spiegelbild reagieren. Also doch die Optik.

    Grüße vom Nordeifelrand,
    Werner

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  • Hallo Werner!

    #15, 1.Absatz: Fische erkennen ihre Artgenossen an gentisch fixierten Merkmalen.

    Und wiederholt:

    Der Fisch erkennt seine Art durch artspezifische Merkmale.

    Dieser Aspekt beinhaltet die morphologischen, physischen Merkmale, wie Grösse, Form, Farbe, Flossenanordnung und Schuppenmuster. Also optische Wahrnehmung.

    Aber nicht allein durch die optischen Reize wird das Verhalten gesteuert.

    Denn:

    das Einsetzen neuer Fische kann bei manchen Arten aggressive Reaktionen auslösen. Besonders wenn Schreckstoffe freigesetzt werden.

    Gruss

    Hajo

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