Verständnisfrage zu Refraktometer (mal wieder ...)

  • Hi!

    Ich beschäftige mich gerade mit der Überlegung, einen Refraktometer anzuschaffen, weil wir unserer Spindel nicht so richtig trauen. Beim Lesen sind aber leider Unklarheiten entstanden, speziell bezüglich der Temperaturkompensation, wie sie z.B. der Ref. von Aqua Medic besitzt:

    Grundsätzlich:
    - Die Spindel misst und zeigt die Dichte an, die - sofern das AQ-Wasser diese Temperatur nicht schon besitzt - auf 25°C umgerechnet werden muss.
    - Der Refraktometer misst (auf Basis der unters. Lichtbrechung) ebenfalls die Dichte. Die zeigt er links an, die Salinität rechts.

    Hier steht einerseits, dass Ref. auf 20°C geeicht sind und man daher nur die Salinität (rechts) beachten soll. Ansonsten müsse man die Dichteangabe immer auf 25°C umrechnen, um z.B. die gewünschten 1,023 zu erhalten. Andererseits wird dort davon geschrieben, dass die meisten Ref. eine Temperaturkompensation besitzen; ich verstehe aber leider nicht, was genau in welche Richtung kompensiert wird.

    Daher verstehe ich folgendes nicht:
    1. Zwar ist die Salinität nicht temperaturabhängig, die beiden Skalen im Ref. sind ja allerdings fix. D.h. wenn der Ref. sich auf 20°C bezieht, stimmt ja auch die Angabe zur Salinität nicht, es sei denn, der Ref. zeigt die Dichte bzgl. 20°C und die umgerechnete Salinität bzgl. 25°C an.
    2. Wo genau wird "kompensiert"? Bei der Umrechnung der Spalten (s. 1.)? Oder ist gemeint, dass die Umgebungstemperatur egal ist? In der Bedienungsanleitung des Ref. von AM steht, dass man mit 20°C warmen Wasser eichen soll und das Gerät danach den Ausgleich bei einer Umgebungstemperatur zwischen 10° und 30°C schafft. Das hieße aber, dass man beruhigt auch die Dichte ablesen könnte. Obendrein weiß der Ref. ja nicht, wie warm es gerade ist...

    Konkret: Vorausgesetzt, ein temperaturkompensierendes Ref. wurde korrekt bei 20°C mit destilliertem Wasser geeicht, darf man dann nur die rechte (Salinität) oder beide Spalten (auch die Dichte) ablesen und als richtigen Wert verstehen oder muss noch etwas umgerechnet werden?

    Ich weiß, es gibt schon etliche Threads dazu, viele habe ich auch bereits gelesen, aber klar ist es mir immer noch nicht... Ich kenne auch den (super geschriebenen) Artikel von Malte, aber selbst da bleibt für mich manches offen.

    Danke an alle, die sich meinem Problem annehmen :grinning_squinting_face:

    Viele Grüße,
    Christiane

  • Halt, stop, ich glaube, ich hab' es verstanden :smiling_face:

    Auf der Basis meines Geschreibsels hier haben mein Mann und ich eben noch mal ausgiebig die ganze Thematik gedanklich vor uns ausgebreitet :winking_face: Jetzt ist es klar.

    Das Problem ist/war, dass der Begriff Temperaturkompensation nicht wirklich klar ist. Es kann aber nur so gemeint sein, dass irgendetwas (ob mechanisch oder sonstwie) in temperaturkomp. Refraks bei jeder Temperatur zwischen 10° und 30°C die Anzeige so ausgibt, dass die Werte für 20°C gelten. Wobei der linke Wert (Dichte) nicht nur auf 25°C hochgerechnet werden muss, sondern auch noch einberechnet werden muss, dass sich der Dichtevergleich auf 20°C warmes Reinstwasser bezieht, was nicht 1 kg wiegt, sondern weniger (hat Malte ja auch schön erklärt). Aber egal, worauf sich der linke Wert bezieht, die Salinitätsangabe stimmt immer. Vorausgesetzt, man hat eine Temperaturkompensation.

    Also wir messen von jetzt an nur noch in Salinität :grinning_squinting_face:

    Viele Grüße,
    Christiane

  • Hallo Christiane

    Ich selbst habe mich von mein Refraktometer getrennt,weil zu ungenau.
    Habe mir vor ein halbes Jahr fast mein Becken abgeschossen,zu niediere Dichte habe mich
    schon gewundert warum einzelne Korallen gestorben sind,dann habe ich mit einer Spindel
    von TM gegengemessen und dann wusste ich was falsch gelaufen ist.
    Seit dem messe ich nur noch mit dem Gerät und alles läuft bestens.


    Gruss Mario

  • Hallo Christiane,

    das meiste hast du dir ja schon selbst erklären können. Richtig, das Refraktometer zeigt, solange die Temperatur
    der Probe bzw. des Refraks zwischen 10 -30°C liegt, immer den gleichen Salinitätswert an.
    Es zeigt übrigens auf der anderen Skala nicht die Dichte an, sondern eine relative Dichte, das ist ein großer Unterschied!
    Deshalb nur die Salinitätsangabe verwenden. Diese Angabe ist bei manchen Refraks aber um ca. 1,5 zu hoch,
    da sie nicht für Meersalz- sondern für Kochsalzlösung konstruiert sind. Daher musst du es zuerst mit einem guten
    Aräometer vergleichen, sonst kann es dir wie Mario gehen.

    Gruß Armin

  • Hi,

    okay, danke für den Hinweis bzgl. der Abweichung. Das mit der relativen Dichte ist klar :winking_face:

    Was ist denn der Unterschied daran, ob ein Refrak für Kochsalz oder Meersalz gemacht ist? Liegt es daran, dass Kochsalz rein ist im Gegensatz zum Meersalz?

    Wie ist das bei (namhaften) MW-Aquaristikherstellern, z.B. AM, kann man da davon ausgehen, dass sie die Geräte speziell für den Einsatz im Meerwasserbereich bauen und dass es dann keine Abweichungen geben dürfte?

    Danke und Gruß,
    Christiane

  • Hallo Christiane,

    Kochsalzlösung und Meerwasser sind 2 verschiedene Flüssigkeiten, die unterschiedliche optische Eigenschaften
    besitzen. Meersalz enthält ca. 80% Kochsalz, die restlichen 20% machen den Unterschied aus, der dem Meerwasser
    eine höhere Lichtbrechung gibt.

    Auf das namhaft würde ich mich nicht immer verlassen. Ich habe vor einiger Zeit einen namhaften Refraktometerhersteller
    wegen diesem Thema angeschrieben, dieser behauptete glatt, es gäbe keinen Unterschied zwischen Meersalz und Kochsalz.
    Da hatte wohl jemand das kleine 1 x 1 der Optik nicht gelernt...

    Gruß Armin

  • Guten Morgen,

    ok... Wie ist das denn eigentlich mit der Dichte: Ist für das Wohlbefinden der Fische bzw. Korallen etc. die Gesamtdichte (also Salz plus sonstige gelöste Stoffe) oder nur die Salzigkeit (also reiner Salzanteil) wichtig?

    Theoretisches Beispiel: Wenn in einer Salzmischung A ein besonders niedriger, in einer anderen B ein besonders hoher Anteil an Mineralstoffen, Calcium, Magnesium und so weiter enthalten ist, ist dann bei beiden Anmischungen die Empfehlung für die Fische die gleiche Dichte oder sollte Wasser, das mit prozentual weniger Salz (B) angemischt wurde, zum "Ausgleich" der Salzigkeit eine höhere Dichte enthalten?

    Mir ist dabei schon klar, dass es wohl kaum so nennenswert große Unterschiede geben dürfte. Mich interessiert dabei die theoretische Überlegung :smiling_face: Außerdem ist auch klar, dass vor allem die Konstanz der Dichte entscheidend ist und weniger der tatsächliche Wert - in einem vernünftigen Rahmen natürlich.

    Danke und Gruß,
    Christiane

  • Hallo Christiane,

    auf Deine vorige Frage hab ich keine Antwort!

    Ich habe mir selbst vor längeren ein "Billig-Refraktometer" über ebäh besorgt.
    Mir is völlig klar, das das Teil sehr ungenaue Werte zeigt, ich verwende aber eine Referenzflüssigkeit beim messen, daher sind mir die angezeigten Werte relativ wurst.

    Soll heißen, ich schaue, was mir bei der Referenz angezeigt wird und vergleiche nur, ob mein Becken drunter oder drüber liegt!
    Diese geringen Schwankungen probiere ich mit dem WW zu kompensieren.

    gruß

  • Moin Nasszelle,

    das verstehe ich nicht so ganz. Ich habe auch eine Referenz benutzt und damit mein Refrak "geeicht". Somit ist die ggf. vorhandene Anzeigeungenauigkeit ausgeglichen. Also: Referenz hat 35 und das Refrak wird dann auch auf 35 eingestellt.
    Dadurch enfällt das "einen abziehen" oder "zuzählen"...

    BtW: Das Einstellen mit dest. Wasser scheint nicht so ein gute Methode zu sein, da man hier auf einen Bereich "eicht" den man gar nicht misst (0 Wert).

    Gruß,
    christian

  • Hallo Christiane!
    Ich hab dir im anderen Forum schon geschrieben, du sollst es nicht komplizierter machen, als nötig!
    Mess die Salinität, vergiss Dichte und Temperatur, und alles ist gut!

  • Moin,

    letztendlich ist es egal welche Werte rauskommen. Hauptsache sie bleiben gleichmäßig. Wenn man sein Becken mit einer Konstanten Dichte von 1.0022 oder 1.0024 fährt ist das doch wurscht!

    ....und der alte Spruch aus meinem Chemieleistungskurs:"wer viel mißt mißt Mist" ist da schon passend. Diese Jagd nach den absoluten Werten hinkt doch. Es gibt genügend gut laufende Becken mit schlechten Werten und viele Becken mit Topwerten die gar nicht laufen.

    Wenn ein Refrak immer den gleichen Fehlerquotient hat geht es doch trotzdem. Die Werten sollen sich zwischen den Messungen nur nicht zu stark verändern. Wie hoch der tasächliche Wert ist, ist egal. Die Abweichung der einzelnen Messungen voneinander sollten nur nicht zu stark sein.

    Also ist es doch egal, ob das Refrak statt 35 psu nur 34 anzeigt! Hauptsache der Wert ändert sich nicht gravierend.

    M.f.G

    Markus

  • Hallo Christiane,

    für die Tiere ist sowohl die Konzentration (entspricht Salinität bzw. Dichte) als auch die Zusammensetzung, als auch
    die Zusammensetzung, also das Verhältnis der einzelnen Inhaltsstoffe zueinander wichtig.

    Oder anders gesagt: du kannst deine Tiere sowohl mit einer falschen Salinität/Dichte als auch mit einer falschen
    Salzmischung umbringen.

    Die Verwendung einer Referenz ist eine gute Methode, die mögliche Fehler eines Refraks kompensieren kann.
    Dabei aber sicherstellen, dass sich die Referenz nicht verändert (Verdunstung in schlecht verschlossenem Gefäß!).
    Meine Empfehlung ist die gelegentliche Vergleichsmessung mit einem guten (=großen) Aräometer.

    Gruß Armin

  • Hallo!

    Danke für eure Antworten. Nur weiß ich leider dennoch nicht sicher, welche Salzdichte ich eigentlich in meinem Becken habe :frowning_face:

    Folgendes Problem: Ich besitze eine (kleine) Spindel, ich glaube von TM. Sie zeigte 1,022. Bei einem Händler ließ ich (nur interessehalber) neulich mit einem Refrak gegenmessen. Der Wert zeige 3,5-4 Tausendstel mehr an als unsere Spindel, also knapp 1,026. Er hatte allerdings die linke Skala abgelesen und damit - wie ich mittlerweile weiß - vermutlich einen klassischen Fehler gemacht, nämlich ein 20/20 Refrak ohne Umrechnung verwendet. Am Telefon sprach ich ihn darauf an, und er meinte, dass das zwar im Prinzip stimme (umrechnen auf 25°C usw.), dass aber die Abweichung nicht sooo groß sein könne. Naja, 1,026 bei 20°C und Eichung auf 20°C entsprechen aber 1,0227, also würde unsere Spindel nur 0,7 Tausendstel zu wenig anzeigen.

    Jetzt kommt Problem Teil 2: Weil zwei neu eingesetzte Fische einen leichten Pünktchenbefall hatten (mittlerweile vollständig verschwunden) und weil wir trotz allem Sorge hatten, eine deutlich zu hohe Salzdichte zu haben, senkten wir die Dichte leicht ab (ganz langsam und nicht zu viel). Bei einem Teilwasserwechsel haben wir dann das frisch angesetzte Salzwasser gemessen. Es war mittels Aqua Calculator auf 1,019 (wegen der Absenkung) angesetzt worden, die Spindel behauptete (umgerechnet auf 25°C) aber gut 1,020, also gut 1 Tausendstel zuviel! Jetzt wissen wir gar nicht mehr weiter :frowning_face:

    Zusammengefasst: Im Vergleich mit einem Refrak zeigt unsere Spindel (auch nach Umrechnung) knapp 1 Tsd. zu wenig an, im Vergleich zum Rechner gut 1 zuviel. Und was stimmt jetzt??

    Leider weiß ich nicht, was das Refrak des Händlers auf der rechten Seite angezeigt hatte (es war ein altes Teil von Aqua Medic, allerdings schon mit Termperaturausgleich). Diese Angabe wäre vermutlich die zuverlässigste, oder?

    Ach ja, was auch immer wir mittlerweile für eine Dichte im Becken haben, welche Korallen/Anemonen (Steinis, Weiche, Leder...) würden eigentlich zuerst ein verändertes Verhalten zeigen, wenn ihnen die Dichte zu tief bzw. zu hoch wäre?

    Danke für eure Hilfe und viele Grüße :smiling_face:
    Christiane

  • Hallo Christiane,

    erstmal was grundsätzliches: Dichteangaben ohne Temperaturangaben sind nutzlos!
    Wenn du das gleiche Wasser bei 2 verschiedenen Temperaturen misst erhältst du 2 verschiedene Werte.
    Deshalb lassen sich deine Angaben nicht miteinander vergleichen, da die Temperaturen nicht angegeben sind.

    Wäre die Temperatur bei allen Messungen genau 25°C, dann würden die Dichte 1,0220 der TM-Spindel der
    relativen Dichte D20 von 1,0238 auf der Refrakskala entsprechen. Die zugehörige Salinität wäre 33,3.

    Du kannst die Dichte nicht genau mit dem Aqua-Calculator errechnen, er kann nicht wissen, wie trocken dein Salz
    gelagert wurde. Aber wo liegt das Problem, wenn du nur 1 Tausendstel von deinem kalkulierten Wert entfernt liegst?
    Das ist doch ein phantastisch guter Wert, nur 0,1 Promille Salinitätsabweichung!

    Bei den Korallen kenne ich vor allem einen guten Indikator: Euphyllias zeigen sehr deutlich, wenn die Salinität zu niedrig ist.

    Gruß Armin

  • Hallo, Armin,

    sorry, die Angaben meiner Spindel beziehen sich natürlich auf 25°C. Mir ist schon klar, dass man Dichteangaben nur bei gleicher Temperatur vergleichen darf. Deshalb schrieb ich ja von der Umrechnung auf 25°C. Kurz: Immer wenn ich vergessen habe, die Temperatur anzugeben, meine ich 25°C :smiling_face:

    Zu der Abweichung: Das Problem ist meiner Meinung nach die Differenz (also 1 Tausendstel), sondern dass dass wir nicht wissen, in welche Richtung der Spindelwert abweicht. Zwischen der Refrakmessung und dem Calculator liegen ja dann theoretisch schon 2 Tausendstel. Und wir wissen nicht, ob der tatsächliche Wert drunter, drüber oder irgendwo dazwischen liegt. Es wäre ja sogar möglich, dass alle drei Komponenten fehlerbehaftet sind...

    Hinzu kommt noch folgendes: Ich habe kürzlich noch mal mit meinem Händler gesprochen. Zu seiner Messweise meinte er, er lasse sein Beckenwasser zusätzlich regelmäßig in einem Labor professionell testen. Die Werte entsprächen immer genau seinen Messwerten. Da er aber die Dichte nannte (er hat 1,022 in den Becken), weiß ich nicht sicher, ob er - wie ich - automatisch von der Dichte bei 25°C gesprochen hatte oder bei 20°C. Wenn das Labor sich nämlich auch auf 20°C bezieht, wäre es ja nicht weiter erstaunlich, dass die Werte übereinstimmen...

    Wenn wir das nächste Mal dort sind, löchere ich ihn noch mal :winking_face: Und dann lese ich für unser Wasser mal rechts im Refrak ab :grinning_squinting_face:

    Danke noch für den Tipp wegen der Euphyllia. Der geht's prima, das beruhigt mich schon mal :winking_face:

    Viele Grüße,
    Christiane

  • Hallo Christiane,

    zu deiner Sicherheit hier ein Hitparade der verwendeten Messverfahren:

    1.Große TM-Spindel: Am genauesten, kann aber durchaus auch mal um 1 Tausendstel abweichen. Macht aber nix.

    2. Refraktometer: Kann wegen der ungenaueren Ablesung nicht mit der großen Spindel mithalten.

    3. Dichteberechnung über Aqua-Calculator: Er kann nur schätzen, wie viel Wasser deine Salzmischung enthält,
    kann aber nicht ausrechnen, wie lange z.B. deine Salzpackung offen neben dem Aquarium stand.

    Gruß Armin

  • Zitat

    Original von Azalee
    Ich besitze eine (kleine) Spindel, ich glaube von TM.


    Du solltest vielleicht erst mal nachsehen, welches Aräometer Du hast. Das von Tropic Marin ist nicht gerade Klein :grinning_squinting_face:

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