Hallo zusammen,
anbei ein Bericht aus der Stuttgarter Zeitung vom 11.07.2008, den ich euch nicht vorenthalten möchte.
Treibhausgase, Wasserverschmutzung und Überfischung können laut einer Studie zum Kollaps der Ökosysteme führen
WASHINGTON (dpa). Die Bedrohung der Korallenriffe wird immer größer. Ein Drittel der Arten ist gefährdet, wenn nicht sogar vom Aussterben bedroht. Das belegt eine großangelegte internationale Untersuchung.
Rund ein Drittel aller riffbildenden Korallenarten sind derzeit in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Damit habe sich die bedrohliche Lage der Korallen in den vergangenen zehn Jahren deutlich verschärft, berichtet ein internationales Forscherteam nach der Untersuchung von mehr als 700 Korallenarten im US-Fachmagazin "Science". Die Hauptursache für diese Entwicklung sehen die Wissenschaftler in den von Menschen produzierten Treibhausgasen. Diese lassen die Wassertemperaturen ansteigen und die Meere versauern. Lokal würden die Korallen außerdem durch Wasserverschmutzung, Überfischung und die starke wirtschaftliche Nutzung der Küstenregionen bedroht.
"Riffbildende Korallen sind stärker bedroht als alle Landlebewesen mit Ausnahme der Amphibien", sagte Roger McMaus von Organisation Conservation International. Sie seien zudem wie keine andere Gruppe durch den Klimawandel gefährdet. "Der Verlust der Korallen hat schwerwiegende Auswirkungen auf Millionen von Menschen, deren Existenzgrundlage von den Korallenriffen abhängt", sagte McMaus. Das Team um Kent Carpenter von der Old Dominian University in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia hatte für die Studie insgesamt 704 Arten von riffbildenden Steinkorallen nach Kriterien der Weltnaturschutzunion IUCN in eine der acht Gefährdungskategorien eingeteilt. Insgesamt 231 Arten seien demnach gefährdet, stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Weitere 176 Arten seien potenziell gefährdet. "Die Ergebnisse sind sehr bestürzend", sagte Kent Carpenter. "Wenn Korallen sterben, tun es auch Pflanzen und Tiere, die in Korallenriffen Nahrung und Schutz finden." Dies könne zum Kollaps dieser Ökosysteme führen.
Dramatisch verschlechtert habe sich die Lage nach dem großen Korallensterben im Jahr 1998, heißt es in der gestern veröffentlichten Studie. Damals kam es in weiten Teilen der Ozeane infolge einer langanhaltenden Erhöhung der Wassertemperaturen zu einer sogenannten Korallenbleiche - dem Ausbleichen und anschließendem Absterben der Steinkorallenstöcke.
Besonders betroffen waren damals der Indische Ozean und der westliche Pazifik. Vor diesem Ereignis wären nach Angaben der Forscher nur 13 Arten in eine der drei oberen Gefährdungskategorien gefallen. Der westliche Pazifik habe derzeit den höchsten Anteil an Arten in einer der Kategorien mit erhöhtem Risiko. Verheerend sei die Situation auch in der Karibik, wo der Bestand zweier dominierender Korallenarten, der Geweihkorallen Acropora cervicornis und Acropora palmata, rapide zurückgegangen sei.
Ob die Korallen in diesem Jahrhundert ganz aussterben, hänge entscheidend vom Ausmaß des Klimawandels und von anderen Umweltbeeinträchtigungen sowie von der Anpassungsfähigkeit der Tiere ab, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Bericht. Wenn Korallenbleichen immer häufiger aufträten, seien viele Arten vermutlich nicht in der Lage, sich rechtzeitig zu erholen, und die Bestände würden unumkehrbar zurückgehen. (Fachartikelnummer DOI: 10.1126/science.1159196)
Quelle: Stuttgarter Zeitung online, Direktlink.

