MW-Anfänger mit Lederkorallensorgen...

  • Hallo,

    zunächst möchte ich mich mal vorstellen. :wink Ich heiße Torsten, bin 46 Jahre alt und habe seit ca. 30 Jahren Aquaristik-Erfahrung (nur Süß- und Brackwasser). Beruflich bin ich u.a. mit der Erzeugung und Prüfung von Reinst-Wasser für die Pharmazie beschäftigt und kann daher mit der Wasserchemie und ihren Parametern gut umgehen. Seit Oktober 2007 habe ich ein 225 Liter-Becken als MW-Becken eingerichtet und nach dem Einsatz der lebenden Steinen und dem Abklingen des Fadenalgenwachstums jetzt damit begonnen, erste Bewohner ins Aquarium zu setzen.

    Hier die Daten:

    Filterung:

    Abschäumer Aqua Medic Mini
    Schnellfilter TUNZE Nano Filter
    Eheim 2213 als Langsamfilter für Absorbermaterial, bestückt mit Phosphatabsorber von JBL auf Eisenbasis, Nitratfilter NITREX und Hobby Zeolith
    TUNZE Strömungspumpe Turbelle Nanostream 6045 mit 4500 l/ h

    Licht: ATI-Leuchte mit 4 x 24 Watt ATI T5-Röhren 2 x Vollspektrum, 2 x blau
    1 HQI 150 Watt

    T = 26°C
    pH = 8,2
    Dichte = 1.023
    KH = 8
    NO2= negativ
    NO3= negativ
    PO4= negativ
    Cu = negativ
    Ca = 440 mg/l
    Mg = nicht bekannt

    Besetzt ist das Aquarium mit 2 gelben Hawai-Doktorfischen, 4 Putzergarnelen (Lysmatia), 6 Algenschnecken, 2 roten Einsiedlerkrebsen und einigen Caulerpaalgen.

    Seit zwei Wochen habe ich 3 Lederkorallen (Pilzkorallen) eingesetzt, dazu noch eine Scheibenanemone und eine Röhrenkoralle (Stolonifera).

    Probleme machen jetzt die Lederkorallen. Sie haben tweilweise bis zu 2/3 ihres Volumens verloren und haben ihre Farbe verändert (von braun zu creme bis violett-grün). Die Polypen kommen regelmässig über die ganze Fläche heraus, manchmal auch nur teilweise. Ich habe zwar gelesen, dass diese Korallen nach dem Einsetzen etwas Zeit benötigen, um sich anzupassen und dabei keine glückliche Figur machen, aber ich mache mir doch Sorgen, dass ich mit dem Absorbermaterial zuwenig Nährstoffe im Wasser habe. Ganz am Anfang (November) hatte ich 50 mg NO3 und 10 mg (!) PO4. Das war natürlich extrem zu viel. Die Fadenalgen hatten einen häßlichen Teppich über das Becken ausgebreitet. Dann habe ich die Absorbermaterialien in den Eheim-Filter gesetzt und ab da ging es tagtäglich aufwärts. Zwischenzeitlich als ein leichter Gelbstich auftrat, habe ich eine Woche noch über Aktivkohle gefiltert (im Schnellfilter). Die Kohle habe ich seit einer Woche wieder entfernt. Die grünen Fadenalgen sind inzwischen verschwunden, und die roten Kalkalgen kamen wieder hervor. Den Fischen und Garnelen geht es sehr gut. Die Wasserwerte normalisierten sich, bis ich NO3 + PO4 mit den Tropftests nicht mehr nachweisen konnte. Der PO4-Test ist von JBL, NO3 von TETRA - ich werden mir aber noch den Merck-Test besorgen, damit die Abstufungen besser erkennbar sind.

    Die Lederkorallen stehen in der Strömung und neigen sich abends manchmal schlaff zur Seite, richten sich dann tagsüber aber wieder auf und die Polypen kommen heraus. Können Sie bei den Werten "verhungern" ?


    Grüsse
    Torsten

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo,

    ich würde als erstes alle Absorber raus tun.

    Dann mal einen großzügigen Wasserwechsel machen mit einem guten Salz,
    z.b. TropicMarin

    und dann einfach mal schauen was passiert.

    Meistens sind zuviel Absorber oder Werte gegen 0 auch nicht ideal,
    kann das aus eigener Erfahrung berichten.

    Evtl. auch mal deine Strömungspumpe anders positionieren bzw. verdrehen.

    Verhungern glaub ich nicht, sind ja hart im nehmen.

  • Hallo Torsten!
    Meine Pilzleder können richtige Mimosen sein...
    Neu eingesetzt..nach einer Woche machen sie zu und schlapp und häuten sich. Bei einer hat das 3 Wochen gedauert. Dann mußte ich eine umsetzen. Und,was macht sie? Sie häutet sich erst mal wieder...
    Ich würde aber auch,wie schon geschrieben,ruhig mal etwas "Dreck" im Becken lassen.Alles auf Null? Da bin ich kein Freund von.Und deinen Mg-Wert solltest du schon wissen.

  • Hi Thorsten,

    zuerst mal herzlich willkommen! Gerade Weichkorallen brauchen "etwas" dreckigeres Wasser :winking_face: Also Nitrat und Phosphat (mit was misst du eigendlich, nicht jedes Gerät aus dem Labor ist für MW geeignet, bzw. kann im Salzwasser nicht richtig messen :winking_face: ) sollten schon nachweisbar sein...

    Die Absorber würde ich rausgeben, wie bereits geschrieben und das Nitratex ist auch nicht das optimale für MW.

    PS 2 Hawaiidocs sind nicht gerade der optimale Besatz für knapp 200 l (mal vorsichtig ausgedrückt :grinning_squinting_face: )

    Liebe Grüße Uschi

  • Hi Torsten,
    bei mir ist der Mechanismus ganz einfach ..

    Wenn der Lederkoralle die Strömung nicht passt, ist sie beleidigt. Also wenn sie nicht mehr richtig aufgeht, ist sicher etwas in einer Strömungspumpe verfangen ... oder ich muß die Strömungspumpen mal wieder reinigen .. oder die Strömungspumpe macht zu viel Strömung ...

    Spiel mal mit der Strömung ..

    Gruß

    Konrad

  • Hallo Torsten,

    meine beiden Pilzleder sind auch meine Sorgenkinder im Becken. SPS und LPS, Xenien, Anthelias, Gorgonien,... alles steht wie ne Eins.
    Nach dem Umsetzen aus dem Nano in das 200L-Becken waren diese über 2 Monate beleidigt. Jetzt haben diese wenigstens schon einmal große Köpfe und lassen sich nicht mehr hängen. Die Stämme sind schön fest und auch gut festgewachsen. Aber die Tentakeln kommen nur schwach heraus, die Polypen sind kaum zu sehen.
    Eine Pilzleder hat viel Licht und Strömung, die andere steht etwas abseits und hat weniger Licht und Strömung. Diese steht etwas schlechter als die Erste.
    Ich habe es schon aufgegeben. Du bist also nicht alleine mit Deinen Sorgen.

    Gruß aus Berlin

    PS: lass Dich mit Deinen beiden Hawai-Docs hier nicht im Forum erwischen. Du wirst sonst wahrscheinlich zerfleischt :grinning_squinting_face:

    160x65x65cm Plexiglas, Aquaphoton 4xT5 54Watt,2x150Watt, Strömung: Abyzz A200, RF-Pumpe: Abyzz200, ATI Powercone 200

  • Ich habe im letzten Jahr bemerkt,das meine Pilze die Strömung gar nicht so sehr mögen. Sie stehen viel lieber in indirekter Strömung und Halbschatten.

  • Hallo Torsten

    Willkommen - und viel Freude mit dem salzigen Metier.

    (und @Uschi):

    Zitat

    Der PO4-Test ist von JBL, NO3 von TETRA

    - beides keine berauschenden Marken für Meerwasser gerade bei diesen zu ermittelnden Werten.

    Würde auch als erstes mal einen besseren Test kaufen, den Adsorber raus (Weichkorallen mögen lieber etwas mehr Nährstoffe) und auch wie Uschi erwähnt das Nitratzeugs.

    Und ich muß dieselbe Erwähnung wie Uschi wegen den Docs machen.

    Grüße

    Markus

    Grüße aus Tirol - dem Herz der Alpen
    PS: wozu an die See fahren, wenn man "Meer" zuhause hat?

  • Hi Markus...

    wer lesen kann ist klar im Vorteil, sollte meine :brilli: aufsetzen...

    Zum Thema:

    Tests würde ich hier Salifert für Nitrat (ist schwer abzulesen) und für Po4 auch Salifert oder (viel) besser Merck oder Rowa empfehlen...

    Liebe Grüße Uschi

    Einmal editiert, zuletzt von Hera (8. Januar 2008 um 13:11)

  • Zunächst einmal vielen Dank für die vielen Tipps =) und die freundliche Aufnahme im Forum :grinning_squinting_face:

    Ich werde die Absorbermaterialien erst einmal weglassen und die Entwicklung der Nitrat- und Phosphatwerte beobachten. Leider habe ich aus Platzgründen kein Technikbecken machen können, daher wollte ich den Eheimfilter als temporären Absorber- und Grobreinigungsfilter nutzen, ohne ihn als Biofilter meine Nitratwerte aufbessern zu lassen.

    Da ich es gewohnt bin, Wasserwerte teilweise im ppm-Bereich zu ermitteln und dafür hochpräzise Labormesstechnik zur Verfügung habe, haben mich die bereits aus der Süßwasseraquaristik gewohnten Farbtests nicht sehr begeistert.

    Leider hat man oft keine gute oder gar keine Referenz und merkt nicht einmal, wie schlecht einige Testkits wirklich sind. Beispiel pH-Wert mit Indikatortropftest:

    Hier wird der pH-Wert in 0,5 pH-Einheiten, also 7,5 -8,0 -8,5 dargestellt. Da liegen pH-Welten dazwischen. Ich habe neulich im Tropftest an der Indikatorfarbe pH 7,5 - 8,0 abgelesen (genauer ging es nicht) und hätte evtl. mit pH-erhöhenden Mitteln intervenieren müssen. Mein sehr präzises pH-Meter mit 3-Punkt-Kalibrierung hat einen pH von 8,17 angezeigt, also kein Eingriff in die Wasserchemie nötig. Es kann dann leicht zu falschen Reaktionen kommen, wenn man "Hausnummern" ermittelt. Ich werde mir von Salifert oder anderen in den MW-Foren empfohlenen Herstellern noch die wichtigsten Parameter nachkaufen, da ich nicht jede Probe im Labor weit ab vom Aquarium aufwändig messen kann.

    Die zwei gelben Hawai-Docs sind die Empfehlung meines Händlers zur Algenprophylaxe gewesen. Ein Algen-Bleni wäre wahrscheinlich besser gewesen. Und da die Docs einzeln zu unverträglichen Einzelgängern mutieren, sollten es dann auch gleich zwei sein. Mir ist klar, dass die beiden mit 5 und 7 cm noch weiter wachsen und das Becken dann irgendwann limitierend wird. MW-Becken Nr. 2 ist virtuell auch schon in Planung, sollte sich MW-Becken Nr. 1 weiter so gut entwickeln. Das soll dann auch 500-800 Liter umfassen und wäre sicher das passende Gefäß für die zwei Doktoren. Es hat mich sehr erstaunt, dass die beiden so gut miteinander auskommen. Die ersten zwei Tage hat der große Doc den kleineren ständig herumgeschubst und ihm die Flossenränder abgebissen. Inzwischen sind die Flossen vollständig regeneriert und die schwimmen einträchtig nebeneinander. Ich füttere sie zu 80% mit Algen und Pflanzentabs bzw.- Flocken. Beim Händler haben sie nur Frost-Artemia bekommen.

    Beim Pflanzenfutter gibt es leider viele Mogelpackungen. Bei den meisten Tabs und Flocken steht unter Zusammensetzung zuerst einmal so etwas wie tierische Produkte, Krill, Fischmehl und dann ganz weit hinten stehen Algen und Getreide. Da die Aufzählungsreihenfolge nach der eingesetzten Menge erfolgen muss, hat so eine grüne Flocke/Tab mit Pflanzennahrung dann herzlich wenig zu tun.

    Grüsse
    Torsten

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo Torsten,

    wieso soll ein einzelner gelber zickig sein?
    Sicher ist Paarhaltung (bei gelben geht auch eine Gruppe bei entsprechend großem Becken) besser, aber es gehen auch einzelne Gelbe.

    Ich habe die Beobachtung gemacht, dass gerade gelbe Docs (im Gegensatz zu anderen Docs) bei Fütterung mit Flocken wesentlich besser "Speck" ansetzen, als wenn sie (nur) mit Frostfutter/Artemia gefüttert werden.

    Grüße

    Markus

    Grüße aus Tirol - dem Herz der Alpen
    PS: wozu an die See fahren, wenn man "Meer" zuhause hat?

  • Hi Torsten

    hatte genau das gleiche Problem. Da auch mein PO4 Wert zu hoch war habe ich massiv Adsorber eingesetzt. Danach gings mir wie dir. Ich hab ca. 10 Wochen gewartet aber die haben sich nicht mehr aufgerichtet. Als dann schon Zerfallserscheinungen zu sehen waren habe ich meine Sacro abgeschnitten und zerteilt. Zwei kleine Stücken auf nen Stein mit gummi befestigt und wieder in die Strömung gestellt. Da mein PO4 mittlerweile etwas gesunken war und ich nicht mehr soviel Adsorber drinn hatte, kamen auch die beiden Ableger wieder super. Selbst der abgeschnittene Stamm ist wieder vollständig und die Polypen sind doppelt so lang wie vorher.Habe jetzt nur noch einen Langsamfilter mit Adsorber dran. Aber auch da merke ich an den Sacros wenn ich zu schnellen Durchfluss habe.
    Mein PO4 liegt aber immernoch bei 0.14 - 0,18. Ich denk das brauchen die einfach und reagieren empfindlich auf schnelle Wertänderungen.

  • Hallo,

    ich wollte an dieser Stelle kurz berichten, wie die Geschichte weiter gegangen ist.

    Folgende Maßnahmen habe ich inzwischen durchgeführt:

    1. Das Absorbermaterial aus dem Eheimfilter entfernt.
    2. eine zweite Strömungspumpe installiert (Tunze Nanostream 6025)
    3. der Eheimfilter läuft jetzt leer mit und am Auslaß hat einen Hydor Flo bekommen, damit die Strömungsrichtung rotiert,
    4. Wasserwechsel 20% mit Red Sea Salt und Spurenelemente zugegeben
    5. Die größte Lederkoralle hatte sich an der Oberfläche regeneriert und die "alte Haut" abgestoßen. Hier und da hingen noch Fetzen, die ich vorsichtig mit der Hand entfertn habe (auch ein Hinweis auf zuwenig Strömung).

    Nach bereits 6 Stunden gingen alle Polypen der Lederkorallen wieder auf und bewegten sich in der wechselnden Strömung. Das haben sie vorher nicht gemacht, daher vermute ich, dass vorher eindeutig zu wenig Strömung im Becken war. Nach 24 Stunden hatten alle Lederkorallen ihre alte Pracht zurück.

    Nochmals danke für die Hilfestellung aus dem Forum.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

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