Wasserdruck für die Aquarienbewohner

  • Hallo,

    wir Aquarianer versuchen ja immer, den realen Lebensraum unserer Pfleglinge so gut wie möglich nachzuahmen. Wenn ich mir den anschaue, sehe ich unter anderem eine unglaubliche Wassertiefe. Es gibt Meerestiere, die sich nur in einer bestimmten Wassertiefe wohlfühlen, ja sogar nur dort überlegen können. Diese Tiefe, bzw. dieser Wasserdruck ist normalerweise im Aquarium nicht vorhanden. Ich denke jedoch, dass wenn es möglich wäre, quasi ein Refugium mit einem hohen Wasserdruck einzurichten, dies allen Aquarienbewohner zu gute kommen müsste. Für diese Annahme habe ich keine konkreten Beweise, jedoch wäre es einfach näher am realen Lebensraum. Deshalb denke ich, dass es sich lohnen sollte, sich über die Realisierung eines solchen Refugiums gedanken zu machen.
    Mir sind bisher für die Realisierung nur folgende Möglichkeiten eingefallen.

    • Plexiglasröhre mit min. 2 m Höhe
    • geschlossener Außenfilter der ggf. sogar im Keller aufgestellt werden kann


    In beiden Fällen sollte der Wasserdruck mindestens doppelt so groß sein, wie in einem herkömmlichen Aquarium.
    Hat sich denn jemand von euch über so ein Refugium schon gedanken gemacht, oder vielleicht sogar soetwas realisiert? Oder was haltet ihr von diesem Gedanken eines "Wasserdruck-Refugiums"?

    Viele Grüße,
    Timo

  • Hallo Timo,

    das ist eine wirklich interessante Idee!

    Wobei man dazu sagen muss, dass es den meisten Tieren, die wir pflegen, vermutlich egal ist wie hoch der Druck ist.
    Korallen z.B. haben innen wie außen den gleichen Wasserdruck, das heißt sie merken vom Wasserdruck schlicht gar nichts. Fische sind in der Regel zu einem Druckausgleich fähig, insbesondere die Aquarientauglichen Arten die in Tiefen von 0 - 25m vorkommen.

    Es gibt einige Leute, die glauben, dass ein hoher Wasserdruck notwendig ist bestimmte Fischarten zu züchten. Beispielsweise schwimmen Doktorfische in der Natur zur Eiablage von 15m in wenigen Sekunden und geben unter der Oberfläche ihre Geschlechtsprodukte ab.
    Es hat jedoch auch schon Eiablage von Doktoren (Paracanthurus hepatus im Becken von Ellen Thaler) im Aquarium gegeben, so dass dies auch zumindest für diese eine Art kein 100%iges Kriterium ist.

    Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass es einige Spezies gibt, die sich nicht an verschiedene Drücke angleichen können. Seescheiden und Schwämme zum Beispiel. Es gibt einige 100.000 Arten von Schwämmen die teilweise sehr spezielle Lebensräume besiedeln.

    Insgesamt denke ich jedoch, dass die Unterschiede, über die wir uns Unterhalten, in der Natur auch eher irrelevant sind. Interessant wird es bei 500 - 1000m Höhenunterschied - im Meer ja keine Seltenheit.

    Ich würde sagen, es kommt immer auf einen Versuch an. Du kannst z.B. auch ein "Druckaquarium" bauen, dass mit größeren Plexiglasrohren mit deinem Hauptbecken verbunden ist. Im Keller stellst du dann einen hermetisch abgeschlossenen größeren Plexiglasbehälter aufstellen. Deine Fische können so entscheiden, ob sie vielleicht auch einmal nach unten in die "Druckhöhle" schwimmen möchten :smiling_face:

  • Hallo,

    die Tiere die bei uns landen sind ja schon längere Zeit in kleineren Behältern gehältert, also gut an diese Situation adaptiert.

    Mein Vater hat einen Bekannten der importiert Afrika-Barsche, da wird bei manchen Arten die sehr tief leben ein mitterschwerer Aufwand betrieben um diese an die Oberfläche zu holen und dies über Tage.

    Ich sehe da keinen wirklichen Vorteil.

    Gruß

    Henrik

  • Hallo,

    eigentlich dachte ich bei dieser Idee nicht an einen direkten Nutzen für unsere Aquariumbewohner. Ich stelle mir vielmehr vor, dass es für uns unsichtbare Lebewesen gibt, die in solch einem Refugium besser gedeien. Diese Lebewesen könnten dann z.B. als Futter (in Form von Plankton oder Krebstierchen) oder als Wasserfiltrierer (z.B. Seescheiden oder Schämme) für unsere Pfleglinge nützlich sein. Letztendlich kann ich mir nämlich nicht vorstellen, dass im offenem Meer die Tiere an der Wasseroberfläche völlig unabhängig von den Tieren in der Tiefe leben.


    Gruss,
    Timo

  • Hy,

    ich weis nicht ob Du Dir über die Probleme der Realisierung eines Druckbeckens im klaren bist.
    Wie bringst Du denn alleine das Futter ins Becken ohne den Druck abzulassen um es zu öffnen.
    Das komplette Hantieren im Becken wird ein Problem und ohne Wasser abzulassen ist es gar nicht möglich, ob die Tiere die Druckschwankungen toll finden ist noch ein anderes Problem.

    Grüßle Jochen

    „I want to know God's thoughts - the rest are details.“ Albert Einstein

  • Hallo Jochen,

    habe mir gerade mal dein Becken angeschaut.. Einfach nur gut!!! Nicht nur die Idee mit der Strömung, die Abmaße passen wunderbar in den Raum......ich finde es einfach nur gelungen und gebe zu, dass ich ein wenig neidisch bin :wink

    Hats du Zeichnungen von deinem Schacht? Mich würde sehr interessieren wie du was gemacht hast.

    Lieben Gruß
    Stefan

  • Mir ist schon bewusst, dass die Realisierung eines Druckbehälters sehr aufwendig wäre. Deshalb sprach ich ja immer von einem Refugium. D.h. das Hauptbecken ist ein herkömmliches Aquarium. Dieses ist jedoch mit einem Behälter verbunden, in dem es Bereiche mit höherem Wasserdruck gibt. In einer Plexiglasröhre von 2m Höhe wäre z.B. der Wasserdruck am Boden der Röhre doppelt so hoch wie im Hauptaquarium. Wenn man diese Röhre mit Lebendgestein füllen würde, hätten Kleinstlebewesen die nur bei höherem Druck übeleben können, eine Möglichkeit sich anzusiedeln. Dies, so vermute ich, sollte auch den Tieren im Hauptaquarium zu gute kommen.
    Deshalb würde mich mal interessieren, ob so etwas schon jemand realisiert hat. Ausserdem interessiert mich auch, was andere über diese Theorie denken.


    Gruss,
    Timo

  • In einem ca 2 Meter hohem Plexiröhrenaquarium hält meines Wissens nach Rainer seine Nautili (schreibt man die Mehrzahl von Nautilus so?) Allerdings als einzel Becken, also nicht die von Dir vorgeschlagene Refugium Lösung. Vielleicht meldet er sich ja noch.

    Lars

  • Hallo,

    Ich denke um da wirklich Unterschiede feststellen zu können, reichen da 2m wohl kaum ich glaube nicht das sich in den ersten 2m Wassertiefe so große unterschiede finden und die Tiere die in 2m tiefe leben, können das in 30cm sicher auch noch, 2m sind ja lediglich 0.2 Bar Druck. Wenn man bedenkt das Walfische sowohl an der Wasseroberfläche schwimmen als auch in Tiefen von bis über 1000m (entsprechend 100 Bar druck) leben. Ok es wird wohl keiner einen Wal im Aquarium haben :), aber das sollte mal verdeutlichen mit welchen Größenordnugen man es hier zu tun hat. Nicht grundlos ist die Tiefsee noch fast garnicht erfroscht. Es fehlen einfach die Mittel um in so große Tiefen = großer Druck vorzudringen.

    Gruß
    Ralf

  • Hallo,

    gut, 2m sind im Vergleich zu den Tiefen im offenen Meer nicht viel. Da gebe ich Ralf recht. Aber die Idee an sich, finde ich trotzdem interessant.
    Wenn man das ganze System eine Etage tiefer aufstellt (siehe Vorschlag von Stefan), sollte es auch möglich sein einen noch höheren Druck herzustellen. Natürlich ist es immer nicht viel, wenn man es mit dem Meer vergleicht. Jedoch denke ich, dass gerade weil die Nachzucht verschiedener Fische durch den Einsatz von hohen Wasserröhren einfacher wird, es doch eine Rolle spielt.


    Gruss,
    Timo

  • Ich habe gerade nochmal Überlegt;

    (Geld spielt keine Rolle und ich besitze ein Penthouse in einem 10Stöckigen Gebeude direckt in der Karibick

    mit direktem Meerwasseranschluss)

    Ich denke das ein Titantank im Keller da echt Sinn machen würde.
    Einfach ein Druckbehälter mit Gestein aus 30ig Metern Tiefe, in 30ig Metern Tiefe.

    Bei mir stände das Aquarium allerdings oben. :grinning_squinting_face:

    Gruß Jens

    Edit: ,

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    Einmal editiert, zuletzt von Stramon (6. September 2007 um 21:56)

  • Hi,
    1986 (Deutsche P. Nr. 43642733 dat. 18 Dez. 1986) entwickelte Herr Preis (leider verstorben) ein Aquarium welches er "Aquanaut - Druckaquarium" nannte.Diese Aquarium wurde mit Druckluft betrieben und verfügte über eine Druckschleusche für das hantieren und füttern.
    Herr Dr. Lange vom Berliner Aquarium versuchte hiermit Tannenzapfenfische nachzuzuchten.
    Die Beschreibung und Zeichnug dazu hab ich noch :grinning_squinting_face:

    MfG
    Fraenky

    Einmal editiert, zuletzt von Fraenky (6. September 2007 um 22:47)

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