Copepodenzucht-bald genauso einfach wie Artemia?

  • Hi zusammen,
    habe gerade im Netz nach Copepoden gestöbert und einen interessanten Artikel in einem norwegischem Neuheitsbrief von einem hiesigem Forschungsinstittut gefunden:
    Dort wird berichtet, man habe jetzt eine Methode gefunden,Copepodeneier zu produzieren,die sich für Langzeitlagerung eignen und bei Bedarf erbrütet werden können, ähnlich wie bei Artemia !Dies ist natürlich in erster Linie für die kommerzielle Speisefisch-produktion(durch Aufzucht)gedacht, aber das dürfte wohl auch grösste Bedeutung für die Zucht anderer(sprich der von uns gepflegten) Salzwasserspezies haben ! :pleased:
    Ausserdem hatte man Vergleiche(hier bei Dorschlarven, 25Tage alt)gemacht,angehend Wachstum und Sterberate:
    Während bei Dorschlarven,die mit (nat. angereicherten)Brachionus gefüttert wurden,nur 31% überlebten,waren es bei den mit Copepoden gefütterten 71% !
    Die Copepod-gefütterten Larven waren ausserdem doppelt so gross
    wie die mit Rotiferen gefütterten.Ausserdem war das(Schwarmfisch-) Verhalten bei den erstgenannten bereits besser ausgeprägt.
    Habe die Leute gleich mal angemailt,ob man da auch was abbekommen kann,fragt sich dann aber sicher auch ,was das kostet...
    (für einen Liter Brachionusansatz wollen sie 125 € haben...)
    Schöne Grüsse Thomas

  • Hallo Thomas,

    Interessant. Kannte ich bislang noch nicht, aber scheint mir ehrlich gesagt nicht so wichtig wie sich das anhören mag. Zumindest für marine Nachzuchten im Hobbybereich.

    Hat man erst den richtigen Start im entspr. Aufzuchtgefäß und die richtige Vorlaufzeit ehe man entnimmt, kann eine Copepodenzucht derart Produktiv sein daß es wohl eher unnötig ist, Eier zu zeitigen. Selbst bei Artemia Salina könnte ich theoretisch mit geeignetem Sieb tägl. sehr viele frischgeschlüpfte (explizit:geborene) entnehmen. Moderne Futtermittel machen dies ohne weiteres möglich, und es erspart nicht nur Geld, sondern vornehmlich auch Arbeit.

    Zudem sind 125 €uro zur "Finanzierung eines Forschungsprojektes" auch nicht so mein Ding. :winking_face:

    Alles in allem: Ich Glaube nicht daß das aus aquaristischer Relevanz für Meerwasseraquarianer großartig Sinn machen wird. Evtl. wenn der Preis stimmt, ansonsten aber - ich habe Skepsis...


    Gruß Thilo

    Einmal editiert, zuletzt von Esther&Thilo (4. September 2006 um 01:31)

  • Hallo,

    ich finde das gar nicht so uninteressant.... Der Preis ist allerdings heftig!

    Thomas, hast Du den Link zu dem Artikel?

  • Hi,
    kann Euch den Link 'raussuchen,wenn ich nach hause komme heute abend(bin auf der Arbeit jetzt),ist allerdings auf norwegisch...

    @Esther & Thilo
    die Vorlaufzeit fällt ja weg,wenn man Cysten zur Verfügung hat,
    und immer die richtige Grösse zur Verfügung...
    glaub' schon das es ein Vorteil ist.
    Die 125 Euro sind der ordinære Preiss für Brachionuskulturen,da kann es einem schon bangen für Copepodeneier...
    ob sie die Forschung damit finanzieren,weiss ich nicht-man könnte es ja fast vermuten... :face_with_rolling_eyes:
    aber der Schnaps ist hier ja auch nicht billiger :frowning_face:

    Schöne Grüsse Thomas

  • Hallo Thomas,

    wie meinste das mit dem Schnaps? :grinning_squinting_face:
    Also wenn du Brachionus Kulltur brauchst ich schick dir gern eine.

    Die Weitervermehrung zumindest mit meinen Stämmen ist wirklich leicht zu händeln und kann zu 100% gesteuert werden. Selbst erhaltungskulturen kann man Problemlos innerhalb 4 tagen wieder voll hochfahren. Nat+ürl. wachsen dann aber auch die brachionus mit. man muß also Aussieben. Reine Copepodenkulturen lassen sich kaum halten.

    lediglich bei den roten Würmchen ist dies möglich. Zur Nahrung dieser gehören sie ejdenfalls nicht. ich habe noch keine erklärung dafür. lediglich adulte wirklich schonf ast so große wie Artemianauplien sehe ich dann und wann.

    Die richtige größe habe ich auch zur Verfügung, man benötigt lediglich die entspr. Siebe. Die Vorlaufzeit ist klar die fällt weg, aber die Cystenbrüterei kostet ja auch wiederum Zeit und eine Anlage für sich quasi.
    Ich muß dazu aber auch erwähnen daß ich mich vorläufig auf die Seepferdchen- und Anemonefischzucht beziehe. Bei anderen spec. schauts vielleicht wieder anders aus, mit der Verwendung.

    Gruß Thilo

  • Hallo Thilo,

    'Ne Brachionuskultur hab' ich mir von M.M. hochschicken lassen letzten Winter,hat wunderbar geklappt,ist noch nichtmal im Zoll stecken geblieben...bis jetzt hab' ich sie auch noch nicht kaputt gekriegt.
    Wenn's dafür einen Markt geben würde,könnte ich sie ja selber verscherbeln...
    Da sieht's mit Copepoden schon anders aus.Wenn ich da nicht alles vollständig falsch gedeutet habe,ist es mit denen schon etwas schwieriger;erstmal muss man die richtige Sorte finden,diese dann
    in ausreichender Menge in der ausreichender Grösse zur richtigen Zeit
    zur Verfügung haben...so einfach hat sich das bisher nicht angehört für mich.
    Auf der anderen Seite habe ich den mittlerweile mehr als leisen Verdacht,das Brachionus bisher zwar die einfachste Lösung zur Aufzucht ist,
    bei weitem aber nicht die Beste.Wieso werden denn nicht ausschliesslich
    Copepoden zur Zucht benutzt,wenn diese doch in vielen Fällen offentsichtlich wesentlich besser geeignet sind ?Mag ja sein,das du die
    Copepoden gut im Griff hast,aber so kinderleicht ist es doch sicher nicht für alle...
    Sind bei Euch spesifisierte Copepodenstämme im Handel ?Würden die sich auch genauso einfach verschicken lassen wie Brachionus?
    bisher habe ich leider noch keine Antwort bekommen von der hiesigen
    "Industrie"...
    Hir kommt der Link,aber wie gesagt,gibt's leider nur in Norwegisch:

    Klick mal hier

    GRÜSSE AUS DEM HOHEN NORDEN
    mein Bilderbuch

    3 Mal editiert, zuletzt von Thomas Engels (4. September 2006 um 16:29)

  • ...musste noch 'n bischen üben beim verlinken :O,aber hat ja geklappt...
    die 2.Seite handelt um Copepoden (die Art ist Acartia tonsa),die Bilder unten sind 17 Tage alte Dorschlarven,die einen gefüttert mit Brachionus,die andern mit Copepoden...

    Viel Spass beim lesen...
    Gruss
    Thomas

  • Hi schiwo,

    Dein Link höhrt sich ja auch interessant an, aber das ist ja schon 8 Jahre her,was ist da draus geworden ?Würd' mich auch mal interessieren !
    Weiss da jemand mehr ?

    Schöne Grüsse Thomas

    GRÜSSE AUS DEM HOHEN NORDEN
    mein Bilderbuch

    Einmal editiert, zuletzt von Thomas Engels (4. September 2006 um 17:02)

  • JA Vielen Dank schiwo,
    obwohl,
    den hab' ich aber auch schon in meiner Samlung...
    da steht unter anderem, das es eben haufenweise von Arten gibt,
    die alle unterschiedliche Ansprüche und sicherlich auch Nutzen haben...
    Ich fürchte, wenn man einfach mit" irgendwelchen" Copepoden anfängt,kann es ein recht langer Weg zum Erfolge sein...
    Gruss Thomas

    GRÜSSE AUS DEM HOHEN NORDEN
    mein Bilderbuch

    Einmal editiert, zuletzt von Thomas Engels (4. September 2006 um 19:12)

  • Hallo Zooplanktonzüchter,

    der letzte Post in diesem Thread feiert bald seinen 8. Geburtstag, aber vom Titel her schien es mir passend, meinen Beitrag hier reinzustellen ...
    Wenn's nicht ok ist, liebe Mods, übertragt ihn bitte in ein neues Topic.

    Durch Zufall hab ich (mit Moina salina) eine calanoide Copepodenart in meine Kulturen eingeschleppt, die sich als geradezu fantastisch einfach zu züchten und dabei als ausgesprochen produktiv erweist.

    Mit meinen bescheidenen Fotografiermöglichkeiten (Lupe und Deppenkamera) hab ich ein Bild zusammengebracht, auf dem zumindest ein Exemplar halbwegs gut zu erkennen ist. Auf den ersten Blick scheint es sich um einen Vertreter der Familie Acartiidae zu handeln, mglw. in die Richtung A. tranteri http://www.imas.utas.edu.au/zooplankton/im…oida/acartiidae Die Antennen sind bei 'meiner' Art halt ein bissl kürzer (und das spräche gegen die Familienzugehörigkeit.)

    Was mich dabei überrascht: Die Individuendichte ist sehr hoch, was m.M. nach Kannibalismus ausschließt. Ich glaube auch nicht, dass die Art ovipar ist: Eipakete tragende weibliche Tiere konnte ich bisher nicht entdecken. Allerdings sind die Tiere recht lebhaft und dem entsprechend - v.a. allem in der Menge - schwierig zu beobachten.

    Die größte Überraschung aber ist für mich, dass diese Art ganz simpel mit Selco S.parkle zu ernähren ist - und davon verträgt sie Unmengen (rd. 1 ml/d, gerechnet auf 14 Liter). Die Wasserqualität 'mess' ich nur mit Nitratstäbchen, sie ist trotz der großen Futtermenge (vermutlich als Folge der ebenfalls hohen Dichte an heterotrophen Bakterien, die sich als Film an den Wänden der Box und an der Wasseroberfläche ansiedeln) durchaus im grünen Bereich. Trotzdem: Als 'Reinwasser' würde ich die Brühe nicht bezeichnen.

    Natürlich freut mich die Beobachtung enorm. Erstens, weil die Vermehrungsrate dieser Copepoden deutlich höher ist als bei den Tisben und ich dadurch viel mehr Erstfutter für die Zwergseepferdchen zur Verfügung hab, und zweitens, weil ich damit meinen Vorrat an Selco S.parkle rascher aufbrauchen kann. Das gibt's bei INVE ja nur im 2,5 kg-Gebinde, und bisher wär ich mit dieser Menge grundsätzlich ungefähr 150 Jahre ausgekommen :smiling_face:

    Liebe Grüße
    Linda

  • Hallo Linda,

    Das S.parkle bekommt man auch in kleinmengen ab 50g :winking_face:

    @ Thomas,
    An einer Adresse für die Eier bin ich auch interesiert, ich kannte das ganze schon, jedoch keine bezugsquelle dazu.

    Gruß Andy

  • Hallo Linda!

    Die sehen so ähnlich aus wie die calanoide Art, die ich vor einigen Jahren zwischen anderen Zuchten (ich glaube auch Moina) entdeckt habe. Sie lebt seither Sommer und Winter(!) in einer etwa 20 l Plastikwanne im Freiland bei extrem schwankenden Salzgehalten und natürlich Temperaturen. Die Wanne gefiert im Winter fast durch, im verbleibenen Rest hüpfen aber munter die Copepoden derum . Obwohl ich nicht füttere, vermehren sie sich in den wärmeren Jahreszeiten ganz gut und sie halten sogar zwischen Tiggerpods durch. Ob man sie zur Massenzucht verwenden kann, habe ich nicht ausprobiert. Wenn du Lust zum Rumexperimentieren hast, könnte ich dir ja ein paar schicken, denn ich will die Wanne ebenso wie meine anderen salzigen Zuchten allmählich ausleeren. Für einen Ansatz sollten meine Restbestände reichen.

    Gruß
    Wolfgang

    Die Aquaristik ist eine Liebhaberei, bei der die Liebe im Vordergrund stehen soll und nicht die Haberei!

  • Hi Wolfgang,

    dann meld ich mich bitte auch an!
    Hartnäckige Cops klingen gut ;-))
    Dann schaff ich das auch mal....

    LG,
    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,

    zum Üben nehme man Tigriopus californicus, das Ungeziefer :-). Die vermehren sich bei mir ohne jegliche Fütterung gerade wieder so, dass ich sie täglich an Süßwasserfische verfüttere und in einem Becken trotz extrem kannibalischer Eltern einige junge Nordseemysis durchkommen. Alles Weitere per PN.

    Gruß
    Wolfgang

    Die Aquaristik ist eine Liebhaberei, bei der die Liebe im Vordergrund stehen soll und nicht die Haberei!

  • Ob man sie zur Massenzucht verwenden kann, habe ich nicht ausprobiert. Wenn du Lust zum Rumexperimentieren hast, könnte ich dir ja ein paar schicken, denn ich will die Wanne ebenso wie meine anderen salzigen Zuchten allmählich ausleeren. Für einen Ansatz sollten meine Restbestände reichen.


    Hallo Wolfgänge, guten Morgen!

    Wolfgang S: Mit meinen Kleinen hab ich zwar jetzt eine Art, die sich erwiesenermaßen gut zur Massenzucht eignet, aber warum nicht auch schauen, wie das mit deinen ist. Vielleicht ist es eh dieselbe oder eine sehr ähnliche Art. Die Details machen wir uns per Mail aus, gut?

    Weil du schreibst, du hast sie möglicherweise auch mit einer Moinakultur bekommen, und sie setzen sich sogar gegen Tiggerpods durch: A. tranteri wird sowohl als herbivor beschrieben als auch als Vertilger von kleinem Zooplankton

    Zitat

    Filter-feeder that feeds on both phytoplankton and small zooplankton

    Mir kommt vor als ob die Massenvermehrung dieser Copepoden den Moina nicht gut getan hat. Die sind nach anfänglich guten Erfolgen bei der Indoor-Kultur im heurigen Winter nämlich verschwunden, als die Copepodenpopulation sprunghaft zugenommen hat. Natürlich kann das Verschwinden der Salzwasserflöhe auch andere Ursachen haben, die eventuell in der Nahrungskonkurrenz zu suchen sind.

    Wolfgang Suchy: Tiggerpods sind sowas wie der Besen für den Zauberlehrling :smiling_face:
    Ich bring dir heut ein Glasl von den Minis mit.

    Liebe Grüße
    Linda

  • Hallo Linda!

    Sie "setzen" sich nicht durch, die "halten" durch :smiling_face: . Damit meinte ich, dass sie nicht verschwinden und sich auch weiter zumindest bestandserhaltend vermehren.

    Zitat

    Die Details machen wir uns per Mail aus, gut?

    Gut.

    Gruß

    Wolfgang

    Die Aquaristik ist eine Liebhaberei, bei der die Liebe im Vordergrund stehen soll und nicht die Haberei!

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