Aktivkohle gegen Vitamin B-Komplex?

  • Hallo Community,

    es hat zwar mit Chemie nix zu tun, aber trotzdem scheint mir dieses Forum am Ehesten passend...

    Kann mir jemand sagen, ob Aktivkohle auch Vitamine adsorbiert? Konkret geht's um den Vitamin B-Komplex.

    Oder gibt es eine andere Möglichkeit diese Substanzen gezielt aus dem Wasser zu bringen?

    Danke für Antworten & liebe Grüße,
    Linda

  • Hallo Linda,
    das wird man zu 100 % nur durch Versuche ermitteln können, wie viel Vitamin B z.B. 12 aufgenommen wird. Ich vermute eher: Nein
    Mit Aluminiumoxid wirst du mehr Erfolg haben.
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    Etwas zur Aktivkohle (wenn es von Interesse ist) :

    Aktivkohle hat eine unpolare Oberfläche und adsorbiert primär unpolare Substanzen. In der Chemie gilt immer "Gleiches zu Gleichem"

    Das hat jetzt auch etwas mit Van-der-Walls-Kräften sowie hydrophilen und lipophilen organischen Verbindungen zu tun. Gehört aber nicht hier hin, da zu komplex.

    Wenn man sich mal die Strukturformel von z.B. Vitamin B 12 anguckt (findet man bei google), sieht man, dass keine langkettigen Kohlenstoffketten (aliphatische Reste) vorhanden sind. Eher findet man einige Di-Pole, verursacht durch die Elektronegativität von Stickstoff und Sauerstoff. Das sind dann polare Seitenketten.

    Daher wird z.B. Vitamin B 12 , genauso wie Aminosäuren, nicht durch ein unpolares Medium wie Aktivkohle entfernt werden können. Aluminiumoxid würde da eher helfen.

    Wer also Aminosäuren oder Vitamine ins Becken gibt, sollte keinen Adsorber auf Aluminiumbasis (stark polar) oder polare Kunststoffe wie PVC, Polyamid, Duroplaste einsetzen. Bio-Pellets z.B. sind durch die Carbonylgruppe ebenfalls polar, und "könnten" (ich schreibe extra "könnten), nützliche Stoffe dem Wasser entziehen. Vielleicht ist es gut, wenn zu viel da ist, vielleicht ist es schlecht, wenn zu wenig da ist. Das muss aber noch bewiesen werden.

    Das ganze polare/unpolare "Spielchen" könnten man jetzt für alle Medien durchspielen, die als stationäre feste Phase im Aquarium eingesetzt werden und dort Depots bilden können. Angefangen vom Bodengrund über eingesetze "Steine" bis hin zu den ganzen Kunststoffen / Filtermaterialien. Flüssige Zusatzmittel als zusätzliche "flüssige Phase oder auch Eluent" habe ich jetzt noch nicht mal berücksichtigt.

    Solche polaren/unpolaren Effekte nutzt man in der chemischen Analytik aus (z.B. Gas-Chromatographie, HPLC, Ionenchromatographie) um Stoffgemische zu trennen und anschließend zu analysieren.

    Das ist jetzt alles nur ein Denkanstoß.

    Wenn man sich einmal den Weltmarkt der Zusatzmittel anguckt, erscheint es mir im Moment so, dass immer mehr feil geboten wird, ohne das wirklich alle komplexen Vorgänge richtig und dauerhaft untersucht wurden. Bei Medikamenten dauert es doch auch 10 Jahre, bis sie freigegeben werden.

    Ein Aquarium betrachte ich mittlerweile wie ein Analysengerät z.B. HPLC. Das Aquarium ist meine "feste Phase" und das Salzwasser mit den ganzen Zusatzmitelchen meine "flüssige Phase bzw. Eluent. Einiges bleibt drin und richtet irgendwann Schaden an, anderes wird wieder "rausgespült" und ist nicht weiter schädlich. :grinning_squinting_face:

    Schwerpunkte: Instrumentelle Analytik, Entwicklung analytischer Methoden und Adsober

    http://www.filtergranulat.de

    Einmal editiert, zuletzt von filtergranulat (21. August 2012 um 04:33)

  • Hallo zusammen,

    ich weiß nicht, ob dieses Paper für euch zugänglich ist: http://www.sciencedirect.com/science/articl…387181108001042

    Allerdings passt es ganz gut zum Thema, da diese u.a. die Adsorption von Vit B12 im Hinblick auf verschiedene Porengrößen & aktive Oberflächen untersucht haben. Diese beeinflussen scheinbar die Adsorption ziemlich. So wie ich das verstehe, besitzen die handelsüblichen "Aktivkohlen" allerdings eine recht schlechte Affinität.

    VG
    Björn

  • Hallo Peter,

    vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Um sie ganz zu verstehen werd ich sie noch ein paarmal lesen müssen, aber den Kern der Botschaft hab ich mitgekriegt :smiling_face:

    Ich werd mich umsehen nach einem Adsorber auch Aluminiumoxidbasis oder gleich Al2O3 besorgen. Das gibt's im Handel scheinbar aber nur als Pulver, was die temporäre Anwendung nicht grad einfach macht.

    Die Idee dahinter ist die Limitierung von Dinoflagellaten, die sich in einigen meiner Aquarien hartnäckig halten, während andere Becken vollig frei sind von sichtbaren Dinobeständen, ja, wo ich sogar die Copepoden damit füttern kann.

    Und nein, ich dosier weder Aminosäuren noch Vitamine :smiling_face:

    Liebe Grüße
    Linda

  • Hallo Linda,

    weshalb willst Du B-Komplex-Vitamine entfernen? Vielleicht gibt es ja eine andere Lösung? Wobei stören diese Vitamine oder welche unerwünschten Lebewesen werden davon gefördert?

    Hallo Peter,

    die Polar/Unpolar-Thematik mag beim Verständnis helfen. Das Problem dürfte aber die Menge der Wechselwirkungen sein, die das Meerwasseraquarium zu einem chaotischen System machen, das nicht unbedingt in der erwarteten Weise reagiert. Deshalb sind Versuche, auch wenn sie nur über ein paar Monate reichen, besser als das beste Modell, zumal sich Fließgleichgewichte scheinbar meist in diesem Zeitraum einstellen.

    Zudem gibt es einige Verbindungen, die sowohl polar als auch unpolar sind, z. B. Proteine und Huminstoffe, und einen vermittelnden Charakter einnehmen können, indem sie z. B. mit unpolaren Gruppen an die Kohle binden und mit den polaren Gruppen Metalle binden.

    Grüße

    Hans-Werner

  • Hoppla, ein bisschen spät abgeschickt :yrf!

    Linda, der Ansatz mit der Adsorption der B-Vitamine wird höchstwahrscheinlich scheitern weil wahrscheinlich die benötigten B-Vitamine in einer direkten Symbiose mit Bakterien produziert werden. Das heißt, mit den Dinoflagellaten leben Bakterien zusammen, die sich von energiereichen Ausscheidungen der Dinoflagellaten ernähren und die die B-Vitamine ausscheiden, die die Dinoflagellaten benötigen. Korallen (der sog. Korallen-Holobiont) funktionieren übrigens genauso.

    Grüße

    Hans-Werner

  • Hallo Hans-Werner,

    Zitat

    Das Problem dürfte aber die Menge der Wechselwirkungen sein, die das Meerwasseraquarium zu einem chaotischen System machen, das nicht unbedingt in der erwarteten Weise reagiert.

    Das stimmt wohl, aber irgendwo muss man ja mal anfangen, um ein Grundverständnis von der Materie zu bekommen.

    Das mit deinem chaotischen System hatte ich heute morgen auch irgendwie im Kopf, habe dann aber in der frühen Morgenstunde den Faden verloren. :frowning_face:

    Zitat

    Zudem gibt es einige Verbindungen, die sowohl polar als auch unpolar sind, z. B. Proteine und Huminstoffe, und einen vermittelnden Charakter einnehmen können, indem sie z. B. mit unpolaren Gruppen an die Kohle binden und mit den polaren Gruppen Metalle binden.

    Leider kann man das nicht alles gezielt steuern und Praxiserfolge gehören für mich im Moment eher in die Gattung "Zufallsergebnis"

    Zitat

    Deshalb sind Versuche, auch wenn sie nur über ein paar Monate reichen, besser als

    Mir fehlen bei solch einer Betrachtung einfach Mittelwerte, Ausreißertest, etc. Das ist mir einfach alles zu empirisch.

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    Einmal editiert, zuletzt von filtergranulat (21. August 2012 um 11:11)

  • Hallo Hans-Werner,

    ja, die Chance ist gering, bei symbiotischen Beziehungen Erfolg zu haben. Aber ich hab mir gedacht, einen Versuch ist es wert. Nicht alle Verbindungen des Vitamin B-Komplexes kann man mit der Nase wahrnehmen, aber die in meinen von Dinoflagellaten bewohnten Aquarien riecht deutlich nach den Vit.B-Kapseln, die man als Gelsenschutz zu kaufen bekommt. Das hat mich auf die Idee gebracht, dass die Symbiosetheorie zwischen (vermutlich) Dinoroseobacter shibae und der bei mir etablierten Dino-Art eventuell Lücken hat und mit der Entfernung des Vitamins doch was erreicht werden kann.

    Der andere - vermutlich noch g'scheitere - Ansatz ist, das Bakterium zu limitieren. Da fehlt mir aber jede Fantasie, wie man das ohne massive Störung der Beckenbiologie anstellen könnte.

    Die Blockade der Aufnahme von Vit.B durch hohe Dosen Ascorbinsäure hat in einem Versuchsbehälter nichts gebracht, zumindest nicht in einer Dosis, die ich auch den Aquarienbewohnern zumuten würde (1g/100 Liter).

    Vielleicht fällt euch was ein :face_with_rolling_eyes:

    Liebe Grüße
    Linda

  • Hi Linda, in der Medzin werden mit dem Protein "Albumin" beschichtete Aktivkohleteilchen verwendet, um Vitamin B 12 in einer Flüssigkeit zu bestimmen. Vielleicht hilft Dir dieser Hinweis für Deine Fragestellung.

    Gruß Dieter

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