Cryptocaryon irritans - Pünktchenbefall

  • Hallo,

    habe heute leider einen Pünktchenbefall auf meinen beiden Schwertgrundeln entdeckt der auf Cryptocaryon irritans hinweist.
    Leider habe ich kein Quarantänebecken, sodass mich Eure Erfahrungen mit der Behandlung der Parasiten im Normalbecken interessiert. Für heute habe ich als Erstmaßnahme die doppelte Dosis Easy-Life ins Becken gegeben.

    Und für die Zukunft: Welche Mindestanforderungen braucht eigentlich ein Quarantänebecken, was muss an Technik drin sein?

    Danke für Eure Antworten
    Janina

  • Hallo,

    reichere dein Futter mit Sanostol und Knoblauch an und verfüttere das Frostfutter die nächsten Tage. UV, wenn ja, wiie alt ist díe Röhre ?

    Gruß Frank

  • Hallo Janina,

    C. irritans im Quarantänebecken zu behandeln macht nur dann Sinn, wenn man einzelne, sehr stark infizierte Fische (d.h. sehr viele Pünktchen) retten möchte. Dort kann man, im Gegensatz zum normalen Korallenbecken" auch sehr viel effektiver gegen den Erreger vorgehen.

    Aber zurück zu deiner Frage, wie werde ich den Erreger jetzt in meinem mit Korallen und Wirbellosen besetzten Becken wieder los ? Wenn Du den Fachbericht über C.irritans hier im Fischkrankheitenboard gelesen hast, dann kennst Du jetzt auch den Entwicklungszyklus des Parasiten (Pkt. 5 Entwicklungszyklus von Cryptocaryon irritans). Und dort kannst Du ansetzen. Bekämpfen kannst Du immer nur die Schwärmerphasen des Erregers und das wichtigste Hilfsmittel dafür ist eine ausreichend dimensionierte UV-Anlage, die jetzt permanent über die nächsten 8 Wochen mitlaufen muss. Damit fängst Du viele der entstehenden Parasiten ab.

    Du wirst auch feststellen, dass die Fische unterschiedlich befallen werden, manchmal sieht man kaum bzw. gar keine Punkte mehr und hofft, die Krankheit wäre bereits überwunden, dann wieder gibt es scheinbare Rückschläge und sie haben sich wieder deutlich vermehrt. Anhand der Anzahl der Pünktchen kannst Du ungefähr die Befallsrate ermitteln und sehen, ob deine Bekämpfungsmassnahmen greifen.

    Da Du im Schaubecken keine Chemikalien anwenden darfst, kommt jetzt die zweite Behandlungsmethode, die Du anwenden solltest. Die Verfütterung von angereicherten Flocken- bzw. Frostfutter. Die genaue Anleitung gibt es hier ebenfalls im Fischkrankheitenboard "Eigenherstellung von Medizinalfutter".

    Wenn Du beide Methoden anwendest, sollten die nachkommenden Erreger immer mehr "ausgedünnt" werden und nach und nach verschwinden. Absolut sicher kannst Du aber erst sein, wenn über 6-8 Wochen kein einziger Punkt mehr sichtbar war. Übrigens haben die Fische, die eine Infektion mit C.irritans durchgemacht haben, vorläufig eine gewisse Immuntät gegen den Erreger, die aber leider nur einige Monate (6-12) anhält. Daher kommt oft die Bemerkung von Aquarianern, dass nur die neu gekauften Fische Pünktchen zeigen, alle anderen nicht.

    Bzgl. Mindestanforderungen für ein Quarantänebecken bereite ich gerade einen neuen Fachbericht vor, den ich demnächst ins Forum stelle.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo,

    danke für Eure Infos und sorry für die Fragen die wohl schon zum hundertsten Mal im Forum gestellt worden sind. Inzwischen hab ich mich ganz gut durch die Threads und den Fachbericht gewühlt und bin nun erstmal nicht mehr so panisch und zu einem ähnlichen Schluss gekommen.

    Morgen wird eine AquaCristal UV-C 36 W in den Wasserkühlungskreislauf gehängt. Easy-Life ist schon in Verwendung. 2 mal wöchentlich ist Feinschmeckertag (Frostfutter, sonst gibts Flocken) - hier werde ich mal Knoblauchsaft zugeben.

    Das mit Malachit versetzte Flockenfutter werde ich ebenfalls versuchen - klingt sehr vielversprechend. Hoffe ich bekomme die Lösungen in der Apotheke.

    Das mit dem Fachbericht für Quarantänebecken ist eine Superidee. Im Forum findet man wenig und wenn mit sehr untersch. Anforderungsspannen (von 30 cm Cube mit kleiner Pumpe und sonst nichts bis Vollausstattung, hängt aber sehr wahrscheinlich von der zeitlichen Quarantäne ab)

    Achja, das wichtigste zum Schluss: "Sie leben, fressen und schwimmen noch" :smiling_face:

    By
    Janina

  • Zitat

    Hoffe ich bekomme die Lösungen in der Apotheke.

    Hallo Janina,

    nimm besser handelsübliche Fertigarzeneimittellösungen gegen Pünktchen wie JBL Punktol bzw. Sera Costapur oder Tetra ContraIck. Reines Malachitgrünoxalat wird an Privatleute nicht abgegeben und zudem altert die Lösung in Wasser sehr schnell und wird unbrauchbar.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo Torsten,

    stimmt, die gibts ja gar nicht in der Apotheke.

    Mein Händler hat zur Zeit nur Faunamor da:

    pro 1 ml:
    2,5 mg Methylthioniniumchlorid
    1 mg Malachitgrün
    0,5 mg Methylrosaniliniumchlorid
    0,3 mg Acriflaviniummonochlorid

    Ist das auch i.O.?

    Danke
    Janina

  • Hallo

    bei mir waren zwei gelbe Docs befallen. Geholfen hat Knobi Saft + Multisanostol. Außerdem habe ich auch Easy Leife Halt Parasites dosiert. Das hatte keine Negativen auswirkungen auf die anderen Tiere.

    Meine Docs sind jetz seit über 2 Wochen Punktfrei.

    Gruß
    André

  • Hallo Janina,

    ja, Du kannst das Mittel verwenden - es enthält insgesamt die richtigen Chemikalien für die Medizinalfutterzubereitung und ich werde es wohl in eine der nächsten Versionen der Fachberichte gegen Ektoparasiten mit aufnehmen. Damit Du einen ungefähren Eindruck hast, was Du da später an die Fische verfütterst und wogegen die Mittel wirksam sind, habe ich die Mittel mal der Reihe nach kommentiert:

    pro 1 ml:
    2,5 mg Methylthioniniumchlorid - ist sicher bekannter unter dem Namen Methylenblau - ein sehr bekanntes Mittel gegen Parasiten und Bakterien, darf auch verfüttert werden, färbt stark.

    1 mg Malachitgrün - wirkt gegen Ektoparasiten

    0,5 mg Methylrosaniliniumchlorid - ist auch unter den Namen Methylviolett bekannt und hat ähnliche Eigenschaften wie das Methylenblau.

    0,3 mg Acriflaviniummonochlorid - das wurde früher Kindern als auch Erwachsene bei schmerzhaften Mundschleimhautentzündungen verordnet - wirkt gegen Bakterien.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo Zusammen,

    seit der UV-KLärer läuft einschließlich des erhöhten Einsatzes von Easy-Life sind bislang keine Pünktchen mehr aufgetaucht.
    Knoblauchsaft habe ich ebenfalls probiert und festgestellt, dass Lippfisch und Bleni dieses nicht mögen.
    wahrscheinlich habe ich das Frostfutter zu sehr verknoblaucht - so wie das roch, hätte ich es auch nicht gegessen :face_with_rolling_eyes:
    Werde es nun noch mit Multisanostol versuchen.

    Das Medizinalfutter werde ich, aufgrund der bekannten Nebenwirkungen, zum Einsatz bringen, wenn nochmal in vermehrter Form Pünktchen auftreten.

    @Tosten, danke für die Analyse der Wirkstoffe.

    Schönen Tag
    Janina

  • Hallo, habe auch das Mittel von Easy Life angewendet und nach 14 Tagen war das Problem beseitigt..!

  • Hallo Torsten und alle Anderen,

    zum Thema Medizinalfutter würde mich folgendes interessieren:

    Ist es sinnvoll Medizinalfutter anzuwenden, obwohl in meinem Fall seit 4 Tagen keine Pünktchen mehr zu sehen sind oder sollte ich noch warten, ob das Immunsystem der Fische die nächsten Wochen damit klar kommt?

    Gibt es häufig auftretende Nebenwirkungen? Können Schäden im Becken auftreten (nicht jede Futterflocke wird ja vertilgt)? Die Nebenwirkungen im Fachbericht beziehen sich m.E. auf Bäder.

    Sollte das Futter bei jeder Fütterung verabreicht werden? Wenn ja, in welcher Menge (Thema Überdosierung)? Wie lange sollte es verabreicht werden?

    Wenn es die Fische per Selbstimmunisierung schaffen, sind sie ja für ein paar Monate immun. Dann müsste es ja sinnvoll und möglich sein in eben dieser Periode weitere Fische einzusetzen, oder?

    Und rein interessehalber meine letzte Frage:
    Was genau bewirkt Knoblauchsaft?: Was ist der Wirkstoff und wie wirkt dieser im Fisch?

    Dankeschön
    Janina

  • Hallo Janina,

    viele Fragen auf einmal !

    Zitat

    Ist es sinnvoll Medizinalfutter anzuwenden, obwohl in meinem Fall seit 4 Tagen keine Pünktchen mehr zu sehen sind oder sollte ich noch warten, ob das Immunsystem der Fische die nächsten Wochen damit klar kommt?


    Füttere es noch mal 4 Tage weiter, wenn dann keine Pünktchen mehr sichtbar sind, o.k. - absetzen.

    Zitat

    Gibt es häufig auftretende Nebenwirkungen? Können Schäden im Becken auftreten (nicht jede Futterflocke wird ja vertilgt)? Die Nebenwirkungen im Fachbericht beziehen sich m.E. auf Bäder.


    Die Wirkstoffemnge ist sehr gering und ich kenne bisher keine Schäden, die auf nicht gefressen Flocken zurück zu führen sind. Früher wurde kommerziell sehr hoch angereichertes Futter (mit Malachitgrün) prophylaktisch an Fische ständig, d.h. über mehrere Monate verfüttert. Dann haben sich u.U. Leberschäden bei den Fischen eingestellt. Keine Wirkung ohne Nebenwirkung - aber bei ein paar Tagen ist das Risiko sicher überschaubar.

    Zitat

    Sollte das Futter bei jeder Fütterung verabreicht werden? Wenn ja, in welcher Menge (Thema Überdosierung)? Wie lange sollte es verabreicht werden?

    Einmal am Tag reicht, wenn man keine Punkte mehr sieht. Bei einer akuten Infektion würde ich es aber ständig verfüttern - bis zu 14 Tage lang.

    Zitat

    Wenn es die Fische per Selbstimmunisierung schaffen, sind sie ja für ein paar Monate immun. Dann müsste es ja sinnvoll und möglich sein in eben dieser Periode weitere Fische einzusetzen, oder?

    Theoretisch ja, aber bitte bedenken, es sind bisher nur eine Handvoll Fischarten auf diesen Effekt hin untersucht. Und die Immunität war höchst unterschiedlich von 4,5,6 bis zu 12 Monaten. Ich würde ein Quarantäenbecken für neue Fische Bevorzugen, anstatt weiter auf Risiko zu setzen.

    Zitat

    Und rein interessehalber meine letzte Frage: Was genau bewirkt Knoblauchsaft? Was ist der Wirkstoff und wie wirkt dieser im Fisch?

    Nun, die Beantwortung könnte den ganzen Abend ausfülllen. Viele Aquarianer setzen Knoblauch gegen Ektoparasiten ein. Leider gibt es bis heute keinen wissenschaftlichen Beweis, das er tatsächlich gegen Hautparasiten wirksam ist, im Sinne von Erreger abtöten. Schaden wird er nicht - aber auf seine Wirkung gegen Parasiten würde ich mich auch nicht verlassen. Hier wird häufig von der Wirkung beim Menschen auf den Fisch geschlossen - das muss dann jeder selbst entscheiden. Auf den Fertigpräparaten steht häufig zu lesen, der Saft wirkt gegen Viren, Bakterien und u.a. auch gegen Protozoen - aber leider fehlt die Konzentrationsangabe. Bei einem Experiment hat man konzentrierten Saft auf eine Bakterienkultur gegeben und die Bakterien sind dann später abgestorben. Da wäre dann vergleichsweise so, als würde man zur Krankheitsbekämpfung die Fische in dem konzentrierten Knoblauchsaft baden. Einige Tropfen im Futter sind etwas völlig anderes als dieser beschriebene Nachweis. Ich halte mich wie immer an belegbare und reproduzierbare Experimente.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo Torsten,

    ein riesen Dankeschön für die Antworten. Sorry für die vielen Fragen, aber wenn ich schonmal Dich als Profi an der "Angel" habe... :rotewange:

    Dann werde ich das Medizinalfutter noch ein paar Tage geben, da sich bislang keine Pünktchen mehr gezeigt haben.
    Ein Quarantänebecken möchte ich ebenfalls irgendwann einrichten, allerdings so klein wie möglich - da werde ich aber auf den angekünigten Fachbericht warten, da die Meinungen da stark auseinander gehen.

    Hatte beim Knobisaft auch schon vermutet, dass er eher die Stärkung des Immunsystems aufgrund seiner desinfizierenden Eigenschaften als die direkte Bekämpfung von Parasiten bewirkt. Meine Fische mögens allerdings nicht.

    Schönen Gruß und bis zur nächsten Frage :iP
    Janina

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