Tremazol und Seesterne/Seeigel/Holothurien und Co.?

  • Hallo!

    Ich wüsste gerne, ob man Tremazol auch übers Futter dosieren kann, wenn Stachelhäuter im Becken sind. Also Seesterne, Igel, Seewalzen etc. In der Anleitung von Sera steht, dass es unverträglich für Stachelhäuter sei, aber dort wird auch - im Gegensatz zur Beschreibung im Korallenriff-Artikel - die Dosierung ins Wasser geschildert. Das ergibt natürlich eine höhere Konzentration als bei Dosierung übers Futter. Ist letzteres also unbedenklich? Besonders wegen (eventuell giftiger) Seewalzen wäre das ja interessant... :face_with_rolling_eyes:

    Danke und Gruß,
    Christiane

  • Hallo Christiane,

    die Anreicherung von Tremazol in Fischfutter und die Verfütterung sind sicher grenzlagig bei einem mit Stachelhäutern besetzten Korallenbecken. Der Wirkstoff Praziquantel tötet eben nicht nur Würmer ab (ich nehme an, Du willst damit Kiemenwürmer bekämpfen), sondern kann auch für andere Wirbellose Tiere tödlich sein. Der Wirkstoff wird u.a. auch mit dem Kot der Fische wieder ausgeschieden, die man zuvor gezielt mit Tremazol-getränkten Futter gefüttert hat. Und dieser Kot ist dann evtl. wieder ein "Leckerbissen" für Stachelhäuter. So kann dann die zuvor noch harmlose Fütterung plötzlich zu unerwarteten Verlusten führen. Besser ist natürlich die im Beipackzettel angegebene Kurzbadmethode. Aber dazu müsste man den Fisch erst einmal fangen... :smiling_face: und zudem muss man die Behandlung meistens noch einmal wiederholen, damit man alle Würmer erwischt.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hi,

    danke für die Antwort. Also nach Möglichkeit rausfangen, wenn man mal behandeln muss. Ich frage, weil mir ein Händler erzählt hat, dass es sinnvoll sei, manche Fische grundsätzlich (am besten vor dem Einsetzen) zu entwurmen, weil sie anfällig für Würmer seien. Das hänge wohl auch vom Fanggebiet ab. Er dachte dabei allerdings auch an Würmer im Verdauungstrakt, also Darmwürmer.

    Viele Grüße,
    Christiane

  • Zitat

    Original von Azalee
    Ich frage, weil mir ein Händler erzählt hat, dass es sinnvoll sei, manche Fische grundsätzlich (am besten vor dem Einsetzen) zu entwurmen, weil sie anfällig für Würmer seien. Das hänge wohl auch vom Fanggebiet ab. Er dachte dabei allerdings auch an Würmer im Verdauungstrakt, also Darmwürmer.

    Viele Grüße,
    Christiane

    Hallo Christiane,

    es wäre ein optimaler Zustand, wenn man alle Fische, die man in sein Becken setzt, zuvor gegen Ekto- und Endoparasiten behandeln würde (könnte) und dann ein vollständig parasitenfreies Becken hätte. Aber das ist eher eine Wunschvorstellung. Ich nehme zwar auch jeden Fisch erst einmal in Quarantäne und gebe ein Mittel gegen Ektoparasiten. Aber vollständig parasitenfrei bekommt man die Fische auch im Hinblick auf Innenparasiten selten.

    Ich könnte natürlich auch die Frage stellen, warum der Händler die Fische nicht bereits prophylaktisch behandelt und sie dann als parasitenfrei anbietet ? Derartige Ambitionen und Überlegungen haben wir früher im Großhandel auch angestellt (Fische 1.Klasse, gesund und frei von ansteckenden Krankheiten). Leider hat der Markt das nicht honoriert. Die aufwändige Quarantänezeit mit einer 6 Wochen Prophylaxe gegen die häufigsten Parasiten kostet nunmal viel Geld - und das wurde nicht anerkannt. Es wird nur über den Preis verkauft. Fischen kann man leider kein Gütesiegel anheften. Daher ist das Problem weiter beim Aquarianer, die gesunden von den kranken Fischen zu unterscheiden und auch entsprechende Prophylaxemassnahmen durchzuführen oder einfach damit zu leben und Verluste mit einzukalkulieren.

    In div. wissenschaftlichen Untersuchungen wird immer wieder bestätigt, das ca. 85% aller Fische einer Population Parasiten mit sich tragen. Erst unter den suboptimalen Hälterungsbedingungen im Aquarium wirken sich diese "blinden Passagiere" dann teilweise verheerend aus. Im natürlichen Lebensraum ist der "Verdünnungseffekt" so groß bzw. fallen stark infizierte und entsprechend beeinträchtigte Fische sofort Fressfeinden zum Opfer, so dass hier meistens nur eine sehr geringe Befallsdichte vorliegt mit der die Fische leben und überleben können.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

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