Canthigaster valentini geht an Schnecken?

  • Hallo,

    kann es sein, dass der Sattspitzkopfkugelfisch - Canthigaster valentini - besonders gerne an Schnecken geht? Habe gesehen, dass er in die Babylonia Schnecken mehrfach gebissen hat, bis sich diese eingezogen haben. Ob es nur Neugier war, kann ich nicht beurteilen.

    Was steht denn sonst noch so auf seinem Speiseplan? Größere Garnelen wie die Kardinalsgarnelen? Grabende Seesterne? Einsiedler?

    Hat jemand Erfahrung mit diesem Fisch in Bezug auf sein Zerstörungspotenzial im Riffaquarium?

  • Hallo Artur,

    an Schnecken geht er definitiv. Wenn meine Turboschnecken mal versehentlich auf den 'Rücken' fallen ist er sofort zur Stelle...

    Ganz oben auf dem Speiseplan stehen auch die kleinen Schlangenseesterne.

    Gegenüber Putzergarnelen oder Einsiedlern konnte ich bisher keine Übergriffe beobachten.


    Viele Grüße,
    Sabine

    Hobby zum Beruf gemacht - daher keine Privatbecken mehr :smiling_face:
    http://www.seaspirits.de
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    Nur was Menschen kennen, können sie lieben.
    Nur was Menschen lieben, werden sie schützen.

  • Hallo,

    danke für die Bestätigung.

    Ich fürchte er hat meine letzte Kleinarmee aus 6 großen Babylonia Schnecken erledigt. Heute habe ich drei nachgesetzt und eben dieses Verhalten bemerkt. Schnecke lag auf dem Rücken und er hat sie mehrfach gebissen.

    Was unternimmst Du dagegen, oder sind die Übergriffe bei Dir nicht so tragisch? Kann man ihm irgendwas besseres anbieten, damit er das schneckenfeindliche Verhalten zumindest reduziert?

  • Hallo Arthur,

    wie fast alle Kugelfische hat auch der C. valentini ein schnabelartiges kräftiges Gebiß, mit dem er hartschalige Nahrung bevorzugt. Da die ständig nachwachsenden Zähne sich nur über derartig harte Nahrung ausreichend abnutzen, ist es für Kugelfische wichtig, nicht nur weiche Nahrung zu erbeuten. Wird er im Aquarium ständig mit relativ weichen Frostfutter gefüttert, bedient er sich an Muscheln, Schnecken, Krebstieren und Korallen (z.B. Acropora). Da die Spitzkopfkugelfische mit ihrer Kopfform eher auf kleinere Nahrung adaptiert sind, wird er größere Garnelen und Einsiedler wahrscheinlich nicht als Beute betrachten. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass er evtl. mal an ihnen "herumknabbert", z.B. versucht an an Beinen und Fühlern zu zwicken.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Thorsten,

    meine valentini lauter den Lymatha nahezu auf, er treibt sie tagsüber unter einen schmalen Überhang an der er nicht heran kommt. Für mich ist das ein aktives Jagen.

    Grüße und schönen Tag
    Peter

  • Hallo,

    danke für die Ausführungen.

    Was wären Beispiele für hartschaliges Frostfutter, was ich ihm anbieten könnte?

  • Hallo Arthur,

    bei dem Frostfutter sieht es nicht so gut aus - bis auf gefrorene kleine Garnelen (und die sind eigentlich ebenfalls zu "weich" ) ist nichts so richtig dabei, was hart genug ist. Optimal wären große Mengen kleiner Schnecken. Bei Süßwasserkugelfischen kann man die evtl. noch selbst züchten und verfüttern. Bei den marinen Arten sieht es schlecht aus - wer hat schon ständig Gehäuseschnecken zum Verfüttern vorrätig ? Also wird er weiter an Steinkorallen, Lebendgestein herumknabbern und jede Schnecke als Beute betrachten - umerziehen kann man ihn leider nicht... :smiling_face:

    Als Alternative kenne ich für diese Nahrungsspezialisten eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

    Entweder man hat oder unterhält evtl. noch ein Süßwasserbecken und züchtet hartschalige Süßwasserrschnecken (z.B. Turmdeckelschnecken), die sich bei ständiger Fütterung mit Futtertabletten gut vermehren und verfüttert sie an die Kugelfische oder die unten beschriebene "Nordsee-Methode":

    Ein Bekannter von mir wohnt an der Nordseeküste - er hat für seine Kugelfische die folgende Methode entwickelt: Er sammelt am Strand Muschelbruch und Muschelschalen, füllt die in einen Plastikbeutel und zerschlägt sie in 3-5 mm große Stücke. Dann nimmt er ca. 20 Tetra Tips und weicht sie in Wasser ein, bis sie so weich sind, dass man sie "kneten" kann. Diese vermischt er mit dem Muschelbruch und füllt diese Masse dann in kleine leere Schneckenhäuser (ebenfalls gesammelt). Die gefüllten Gehäuse legt er bei 40°C in den Backofen. Sobald die Masse wieder einigermassen getrocknet und fest geworden ist, gibt er täglich eine gefüllte Schnecke ins Becken. Inzwischen haben alle seine Fische gelernt, das dort was zu holen ist. Die Kugelfische zerbeißen die Gehäuse und kauen auf den Muschelbruch herum. Eine etwas aufwändige Methode und wahrscheinlich nur praktikabel, solang man sich einfach mit den Gehäusen und Muschelbruch versorgen kann. Und einen Nebeneffekt hat die Methode auch noch: lebende Gehäuse-Schnecken werden von fast allen Fischen ständig umlagert und nach "Futter" abgesucht...

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • @ Torsten,

    danke für den Tipp, das werde ich demnächst mal ausprobieren, wird meinen valentini bestimmt freuen!

    Zum Glück wohne ich nicht so weit von der Nordsee entfernt. :]

    Gruß Tjark

  • moin,
    das problem bei dieser letzten methode, die ich übrigens super finde, dürfte sein, dass sie eigentlich nur bei größeren kugelfischen funktioniert: schneckenhäuser, welche so klein sind, dass ein spitzkopfkugelfisch sie ins maul nehmen kann, wird man wohl eher nicht so gut füllen können. und sind die schneckenhäuer zu groß, lutscht der canthigaster sie nur aus. da scheint mir der tip mit der süßwasserschneckenzucht doch besser. aber vorsicht: nicht jeder kugelfisch nimmt jede schneckenart. vor der aufwendigen zucht lieber erst mal ausprobieren!
    mein canthigaster (rostrata) frisst übrigens nur sehr wenig dazugefüttertes und ernährt sich hauptsächlich von den kleinstlebewesen im becken, wie kleinkrebsen, schnecken und verschiedenen würmern. ich denke, dies ist auch typisch für den valentini und auch für anderen spitzkopfkugelfische.
    hier noch ein haltungsbericht zum valentini: =312&cHash=3e4140a2de]canthigaster valentini im kugelfischforum
    martin

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