Hallo liebe Leute,
in dem einen oder anderen Beitrag über Schmieralgen (Cyanobakterien) habe ich des Öfteren gelesen, dass die Schmieralgenplage mit Hilfe von Filtermedien behoben worden ist, die Kieselsäure oder Silikat aus dem Wasser entfernen.
Silikat wird von Algen der Klasse Bacillariophyceae, auch Diatomeen oder Kieselalgen genannt, für den Aufbau zweier Schalen gebraucht, die sich wie ein Schuhkarton und ein Deckel überlappen. Silikat ist für die Diatomeen der wichtigste Baustoff ihrer Zellwände. Ohne Silikat keine Diatomeen. Es gibt aber eine oder mehrere Arten, die äußerst robust sind und auch mit geringen Mengen an Silikat noch zurechtkommen, wobei andere längst keine Populationen mehr bilden können.
Aufgrund ihrer Ausstattung mit Photosynthesepigmenten erscheinen sie braun oder gelb gefärbt, können aber unter besonderen Lichtverhältnissen auch grün erscheinen. Dies kommt aber selten vor.
Schmieralgen oder Cyanobakterien gehören wissenschaftlich zu einer ganz anderen Gruppe im Organismenreich. Sie zählen zu den Organismen, die, unter anderem, keinen Zellkern enthalten (Prokaryoten) und sich somit grundlegend von den Algen unterscheiden, die einen Zellkern besitzen (Eukaryoten) sowie weitere, zellspezifische Bestandteile.
Die Zellwände der Cyanobakterien und anderer Bakterien bestehen im Wesentlichen aus Murein. Murein kann man sich vereinfacht als eine Verbindung zweier besonderer Zucker vorstellen, die über bestimmte Eiweiße miteinander verbunden sind und somit eine Art Netz bilden. Sie benötigen in keiner Weise das Silikat als eine Verbindung, die sie zum Überleben unbedingt brauchen. Ganz im Gegensatz zu den Diatomeen!
Farblich unterscheiden sie sich von den Diatomeen, da sie andere Pigmente für die Photosynthese besitzen.
Wie gesagt, es ist nach meiner Erkenntnis wissenschaftlich nicht bekannt, dass Schmieralgen für ihre Vermehrung in irgendeiner Form Silikat benötigen, wie es bei den Diatomeen der Fall ist.
Falls nun ein Aquarianer seine Schmieralgenplage durch den Einsatz Silikatbindender Filtermedien in den Griff bekommen hat, ist es mehr als fraglich, dass dies gerade an diesem Filter liegt. Wahrscheinlicher ist es, dass es hier und dort etwas gemacht hat, gleichzeitig den Filter angeschlossen hat und siehe da, die Bakterien sind nach einiger Zeit verschwunden.
Das eine Schmieralgenplage „nur“ durch den Einsatz eines solchen Filters verschwindet ist sehr unwahrscheinlich.
Vermutlich werden sich jetzt diverse Aquarianer melden und sagen, dass gerade nachdem der Filter angeschlossen wurde, sich die Lage gebessert hat. Dies mag vielleicht ein Zufall sein, der in Verbindung mit anderen Umständen im Becken seine Wirkung zeigt, aber im Wesentlichen ist dies nicht auf den Einsatz des Filters zurückzuführen. Wahrscheinlicher ist es, dass sich im Zuge dieser Arbeiten im Becken das Milieu für die Bakterien derart verschlechtert hat, dass sie sich nicht mehr so stark vermehren.
Über die Vorgehensweise bei einer solchen Plage wird es wahrscheinlich fast so viele Tipps wie Aquarianer geben.
Ich möchte hier Weißgott niemanden auf den Schlips treten!!
Ich wollte hier nur einmal verdeutlichen, dass dieses Phänomen Schmieralgen/Silikat nicht unmittelbar in Zusammenhang steht.
Auch wenn das Ganze der Eine oder Andere nicht so sehen wird, möchte ich hiermit vielmehr jeden aufrufen, wenn er eine Schmieralgenplage im Becken hat und diese bekämpft, doch bitte genaue Aufzeichnungen und Bilder zu machen, wie er vorgeht, und welche Wirkung dies auf die Cyano´s hat, damit man auf diese Weise vielleicht einen „Katalog“ möglicher und viel versprechender Möglichkeiten hat, diese jene loszuwerden und was vielleicht nicht so gut ist.
Gruß, Lars

