Reefkeeping in den USA

  • Hallo Leute,

    was ist denn eigentlich in USA los? Sind die alle doof da?

    Wenn man bei den Meerwasser-Händlern (speziell Fische/Korallen) im Netz mal schaut, geben die alle sehr fragwürdige Haltungsbedingungen für die Fische an. (Ich habe heute nach langer Zeit mal wieder in Amiland gestöbert).
    Auch in den Foren in denen ich mich hin und wieder blicken lasse ist die Einstellung zu den Tieren ne ganz andere - und aus meiner Sicht nahezu grausam!
    z.B. werden bei den Händlern für eine Sternchenmuräne ein 30 gal Tank (100l Aqua) empfolen!
    Hier mal nen Beispiel:
    http://www.marinedepotlive.com/snowflake-eel-…fish--eels.html
    (Guckt nicht auf die Preise, dann kommen euch die Tränen wieviel Geld Ihr hier bezahlt! Aber das ist ja vielleicht schon ein Teil der Erklärung meiner Frage :smiling_face_with_sunglasses: ) Aber macht Euch keine Hoffnung, die Liefern nicht nach good old Germany. :wink

    Ebenso für einen Bimac (Oktopus) nur 30 Gal !!!

    Sind das die Auswirkungen der Wegwerfgesellschaft auf die Volksintellegenz? Oder sind wir da alle etwas großzügig?

    Habt Ihr da Erfahrungen, warum die Philosophien so unterschiedlich sind? Und ob sie unterschiedlich sind, oder ich im Netz nur auf Ausnahmeerscheinungen gestoßen bin?
    (evtl. Jens ??)

    Beste Grüße
    Christian

    2 Mal editiert, zuletzt von Christian aus Kiel (6. Juli 2006 um 22:06)

  • Hallo Christian,

    also ich finde das es in den USA auch jede Menge klasse Becken gibt, die oft besser aussehen als das was man hier oft so sieht, vielleicht suche ich aber auch nur an den richtigen Orten. Da gibts schon gute Leute.

    Die Seiten die Korallen anbieten die mir gefallen haben allerdings ganz schön heftige Preise, also viel viel teurer als hier.

    Beispiel: Ricordea florida, einzelner Polyp = 100,- $

    Manches kommt einem teils primitiv vor was da so von sich gegeben wird, hier ist es aber auch nicht besser.

    Gruß

    Henrik

  • Hi Christian,

    ich lese des oefteren im reefcentral.com und im zeovit.com Forum und hab da nen anderen Eindruck gewonnen.
    Auch Onlinemagazine, wie advancedaquarist.com und reefkeeping.com scheinen mir entsprechend.
    Z.B. coraldynamics.com, ein online Tierversender züchtet seine Korallen, Kaudernis, Clownfische, Seepferde selbst und geht mit den Tieren durchaus vernünftig um, wie man mir sagte.

    Scheint wohl wie überall gut und schlecht zu geben.
    Wenn ich mir die glücklicherweise ehemalige Meerwasserabteilung im Praktiker Baumarkt hier um die
    Ecke vorstelle, wird mir immer noch schlecht.
    Die haben da damals sogar frisch erhaltene Fische in eine Kloake mit toten, stinkenden ex-Fischen gepackt. *brrrr*

    Also ein "Sind die alle doof da?" kann ich nur mit einem klaren NEIN beantworten.

    Gruesse, Ralf

  • HI

    Nimm nicht die Preise im Online Handel als Massstab. DIese online Haendler arbeiten alle nach dem gleichen Prinzip, es wird direkt vom Importeur verschickt, die Tiere kommen also frisch importiert bei Dir an, Du kannst niemals sicher sein wie lange oder ob ueberhaupt eine Eingewoehnung stattfand. Einige Haendler sind recht gut, deren Tiere sind absolute Spitzenklasse. Die geben eine 2 Wochen Ueberlebensgarantie selbst auf Anthias und aehnliche Sensibelchen.

    In den oertlichen Geschaeften sind die Tiere meistes teurer als in D. Die Qualitaet ist haeufig extrem schlecht, praktisch kein Aquarianer arbeitet hier ohne Quarantaene Becken, und das ist auch noetig. Mein normaler Eindruck ist hier, das bei vielen Haendlern die sogenannten Schaubecken schlechter Aussehen als bei Michael Mrutzek die Becken fuer Lebende Steine.
    Ich kaufe bei den oertlichen Laeden fast gar keine Tiere mehr ein, es bringt einfach nichts. Ab und zu mache ich da mal ein Schnaeppchen, aber nach einem Besuch bei den einschlaegigen Haendlern ist mein Blutdruck meistens so hoch, dass ich es doch irgendwie bereue.
    Die Auswahl an Tieren vor Ort ist schlecht, es sei denn man steht auf grosse und super aggressive Fische, an Drueckern (incl. Titanen), Zackis, Muraenen (gerne auch mal gruen), grosse Docs oder grossen Kaisern kriegt man jederzeit alles, natuerlich auch die Anfaengerfische wie Sgt. Major oder Preussenfische, aber bei Gobies oder Pseudochromis hoert es dann sehr schnell auf.
    Viele Leute hier haben Fish only Becken, also ein Haufen Steine oder Plastik und ein paar viel zu grosse Fische. Der letzte Schrei sind dann Bare Bottom Becken, also Steine auf blankem Glasboden, damit es bloss keinen Detritus gibt.
    Aufgrund der miserablen Technik sind die meisten Leute panisch was die Fuetterung ihrer Tiere angeht, da werden auch Planktonfresser nur jeden 2. Tag gefuettert, mit den entsprechenden Ausfaellen. Finde ich irgendie Bedenklich, das fetteste Volk der Erde hat die duennsten Fische.
    Naja, bei den Abschaeumer hier geht es halt auch nicht anders, die bringen einfach keine Leistung. Was hier als High-End Technik angeboten wird, laeuft bei uns in den meisten Faellen als Schrott, Deutschland ist einfach 20 Jahre weiter in der Entwicklung. Und zwar nicht nur bei Schaeumern, sondern auch bei Licht, Pumpen, Aquarienverklebung, etc. etc. etc.

    Was die Groesse der Fische angeht, so sind die Leute hier deutlich schmerzfreier. Selbst Imperator Kaiser sollen sind angeblich in 300 L gut aufgehoben....Es werden hier auch viel mehr wirklich grosse Wildfaenge angeboten, also Tiere mit ueber 30 cm. Dazu kommt die akute Unlust der Leute sich vor dem Kauf schlau zu machen. Beratung ist meistens Mangelware oder akuter Unsinn und dann wird auch gerne mal aus dem Bauch heraus gekauft. Viele Leute haben absolt keine Ahnung wie die Fische heissen, die in ihrem Becken schwimmen! Ein weiteres Problem ist das nicht-benutzen von lateinischen Namen. Was es dadurch fuer Verwechslungen geben kann ist wohl jedem klar. Ein Laden bot mal Centropyge fisheri, C. argi und noch irgendeinen anderen Centropyge alle als Pygmy Angels an. Als ich dann meinte, dass das doch unterschiedliche Arten seien bekam ich als Antwort das die so vom GRosshaendler kommen.

    Was die Korallen angeht, so geht das hier viel mehr in Wellen. Bestimmte Korallen werden gehyped und schon wollen alle die haben. Das nimmt dann wirklich bizarre Formen an, fuer 1,5 cm grosse SPS Ableger von einer superseltenen SPS, z.B. der Steve Tyree Purple Monster oder der Leng Sy nuclear Capricornis werden dann ohne Probleme bis zu 200 Dollar gezahlt. Durch den Hype kommen dann natuerlich auch bestimmte Wildfaenge eher in USA an als in D, aber gesamt halte ich den Markt in D fuer mindestens genauso attraktiv. Es ist halt alles etwas ruhiger, die Leute machen keinen solchen Aufstand ueber ihre Sachen, aber geben tut es das alles auch.
    OK, ein paar extreme Sachen mag es momentan in D nicht geben, aber auch hier sind stahlblau fluoreszierende Krustenanemonen selten. Und wer in D waere bereit fuer eine schoene Kruste 20 € PRO POLYP zu bezahlen (Mindestabnahme 10 Polypen, nicht am Substrat festgewachsen)? Dieses Hypen ist halt eine nationale Besonderheit, genauso wie die deutsche Muffeligkeit.
    Aber stellt den groessten Ami Schreihals mal bei Joerg Griem in den Keller, der kommt ganz leise wieder raus. Als Claude hier war und in meinem Club einen Vortrag gehalten hat waren da diverse Leute im Publikum die viele zehntausend Dollar in ihr Becken gesteckt hatten, aber solche Becken wie Claude sie zeigte hatte keiner. Da waren natuerlich einige fette Poette dabei, aber auch viele einfach nur sehr gute deutsche Becken die bei uns zwar Anerkennung aber kein Sabbern ausloesen wuerden.
    Wo uns die Amis echt voraus sind, das sind NAchzuchten von Fischen. Da kriege ich hier mehr, und auch die oertlichen Haendler versuchen bei den Std. Arten (Anemonenfische, Kaudernis, Pferde manchmal auch Pseudochromis) auf NZ zurueckzugreifen. Da muss sich bei uns noch sehr viel tun.

    Gruesse

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • Hallo Leute,

    wirklich interessant. Neben den online-shops lese (schreibe eher selten) ich bei Tonmo.com (ist nen Oktopusforum). Da habe ich eben auch immer wieder komische Leute getroffen, die Ihre Kraken in Minibecken zwengen, oder oft auch diese Becken ohne Bodengrund, dafür aber mit Plastikspielzeug für Kinder drin gestalten.
    Ganz grausam finde ich auch die Auswüchse Süßwasserfische an Salzwasser zu gewöhnen oder im Süßwasserbereich die Glasfische (Name weis ich jetzt nicht) mit flouoreszierenden Farbtinkturen zu spritzen, damit diese schon bunt sind. brrr :loudly_crying_face:
    Oder eben wurde da auch ein ziemlich ausgewachsener Igelfisch in nen Tank mit nem Okto vergesellschaftet. Der Fisch hatte kaum genug Platz sich im Becken zu drehen und hat dann zum Erstaunen des Halters den Okto verputzt. Das Ganze wurde dann noch per Video ins Forum gestellt.

    Etwas beruhigt es mich das Ihr auch andere Erfahrungen gemacht habt. Auf meinem letzen Urlaub in Kanada habe ich leider keinen Händler gefunden. Dort hätte ich sonst gerne mal reingeschaut.

    LG
    Christian

  • Hai,

    Pomacanthus paru ab 300L und dann für 51$ in Large. Hier kosten 5-Mark-Stk kleine parus schon fast 100,-€. Dia Haltungsangabe sind tatsächlich daneben, aber bei den Preisen könnte ich weinen. :loudly_crying_face:

    Gruß
    Andreas!

  • HAi Christian,

    stimmt, aber ich hatte den Post geschrieben bevor ich Jens´ Post gelesen hatte.
    Gruß
    Andreas!

  • @ Andreas Pridzun

    Also kleine Korrektur! Der Preis der kleinen Pomacanthus paru ist 76$ und wenn du einen Grossen möchtest +51 $, das heisst 127 $! Ob das dann immer noch günstiger ist?

    Wer richtig lesen kann, ist klar im Vorteil! :D:D

    Einmal editiert, zuletzt von olivier (7. Juli 2006 um 13:33)

  • Zitat

    Original von olivier
    @ Andreas Pridzun

    Also kleine Korrektur! Der Preis der kleinen Pomacanthus paru ist 76$ und wenn du einen Grossen möchtest +51 $, das heisst 127 $! Ob das dann immer noch günstiger ist?

    Wer richtig lesen kann, ist klar im Vorteil! :D:D

    HI

    Ist trotzdem noch geschenkt. Wobei man bei Parus, Ciliaris etc. immer bedenken muss, das die in der Karikik gefangen werden und somit fast keine Transport(=Flug) Kosten anfallen.
    Das sieht mal besonders krass an L. wurdemanni, die kostet bei einem Haendler in LA um die 7 $, bei einem Haendler in Miami nur 3$. In Miami sind die Viecher so billig, ich habe 5 bestellt und 7 bekommen, die zaehlen da nicht mal mehr nach. Im Golf von Mexiko sind wurdemannis oder rathbunaes so haeufig, die werden lokal von einigen Leuten zum Essen gefischt. Da wuerde ich gerne mal die Gesichter von deutschen Aquarianers sehen, lustiges Krabbenpulen mit wurdemannis......
    Tiere aus dem Pazifik sind deshalb in LA billiger zu haben als in Europa weil die 1. die Wege kuerzer sind, und 2. viele der kleinen Pazifischen Inseln (Cook, Tonga, Fiji etc.) viele Waren per Luftfracht importieren muessen. Die Flieger gehen in LA voll beladen raus, sind auf dem Rueckweg aber fast leer, weil nur wenig von den Inseln exportiert wird. Um die Kosten wenigstens irgendwie wieder reinzuholen gehen die Fluglinien mit den Frachtpreisen massiv runter um wenigstens etwas Geld zu machen, fliegen tun sie ja sowieso.

    Gruesse

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • hi,

    was mich aber trotzdem wundert, woher kommen die gerinegn liter (gal) angaben. auf der page http://www.cowfishes.com ist folgende zu lesen:

    The Blue Spotted Boxfish or Hawaiian Boxfish (Ostracion meleagris) is another favorite in the aquarium hobby. They grow only as large as 6 inches, so they can be easily kept in a smaller 55 gallon tank.

    nicht allzu üppig!! auch die grössen angabe ist etwas gering, nach meinen quellen eher 20 cm. (wenn ich richtig rechne, kommt bei 6 inch gerade mal 15 cm raus)

  • Ich glaube die sind da zum teil etwas schmerzfrei - manchmal habe ich das Gefühl die Tiere sind Spielzeug oder so was. Ich denke der Weisskopfseeadler hat für die mehr Bedeutung auf dem Wappen als auf nem Ast. :winking_face:
    Ich kenne Leute aus Norwegen oder den Farör Inseln, die haben da noch so viel unberührte Natur, dass denen Naturschutz völlig egal ist. Z.B. Walfang - auf den Farör Islands sind die kleineren Wale so häufig, das die Leute es nicht verstehen warum man die nicht schießen sollte.
    "Ihr esst Kühe, wir eben Wale" (Studienkollege von mir)

    Ähnlich denke ich bei den Fischen in den Staaten, wenn es halt zu billig ist, stellt es keinen Wert dar. Daher wird es halt auch weniger pfleglich behandelt.

    Ist allerdings nur meine Meinung.

    Grüße
    Christian

  • ...war nur schmu. Sorry.

    Einmal editiert, zuletzt von Andreas Pridzun (7. Juli 2006 um 18:30)

  • HI

    Eine andere Sache in USA sind die kleinen Becken. Das durchschnittliche Becken ist kleiner als in D was vor allem an einer ganz einfachen Tatsache liegt: Die Haeuser sind aus Pappe und mehr traegt der Fussboden nicht. Die absolut groessten Std. Becken hier sind 180 gal, also ca. 680 L, der Durschnittsaquarianer hat aber eher ein 50 gal oder 70 gal BEcken. Mit meinem 110 gal (420 L) bin ich im Club schon einer derjenigen mit dem groessten Becken.
    Ausserdem gibt es so gut wie keine Aquarienbauer, nur Fabrikbecken. Und wenn Custom, dann sind die Preise echt heftig, es geht bei mehreren 1000 $ los. Ich wollte nur ein kleines Becken mit mehreren Bohrungen haben, nach 4 Wochen telefonieren habe ich aufgegeben und mir ein Fertigbecken bestellt.

    Gruesse

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

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