Dendronephthya und Ozon, keine gute Kombination

  • Hallo

    In Sindelfingen habe ich mir einen Ozonisator mitgenommen um mal zu testen, ob man damit die Wasserbelastung, insbesondere die Gelbfaerbung in den Griff kriegen kann, und ob sich das mit den Dendros vertraegt.
    Um es kurz zu machen, es vertraegt sich ueberhaupt nicht!
    Der Ozonisator (certizon 25) lief mit ca. 10 -15 mg/h fuer 18 Stunden am Grotech HEA 150 an meinem 400 L Becken. Waehrend dieser Zeit waren die Dendros noch ganz normal, evtl. etwas weniger geoeffnet als sonst, aber noch voellig in Ordnung. Nach 18 Std. war das Wasser extrem klar und ich schaltete den Ozonisator und den Abschaeumer ab. Das Becken laeuft normalerweise komplett ohne Abschaeumung da ich akuten Naehrstoffmangel habe.
    Nach ca. 24 Std waren alle Dendros auf Winzlingsformate geschrumpelt. Jegliche Fuetterungsversuche blieben ohne Erfolg. Nach noch einmal ca. 24 Std. und 50 L Wasserwechsel mit natuerlichem Seewasser gingen sie zaghaft wieder auf, aber nur auf max. halbe Groesse. Waehrend einige Tiere ganz normal bis etwas beleidigt (aber heile) aussahen, war eines schon z.T. zerfallen. Es sah aus, als ob jemand mit einer groben Feile druebergegangen waere. Dieses Tier war eigentlich das von allen am besten stehende. Durch massive Fuetterung konnte ich die Situation in den letzte 3 Tagen soweit wieder stabilisieren, dass sie wieder halbwegs aufgehen, auch den Gewebeverlust konnte ich stoppen. Aber bis die Tiere wieder auf dem alten Stand sind wird es wohl noch ein paar Wochen dauern.
    Interessanterweise haben die anderen Tiere ueberhaupt nicht darauf reagiert, die Gorgonien und die anderen azooxanthellaten Weichlinge gehen auf wie immer, die Limas auch.
    Der Ozonisator liegt nun im Schrank und wird da auch bleiben

    Gruesse

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • Doofe Sache ..
    aber sag mal .. war 18 Stunden nicht vielleicht etwas extrem? Meinst Du 18 Tage jeweils 1 Stunde waere vielleicht besser gewesen?
    Gruß
    Roger

  • Hi,

    Ich denke auch, dass der plötzliche Anstieg, und anschließend dann wieder der steile Abfall des Redoxpotentials ein Schock waren, welcher zu den beschriebenen Problemen geführt hat.

    Es ist auf jedenfall ratsam, den Einsatz von Ozon langsam hochzufahren, zumal dein Becken (wenn ich mich da jetzt richtig an den Vortrag in Sifi erinnere) ja nicht sehr groß ist. Dafür ist die eingestzte Dosis Ozon schon recht hoch...

    Ich selbst lasse Ozon häufig mitlaufen, habe allerdings noch den alten Ozonisator.
    Dabei dosiere ich 25mg O[t]3[/t] auf ca. 1500 Liter Netto Wasservolumen.

    Auf jedenfall hilfreich ist es, das Wasser, welches aus dem Abschäumer kommt, anschließend über Aktivkohle laufen zu lassen, welche auch nicht regelmäßig gewechselt werden muss (außer sie ist stark verschmutzt etc.). Die Aktivkohle bindet dabei eventuell freies Ozon.

    2 O[t]3[/t] + 1 C --> 2 O[t]2[/t] + 1 CO[t]2[/t]

    Dadurch wird verhindert, dass freies Ozon ins Becken gelangt, und dort seine schädliche Wirkung entfalten kann.

    Gruß Mike

    Who the f*** is General Failure, and why is he reading my harddisk ??

    Einmal editiert, zuletzt von Mike (13. Dezember 2005 um 08:53)

  • Hallo Jens,

    den Gorgonien macht es so schnell nichts, diese Aussage kann ich bestätigen.

    Trotzdem wundert es mich ein wenig. Alles deutet auf eine Zerstörung durch Ozon hin. Kann es dafür nicht eine andere Erklärung geben? So z.B das durch den Ozonisator viele Nährstoffe (Bakterien ec.) abgetötet wurden und als Futter nicht mehr zur Verfügung standen? Also eher ein akuter Nahrungsmangel als ein direkte Schädigung durch das Ozon. Auch die Gorgonien würden nach einiger Zeit darauf reagieren, sind aber zum größten Teil robuster als Dendros.

    Demzufolge würde eine gute UV Lampe den gleichen Effekt haben.

    Meines Erachtens liegt es auch an dem unterschiedlichen Futterspektrum von Dendros und Gorgonien. Gerade durch den Ozoneinsatz wird die Abschäumung sehr viel effektiver, bzw es werden Stoffe überhaupt abschäumbar gemacht. Und hier unterscheidet sich die Ozonanwendung von der UV Anwendung. Die Stoffe werden schneller entfernt, da die Reaktion im Abschäumer stattfindet.

    Jetzt nichts gegen den Sander, aber die Dinger sind doch relativ klein und die Einleitung erfolgte in den Abschäumer. An Zerstörung des Gewebes durch Radikale etc. kann ich nicht recht glauben. Ich weiß, hast Du auch so nicht geschrieben, aber dein Thread zielt so in diese Richtung.

    Dein Hinweis ist natürlich sehr wichtig für alle ambitionierten Versuche. Nun gilt es aber die wirkliche Ursache zu ergründen.

    Mich würde noch folgendes interessieren. Hast du schon einen längeren Zeitraum massiv über Kohle gefiltert? Aslo nicht als Langzeitkohle sondern in schnellen Wechselintervallen? Wobei es ja dort das Krankheitsbild HLE bei den Fischen geben soll. Ist nur die Frage ob es auch in den Filtriererbecken passiert.

    Einmal editiert, zuletzt von matuta (13. Dezember 2005 um 09:12)

  • Hallo Frank

    Eine Verbrennung durch Ozon ist nicht passiert, dass haette bestimmt anders ausgesehen, Necrose oder so. DIe Menge O3 die ich benutzt habe ist ja auch viel zu gering um im 400 L Becken solche Sachen auszuloesen. Ausserdem geht der Ablauf des Abschaeumers in meinen Schlammfilter und erst danach zurueck ins Becken.

    Meine Vermutung ziehlt in die Richtung in die Du auch vermutest, also massiver Entzug von Futter, sprich Bakterioplankton. Eine UV Lampe wird hoechstwahrscheinlich den gleichen Effekt haben, das vermute ich auch. Einen Test waere es trotzdem mal wert. Das die Abschaeumung effektiver wurde kann ich nicht mal bestaetigen, auf jeden Fall wurde nicht mehr abgeschaeumt als sonst, allerdings rocht das Flotat etwas strenger.

    Die Dendros nehmen auf jeden Fall anderes und viel feineres Futter als die Gorgonien, die ja je nach Art auch noch Artemien fressen koennen. Sie sind auf das Bakterioplankton oder was immer auch vom Ozon venichtet wurde, nicht angewiesen.

    Ich filtere uebrigens permanent ueber Kohle, die wird ca. alle 2 bis 3 Wochen gewechselt. Ich benutze etwas eine gute Handvoll, zusammen mit UltraPhos in einem Fliessbettfilter. Damit kriege ich die Gelbstoffe eigentlich einigermassen in den Griff, allerdings nicht zu 100%, aus diesem Grunde der Versuch mit dem Ozonisator. DIe Gelbfaerbung im Becken sehe ich als eines der groessten Probleme an, da durch die Fuetterung doch einiges ins Becken kommt.

    Gruesse

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • Zitat

    Original von Jens Kallmeyer

    Ich filtere uebrigens permanent ueber Kohle, die wird ca. alle 2 bis 3 Wochen gewechselt. Ich benutze etwas eine gute Handvoll, zusammen mit UltraPhos in einem Fliessbettfilter.

    Hi Jens,

    ich dachte bislang, dass Kohle max. 3 Tage eine Absorberwirkung hat und
    danach sogar einen Teil der absorbierten Stoffe wieder abgibt...

    Merkst Du einen Unterschied wenn Du die Kohle in kürzeren Intervallen
    tauschst?

  • HI

    Die Kohle haeufiger wechseln waere mir zu viel Arbeit, das Ausbauen des Fliessbettfilters ist eine elenden Fummelei.
    Und das Zeug nur in einen Sack tun und ins Filterbecken legen bringt meiner Ansicht nach ueberhaupt nichts. Mit den 14 Tagen oder so fahre ich bisher sehr gut.


    Gruesse

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • Hi Jens,

    ich denke die Dosis war einfach zu hoch. Ich gebe 15mg/h auf 1300l permanent zu. Das reicht um Gelbstoffe selbst bei exorbitanter Fütterungsweise zu verhindern. Ich würde es nochmal mit 5mg/h und nur für 2 mal 1h am Tag probieren. Das sollte für die Gelbstoffe reichen ohne die Dentros bzw. das bakterioplankton zu schädigen.

    mfg Uwe

  • Hi Jens,

    kann das mit Ozon nicht so ganz bestätigen.
    Arbeite in der Firma mit noch höheren Ozondosen im Verhältnis zum Wasservolumen, allerdings schicke ich das komplette Wasser aus dem Schäumer über Kohle, das geht von da aus aber direkt via ATK ins Becken. Man braucht gelbstofffreies,klares Wasser für Dendros, von daher kam ich nie drum herum, Ozon zu dosieren (v.a. weil es im Arbeitsalltag am einfachsten geht). Hab mittlerweile an die 20 Minidendros, weil die Importtiere Ableger geschmissen hatten, und die stehen alle klasse.

    Grüße nach Rhode Is.

    Jörg

    H Hersteller

  • Hallo,

    ich denke mal, es ist dre plötzliche Nährstoffentzug, auf den sich die Biologie nicht so schnell einstellen konnte.
    Hab mir schon 2*mal gutstehende Goldseescheiden gekillt, als in 2 Becken erstmalig mäßig Aktivkhle eingesezt wurde. Sind binnen Tagen total abgestorben.
    Im Großen setz ich schon länger Ozon und Aktivkohle im Dauereinsatz ein. Seit der Fütterung mit Ultrapac vermehren sich violette Seescheiden, die ich nie bewußt eingesetzt habe, sowie Röhrenwürmer stark. Leider hab ich keine Goldseescheiden mehr , um da ne sichere Aussage machen zu können. Denke mal, daß die Veränderung einfach zu schnell ging. Hab auch beim Ersteinsatz von Kohle ne Pocci halb gekillt, späte rmachte ihr das gar nix mehr aus.
    Bei hoher Waserbelastung kann man kaum auf Kohle und Ozon verzichten, weil man sonst Gelbstoffe ohe Ende kriegt.

    Grüße
    Ulrike

  • Zitat

    Original von Jens Kallmeyer
    Meine Vermutung ziehlt in die Richtung in die Du auch vermutest, also massiver Entzug von Futter, sprich Bakterioplankton.
    Gruesse
    Jens


    Hallo Jens,
    also, dass Dendron. nach 24 h Futterentzug eingehen bzw. fast eingehen, kann ich mir nicht vorstellen.
    Grüße, Rainer

  • Zitat

    Original von Rainer
    also, dass Dendron. nach 24 h Futterentzug eingehen bzw. fast eingehen, kann ich mir nicht vorstellen.
    Grüße, Rainer

    Sehe ich genauso, man bedenke wie viele Tage die Tiere ungefüttert in den Exportstation und bei unseren Händlern verbringen müssen - dort werden sie garantiert nicht gefüttert.

    Grüße und schönen Tag
    Peter

  • Hi

    So, nun sind ein paar Tage nach der Ozonosierung ins Land gegangen und bis auf eine haben sich alle Korallen wieder erholt und gehen auch wieder normal auf. Allerdings sind sie immer noch nicht so lange offen wie vorher, wo sie mindestens 18 Std am Tag auf waren.

    An einer ist halt eine fiese Stelle, allerdings keine Faeulnis oder so, sieht fast aus wie angebissen.
    Interessanterweise sitzen seitdem dort vermehrt kleine Schlangensterne, ob die die Wunde sauberhalten oder sie vergroessern kann ich nicht einschaetzen. Das Tier scheint sich aber wieder zu erholen, es ist prall und haengt nicht mehr schlapp runter.

    Was ich inzwischen glaube ist folgendes: Die Dendros ernaehren sich zum grossen Teil von Bakterioplankton. Das habe ich durch die Ozonisierung massiv reduziert, keine Nahrung keine Oeffnung der Korallen. Nach massiver Dosierung von Futter und reichlich Wasserwechseln mit natuerlichem Meerwasser konnte ich die Bakterienfauna wieder einigermassen etablieren.

    Dendros gehen nicht nach 24 Std Futterentzug ein, aber ich habe die Hauptfutterquelle im Becken mehr oder weniger komplett ausradiert, und die kann ich nicht einfach nachdosieren, nur langsam wieder hochpaeppeln. Da sie trotzdem auf das zugegebene Futter reagieren scheint das doch was auszumachen, Bakterien aus dem Becken alleine reicht wohl doch nicht aus.
    Egal welches Futter ich verwende es scheint alles mit dem Schleim (UltraPAC) zusammenzuhaengen. Wenn ich den reduziere sind sie sofort beleidigt.
    Der Naehrwert des Schleims selber kann nicht wirklich hoch sein, es muss also das Zeug sein, was da dran haengt. Ganz verstehen tue ich das noch nicht, aber ich bleibe dran.

    Joergs Aussage mit dem Ozon ist natuerlich auch sehr interessant, vielleicht hat die eine Dendro ja doch eine kleine Verbrennung abgekriegt, auch wenn ich mir das nichgt so recht vorstellen kann. Natuerlich habe ich recht wenige Gelbstoffe, dank der Kohle im Dauereinsatz, aber das deshalb das Ozon so zuschlagen kann glaube ich nicht.


    Gruesse

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

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