• In aquaristischen Maßstäben: UV, wenn ein brauchbares Gerät eingesetzt wird.

  • Hi Thomas,

    Ich bevorzuge die Kombination folgender Komponenten zur wirklich wirkungsvollen Krankheitsbehandlung:

    Ein sehr großzügig Dimensionierter UV Klärer,
    ein möglichst mit Lufteinzugsdüse ausgestatteter Abschäumer auf größt möglichem Durchsatz (ca. 1x Beckeninhalt pro Std.) eingestellt,
    einem entsprechenden Ozongerät,
    und einem nachgeschalteten Kohlefilter (Insbesodnere bei erhöhter Ozonzufuhr).

    Die angegebene empf. Ozonmenge laut Hersteller (Sander) beträgt 10mg/h auf 100L Wasser. Zur Krankheitsbehandlung bei mäßigem Cryptocarionbefall reichte mir das bislang nicht aus. Je früher gehandelt wird desto eher die Erfolgschancen mit derarten Gerätschaften.

    Unterstützend sollte möglichst viel aber in kleinen Portionen angereichertes Futter gereicht werden.

    So die Empfehlung und Erfahrung von mir.


    Gruß Thilo

  • Pünktchen bei meinen Doktoren habe ich mit wesentlich geringerer Ozonmenge als 10mg/100l behandelt, mit ca. 12,5mg auf 650liter !!

    Seid dem Fahre ich den Ozonisator ein paar Stunden in der Woche um das Wasser schön klar zu halten.

    UV Klärer oder sonstiges habe ich gar nicht.

  • Hallo zusammen!

    Ein paar Anmerkungen zum Thema Ozoneinsatz: In letzter Zeit wird im Forum gerne im Zusammenhang mit dem Auftreten von Krankheiten der Ozoneinsatz propagiert, ins besondere Thilo tut sich da hervor. Er zitiert dabei gerne eine Dosisempfehlung von Martin Sander.

    Sander selbst schreibt in seinem Buch "Aquarientechnik" (Ulmer Verlag), daß bereits eine geringe Ozonkonzentration "Keime" (damit sind nicht Krankheitserreger sondern Mikroorganismen wie Bakterien und Viren gemeint) abtötet. Dabei nennt er Veröffentlichung von Schlesner (1979) und Frese (1973). Frese gibt an, daß 0,5 mg/l Ozon (= 50 mg/100 l !!) ein Abklingen von Flossenfäule bei Fischen bewirkt. Aus einer Studie von Hübner (1972) leitet Sander ab, daß bereits 0,05 mg/l (= 5 mg/100 l) eine ausreichende Entkeimung erbringen würde.

    Bezogen auf das Redoxpotential nennt Sander eine Abnahme der Keimdichte um 90% bei einer Anhebung von 200 auf 300 mV. Ein Ziel von 350 mV wird als "guter Wert" für die Aquaristik angesehen.


    Alle diese Studien erfolgten in Bezug auf E. coli und Polioviren. Mag E. coli für Fische noch ein möglicherweise pathogenes (krankheitserregendes) Bakterium sein, gilt das für Polio m.W. nicht. Interessanterweise wurden keine Studien mit Parasiten (z.B. Cryptocarion) benannt, gibt es keine? Ein einfaches Übetragen der Ergebnisse von Bakterien auf Parasiten erscheint mir nicht möglich. Die von Frese genannte Dosierung von 50 mg/100 l ist schon kräftig, hier habe ich Zweifel, daß es nicht zu Schleimhautschäden der Fische kam (in den 70ern nahm man das Studiendesign oft nicht so ernst!). Der Begriff "ausreichende Entkeimung" wird von Sander subjektiv ohne Beweis eines Effektes festgelegt. Dabei empfiehlt er als Ziel ein Redoxpotential von 350 mV, obwohl er im gleichen Absatz schreibt, daß niedere Tiere möglicherweise bei > 300 mV sich nicht mehr so wohl fühlen.

    In "Gesundheit für Zierfische" von Mehlhorn/Mehlhorn/Schmahl (Springer Verlag) wird kein einziges Mal Ozon als Heilmittel oder supportive Therapie genannt. Warum, wenn so gut?

    Fazit:

    Anhand der mir vorliegenden Informationen kann ich nicht erkennen, daß es eine ausreichend Beweislage für eine sichere Wirkung von Ozon bei der Bekämpfung von mikrobiellen Erkrankungen bei Meerwassertieren gibt. Genaue Dosisempfehlungen sind ebenfalls nicht existent. Gesicherte Wirkung hat Ozon beim Abbau der Gelbstichigkeit des Wassers durch Oxidation von organischen Stoffen, die vom Abschäumer nicht erfaßt werden. Auch positive Wirkungen auf Ammonium/Ammoniak- und Nitritabbau im Meerwasser sind ausreichend belegt. Da eine Besserung der allgemeinen Lebensumstände (also auch der Wasserqualität) die Gesundheit bzw. den Heilungsprozeß der Fische fördert, kann Ozon über diesen Weg einen Support leisten. Als alleiniges Heilmittel ist es m.E. nicht geeignet.

    Ein Vergleich "UV oder Ozon" ist letztlich wie der Vergleich "Apfel oder Birne". Wer UV wegläßt und statt dessen nur Ozon nimmt, begeht m.E. einen Fehler. Eine Kombination von beidem ist im Erkrankungsfall sinnvoller als der alleinige Einsatz von Ozon.

    Gruß,

    Michael

    P.S.: Eine Äußerung wie "Ich nehme schon jahrelang Ozon und habe noch nie Pünktchen bei meinen Fischen gehabt." ist als "Argument" absolut nicht brauchbar. Dies ist bestenfalls ein "Beweis" für Glück. :winking_face:

  • @Michael

    Dein Post ist inhaltlich sowie grammatikalisch ein Genuß, sehr schön zu lesen.

    Doch muss man jetzt für jedes Argument, welches aus seiner eigenen Erfahrung resultiert, einen direkten Beweis seiner Praktikabilität erbringen ? Das dürfte die Antworten hier deutlch einschrumpfen, jeder versucht doch nur aus seinem Wissensstand heraus zu helfen. Ich spiele jetzt hauptsächlich auf deinen letzten Satz an.

    Gruss

    Rüdiger

    Ex-Becken: 230x80x70 mit 60cm Panoramaecke rechts - im Kreislauf ca.1350l - Technikbecken 100x60x40 + Nachfüll-/WW-Becken 40x55x50 - Umwälzung Abyzz 420 eco - 2x Tunze Stream 6100 - 2xHagen 802 - Abschäumer H&S F200 2x2001 - Eigenbaubeleuchtung T5 12x39W + 4x54W - UV DeBary 25W - Ozon Sander 100 - Balling mit Grotech TEC III + EP IV - IEM UO m. Boosterpumpe + Si Filter - 5% WW/Woche, wechselndes Salz --> Bilderthread | Aquabilderbuch | Aquabilderbuch altes 400l Becken

  • Hallo Michael,

    ich weiß deine Beiträge sehr zu Schätzen, schließ mich da Rüdiger vollkommen an, aber das ganze ist eben doch etwas zu theoretisch. Ich selbst verlasse mich da eher auf die Erfahrung, welche doch oftmals ein ganz anderes Bild zeigt. ich Denke solche Tipps sind zumindest hier speziell, besser wie theoretisch, oder welche aus Büchern.

    Herr Sander ist ein sehr kompetenter Mann (ebenso sein Buch) und für die reinen Funktionsabläufe und Aufbautipps ist die Literatur von ihm für mich immer noch das maß aller Dinge, jedoch beruh ich mich dann eher Praxisbezogen auf die eignenen Erfahrungen was die Dosis bzw. Einstellungen angeht.

    Es sind so viele Faktoren die hier letztendlich eine Rolle spielen, dass wir wieder da sind wo wir oftmals Landen. Dass nämlich jedes Becken ein Individum für sich ist :winking_face:

    Wieso soll Ozon vorgeschädigten Tieren schaden?? Da hab ich ganz andere Erfahrungen gemacht. Allein wegen des erhöhten Sauerstoffgehalts, was erheblich zur Genesung Beiträgt kann ich mir das nicht vorstellen. meist sind die Kiemen ja auch befallen was Atemnot verursacht.

    Wie würdest du einen UV Klärer dann Sinnvoll zum Einsatz bringen daß er einen normalen Befall von Cryptocarion Erregern ausheilt?

    Wieso verwenden mittlerweile Schwimmbäder ebenfalls Ozon zur Keimabtötung? Ob primär oder sekundär, du hast auf alle Fälle eine unterstützende Behandlungsmethode bei Krankheiten.


    Gruß Thilo

    Einmal editiert, zuletzt von Esther&Thilo (13. April 2004 um 17:04)

  • Hallo beisammen,
    na dann schreib ich halt auch mal meine Erfahrung. Vorweg, die industriell größte Anwendung von Ozon ist die Entkeimung von Trinkwasser (für Idealisten gebe ich gerne auch die Literaturstellen weiter), das Zeug muss also Wirkung haben. Und weil dass so ist, ist die Anwendung im AQ nicht ganz ohne, ein zuviel kann böse folgen haben. Was die richtige Dosierung ist, also Keime töten und Korallen nicht schädigen, könnte wohl nur eine Keimzahlbestimmung liefern bei gleichzeitigem Beobachten des Wohlbefindens der niederen Tiere.
    Ich selbst bin ein Fan von UV. Es ist ebenfalls zur Entkeimung im Lebensmittelbereich bekannt, aber großtechnisch wohl zu Kostenintensiv.

    Achtung, jetzt kommt eine persönliche Erfahrung, ein Anspruch auf zukünftige Ereignisse in anderen AQs besteht nicht: :face_with_tongue:

    Lasse UV (30 Watt HW) mittlerweile immer laufen, es hat mehrmals die Ausbreitung von Krankheiten (Pünktchen, Pilze, bakterielles) verhindert, nachdem alle anderen Mittelchen versagten. Es hilft bei jeglicher Schwebealgenplage und bei mir zur Zeit gegen Kugelalgen. Den Ozonisator, den ich habe, benutze ich nicht mehr. Es hat im ganzen Unterschrank immer nach Ozon gestunken, und im Gegensatz zum UV-Klärer nie einen direkten Erfolg gezeigt.
    Frank

    Grüße,

    Frank

  • Zitat

    Original von Dr. Frank Dübner
    . Den Ozonisator, den ich habe, benutze ich nicht mehr. Es hat im ganzen Unterschrank immer nach Ozon gestunken, und im Gegensatz zum UV-Klärer nie einen direkten Erfolg gezeigt.
    Frank

    Hallo Frank,

    Die Kombination beider scheint das Ideal zu sein. So meine Erfahrung.


    Gruß Thilo

  • Zitat

    Original von Dr. Frank Dübner
    ... Vorweg, die industriell größte Anwendung von Ozon ist die Entkeimung von Trinkwasser (für Idealisten gebe ich gerne auch die Literaturstellen weiter), das Zeug muss also Wirkung haben.

    Hallo Frank!

    Die antimikrobielle Wirkung ist unumstritten, allerdings macht es - wie üblich - mal wieder die Dosis. :winking_face: Während Sander z.B. für den aquaristischen Bereich eine ausreichende Entkeimung bei einem Redoxpotential von 300-350 mV sieht, liegt der Bereich des Redoxpotentials bei der Trinkwassserentkeimung bei über 700 mV, bei der Flächendesinfektion bei 900 mV (Sander, "Aquarientechnik"). Mein Kritikpunkt an der antimikrobiellen Ozonanwendung im AQ ist, daß erstens Sander den Zielbereich ohne objektive Kriterien eines Erfolges definiert und zweitens validierbare Parameter für den Anwender daheim fehlen. Da Ozon aber auch schädliche Wirkungen hat, sollte der Einsatz schon differenzierter erfolgen, zumal ein Monitoring, ob an den Fischen Schäden durch die gewählte Ozonkonzentration entstehen, kaum möglich ist. Besser nachvollziehbar sind da z.B. die Wirkung von Ozon auf den Gelbstich (für das Auge sichtbar) oder auf den Abbau von Ammonium/Ammoniak und Nitrit (meßbar). Da sind die positiven Wirkungen bereits in geringer Dosierung feststellbar.

    Noch ein bislang nicht diskutierter Punkt: Kann der Krankheitserreger, der bereits in das Gewebe des Fisches eingedrungen ist, überhaupt vom Ozon abgetötet werden? Ich vermute nicht, ohne daß das Ozon auch dem Fisch schadet (ähnlich früheren Chemotherapien).

    Gruß,

    Michael

  • Zitat

    Original von Michael Riediger

    Noch ein bislang nicht diskutierter Punkt: Kann der Krankheitserreger, der bereits in das Gewebe des Fisches eingedrungen ist, überhaupt vom Ozon abgetötet werden? Ich vermute nicht, ohne daß das Ozon auch dem Fisch schadet (ähnlich früheren Chemotherapien).

    Hallo Michael,

    das wird nicht funktionieren weil Ozon eigentlich aufällen solltebevor es den fisch erreicht. Hier ist also schon darauf zu achten daß die Menge, egal wie hoch, im Abschäumer bleibt. Oder zumindest bei Austritt aus diesem durch einen guten Kohlefilter eliminiert wird. Dann kann mit handeslüblichen Ozongeräten in der Aquaristik auch nicht viel Schaden angerichtet werden. So meine Erfahrung. Der Rest ist eigentlich unrelevant (für unser Hobby).

    Gruß Thilo

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