Akklimatisierung nach Zustellung der Fische (direkt einsetzen vs. Tröpfchenmethode)

  • Hallo zusammen,


    bin noch recht neu in der Meerwasseraquaristik und bekomme heute meine ersten Fische per "Post" zugestellt. Die Fische wurden gestern versandt und sollten heute um ca. 13 Uhr ankommen.


    Die Frage ist jetzt, wie ich vorgehe sobald die Tiere da sind, weil ich da verschiedene Sachen gelesen habe. Auf jeden Fall sorge ich dann erst mal dafür, dass die Temperatur angeglichen wird, indem ich die Beutel ins Aquarium hänge. Aber was mache ich danach. Tendiert ihr dazu die Fische dann langsam (innerhalb 45-60 Minuten) per Tröpfchenmethode an die Werte in meinem Becken zu gewöhnen, oder seid ihr eher die Fraktion die die Fische sofort ins Wasser setzen würdet, weil die Tiere ja schon längere Zeit unterwegs sind und es da ja beim Öffnen des Transportbeutels zu Reaktionen kommt?


    Vielen Dank für eure Antworten.


    Liebe Grüße

    Maxi

  • Du bist schon auf dem richtigen Weg. Zusätzlich ist die Salinität des Transportwassers zu überprüfen. Wenn die Diskrepanz zu gross ist, bitte vor dem Einsetzen langsam anpassen. Oft werden prophylaktisch im Handel gerade Fische wegen eventueller Parasiten mit niedriger Salinität gehalten. Dem ist Rechnung zu tragen. Beim Kauf vor Ort genügt ein kurzes Informationsgespräch mit dem Verkäufer. Im Internet wird's schwieriger. Sonst zügig einsetzen.

    Gruss

    Hajo

    Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
    Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
    aber aufhören zu leben.
    (Mark Twain)

    Wenn ich die See seh, brauch ich kein Meer mehr!

  • Hallo Maxi,

    ich hänge die Beutel in eine große Styroporbox (geht jedes andere Gefäß auch) 4/6mm Schlauch ins Aquarium und den Auslauf in die Fischbeutel. Ich habe von Gardena so kleine Ventile für den Garten, die sind super zum justieren und dann stelle ich die Uhr auf ~ 30 Min. Danach hat sich die Temperatur und das Wasser angeglichen. Darauf achten, dass das Auffanggefäß nicht überläuft. (jaja). Danach die Fische in ein Fangnetz und umsetzen. Das Transportwasser nicht ins Becken bingen.

    das Ventil sieht so ähnlich aus:

    Regulierventil

    Damit läßt sich super regeln. Kannst aber auch ne Schlauchklemme nehmen, sollte so um die 1 cm3/sec sein.

    Funktioniert bei mir seit Jahren einwandfrei.

    Das mit dem Netz geht aber nur bei Fischen, wirbellose, bzw. Seesterne,Schnecken solltest Du unter wasser umsetzen, also mit Transportbeutel und nur soviel bist das Tier draussen ist.

    Ich drücke Dir die Daumen.Viel Spaß

    LG
    Michael

  • Ok, also vor dem Einsetzen noch den Salzgehalt überprüfen (falls zu niedrig angleichen), ansonsten zügig einsetzen?

    So isses.

    Gruss

    Hajo

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  • Die Frage ist jetzt, wie ich vorgehe sobald die Tiere da sind, weil ich da verschiedene Sachen gelesen habe. Auf jeden Fall sorge ich dann erst mal dafür, dass die Temperatur angeglichen wird, indem ich die Beutel ins Aquarium hänge. Aber was mache ich danach. Tendiert ihr dazu die Fische dann langsam (innerhalb 45-60 Minuten) per Tröpfchenmethode an die Werte in meinem Becken zu gewöhnen, oder seid ihr eher die Fraktion die die Fische sofort ins Wasser setzen würdet, weil die Tiere ja schon längere Zeit unterwegs sind und es da ja beim Öffnen des Transportbeutels zu Reaktionen kommt?

    Was sind die Probleme bei der Eingewöhnung von eintreffenden Fischen (nicht selbst gekauft mit kurzer Transportdauer von Geschäft nach zuhause):

    • Wie hajo schon schrieb sind die Fische oft in Anlagen gehältert, welche eine deutlich niedrigere Salinität haben
    • je nach Transportdauer und Fütterung sind die Fische etwas länger unterwegs und atmen dabei Ammonium und Kohlendioxid aus.
    • Der Stresspegel der Fische ist hoch, da sie ungeschützt in einem engen kleinen Beutel sind.

    Die Werte, die Du vor einer Aktion messen solltest sind daher Temperatur, Salinität, pH-Wert und wenn vorhanden Ammonium.

    Wenn die Fische nur einen knappen Tag unterwegs sind (nachmittags eingetütet und verschickt, morgens eintreffend beim Kunden) ist normalerweise die Belastung mit Ammonium noch erträglich, aber den Wert messen bringt Sicherheit. Abhängig vom pH-Wert wandelt sich Ammonium in das sehr giftige Ammoniak um. Solange der pH-Wert durch das ausgeatmete Kohlendioxid der Fische niedrig ist bleibt es beim Ammonium. Beim Anpassen im Transportwasser steigt jedoch der pH-Wert und ein Teil des Ammoniums wandelt sich dann in das giftige Ammoniak. Sollte der Fisch längere Zeit in dem Beutel transportiert werden (länger als ein Tag etwa) ist der Ammoniumgehalt so hoch, dass der Fisch beim Anpassen im Transportwasser vergiftet wird. Dann muss nach der Oceamo-Methode zuerst Austauschwasser mit der gleichen Salinität und pH-Wert wie das Transportwasser bereit gestellt werden, der Fisch umgesetzt und dann erst auf das Beckenwasser angepasst werden.

    Dies kann etwa passieren, wenn Du Dich an einen Auftrag beim Großhändler anhängst, wo der Fisch erst zum Zwischenhändler geliefert wird und dort dann einen Tag später von Dir abgeholt wird ohne Zwischenhälterung. Bei normalen Transporten vom Meerwassergeschäft, wo der Fisch weniger als 24 Stunden unterwegs ist, bevor er bei Dir eintrifft, sollte es nicht nötig sein.

    Während des Anpassungsprozesses ist es hilfreich, wenn der Fisch dunkel gehalten wird und eine Versteckmöglichkeit bekommt wie z.B. eine PVC-Röhre, um den Stresspegel so niedrig wie möglich zu halten.

    Es hilft auch, wenn die vorhandenen Fische vor dem Einsetzen der neuen Fische eine reichliche Futterportion bekommen haben, denn satte Fische sind deutlich weniger agressiv. Auch das Einsetzen mehrerer Fische gleichzeitig hilft, damit der Druck des Altbesatzes sich verteilt.

    Lieber häufig kleine Portionen füttern und etwas zu viel als den Gedanken aufkommen lassen, dass das vorhandene Futter nicht reicht und die Neuankömmlinge das wenige Futter auch noch beanspruchen. Und die Finger möglichst aus dem Becken lassen in den nächsten Tagen, um wieder Ruhe ins Aquarium zu bringen.

    Viele Grüße

    Sandy

  • Vielen Dank für eure ganzen Hinweise. Hat super geklappt und die kleinen Fischlies schwimmen munter im Becken. Wie ist das mit dem Füttern so generell? Ich stelle die Strömungspumpen in den Futtermodus und lass das Futter ins Becken. Fressen die Fische das Futter dann auch vom Boden oder nur wenn es langsam von oben runterrieselt?

  • Wie ist das mit dem Füttern so generell? Ich stelle die Strömungspumpen in den Futtermodus und lass das Futter ins Becken. Fressen die Fische das Futter dann auch vom Boden oder nur wenn es langsam von oben runterrieselt?

    Das kommt auf die Arten von Fischen an. Schau Dir zu jeder Art den Eintrag im Meerwasser-Lexikon an, dort steht etwas zur Lebensweise. Ein Planktonfresser wird das Futter primär in der Wassersäule suchen, während andere sich das auch vom Boden holen werden. Nicht jeder Fisch nimmt Kunstfutter wie Flocken und Pellets, einige nehmen nur Frostfutter, wenn überhaupt, und bei wirklich komplizierten kann man nur Lebendfutter verwenden. Von solchen Fischen sollte man als Anfänger besser Abstand nehmen. Urlaub machen und wegfahren ist teilweise auch nicht so einfach bei denen.

    Viele Grüße

    Sandy

  • Moin,

    Ich lasse die Pumpen immer laufen. Das sorgt dafür, dass das Futter nicht absinken kann. Der gesamte Bestand ist dann im Jagdfieber. Wenn man ausreichend füttert bekommen auch alle was ab. Die Aufwuchsfresser picken zusätzlich den ganzen Tag rum.

    " Und der Haifisch, der hat Tränen und die laufen vom Gesicht
    Doch der Haifisch lebt im Wasser so die Tränen sieht man nicht
    In der Tiefe ist es einsam und so manche Zähre fliesst
    Und so kommt es , dass das Wasser in den Meeren salzig ist "

    Beste Grüße

    Stefan

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