Spurenelemente bei Balling

  • Hallo,

    Da es hier auch mein erster Beitrag ist will ich mich auch mal kurz vorstellen.
    Mein Name ist Andreas und habe seid gut einem Jahr auch die Salzigen Finger. Zuvor waren es nur Nase :winking_face:

    So jetzt mal zu meiner Frage. Ich Lese zurzeit viel über die Balling Methode und mir erschließt sich da das ein oder andere nicht bei den Spurenelementen.
    Es sollen ja volgende Elemente laut dieser Seite http://reefdreams.de/info_19.shtml zugefügt werden:
    35,57gr Bariumchlorid-Dihydrat
    243,45gr Stronziumchlorid-Hexahydrat
    4gr Kobalt(II)-chlorid-Hexahydrat
    18,46gr Mangansulfat-Hydrat
    9,82gr Kupfer(II)-sulfat-Pentahydrat
    8,8gr Zinksulfat-Heptahydrat
    8,9gr Nickel(II)-sulfat-Hexahydrat
    32,45gr Chrom(III)-chlorid-Hexahydrat
    4gr Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
    2,5gr Kaliumjodid
    13,3gr Natriumfluorid

    Das umgerechnet auf die einzelnen Stamlösungen ergibt volgendes:
    Elementlösung 2 auf 1000ml
    0,3557gr Bariumchlorid-Dihydrat
    243,45gr Stronziumchlorid-Hexahydrat

    Elementlösung 5 auf 1000ml
    4gr Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
    0,1846gr Mangansulfat-Hydrat
    0,0982gr Kupfer(II)-sulfat-Pentahydrat
    0,088gr Zinksulfat-Heptahydrat
    0,089gr Nickel(II)-sulfat-Hexahydrat
    0,3245gr Chrom(III)-chlorid-Hexahydrat
    0,004gr Kobalt(II)-chlorid-Hexahydrat

    Elemtlösung 6 auf 1000ml
    2,5gr Kaliumjodid
    13,3gr Natriumfluorid

    Meine erste frage dazu ist muss ich jetzt die ganzen 1000ml von Elementlösung 2 und 5 in Kanister 1 mit den 10L Wasser und 715 gr. Calciumchlorid-Dihydrat zugeben? Das wären dann in summe 12L Flüssigkeit. Ist das so richtig?

    Bei Kanister 2 dann 1000ml Elementlösung 6 + 10L Wasser + 840 gr. Natriumhydrogencarbonat?

    Das zweite was mir nicht klar ist weshalb die Spurenelemente überhaupt dosiert werden, da laut dem Buch von Armin Glaser (Ratgeber Meerwasserchemie ISBN Nummer 978-3-9810570-2-7 beim Rüdiger Latka Verlag) auf Seite 127 die Spurenelemente im vergleich zwischen Meerwasser und Aquarium im Aquarium eh schon zu hoch konzentriert sind.

    Gruß Andy

  • Hallo Andreas

    Ganz einfach gesagt produzierst du durch die Zugabe von den Ballingsalze + den Spurenelementen + dem Mineralsalz wieder Meersalz. Dieses musste dann später wieder durch weniger Meersalzzugabe beim Wasserwechseln ausgleichen ( Salinitätssteigerung)

    Gruss

  • Hallo Andy !

    Zuerst möchte ich einen sehr weit verbreiteten irrtum korrigieren - es sind 735 g CaCl2 und nicht 715 g, wenn du die 10 fache konzentration der originalrezeptur anstrebst. die rezepturen sind genau auf volle bzw halbe Mol / Liter berechnet.

    pro liter originalrezeptur (d.h. pro liter 73,5 g cacl2 bzw 84 g nahco3 bzw 25 g nacl freies salz) kommen 5 ml der entsprechenden spurenelementelösung.

    wenn du z.b. 10x stärker konzentriert ansetzt musst du eben 50 ml je L zufügen.

    spurenelemente gibt man zu, damit nichts durch verbrauch ausgeht, selbst wenn von den meisten sachen zuviel unterwegs ist.
    das ist aber eine heftig diskudierte sache.

    spurenelementelösung 1:
    strontium & barium
    strontium ist ein massenelement wie calzium, wird in genau dem gleichen verhältniss wie calzium verbraucht, und sollte in genau dem gleichen verhältniss zugefügt werden.
    wird in die steinkorallenskelette eingebaut, bei fehlen desselben gehen bestimmte montipora platten ein.
    ersetzen durch wasserwechsel ist wegen der grossen menge nicht möglich (wenn man Clazium durch wasserwechsel nicht ersetzen kann).
    barium wird sicherheitshalber im gleichen verhältniss mitzugegeben, kann meiner meinung nach auch weggelassen werden da im calziumchlorid schon genug als verunreinigung drinnen ist (selbst in reinsalzen) - und ist nur mit giftschein erhältlich.

    spurenelementelösung #2:

    gebe ich persönlich in kanister 3 statt kanister 1, um ausfällungen mit spurenelementelösung 1 zu vermeiden - die mögen sich nicht.
    wenn man den 1er kanister so stark konzentriert ansetzt fällt leicht was aus.

    enthält als hauptbestandteil eisen, der rest ist homöopatisch. vorm homöopatischen rest würd ich mich nicht fürchten, da er sooo wenig ist.

    eisen wird schnell im becken aufoxidiert (von eisen 2 auf eisen 3) und steht dann nicht mehr zur verfügung. wird benötigt um algen am leben zu halten, z.b. verhindert eine doppelte bis 3-fache eisenkonzentration gegenüber dem originalrezept dass in dicht besetzten algenrefugien die caulerpas nicht mehr ausblühen.
    weiters ist es für die grünfärbung von korallen zuständig (GFP - Green Flourescant Proteine), und begünstigt algenplagen, wenn man kein refugium hat.


    spurenelementelösung #3:

    enhält die halogene

    jod ist leichtflüchtig und steht innerhalb kürzerster zeit nach der dosierung nicht mehr zur verfüung. kann u.U. auch durch futter ersatzweise zugeführt werden.

    ohne jod können sich krebstiere nicht häuten, das ist nicht nur für unsere garnelen wichtig, sondern auch das gesamte nützliche makroplankton sind fast gänzlich krebstiere.
    insofern halte ich jod sehr wichtig (und nicht nur für xenien).

    mit dem flour hab ich mich (noch) nicht beschäftigt, dafür benötigt man auch einen giftschein.
    flour ist sicher nicht leichtflüchtig, und ist im meerwasser bzw in grösserer menge vorhanden, insofern wird es vermutlich selbst mit moderaten wasserwechseln ersetzbar sein, falls man es in die spurilösung nicht beimischen kann.

    Natriumflourid ist mit ABSTAND die giftigste Chemikalie in der Liste, bitte wirklich mit handschuhen arbeiten etc. (ich verweise auf das sicherheitsdatenblatt)
    tötliche dosis für erwachsen wird mit um die 70 mg / kg angeben.
    bekanntermassen kann man mit 2 tuben zahnpaste, wo das zeug auch drinnen ist ein kind umbringen ...

    lg maria

  • Hallo Andy,

    wenn du dir Schwermetalle in dein Aquarium zudosieren möchtest, dann empfehle ich dir wenigsten das giftige
    Kupfer und Zink wegzulassen.

    Viele Aquarien werden über sehr lange Zeiträume erfolgreich betrieben, ohne dass diesen irgendwelche zusätzlichen
    Schwermetalle zudosiert werden.

    Iod würde ich durchaus dosieren, nicht weil es flüchtig ist (ein altes Aquarienmärchen), sondern weil es verbraucht wird.

    Gruß Armin

  • Hallo,

    @ Claude
    Das ist mir bekannt, deshalb auch die Frage weshalb Spurenelemente überhaupt dosiert werden. Wen man bei der Ballingmethode die Spurenelemente die im Aquarium eh schon zuviel durch Wasserwechsel / Calciumchlorid / Natriumhydrogencarbonat und NaCl freies Meersalz eingetragen wird noch extra hinzufügt.

    @Maria
    Danke für den Hinweis mit den 73,5g CaCl2 und den Spurenelementelösung 2 bei erhöhter Konzentration (habe dein Thema schon durchgelesen mit den erhöhten Konzentrationen und weglassen des NaCl freien Meersalzes).
    5ml Spurenelemente für 1000ml CaCl2 / NaHCo3

    Armin
    Um das weglassen der Metalle die eh schon zu stark angereichert sind geht es mir im Grunde.
    Laut deinem Buch ist ja Barium um ca.197% / Chrom um ca. 1162% / Kobalt um ca. 199.900% / Kupfer um ca. 16.061% / Mangan um ca. 104.543% / Nickel um ca. 1.304% und Zink um ca. 27.938% Eisen lasse ich jetzt mal außen vor da zweiwertiges Eisen ja sehr schnell (vor allem bei Ozon Einsatz) zu unbrauchbarem dreiwertigem Eisen Oxidiert wird (was im Grunde ja nichts anderes ist als Po4- Adsorber auf Eisenbasis). Wen ich mir die werte so anschaue denke ich mir halt stark wieso ich noch diese Metalle zusätzlich zu den teilweise schon extrem überhöhten Konzentration noch dosieren soll. Gut jedes Aquarium ist vom verbrauch anders aber bei den extremen Verhältnissen?

    Mir geht es im Grunde darum, da ich mit der Ballingmethode anfangen möchte und als ich mir das ganze mal durchgelesen habe auf die obige Problematik gestoßen bin. Im Moment tendiere nur zu der Dosierung von KaJ / FeSO4 und SrCl2.
    Wobei ich mir bei KaJ noch nicht so sicher bin, da es viele Meinungen dazu gibt ob man KaJ oder KaJ+J (LUGOLsche Lösung) dosieren soll.

    Gruß Andy

  • hallo andy !

    dein ansatz ist sicher nicht schlecht - dosieren was wichtig ist :smiling_face:

    falls du irgendwas nachrechnen möchtest - aufpassen ob sich verhältnisse auf mol oder gewicht beziehen.
    ich hab die original balling supris aus interesse nachgerechnet und die elemente ins verhältniss gesetzt. Jod wird relativ vorsichtig dosiert, im vergleich zu anderen anleitungen. auch eisen wird eher vorsichtig dosiert.
    Strontium ist exakt (ich hab nichts andere erwartet) im verhältniss zueinander, wie im meerwasser.

    Ob du KJ oder Lugolsche lösung dosieren möchtest würde ich nach praktischen gesichtspunkten ausrichten.
    wenn du von hand dosierst ist lugolsche lösung mit der pipette hineintropfen eine gute lösung, die vor allem noch gut verfügbar ist.
    allerdings greift lugolsche lösung kunststoffe sehr stark an, bzw wird von diesen resorbiert, weswegen du sie NICHT in einem Kunststoffkanister lagern kannst, und sie auch nicht durch einen kunststoffschlauch per dosierpumpe zudosieren kannst. auch silikonschläuche verfärben sich im laufe der zeit.
    damit bleibt bei verwendung von dosierpumpen nur die Variante KJ über.

    bei mittelmeerbecken mit algen hat es meist gereicht Eisen und Jod ohne den rest zu dosieren.

    zum thema entstehendes meersalz aus nacl freiem salz - ja das entsteht zusätzlich, sollte aber rein mathematisch auch nur die zusätzliche menge makro & spurenelemente enthalten, die für die zusätzliche salinität gebraucht werden.

    lg maria

    Einmal editiert, zuletzt von mariawien (17. Dezember 2012 um 19:58)

  • Hallo Maria,

    Das mit der Lugolschen Lösung fällt dann wohl weg danke.

    Die Salinitätserhöhung und damit die "Verdünnung" sehe ich nicht so, da die darin enthaltenen salze die gleichen Verunreinigungen haben wie die im Meersalz bzw. das CaCl2 / NaHCO3 wo wir per Kanister 1 und Kanister 2 zufügen ja selbst schon mit diversen Metallen verunreinigt sind.
    Selbst "wen" eine Verdünnung der Spurenelementen eintreffen sollte währe das nicht vom Nachteil. Wen ich mir mal die Zahlen anschaue wie stark sie überhöht sind dann glaube ich nicht das die Salinitätserhöhung durch Balling ausreicht um ein Mangel hervorzurufen.

    Gruß Andy

  • Hallo Andy,

    bei Iod würde ich mich nicht zwischen KI und Lugol entscheiden, sondern PVP-Iod verwenden.
    Das PVP puffert das Iod etwas, so dass es langsamer verbraucht wird und eventuelle Überdosierungen unkritischer sind.

    Gruß Armin

  • Hallo,

    Danke Armin für den Einwand, ich glaub ich werde mich mit dem Thema Jod noch etwas weiter beschäftigen.

    Mir gehen die Verhältnisse der Spurenelemente einfach nicht aus dem Kopf. Ab wann wird es eigentlich Toxisch? Bzw. sind die Erfahrungen die teilweise mit Spurenelemente Lösungen und Farbsteigerungen gemacht werden nur auf eine leicht Toxische Wirkung und damit die Abstoßung der zooxanthellen zurück zu führen?

    Gruß Andy

  • Hallo, hat hinsichtlich JOD Zudosierung jemand schon die Dosier-Würfel von Aquafim verwendet?

    Zitat Aquafim "Dosier-Würfel in das Technikbecken oder an anderer gut durchströmter Stelle einsetzen. Jetzt werden die Nährstoffe kontinuierlich an das Wasser abgegeben. Ihrem Aquarium wird auf diese Weise 2 Monate lang pro Tag 4 mg Iod, außerdem Fluorid und Bor, zugeführt."

    JOD als Nährstoff zu bezeichnen, ist wohl in deren Beschreibung irreführend.

    Gruß Dieter

    Einmal editiert, zuletzt von coralife (19. Dezember 2012 um 11:18)

  • Hallo,

    ich würde schon sagen, Iod ist ein Nährstoff, wie alle Spurenelemente Spurennährstoffe sind.

    Was Farben und toxische Wirkung angeht, sehe ich da keinen Automatismus. Die Steigerung der Fluoreszenzfarben durch Eisen dürfte nicht auf eine direkte Vergiftung durch das Eisen zurückzuführen sein. Keinesfalls ist sie auf den Ausstoß von Zooxanthellen zurückzuführen. Ab wann es eigentlich toxisch wird, lässt sich auch nicht so einfach beantworten. Die Konzentration von Kupfer im Meer wäre schon toxisch, wenn sie denn als freies Kupfer-Ion vorliegen würde, tut sie aber nicht. Mehr als 99% der Kupfers im Meers sind organische gebunden. Algen und Bakterien geben organische Substanzen in das Wasser ab, die sehr spezifisch Kupfer binden und so entgiften. Da bislang keiner sagen kann, in welcher Form die Spurenelemente in den Aquarien vorliegen, kann niemand die Frage nach der Konzentration, die tödlich für die Korallen und andere Wirbellose ist, beantworten.
    Wenn Armins Messungen eine Aussage zulassen, dann die, dass alle Korallen im beprobten Aquarium tot sein müssten, waren sie aber scheinbar nicht. Deshalb stellt sich die Frage, ob im Aquarium vielleicht noch ein höherer Anteil des Kupfers organisch gebunden ist und das Kupfer vielleicht nur deshalb im Wasser bleibt und nicht beispielsweise in das Kalkskelett der Korallen eingebaut wird. Aber natürlich hat alles seine Grenzen.

    Ich gehe davon aus, dass bei einer Spurenelemente-Überdosierung die Korallen ein schlechteres Polypenbild haben. Wenn sie ihre Polypen aber verstärkt expandieren um ein große Oberfläche zu bieten, sollten keine toxischen Stoffe im Wasser sein. Nach diesem Kriterium war bei mir eine Spurenelemente-Dosierung inkl. Kupfer und Zink immer sinnvoll. Insofern traue ich meinen Augen und meiner Erfahrung mehr als irgendwelchen Messungen.

    Gruß

    Hans-Werner

  • Hallo Hans-Werner,

    Das Eisen hab ich bei der Aufstellung auch extra weggelassen, mir ging es wie du aber auch erkannt hast eher um das Kupfer / Kobalt und den anderen stark angereicherten Metallen. Das die Konzentration nicht (erkennbar) Toxisch in diesem Becken war ging ich von aus.

    Geh ich richtig der Annahme das das organisch gebundene Kupfer (und die anderen Metalle) für die Korallen dennoch zur Verfügung stehen wen sie von der Koralle benötigt werden?
    Falls dies zutrifft spricht für mich dann dennoch nichts für eine weitere zugabe der Spurenelementen. Ich weis die Diskussion Spurenelemente ja oder nein gab es schon oft. Nur erschließt es sich "für mich" nicht warum Kupfer / Kobalt / .... zudosiert werden.

    Zwecks den Messwerten. Wie heißt es so schön, wer viel misst misst Mist. Will damit jetzt aber nicht sagen das die Messungen falsch sind :winking_face:

    Gruß Andy

  • Hallo Andy,

    beim Eisen ist es so, dass der organische Komplex zumindest für den Erzeuger der Komplexbildner bioverfügbar ist. Auf diesem Weg ist Eisen(III) bioverfügbar, da diese Komplexbildner vor allem Eisen(III) binden. Die Aufnahme von Eisen erfolgt entweder als Komplex oder nach Reduktion des Eisens, wodurch die Komplexbindung geschwächt wird und das Eisen(II) aufgenommen werden kann.

    Der Kupfer-Komplex ist nicht bioverfügbar, es ist praktisch eine reine Entgiftungs-Reaktion. Algen und Bakterien geben soviel Komplexbildner ab, dass gerade noch genug freies Kupfer als Spurenelement bioverfügbar ist. Es wird auch praktisch kein Kupfer aus dem Komplex nachgeliefert. Es ist ein relativ starres System. Das Kupfer welches gebunden ist, bleibt auch gebunden und ist nicht bioverfügbar.

    Gruß

    Hans-Werner

  • Hallo Hans-Werner,

    Gut erklärt, so kann ich mir dann auch erklären wie die hohen Konzentrationen verkraftet werden.
    Das ganze würde also im Grunde dann auch heißen das wen man keinen Wasserwechsel / div. Salze nachdosiert (was man ja zwangsläufig machen muss wen man wachsende Korallen hat) es irgendwann zu einer Verarmung der Metalle kommt. Da wir aber ständig das Calcium und die Karbonathärte erhöhen müssen kommen immer genug Metalle nach bevor alles in Komplexe übergegangen ist. Somit dürfte es zu keiner Verarmung kommen.

    Wobei mir da jetzt eine andere Frage aufkommt, weshalb geben Algen und Bakterien Komplexbildner ab? Aus Eigenschutz oder ist es ein Abfallstoff?

    Gruß Andy

  • Hallo Andy,

    die Sache mit dem Wasserwechsel ist, dass eine meerwasserähnliche Zusammensetzung nicht unbedingt das ergänzt, was verbraucht wird. Ich würde eher weniger Wasserwechsel machen und dafür Spurenelemente ergänzen. Wie schon gesagt, bereits die Kupferkonzentration von Meerwasser ist für einige coccale planktonische Cyanobakterien giftig, für eukaryotische Einzeller und Phytoplankton weniger. Eisen ist dagegen in den bekannten Analysen von Meerwasser in sehr geringer Menge gefunden worden und potentiell wachstumslimitierend. Es ist mit Spurenelemente-Lösungen auch gar kein Problem im Nanogramm-Bereich zu dosieren. Nehmen wir 1 g Kupfersulfat-Pentahydrat auf 1 l Lösung, dann enthält die rund 250 mg/l Cu, davon 10 ml/l auf die nächste Verdünnungsstufe haben wir noch 2,5 mg/l. Geben wir davon 1 ml auf 100 l haben wir 2,5 µg/100 l oder 25 ng/l dosiert. Das ist rund 1/10 der natürlichen Konzentration. Es ist genauso einfach, in der Verdünnungsstufe nur die Hälfte oder 1/5 davon zu dosieren, also sagen wir 5 ng/l am Ende, das ist dann nur noch 1/50 der natürlichen Konzentration.
    Die natürliche Konzentration von Eisen liegt dagegen noch unter der von Kupfer und Eisen wird normalerweise mit Spurenelemente-Lösungen um rund 2 Größenördnungen höher dosiert, also im Bereich des 10-fachen der natürlichen Konzentration täglich.
    Bei den Spurenelemente-Lösungen weiß ich also ziemlich genau, was ich dosiere. Beim Wasserwechsel weiß ich von vornherein sicher, dass die Ergänzung nicht dem Verbrauch entspricht. Umso erstaunlicher, dass es dennoch funktioniert, zumindest eine gewisse Zeit lang, je nach Salz, Verbrauch und sonstigen Ergänzungen (z. B. Kalkreaktor).

    Die Cyanobakterien geben die Komplexbildner zum Eigenschutz ab. Leider läuft der ASLO-Server zur Zeit so langsam, dass ich da nichts verlinken kann.

    Gruß

    Hans-Werner

  • Hallo Hans-Werner,

    Kupfer und die anderen Metalle im Nanobereich zu dosieren sehe ich auch kein Problehm, ich versteh nur nicht weshalb man dann noch weiter Kupfer (bleiben wir jetzt einfach mal nur beim Kupfer) dosieren sollte auch wen es nur ein Bruchteil der natürlichen Konzentration ist. Da ja mehr als genug Kupfer eh schon im Aquarium vorhanden ist.

    Zitat

    Hans-Werner
    Bei den Spurenelemente-Lösungen weiß ich also ziemlich genau, was ich dosiere.


    Aber auch nur wen man sie selber ansetzt. Auf den Käuflichen Produkten steht zwar drauf was für Elemente das drin sind aber keine mengen angaben.

    Über einen link wo es genauer beschrieben ist mit den Komplexen währe ich natürlich dankbar, vorausgesetzt er ist auf Deutsch da Englisch ganz und gar nicht meine stärke ist :confused_face:

    Gruß Andy

  • Hallo Andy,

    ich kenne da nur meine Artikel aus DATZ und Koralle, wo Gewichtsangaben gemacht wurden.

    Weshalb Kupfer dosieren? Vielleicht einfach, weil man ein positive Veränderung zu sehen glaubt, besseres Polypenbild und bessere Farben. Weil es scheinbar nicht schadet.

    Im Prinzip kann jeder die Versuche machen und dann für sich entscheiden. Ich habe längerfristige Versuche gemacht und habe mich entschieden.

    Nehmen wir einfach mal an, in einem Salz ist das 10-fache der natürlichen Menge an Kupfer (wurde aber glaube ich noch nicht wirklich gut unter praxisnahen Bedingungen untersucht) und es werden statt 99% 99,9% durch Bakterien und Algen komplexiert und der Komplex ist dauerhaft und nicht bioverfügbar, dann würde trotz reichlich Kupfer im Wasser und in der Messung mit jedem Verbrauch ein Kupferdefizit entstehen. Gut, 10% Wasserwechsel würden das ausgleichen, einmal in ein oder zwei Wochen.

    Im Grunde ist es aber einfach ein Wert, den man in Versuchen ermitteln kann, ist eigentlich recht einfach.

    Grüße

    Hans-Werner

  • ... übrigens hat Armin einen der besten und schlüssigsten Belege, dass das Kupfer nicht bioverfügbar ist, selbst geliefert. Freie Kupferionen binden an Exopolymere, die Bakterien und Algen abgeben, wie z. B. Alginat. Exopolymere lagern sich an Luftblasen an und werden abgeschäumt. Kupferionen binden auch an eine Reihe anderer organischer Substanzen, die im Verdacht stehen, im Riffaquarium vorzukommen und abgeschäumt zu werden, so an Proteine (dadurch wirkt Kupfer toxisch) und Huminstoffe. So sollten die Kupferionen im Adsorbat des Abschäumers zu finden sein. Armin hat bei seinen Untersuchungen des Adsorbats aber keine Kupferkonzentrationen gefunden, die wesentlich über das mitabgeschäumte Wasser hinausgingen. Folglich waren die gefundenen Kupferkonzentrationen im Wasser keine freien Kupferionen sondern bereits fest gebundene organische Komplexe, die nicht mehr an abschäumbare organische Substanzen binden und deshalb nicht in erhöhter Konzentration im Adsorbat zu finden.

    Vielleicht kann ja Armin selbst noch etwas dazu sagen, da ich seine Artikel gerade nicht hier habe.

    Grüße

    Hans-Werner

  • Hallo,

    Danke Hans-Werner für die Erklärung.

    Die Meinung / Erfahrung vom Armin würde mich auch Interessieren. Wäre dir auch sehr denkbar wen du ein Paar Worte darüber schreiben könntest oder ein Buch (auf Deutsch) empfehlen könntest.

    Gruß Andy

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