Wie werden die Fische im Riff gefangen?

  • Hallo Forum,

    eine Frage treibt mich schon seit längerem, wie werden eigentlich die Fische im Riff gefangen bevor sie bei uns in den Handel kommen?

    Da taucht doch keiner mit dem Kescher rum und fängt die Fische, das ist ja schon im Aquarium kaum möglich.

    Betäubt man die mit irgendwas und sammelt sie ein oder wie wird das gemacht?

    Danke

    Gruß

    Timo

  • Hi

    70 % aller Fische werden mit Stellnetzen und Keschern gefangen
    10 % werden mit Reusen gefangen
    10 % mit unterschiedlichen Methoden wie Pfeilen oder Saugen
    10 % mit Betäubungsmitteln wie Nelkenöl Karibik/Hawaii und halt ein Rest noch mit Cyaniden Phil/Indonesien.

    Gruss

    Schau mal hier

    Fischfänger

  • Hallo Timo

    Hier kriegt man auch einen kleinen Einblick

    Liebe Grüsse Andi


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  • Hallo Timo,

    das ist ein sehr vielschichtiges Thema. Hier gibt es alle Varianten, so wie sie in den angegebenen Quellen auch angegeben wurden. Da gibt es vorbildliche Fang- und Hälterungsstationen, die die Tiere schonend und optimal versorgen und über das nötige Know-How und die Technologien verfügen. Sie beschäftigen wiederum entweder eigene Fänger oder kaufen von unabhängigen Fängern zu.

    Gefangen wird mit Netzen, Reusen und manchmal leider auch noch mit Chemikalien, um die Fische zu betäuben. Leider sieht man diese Fangmethoden den Fischen nicht (sofort) an und man muss sich schon manchmal fragen, wie kommt ein blitzschneller kleiner Fisch, der im eigenen MW-Becken sofort im Gestein verschwindet lebend in die Hände der Fänger?

    Zur Zwischenlagerung verfügen die meisten über Plastikboxen oder Beutel, es gibt aber auch sehr einfache Lösungen, wie ich sie einmal selbst erleben dürfte. Da wurde z.B. einfach eine große Plastik-Plane am Ufer im Schatten der Bäume in eine Mulde gelegt und mit Meerwasser befüllt. Ein Kind wurde dort zurück gelassen, um Vögel und Raubtiere zu verscheuchen und mit einer Art Holzpatsche das Wasser zu bewegen (Sauerstoffeintrag). Dort wurde der Tagesfang gesammelt und am Abend in Eimern und Boxen umgeladen und per Boot weiter transportiert.

    Ein Fänger bekommt meistens nur wenige Cent pro Fisch, die Hälterungsstation verkauft dann weiter an Zwischen - und Großhändler, die meistens in den Hauptstädten sitzen und dort wiederum die Fische zwischenhältern. Diese bieten dann die Tiere international an und übernehmen den Export in alle Welt. Der Preis pro Fisch steigt zwischenzeitlich schnell in die Höhe, d.h. jede Zwischenstation erhöht den Preis um einige Dollar bei wertvollen Arten. Teilweise wird von Station zu Station mehrfach verdoppelt. Das kommt auch von dem mit jeder Zwischenstation steigenden Risiko. Je länger die Fische gehältert werden müssen, umso schneller können einzelne mitgeschleppte Parasiten sich vermehren und ausbreiten. Kleinste Verletzungen von den Fangnetzen können selbst gesunden Fischen unter Stressbedingungen, wie sie die Zwischenhälterung und der Transport unzweifelhaft darstellen, gefährlich werden. Zudem wird beim schnellen Umschlag der Tiere in den Hälterungsstationen meistens nicht mehr gefüttert, um das Transportwasser nicht zu verschmutzen. Wenn die Tiere dann final in Transportbeutel mit Sauerstoff verpackt werden, beginnt eine meist bis zu 24 / 36 stündige Reise in alle Welt, bis sie wieder in frisches Wasser kommen. Es hängt sehr viel vom Know-How der Exporteure und aufnehmenden Importeure ab, in welchem Zustand die Tiere ankommen.

    Da es sich bei MW-Fischen i.d.R. um wertvolle und hochpreisige Fracht handelt, haben sich die Bedingungen beim Transport in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert und die Verlustrate ist meistens gering. Wir "Verbraucher" der Fische sollten uns nicht nur am Preis orientieren (wie so oft), sondern für gesunde und optimal transportierte und gehaltene Fische auch bereit sein, diesen Mehrwert zu honorieren. Leider sieht man es dem Fisch nicht an, woher er kommt und welchen Weg er nahm. Hier hilft nur das kritische Gespräch mit dem Händler, Transparenz des Handels und eine nachhaltige Nutzung der Fischbestände, die den Fängern und Händlern in den Herkunftsländern eine Basis ohne Ausbeutung und Überfischung bietet.

    Viele Grüße,
    Torsten

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo Thorsten

    Alles richtig nur ist die Zeit der einigen Cent pro Fisch schon lange vorbei
    auch bei den Fischers sind die Kosten für Benzin / Boote / Motoren extrem gestiegen und berechnen daher
    heute weitaus mehr als noch vor wenigen Jahren
    Dazu kommt das man sie quasi gezwungen hat auf Cyanid zu verzichten, und somit deutlcih weniger zu fangen
    was sich natürlcih auch auf den Preis niedergeschlagen hat
    In westlichen Fangländer ( Florida/Hawaii/Australien/Japan/Hongkong etc ) brauchste gar nicht kommen und schauen obs da noch was zu Centbeträgen gibt gg
    Gruss

  • Hallo,

    es ist sicher richtig, dass hier die Erlöse der Fischer extrem unterschiedlich sind. Gut ausgestattete Fischer mit Booten, entsprechender Transportlogistik und dem Wissen, was ihre Fracht am Weltmarkt wert ist, sind hier im Vorteil.

    Ich habe zumindest vor 10 Jahren in Südostasien noch "Übergabepreise" von 3-10 €-Cent mitbekommen. Das mag sich inzwischen geändert haben. In der einen Quelle findet man aber ebenfalls diese Quoten (sicher nicht repräsentativ):

    Zitat

    1I know of fishermen in Banggai, small islands East of central Sulawesi, who used to earn 380 Rupiah (0.03 €) per Banggai Cardinal. Now, since they formed a cooperative and follow their own code of conduct, which forbids cyanide use, they receive 450 Rupiah (0.04 €) per fish. The local government set quota to manage the fishery. (Source: LINI)

    Viele Grüße,
    Torsten

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • HI Thorsten
    Stimmt auch schon nicht mehr, ist aber auch ein schwieriges Beispiel . Dir Kaudernis gibts mittlerweile in Massen
    extrem einfach zu fangen und leben durch die Aussetzungen direkt vor den Fangplätzen. Ein grüner Chromis kostet natürlich auch keine 5 - 8 Dollar , da man diese ebenfalls schnell und einfach in hohen Stückzahlen fangen kann.

    Wie du schon sagst gibt es sehr große Unterschiede , vor allem was Jahreszeiten, Verfügbarkeit und Qualitäten angeht dadurch schwanken die Preise auch so für zum Teil ein und dem selben Fisch.

    Das größte Problem der Fischer in den letzten Jahren waren die immensen Preissteigerungen für Benzin (Boot/Kompressoren) und Reis. Dort haben sich die Preise in den letzten Jahren verdreifacht und daher haben die Fischer auch keine Chance mehr so wenig für Fische zu nehmen.

    Gruss

    @Preise

    Gute Korallenfischfänger gehören sicherlich nicht zu den reichsten Einwohnern der Länder, aber auch nicht zu den ärmsten. Es macht auch überhaupt keinen Sinn , den Fischern plötzlich das 10 Fache zu bezahlen. Diese gutgemeinte Unterstützung geht ganz schnell nach hinten los da dann plötzlich die ganze Gemeinde ins Wasser hüpft und alles rauszieht was geht. Es gibt ein fragiles System das die Menge der Fischfänger reguliert so wie dies bei Speisefischfänger oder anderen Nutzern des Riffes üblich ist. Verdient jetzt eine Gruppe deutlich mehr wie ne andere ist wohl klar was passiert.

    Gruss

    Einmal editiert, zuletzt von extremecorals (28. August 2011 um 11:45)

  • HI

    Aber das auch nur in Australien / Hawaii etc :winking_face: die meisten Fischer in den asiatischen Fanggebieten machen das höchstens mit einem Kompressor , da das Fischen mit Flaschen verboten ist. Ich kenn auch einige die machen das in Apnoe
    das ist teillweise unglaublich wie die dann 3 - 4 Minuten hinter den Fischen herschwimmen ...

    Gruss

  • Zitat

    Original von extremecorals
    Dir Kaudernis gibts mittlerweile in Massen
    extrem einfach zu fangen und leben durch die Aussetzungen direkt vor den Fangplätzen.

    @Preise

    Gute Korallenfischfänger gehören sicherlich nicht zu den reichsten Einwohnern der Länder, aber auch nicht zu den ärmsten. Es macht auch überhaupt keinen Sinn , den Fischern plötzlich das 10 Fache zu bezahlen. Diese gutgemeinte Unterstützung geht ganz schnell nach hinten los da dann plötzlich die ganze Gemeinde ins Wasser hüpft und alles rauszieht was geht.

    Hallo Claude ,

    gibt es da neuigkeiten angehend den kaudernis , ist doch noch gar nicht lange her da war es richtig kriese ...
    ...einfach zu fangen waren sie ja schon immer , das war ja einer der gründe wieso es immer weniger wurden ...

    was preise angeht , so finde ich es schon übel , was leute wie in dem link von Andi S. (http://www.saia-online.eu/images/stories…rticle%20EN.pdf) bezahlt bekommen

    fangmengen sollten gesetzlich geregelt sein und nicht preislich,demnach sollte doch eine (jedenfalls mehr) angemessene bezahlung möglich sein.

  • Hallo Thomas

    Es wurden nicht weniger es wurden nur dort weniger wo man sie eben gesucht hat :winking_face:
    Die Fänger haben sie einfach umgesetzt , hätten die Zähler woanders nachgeschaut wäre ihnen das früher aufgefallen :winking_face:

    Die Preise regeln sich wie überall auf, es wurde schon einiges geändert aber so ein Bericht spiegelt eben nur ein Bereich wieder. Es ist beileibe nicht so das jeder Fisch nun nur Cents kostet. Zudem hat sich da in den letzten Jahren einiges getan.

    Gruss

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