Ich hatte schon lange vor, nur mal so aus Spaß eine kurze Geschichte mit Bildern über unseren Knallkrebs zu bringen, hier ist sie also:
seit einem Dreivierteljahr lebt in unserem 200 l Würfel eine Cryptocentrus cinctus. Wir wollten ihr einen Knallkrebs der Gattung Alpheus dazugesellen, mit dem sie dann in Symbiose leben sollte.
Hatten wir uns so gedacht. Der "Neue" entpuppte sich (nach Blick hier ins Meerwasser-Lexikon) als Alpheus parvimaculatus, ein selbständiger Einzelgänger. Das sah dann so aus, dass der Krebs die Grundel auch anfangs mit den Antennen und Scheren bestastete und mal aus ihrer Höhle schaute, das war aber nur ein freundliches Beschnuppern, denn beide Tiere gehen seitdem getrennte Wege: die Grundel liegt in ihrem Revier vor dem Höhleneingang und der Krebs baut woanders an seinen Gängen oder stiefelt ab und zu über die Steine.

Aber schön anzusehen, wenn er mal rauskommt: der Alpheus parvimaculatus in Aktion. Da werden einzelne Steine mit der kleineren Greifzange aus einem seiner Gänge getragen. Bevorzugt passiert das in den Morgen- und Abendstunden, da ist er am aktivsten. Und laut knallen kann er mit den Scheren natürlich auch. Dazu wird nach meiner Beobachtung die große Schere eingesetzt. Das Aquarium steht im Keller und manchmal höre ich ihn über zwei Etagen bis ins Dachgeschoß knallen. Mit jeder Häutung, die bisher um die 4-6 Mal erfolgte, ist sein Knallen lauter geworden. Kurz nach der Häutung ist er immer aphon, da ist der Panzer noch nicht genügend ausgehärtet.

Heute, nach dem Kauf vor einem Dreivierteljahr, misst er gute 8 cm. Davon nimmt der Körper etwa 5 cm ein und das Besteck, das er immer schön vor sich herträgt, misst etwa 3 cm. Mit den mächtigen Greifzangen schüchtert er Gegner, wie unsere Clibanarius sp. ein, die immer wieder in sein Revier eingedringen. Er stupst sie an, wenn das nicht hilft, schiebt er sie aus dem Revier, er hebelt sie mitsamt Häuschen aus, er schleudert sie weg oder er knallt ihnen eine aufs Dach, sprich Schneckenhaus. Die Einsiedlerkrebse "sitzen" solche Attacken einfach aus. Ist der Krebs weg, ziehen sie weiter, nur die kleinsten Einsiedler beeilen sich wegzukommen.
Greift das alles nicht, dann scheut der Knallkrebs nicht die handfeste Auseinandersetzung. So hat er einer mit dem Lebendgestein eingeschleppten Krabbe im Kampf eine Greifzange zertrümmert oder abgeknipst. Die Krabbe läuft nun einarmig durchs Becken.
Das Knallgeräusch zu beschreiben, finde ich schwierig, weil ich kein vergleichendes Geräusch kenne. Am ehesten erinnert mit das Knallgeräusch an ein Kinderspielzeug, einem aus Weißblech gefertigten Knallfrosch in Aktion.

Immer mit baulichen Verschönerungen in seinem Revier beschäftigt, hat er eines Tages mit dem Bau dieser Röhre begonnen. Die Aktion war innerhalb weniger Minuten so weit fortgeschritten, dass der überhängende Stein unterhöhlt war und er darunter durchkrabbeln konnte. Für das grobe Vortreiben der Röhre räumt er ordentlich ab mit den hinteren Schwimmbeinen (Pleopoden). Die vorderen Laufbeinpaare (Pereiopoden oder Peraeopoden) schaufeln dabei den hinteren Schwimmbeinen Material zu. Der breite Schwanzfächer schlägt ebenfalls eine ordentliche Kelle. Das geschieht alles mit rasender Geschwindigkeit, für das menschliche Auge viel zu schnell.


