Meereszentrum Fehmarn

  • Moin moin zusammen,
    wir haben letzte Woche nach ca. anderthalb Jahren erneut das Meereszentrum Fehmarn besucht. In der Hoffnung, diesmal bessere Bedingungen in den Aquarien vorzufinden, wurde wir erneut enttäuscht, fast alle Becken bieten ein Paradebeispiele für das Wachstum von Fadenalgen und roten Schmieralgen. Selten habe ich so dermaßen mit Glasrosen besiedelte Aquarien gesehen, so war z.B. ein Becken, in dem eigentlich lt. Bezeichnungsschild Krustenanemonen gezeigt werden sollten, komplett mit Glasrosen überwachsen.
    Allein zwei Becken mit Wirbellosen direkt vorm bzw. hinter den Eingangsbereich sind in guten Zustand. Die Fische sind im allgemeinen in guten Zustand, nur einige Chelmon rostratus sind stark abgemagert und eingefallen.

    Mein persönliches Fazit : Eintrittsgelder und Spritgeld zusammenlegen, sich für sein eigenes Becken etwas schönes kaufen und sich daran erfreuen......

    Gruß

  • das wundert mich aber nun schon.... da ist dochein junger mann in die führungsriege eingestiegen, der meeresbiologe ist und so richtig was über die aquaristik weis ( planulavermehrung von acroporas )
    und drehbare kalkreaktoren können sie auch gut auseinanderbauen ( und stümperhaft wieder zusammen )
    naja... ist hald doch ned so leicht 20 aquarien auf einem hohen level zu halten

    schönen tach noch

  • Hallo zusammen :smiling_face:

    Andreas, das sollte aber doch so sein das man 20 Aquarien am laufen hält und das so das man sich daran erfreuen kann. So sehe ich das zumindest. Sicherlich wir alle wissen das man Plagen bekommt, sei es Schmieralgen oder Fadenalgen. Das kann passieren und ist Natur.

    Im Aquazoo Löbbecke waren es halt zig Tausende oder eher Hundertausende Mayanos die das bild des sonst sicher sehr schönen Aquarium trübten.

    :face_with_tongue:

  • das habe ich auch so gemeint robert.
    mein satz sollte aussagen, das es eben nicht leicht ist z.b. 20 becken auf hohem nivau zu halten.
    man sollte es erwarten, wenn lauter profis am werk sind...

    gut wenn ein becken mal aus dem ruder läuft.,...okay... aber alle???

    naja es ist wie gesagt nicht leicht... aber wenn man es beruflich macht ( und keine kunden beraten muß), sollten wenigstens ein paar gut laufen :winking_face:

  • Hallo Andreas

    also ich sehe das doch ganz einfach
    20 Becken in Ordnug zu halten ist gar kein Problem wenn man die Zeit dazu hat.
    Das Beweisen viele Privatleute und auch einige
    öffentliche Aquarien und sogar geschäfte die ja immer noch Kunden haben.
    Nur offensichtlich hat man keine Lust und man macht halt nichts weil man es nicht besser kann
    aber 20 Becken also das ist zu schaffen
    es erwartet doch keiner ein Korallenzuchtanstalt oder
    ein Meerestestlabor oder was weis ich
    nur einfach die Becken pflegen.
    Also wenn man das nicht hinbringt dann würde ich mir das schon überlegen ob ich nicht den falschen Beruf habe.
    ( Oder doch wenn man nichts tun muss ? )

    Naja bis dann und Lieben Gruss

  • Hallo Claude,

    >Also wenn man das nicht hinbringt dann würde ich mir das schon überlegen ob ich nicht den falschen Beruf habe.
    ***Leider sind in den meisten öffentlichen Aquarien die falschen Leute, die entweder keine Ahnung oder keine Lust haben.
    Ich war letztes Jahr in Geretsried im Vivaria und ich kann nur sagen schauderhaft :loudly_crying_face: . Ich denke aber das es den meisten Besuchern gar nicht auffällt wie schlecht die Becken sind, außer sie sind mit Algen zugewachsen das man nichts mehr sieht (war bei unserem Besuch auch der Fall X(). Die Besucher sehen nämlich nur die Fische und nicht die kaputten Korallen.
    Am Aufwand kann es ja nicht liegen, schließlich werden wir unseren Becken ja auch vor und nach der Arbeitszeit her und bei mir ist durch meinen Seepferdchen Nachwuchs sehr viel zu tun (45Minuten am Tag).
    Und wenn man die Angestellten anspricht heisst es nur ich weiß von nichts :frowning_face: . Ich finde das ganze mehr als traurig.
    Gruß
    Alex

  • Weisst du das schlimme ist
    das ich einige kenne in öffentlichen Aquarien die gerne tun würden aber von den Chefs aus nicht dürfen
    und andere die tun als wenn sie der Messias persönlich wären , aber dabei völlig vergessen haben das es sehr viele Privatleute gibt die es besser können
    leider gibt es da teilweise eine sehr hohe Arroganz die oft durch nicht gerechtfertigt wird
    aber wie gesagt
    Wenn ich mir mal den Herrn Seitz von der Wilhelma anschaue der hat im letzter Zeit docheiniges bewirkt und ganz ordentliche Becken hingestellt und da sind es weitaus mehr wie 20 das kann ich dir sagen

    Bis dann Claude

  • Hallo Claude,
    ich glaube auch das die es zum Teil nicht wahr haben wollen das Private durch persönlichen Einsatz auf neue Dinge kommen und diese auch schneller umsetzen als Studierte die nach dem Lehbuch vorgehen. Man müßte viel enger zusammenarbeiten schließlich ist auf beiden Seiten viel Wissen da.
    >Wenn ich mir mal den Herrn Seitz von der Wilhelma anschaue der hat im letzter Zeit docheiniges bewirkt und ganz ordentliche Becken hingestellt und da sind es weitaus mehr wie 20 das kann ich dir sagen
    ***da muß ich auch bald mal wieder hin :), ich habe im Herbst ein paar mal mit Fr. Koch telefoniert wegen ihrer Nachzuchterfolge bei Seepferdchen und bei mir wollte es im Herbst noch nicht so richtig klappen. Sie war sehr nett und hat mir ein wenig weiter geholfen. Jedoch den wahrscheinlich entscheidenen Tip habe ich dann vom Michael bekommen. Wobei ich dabei wieder gesehen habe das die Biologen anders vorgehen als die Pragmatiker (schreibt man das so?).
    Gruß
    Alex
    PS: Komm dann auch mal wieder bei euch vorbei :smiling_face:

  • Ich habe ja auch viel Kontakte gerade zu Meeresbiologen und andere Wissenschaftler
    Man kann wirklich nur voneinander lernen
    aber weisst du ich habe auch schon gehört wie ein Aquarianer zu einem Niedere Tiere Spezialist und bekanntem Meeresbiologen
    Ihr habt ja sowiso keine Ahnung von dem ganzen Aquarium etc
    Das so keine vernünftige Zusammenarbeit stattfinden kann ist dann wohl klar
    denn es gehören immer zwei dazu nicht !

    Wissenschaftler arbeiten wirklich anders als wir
    müssen sie aber auch da sie immer reproduzierbare und veröffentlichbare Ergebnisse brauchen
    und das steht eben mnchmal im Wiederspruch mít unserem (learning by doing System )
    uns normalaquarianer täte es manchmal auch schon ganz gut wenn ein wenig mehr Methode in das Probieren kommen könnte
    ( blöder Satz aber ich hoffe jeder versteht es :smiling_face: )
    Claude


  • hi claude,

    eben das meine ich ja! wenn man sich den ganzen arbeitstag um die becken kümmern kann, dann sollten sie auch i.o. sein. und wenn man des ganze "gelernt" hat scho 2x

  • Hallo Claude,

    >Man kann wirklich nur voneinander lernen
    *** schön wäre es wenn hier im Forum öfter auch MBiologen schreiben um gemeinsam Ziele zu erreichen. Ich bin mir sicher das wir den Wissenschaftlern auch helfen könnten so wie sie uns.

    >Ihr habt ja sowiso keine Ahnung von dem ganzen Aquarium etc
    ***Bei solchen Aussagen kann man sich nur an den Kopf langen, aber Du mußt dir ja nur die Streitereien der letzten 2 Jahre hier im Forum ansehen, da geht es auch oft weit unter die Gürtellinie. Außerdem kommen solche Aussagen meistens von Personen die selbst keine Ahnung haben und damit die Kompetenz eines anderen nicht einschätzen können.

    >normalaquarianer täte es manchmal auch schon ganz gut wenn ein wenig mehr Methode in das Probieren kommen könnte
    ***durch eine engere Zusammenarbeit würde das von alleine kommen!!!

    Vielleicht ließt ja der eine oder andere mit und biete engere Zusammenarbeit an :smiling_face: :face_with_tongue: :smiling_face:

    Gruß
    Alex

  • Zitat

    Original von Alex
    schön wäre es wenn hier im Forum öfter auch MBiologen schreiben um gemeinsam Ziele zu erreichen. Ich bin mir sicher das wir den Wissenschaftlern auch helfen könnten so wie sie uns.

    Hallo Alex,

    mit Jörg Kokott haben wir doch einen, wie ich meine, sehr guten Biologen mit Fachrichtung Meeresbiologie in unseren Reihen (Profile lesen -und auch selber ausfüllen ! :grinning_squinting_face: )

    und Hans-Werner -glaube ich aus seinen Beiträgen zu erkennen- auch ! :))

    Bei Beiden möchte ich mich, dies zum Anlass nehmend, einmal recht herzlich bedanken und insbesondere dafür, daß sie sich Mühe geben in einer Form zu schreiben die uns ein Verstehen ermöglicht ! :))

  • Hallo Ralph,

    >Profile lesen -und auch selber ausfüllen !
    ***habe ich natürlich beides schon getan :grinning_squinting_face:
    Jörg hat als Beruf Student angegeben, jedoch nicht für was :smiling_face: (ich weis allerdings, dass er unser Biologe ist :face_with_tongue: )
    und bei Hans-Werner steht leider nichts, bei ihm rätsel ich schon länger was er macht :confused_face:

    ich hoffe das die Profile in naher Zukunft noch aussagekräftiger werden, den dies ist eine hervorragende Eigenschaft dieses neuen Forums :smiling_face:

    Gruß
    Alex

  • Hallo Leute,
    ich habe den alten Tread nochmals ausgegraben, weil ich vor zwei Wochen im Meereszentrum Fehmarn war. Spart euch die 7 Euro Eintritt. Zu 90 % waren die Becken in einen versifften Zustand. :angry_face: Da stehen von der Größe her echt gute Aquarien, nur leider mit wenig Inhalt. Korallen sieht man nur sehr wenige. Mehr als ne halbe Stunde konnte ich es darin nicht aushalten. Allerdings wenn sich einer schöne Steinlandschaften anschauen will kann er ja mal hinfahren. :grinning_squinting_face:
    Da wird in der ganzen Umgebung damit Werbung gemacht und fast alle privaten Aquarien die ich kenne, sehen besser aus als da.
    An dem Tag war leider scheiss Wetter sonst wäre ich eh nicht hingefahren.
    Gruß Peter

    Daten:
    Neu:

    Red Sea max 130

    Alt:

    Aquarium 2,30 x 0,80 x 0,70 m
    Royal Exclusiv Bubble King 200 mit Titannadelrad und 1500 Pumpe
    Kalkreaktor Schuran Jetstream 1
    Black Devil 10.000 und Strömungspumpen 2xTunze Stream 12000 Liter
    Grotech Photon Plus mit 3 x 250 Watt HQI + 8x39W Osram Blue
    IKS Computer, Grotech Dosieranlage

  • Hallo zusammen,

    habe den Thread erst jetzt entdeckt und möchte mich erst einmal für die Komplimente bedanken.

    Angaben im Profil befriedigen zwar die Neugier, bringen aber wenig zur Sache.

    Hallo Alex,

    Dirk Petersen, der Acropora-Züchter, ist schon lange nicht mehr in Fehmarn, sondern schon seit Jahren in Rotterdam bei einem großangelegten wissenschaftlichen Projekt über Korallenzucht unter "künstlichen" Bedingungen tätig.

    In Geretsried das waren auch keine "kaputten" Korallen, sondern die sind schon beim Sammeln getrocknet worden, so wie manche Wohnzimmerschrank-Deko. War wohl auch bei der Einrichtung der Aquarien schon nicht mehr ganz zeitgemäß, dürfte aber Transportkosten gespart haben. Es war halt auch das Projekt eines älteren Herren.


    Grüße

    Hans-Werner

  • Zitat

    Original von Alex
    Jörg hat als Beruf Student angegeben, jedoch nicht für was :smiling_face: (ich weis allerdings, dass er unser Biologe ist :face_with_tongue: )

    Ist nun aktualisiert :winking_face:

    Die meisten Meeresbiologen kommen zur Aquaristik wie die Jungfrau zum Kind. Diplomanden nehmen i.d.R. ein Diplomarbeitsthema an und haben dann i.d.R. schon ein Becken stehen (wie auch immer das läuft). Wenn man aber als Doktorand anfängt und plötzlich ein Riffbecken braucht, dann fehlt es bei dem ganzen Organisationswust, der erst einmal über einen herfällt, komplett an Zeit, sich mit der Aquaristik zu beschäftigen. Genau das ist das Problem mit Biologen, nicht weil die zu doof sind, ein Aquarium aufzustellen, aber weil man v.a. als Doktorand alles andere hat als Zeit.

    H Hersteller

  • Zitat

    Original von Joerg Kokott

    Die meisten Meeresbiologen kommen zur Aquaristik wie die Jungfrau zum Kind. Diplomanden nehmen i.d.R. ein Diplomarbeitsthema an und haben dann i.d.R. schon ein Becken stehen (wie auch immer das läuft). Wenn man aber als Doktorand anfängt und plötzlich ein Riffbecken braucht, dann fehlt es bei dem ganzen Organisationswust, der erst einmal über einen herfällt, komplett an Zeit, sich mit der Aquaristik zu beschäftigen. Genau das ist das Problem mit Biologen, nicht weil die zu doof sind, ein Aquarium aufzustellen, aber weil man v.a. als Doktorand alles andere hat als Zeit.


    Hallo Dipl. Biol. Jörg

    Nun gut, damit hast Du Recht, die meisten Biologen kommen zur Meeresaquaristik wie die Jungfrau zum Kind und haben meistens auch genügend andere Probleme. Allerdings kommt mir immer wieder das Essen hoch wenn ich erlebe, wie manche Biologen mit ihren Tieren aus Unwissenheit umgehen. Tiere zu Versuchszwecken töten ist eine Sache, und damit kann ich mich anfreunden, aber aus Dummheit und Arroganz Tiere sterben lassen, damit habe ich echte Probleme, und zwar in der Forschung genauso wie in öffentlichen Aquarien.
    Man muß ja nicht zu einem solchen Experten werden wie Du es bist, aber ein Buch in die Hand zu nehmen, es zu lesen und ein paar Lehren daraus zu ziehen, das sollte bei einem Studierten durchaus zu verlangen sein. Und wer so arrogant ist, daß er/sie nicht bereit ist ein "unwissenschaftliches" Buch in die Hand zu nehmen, der sollte sich mal ein paarGedanken über seine Einstellung zur Umwelt im allgemeinen machen.
    Da würde jeder Rattenschlächter vom Fachbereich verjagt wenn ein Käfig auch nur annähernd so aussehen würde wie manches "wissenschaftliche" Becken. Du kennst ja auch so ein Wildes Teil........
    Die Viecher sind kurz vorm Verrecken und dann wird daran eisenhart Forschung betrieben (keine Stressphysiologie..), die auch noch veröffentlicht wird ohne das die Reviewer mal am Methoden Teil ein paar Kommentare anbringen. In der Biologie herrscht in weiten Teilen der Forschungslandschaft, was Aquarien angeht, absolute Arroganz und Unfähigkeit.
    Der Spruch von Thorsten Luther, den er bei Michaels Meerwassersymposium gemacht hat, ist mir immer noch in den Ohren:" Die schlechtesten Becken sind meistens die, die von Biologen eingerichtet wurden"


    Grüße

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • Hi Jens,

    tja, mit dem Biologielehrling hat es sich schlußendlich erledigt.

    Das mit der Arroganz ist schon richtig, aber von solchen Leuten, die wilde Becken betreiben, rede ich auch nicht.
    Ich meine eher Leute, die noch nie ein Riffaquarium gesehen haben, und daher auch gar nicht unbedingt wissen, wie es aussehen kann. Leider besteht ja unter Wissenschaftlern, sogar bei denen, die mit offenen Systemen arbeiten, die Meinung, das man z.B. Acropora nicht halten kann. Und wenn man von dieser Einstellung/Erwartungshaltung ausgeht, freut man sich über jeden Cyanobakterienfleck und jede Glasrose, die in solchen Experimentieraquarien wachsen. Von daher...

    Es gibt trotzdem Biologen, die sich bemühen (bsp. Miriam am MPI), die das Thema sehr ernst nehmen, und sich über jeden unnötigen oder selbstverschuldeten Verlust ärgern (nicht nur wegen dem Probenmaterial). Da macht es mir auch nix aus, wenn ich abends um 10 noch einen Anruf kriege. Weil, die Leute, denen ihr Probenmaterial wurscht ist, die rufen eh nicht um die Uhrzeit an, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch damit beschäftigt sind, einen Schuldigen zu finden (HiWi's sind da ja immer ganz praktisch...).

    Bezüglich der ansgesprochenen publizierten Daten an aquariengehälterten Korallen, naja, da sag ich jetzt mal nix zu, wie gesagt, Acroporas sind ja auch nicht haltbar...

    H Hersteller

  • Zitat

    Original von Joerg Kokott

    Bezüglich der ansgesprochenen publizierten Daten an aquariengehälterten Korallen, naja, da sag ich jetzt mal nix zu, wie gesagt, Acroporas sind ja auch nicht haltbar...

    in SOLCHEN Becken stimmt das sogar

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • Interessant,

    jetzt weis ich endlich wieso bei den Korallenleuten Versuche immer als Freilandversuche angelegt werden. Ich hab´mich schon immer gewundert wieso man die wunderbar kontrollierbaren Bedingungen im Aquarium für ökophysiologische Versuche nicht nutzt ?(. Die Algenleute kommen ja auch mit Chemostaten aus und panschen weniger im Ablauf der Kläranlage rum.
    Oder sind es doch die schönen Riffgebiete, die mehr locken als ein muffiger Aquarienkeller? :grinning_squinting_face:

    Grüße

    Hans-Werner

  • Hallo Hans-Werner

    Das Problem ist ja gerade, daß die Bedingungen im Aquarium halt nicht gut kontrollierbar sind. Wenn schon die Zugabe von Spuris, Fütterung und Reinigung einen Sprung im Redoxwert auslöst, auf den dann wiederum die Bakterienfauna reagiert, dann kannst Du Dir ohne große Phantasie ausmalen, daß ein Wissenschaftler solche Sachen gerne umgeht.
    Wenn wir mal ehrlich sind, dann wissen wir nicht, was da eigentlich alles in unseren Becken abläuft und warum bestimmte Sachen so reagieren wie sie es nun einmal tun. Wir wissen aus Erfahrung nur daß sie passieren, aber nicht warum. Im Meer habe ich nunmal absolut konstante Bedingungen was den Chemismus angeht, von den täglichen (wiederkehrenden) Schwankungen ganz zu schweigen.
    Da Du die Chemostaten ansprachst: Das ist blos eine einfache Flüssigkeit (mit bekannter Zusammensetzung) und ein Haufen Bakterien, kein Sediment keine Lebenden Steine etc. Trotzdem sind Chemostaten eine Qual und schmieren sehr gerne mal ab, wenn man nicht alles wirklich perfekt im Griff hat. Ein Aquarium hat unendlich viel mehr Variablen als ein Chemostat und dabei leider viel weniger direkte Regler an denen man drehen kann.
    Ausserdem ist die Wahl zwischen Freilandversuch im Korallenriff und fauligem Nasslabor recht einfach zu beantworten........

    Viele Grüße

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • Hi,

    denke auch das Chemostaten alles andere als mit Riffaquarien vergleichbar sind.

    Kurz noch zum Wunschtraum jedes Korallenforschers: Tauchen & dabei arbeiten.

    Das mit den Freilandversuchen ist zwar gut und schön, was Reproduzierbarkeit anbelangt, aber es ist auch so eine Sache:
    1. muß ich die Schiffszeiten haben und u.U. ein Experiment monatelang im voraus planen, und dann muß es genau dann auch alles klappen (tut's aber meistens nicht)
    2. kann ich nicht den ganzen Tag unter Wasser sein und mal eben schnell einen Ableger holen,
    3. kommt ein Sturm und ich kotze und meine transplantierten, versetzten oder gar sorgfältig befestigten Kolonien finden hinter der 5 m weiter entfernten Riffkante in 500 m Wassertiefe den heiligen Korallenhimmel.

    Ich hab's ja erlebt, dass Wissenschaftler gerne die Wartezeit auf Schiffszeiten trotz potentiell schlechten Wetters etc. in Kauf nehmen um sich mal wieder die Füße nass zu machen. Vorher schnell die toten Korallenkolonien auf den Müll, Wasser ablassen, 10 Liter Bleichmittel auf 1000 L klappt dann prima um die Bakterienbeläge, nein Bakterienmatten und den Faulschlamm im Becken zu neutralisieren (und Dr. Schlüter will mir was von fiesen Bakterien bei der Wodkamethode erzählen...), und "off we go", wie es so schön hieß. Wenn ich dann als dummer kleiner Student aus Deutschland behaupte "Acropora ist übrigens haltbar", dann wird das ganz schnell verdrängt nach dem Motto "weil ich Sie mag, werde ich vergessen, dass dieses Gespräch stattgefunden hat".

    So ist das nun mal, in Monaco geht's auch anders, wie Jean Jaubert beweist, aber schwarze Schafe gibt's leider überall.

    H Hersteller

  • Hi ihr,

    mit "Aquarium" habe ich eher nicht Riffaquarium gemeint, sondern einen Glaskasten mit Haltegitter für die Korallen und einer "Flüssigkeit mit bekannter Zusammensetzung", ungefähr wie manche Nachzuchtbecken aussehen. Ich will ja für ökophysiologische Versuche nicht unbedingt möglichst viele andere Organismen, die mir das Wasser verändern.

    Ob das Meer so supergeeignet und superkonstant für exakte Versuche ist, kann man auch in Frage stellen. Lass doch mal im Meerwasser ein Element weg, um dessen Essentiallität oder Funktion zu überprüfen. Was genaue Ursache für Ausbleichvorgänge ist, ist, denke ich, auch noch nicht so ganz abschließend beantwortet. Es ändert sich bei El-Ninjo-Ereignissen halt doch immer etwas mehr als nur die Temperatur, nämlich auch Strömungen und mit Sicherheit auch Nährstoffverhältnisse, da diese kaum von den Strömungen zu trennen sind. Dazu dann niedrige Wasserstände und wolkenloser Himmel während der Sommer-Regenzeit. Wie also herausbekommen, was jetzt ein Ausbleichen alleine auslösen kann, oder vielleicht doch nur die Kombination?
    Solche Versuche, wie die von DANA RIDDLE im aktuellen AAOM sind vor Ort auch eher schwierig durchzuführen. Ich denke mal WISSENschaft fängt da erst an, vorher ist das wohl eher eine Ahnung in Urlaubsambiente.
    In der Meerwasserchemie hätte ich auch gerne solche Versuche, wie die von DANA RIDDLE. Wäre doch interessant, oder?

    Grüße

    Hans-Werner

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