Balling Methode

  • Hallo Jörg

    Ist ja schön und gut, aber Erfahrung hast du nicht gerade auf dem Gebiet. Was du über die ZEITLICHE Zugabe sagst, glaube ich nicht. Die Angaben von dir konnte ich nie messen.
    Achne, und welchen Rat gibst du gerade. Doch das Mischungsverhältnis ändern. Genau deine Antwort war gemeint.
    Naja da empfehle ich ernsthaft Kalkwasser bis die Kh verbraucht ist.

    Mfg Michael Hannig

    Ps Matze halte dich an die die da die Meinung prägen, also nicht ich!
    Weshalb ich so reagiere ist ganz einfach, ich habe große Zweifel das die Behauptungen zur zeitlichen Zugabe irgendeinen Hintergund haben. Okay ich sehe ein das wenn man die Lösungen in ein schwach durchströmtes kleines Gefäß gleichzeitig schüttet es zu Ausfällungen kommt, aber das ist für mich was anderes, als das was jetzt hier genannt wurde.

    an Hans Werner brauchst du dich nicht wenden, den der Rat der hier von den anderen steht, ist wohl mit dem identisch. Im Archiv hat Hans Werner sowas ähnliches hinterlassen.

    Angefügt

    Habe mir den Spaß gemacht und die Kh-absenkung im extremen gemessen. Mußte sowieso dosieren und mir das egal wieviel Uhr es ist.
    Also bei 10 Liter Aquarienwasser hat man eine Absenkung von 0,6 Kh Punkten wenn man 50ml der Balling Lösung zugibt.

    4 Mal editiert, zuletzt von Michael Hannig (12. Januar 2003 um 17:14)

  • Zitat

    Original von Michael Hannig
    Mein Rat wäre etwas anders und birgt daher andere Gefahren als eine Ionenverschiebung die sowieso keiner feststellen kann.


    Hallo Michael.

    Oh ja, den Gefahren habe ich mich gerade ausgesetzt, denn nun war mir ganz wirr im Kopf.

    Das hat sich aber gegeben:[list=1][*]Bei der Balling-Methode geht es darum, daß man auf einfachem Wege Calcium zugibt, ohne die sonstigen chemischen Verhältnisse im Wasser zu verändern. Es geht also nicht darum, am KH-Wert herumzuschrauben.
    [*]Eine beliebte Methode (außer Wasserwechsel), den KH-Wert langsam zu senken, ist die Zugabe von Calciumchlorid. Hierbei wird die Tendenz ausgenutzt, die jedes Aquarium mit Besatz hat: ohne irgendwelchen Zugaben verringern sich die Calcium- und KH-Werte von ganz alleine; der Rückgang von Calcium wird durch die Zugabe CaCl2 aufgefangen, der Rückgang der KH halt nicht.
    [*]so gesehen ist die Methode 2) ein Teil der Balling-Methode. Also läßt man den karbonaterhöhenden Teil einfach weg, wenn die KH zu hoch ist. Dies führt natürlich zu einer geringen Ionenverschiebung, Natrium wird abgereichert.[/list=1] Der natürliche Natriumgehalt liegt bei rund 10.000 mg/l, welche Änderung jetzt das Weglassen eines Liters Teil 2 der Balling-Lösung ausmacht, könnte man ja mal ausrechnen. :winking_face:

  • Hallo Thomas

    Die Ironie hast du gut erkannt und in eine andere Richtung gelenkt.

    Welche der Gefahren bist du eingegangen? Mit Kalkwasser Phospaht ausgefällt oder hast du wieder die "Ionen" verschoben?

    Mfg Michael Hannig

    Ps bei Fossa steht dann auch noch das man auch das Natriumhydrogenkarbonat alleine einsetzen kann wenn die Kh mal zu niedrig ist. Also machen kann man dann was man gerade will.

  • Zitat

    Original von Michael Hannig
    Welche der Gefahren bist du eingegangen? Mit Kalkwasser Phospaht ausgefällt oder hast du wieder die "Ionen" verschoben?

    Nein, die Gefahr bestand eher für das neuronale Netz in meinem Kopf, da es ziemlich heftig arbeiten mußte, bis mir klar war, was du mit deinem Beitrag meintest. Obwohl - so richtig fertig ist das Netz mit der Arbeit immer noch nicht. :winking_face:

    Zitat

    Also machen kann man dann was man gerade will.


    Falsch. Machen soll man das, was man gerade muss. Sonst macht das Becken, was es will - Chaos.

  • Wenn man eine hohe KH hat, kann man sie mit Calciumchlorid runterbringen. Wenn sie niedrig ist, bringt man sie mit NaHCO3 wieder hoch.
    Ganz genau so, wie es auch Thomas schon schrieb. Und genau das wird ja auch kommerziell so verkauft: "KH-Bildner" enthalten Hydrogencarbonate/Carbonate, "Ca-Bildner" Calciumchlorid. Der Nachteil ist hier nur, das wir nicht genau wissen, welche Konzentrationen dort eingesetzt sind. Bei Balling wissen wir das und können das ganze soz. semi-quantitativ machen, semi deshalb, weil wir Ausfällungseffekte haben, die wir wiederum nicht messen können. Aber wir haben zumindest eine Idee, was wir so ins Aquarium reinkippen.

    @Michael: Ich weiß nicht, auf welches "Mischungsverhältnis" Du Dich beziehst. Wenn ich in Bezug auf die Balling-Methode eine zur Masse von Calciumchlorid äquivalente Masse NaHCO3 dazugebe, nur halt über die Woche verteilt, dann kann ich über den Daumen gepeilt annehmen, das sich das Verhältnis Na+ zu Cl- und das zu den übrigen Salzen im Meerwasser nur wenig verändert (rein theoretisch betrachtet), weil ich keine große Sorge haben muß, das sowohl Na+ wie auch Cl- ausfallen oder verbraucht werden.
    Aber selbst, wenn wir die Verhältnisse etwas verschieben, dann ist das immerhin besser, als alles auf einmal ins Becken zu kippen, und sich dann viel mehr auszufällen, als wenn man es zeitlich getrennt zugibt. Wenn man durch die einmalige Zugabe von der kompletten NaHCO3-Lösung dabei die KH auf Spitzenwerte treibt, dann ist das für die Skelettbildung von Steinkorallen und Kalkrotalgen mit Sicherheit nicht förderlich.

    Ionenverschiebung: kein Mensch kann genau sagen, welchen Einfluß es auf die Aquarienbewohner hat. Sobald Du Meerwasser ansetzt und es eine Woche stehen läßt, hast Du Ausfällungen, die alle nicht messbar sind. Aber "ionenverschobenes" Wasser ist halt Charakteristikum von Meerwasseraquarien. Glaubst Du ernsthaft, das wenn eine Ionenverschiebung derart tragisch wäre, wir überhaupt Aquarientiere halten könnten? Natürlich kann man sehr viel Unsinn anrichten, wenn man bestimmte Methoden falsch anwendet und es gibt Aquarien, die genau deshalb schlecht stehen und sich nach einem Wasserwechsel deutlich besser zeigen.
    Da wir aber heute alle eingesehen haben sollten, das es sehr wichtig ist, Wasser regelmäßig zu wechseln, braucht man sich selbst bei einer fatalen Falschanwendung von Kalkwasser oder Balling keine großen Sorgen bereiten, außer das man sein Becken "suboptimal" und nicht optimal betreibt.

    Phosphatausfällungen durch Kalkwasser. Ich habe es bereits mehrfach gesagt: Man fällt sich Calciumphosphate aus, wenn Phosphat im Wasser vorhanden ist. Wenn man kein Phosphat im Wasser hat, und das sollte v.a. durch die erhältlichen Phosphatadsorber kein Problem mehr sein, fällt man sich auch nichts aus. Natürlich kann und soll man auf das Problem aufmerksam machen, aber es ist kein riesen Nachteil der Methode, weil man es eben umgehen kann.

    Ich halte es für viel schlimmer, wenn man durch die Falschanwendung der Balling-Methode starke Schwankungen im Calcium- und Carbonathaushalt erzeugt, als durch die getrennte und zeitlich unabhängige Zugabe von Calciumchlorid und Natriumhydrogencarbonat eine kleine Ionenverschiebung zu erzeugen, die man mit dem nächsten Wasserwechsel wieder relativiert. Deshalb die Empfehlung von mir.

    H Hersteller

  • hallo jörg,thomas und michael,
    ich hoffe nicht das ihr ein kleines problem untereinander habt, denn ich verstehe nur bahnhof, ich wollte eigentlich eine einfache antwort auf meine frage oder ist es nicht so einfach zu erklären !

    muss man die beiden balling flüssigkeiten immer im gleiche verhältnis einsetzten oder kann man durch unterschiedlichen einsatz von nahco3 oder cacl den kh wert und den ca -wert steuern.

    mfg matze

  • Zitat

    Original von Matze070:
    muss man die beiden balling flüssigkeiten immer im gleiche verhältnis einsetzten oder kann man durch unterschiedlichen einsatz von nahco3 oder cacl den kh wert und den ca -wert steuern.

    Zitat

    Original von Jörg Kokott
    Wenn man eine hohe KH hat, kann man sie mit Calciumchlorid runterbringen. Wenn sie niedrig ist, bringt man sie mit NaHCO3 wieder hoch.
    Ganz genau so, wie es auch Thomas schon schrieb.

    Hallo Matze,
    das steht doch deutlich da. Und nebenbei auch noch 'ne Menge Hintergrundwissen, damit man die Methode etwas besser versteht und vielleicht sogar begreift. :winking_face:

  • Thomas hat ja die entsprechende Passage zitiert. Danke Thomas :smiling_face:

    Ich will mal ganz allgemein etwas Grundsätzliches zur KH, Calcium- und Magnesiumgehalt erzählen... auch auf die Gefahr hin, jetzt alle zu langweilen, weil es wird wohl etwas länger werden ...

    TEIL 1 :grinning_squinting_face:

    KH: Die Karbonathärte entspricht per Definition dem Anteil an im Wasser gelösten Härtebildnern (die aquarisisch bedeutensten sind Ca2+, Mg2+, Sr2+), die aus der Auflösung von Carbonaten resultieren.

    Also: Im jedem natürlichen Wasser sind irgend welche Inhaltsstoffe gelöst. Diese Inhaltsstoffe wurden letztlich aus Sediment oder Gestein herausgelöst. Angenommen, es regnet in den Dolomiten. Dann fließt Regenwasser (niedriger pH-Wert, so um pH=5)über Dolomit-Gestein, also Kalkhaltiges Gestein. Dann wird sich aufgrund des sauren Regenwassers Kalk, also CaCO3, lösen. Das heißt, es liegt in ionscher Form vor: Ca2+ (Calcium-Kation) und CO32+ (Carbonat). Wenn wir jetzt die Gesamthärte des Wasser und die Karbonathärte des Wassers messen, wären beide Werte rein theoretisch identisch, weil alle Calcium-Ionen aus der Auflösung aus Carbonaten resultieren.
    In anderen Mischgesteinen sind aber z.B. neben Calciumcarbonaten auch noch Calciumsulfate vorhanden. Wenn sich beide lösen, dann erfassen wir (rein theoretisch) mit der Gesamthärtebestimmung sowohl die Sulfate wie auch die Carbonate, mit der Bestimmung der KH lediglich die Carbonate, so dass die Gesamthärte höher ist, als die Karbonathärte.

    Weil wir im Meerwasser einens sehr hohen Anteil an Sulfaten haben, wird die Gesamthärtebestimmung immer so hohe Werte zeigen, das wir die Gesamthärtebestimmung vernachlässigen können. Für uns ist nur die Karbonathärte von Bedeutung, und zwar aus folgendem Grund:

    Bei der biogenen Kalkfällung (Calcifizierung durch lebende Organismen wie Muscheln, Schnecken, Wirbeltiere (Knochen), Korallen, Kalkrotalgen ...) werden aus dem Wasser sowohl Calcium-Ionen als auch Hydrogencarbonat (HCO3-) oder Carbonationen (CO32-) räumlich zusammengebracht, und dann i.d.R. gezielt auf einer bestimmten "Unterlage" (=Matrix; vergleichbar mit einem Fundament, auf dem jetzt die Mauer hochgezogen wird) ausgefällt.
    Dabei sind die Mechanismen, wie die beiden Ionen räumlich zusammengebracht und kontrolliret ausgefällt werden, zwischen den verschiedenen Organismen unterschiedlich (Korallen machen das z.B. anders als Kalkrotalgen).

    Warum messen wir die KH:

    1) Mit der KH messen wir indirekt den "Carbonathaushalt" und können damit indirekt beurteilen, ob die Bedingungen für die Calcifizierung günstig sind oder nicht.

    2) Wenn die Karbonathärte hoch ist, haben wir entsprechend (logisch) viele Hydrogencarbonate/Carbonate im Wasser.
    Organismen können Calcium mit Carbonaten nur deshalb miteinander ausfällen/reagieren lassen, weil es vereinfacht gesagt die Chemie so vor sieht. Auch wenn wir keine Korallen oder Kalkrotalgen im Aquarium haben, bilden sich z.B. auf dem Heizstab oder in den Pumpen Kalkablagerungen. Warum? Weil auch im Wasser irgendwann Calcium und Carbonate räumlich einander näher kommen und beide miteinander reagieren, und dabei ausfallen. Ausfallen heißt: Wenn eine chemische Reaktion zwischen zwei in Wasser löslichen Substanzen stattfindet, das Produkt aus dieser Reaktion jedoch schlecht wasserlöslich ist, dann wird es aus der Flüssigen Phase austreten und als Festsubstanz sichtbar werden und sedimentieren. Kalk ist wasserunlöslich, das wissen wir von der Waschmaschine und vom Badezimmer, deshalb gibt es Kalkkrusten.

    Das Problem ist die räumliche Nähe zwischen den Substanzen. Wenn wir in einem 100 L Becken 1 Calciumion und 1 Carbonationen haben, dauert es wahrscheinlich 1000 Jahre, bis sich beide mal zufällig treffen. Wenn wir 1 Calciumion und 1 Millionen Carbonationen in diesem 100 L Becken vorfinden, dann dauert es vielleicht 30 Minuten, bis das Calciumion auf ein Carbonation trifft und beide miteinander reagieren und das Produkt ausfällt.

    Wenn also die KH hoch ist, also viele Carbonate im Wasser gelöst sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, das Calcium und Carbonate miteinander reagieren.

    Wenn wir also unseren Kalkreaktor voll aufdrehen, dann werden wir eine Menge Kalk lösen. Aber gleichzeitig wird die KH sehr stark ansteigen, dabei wird entsprechend die Wahrscheinlichkeit höher, das Ca2+ mit CO32- reagiert, und es wird dann so lange Calciumcarbonat ausfallen, bis beide Ionen im Wasser so weit "ausgedünnt" sind, das sie nicht mehr so wahrscheinlich miteinander reagieren.
    Konsequenterweise haben wir uns durch diese Maßnahme wieder alles Calcium ausgefällt, was wir durch den Kalkreaktor zuführen wollten, vielleicht sogar noch mehr.

    Genau so ist es mit Balling: Je mehr wir von der NaHCO3-Lösung ins Wasser kippen, desto höher wird die KH ansteigen und desto mehr werden wir uns die "mühsam" zusodierten Calciumionen wieder ausfällen.

    Das ganze ist nur ein oberflächlicher Überblick und insgesamt noch etwas komplizierter, weil der pH-Wert noch eine wichtige Rolle spielt.

    Wenn wir einen hohen Calciumgehalt haben, sagen wir mal 480 mg/L, dann funktioniert das meistens nur, wenn gleichzeitig die KH niedrig ist. Warum? Wären mehr Carbonationen vorhanden, würde die Ausfällung von Kalk wahrscheinlicher und ein solch hoher Calciumwert wäre gar nicht stabil. Also, wenn der Calcium-Gehalt zu hoch ist, gibt man Carbonate zu, z.B. Natriumhydrogencarbonat. Dadurch erhöht man sich die KH, mehr Carbonate liegen vor und reagieren mit dem Calcium zu Kalk, dieses fällt aus, landet in der Dekoration und folglich sinkt der Calciumgehalt. Natürlich sinkt dabei auch die KH wieder, weil ja Carbonate als Bestandteile des Kalkes mit ausgefällt werden.

    Andersherum: Eine hohe Carbonathärte ist meist nur dann stabil, wenn der Calciumgehalt niedrig ist. In diesem Falle geben wir Calciumchlorid hinzu, entsprechend höher wird der Calcium-Gehalt und wiederum wird die Wahrscheinlichkeit für die Kalkausfällung sehr hoch. Folglich sinkt sowohl die KH als auch wieder der Calciumgehalt.

    H Hersteller

  • Teil 2 :grinning_squinting_face:

    Nun zur Frage von Matze.

    Angenommen Du hast einen Calciumgehalt von 360 mg/L und eine KH von 6 °dKH. Die KH ist niedrig und der Calciumgehalt ist niedrig. Warum?
    Entweder Deinen Kalkrotalgen und Steinkorallen wachsen gut und entziehen dem Wasser sowohl Calcium als auch Carbonate, dadurch sinken beide Werte.
    Oder Du hast irgendwann mal dem Becken zu viel Carbonate zugeführt, z.B. durch den falschen Einsatz eines Kalkreaktors, dann fallen Dir entsprechend auch Calciumcarbonate aus und beide Werte sinken.

    Jetzt willst Du die Werte mit der Balling-Methode wieder ins rechte Licht führen.
    Also dosierst Du Calciumchlorid hinzu, und zwar genau so viel, wie Du ausgerechnet hast, um einen Wert von 420 mg/L zu erhalten. Das gibst Du an einem Tag komplett hinzu. Dann mißt Du Ca2+ und die KH, stellst fest, nur 400 mg/L und KH = 4°dKH. Das zeigt dann, das einiges des zudosierten Calciums mit im Wasser vorhandenen Carbonaten zu Kalk regiert hat und ausgefällt wurde.
    Eine KH von 4°dKH ist zu niedrig. Also gibst Du jetzt Natriumhydrogencarbonat zu, und zwar nur so viel, bis die KH bei 7°dKH angelangt ist. Würdest Du weiter gehen, könnte wieder Calciumcarbonat ausfallen. Deshalb wartest Du einen Tag, bis die Organismen Calcium und Carbonate zur Skelettbildung verbraucht haben, und dadurch die KH wieder sinkt. Dann gibst Du am nächsten Tag wieder NaHCO3 hinzu und erhöhst den Wert wieder auf 7°dKH. Und das, bis die von Dir ausgemessenen Masse an NaHCO3 verbraucht ist.
    Natürlich ist bis dahin auch der Calciumgehalt wieder gefallen und Du berechnest von neuem.

    Warum messen wird den immer einen Wert für die KH. Die Carbonate in unserem Wasser resultieren entweder aus der langsamen Auflösung des kalkhaltigen Riffgesteins, aber der Hauptteil der Carbonat resultiert aus dem CO2, was aus der Luft z.B. über die Wasseroberfläche oder den Eiweissabschäumer ins Wasser eingetragen und dort gelöst wird.
    CO2, Kohlendioxid, reagiert zu einem bestimmten, geringen Anteil mit Wasser zu Kohlensäure, H2CO3. Diese Kohlensäure "zerfällt" dann zu Hydrogencarbonat, HCO3- und weiter zu Carbonat, CO32-. Dabei wird jedes Mal ein Protein, H+, abgespalten. H+ ist "Säure" und wird den pH-Wert des Wassers herabsetzen. Deshalb wird unsere Osmosewasser zum Ansatz von Meerwasser sauer, wenn wir Kohlensäure-/CO2haltiges Mineralwasser benutzen.

    Wir haben also über die Luft einen ständigen Eintrag von "Karbonathärte", so dass diese immer einen Wert von 3-4°dKH in einem Riffaquarium aufweist.

    Lange Rede kurzer Sinn:

    Man kann durchaus "blind" Calciumchlorid dosieren (ohne eine bestimmte Masse abzuwiegen), dann den Calciumgehalt messen und so lange nachdosieren, bis der Calciumgehalt bei 420 mg/l ist. Dann kann man so lange NaHCO3 ins Becken schütten, bis die KH etwa 7 oder 8°dKH beträgt. Wenn man das so macht, macht man eigentlich nichts falsch, vorausgesetzt, man macht regelmäßig einen Wasserwechsel und gleicht das NaCl aus, das man durch das Calciumchlorid und Natriumhydrogencarbonat ins Becken mit einbringt.

    Wenn die KH zu niedrig ist, dann sollte man nicht erst die KH erhöhen, sondern erst auch mal Calcium messen. Wenn nämlich die KH niedrig ist, dann ist meistens auch der Calciumgehalt niedrig. Man dosiert also lieber erst mal Calicum, bis ein gewünschter Wert vorliegt, und dann NaHCO3.

    Wenn der Calciumgehalt zu hoch ist, dann ist meistens die KH zu niedrig. In diesem Falle gibt man so lange NaHCO3 hinzu, bis die KH etwa bei 7-8°dKH liegt, dadurch wird der Calicumgehalt etwas abfallen und die KH ist wieder in Ordnung.

    Wenn man also noch nicht oder lange nicht mehr mit der Balling-Methode gearbeit hat und solche Ungleichgewichte zwischen KH und Calciumgehalt besitzt, dann muß man erst mal für "reinen Tisch" sorgen, und so vorgehen wie eben beschrieben.
    Wenn dann der Calciumgehalt und die KH richtig ist, macht man erst mal 10-15% Wasserwechsel.
    Und dann fängt man mit der "kontrollierten" Balling-Methode an.

    Wahrscheinlich gähnen jetzt alle, die bis hierhin weitergelesen haben, aber vielleicht war es für den ein odere anderen nützlich.

    Zum Magnesium:

    Magnesium wird zwar auch von Organismen verbraucht, u.a. auch für den Skelettaufbau, aber niemals und auch nur annähernd so, wie beim Calcium.
    Auch reagiert Magnesium mit Carbonaten nicht so "extrem" wie mit Calcium, weil Magnesiumcarbonate in Wasser besser löslich sind. Aber das Magnesium macht eines, was sehr wichtig ist.

    Es hält Calcium in Lösung, in dem es sich räumlich um das Calciumion "anlagert" und dadurch das Calcium"festhält".

    Wir haben mit etwa 1400 mg/L eine mehr als dreifach höhere Magnesiumkonzentration im Meerwasser als Calcium. Rein theoretisch treffen also auf ein Calciumion drei Magnesiumionen.
    Wenn wir also nur 800 mg/L Mg2+ im Becken haben, dann treffen nur noch etwa 2 Mg2+ auf ein Calcium, diese können das Calcium nicht so gut festhalten und entsprechend schneller kann Calcium mit Carbonaten reagieren und ausfallen.

    Deshalb ist es wichtig, einen optimalen Magnesiumgehalt zu stabilisieren, um damit den Calciumgehalt zu stabilisieren.

    H Hersteller

  • Hallo Jörg,

    bedeutet das dann, wenn ich in meinem neue eingerichteten Becken die momentanen Werte (Ca = 340, Mg = 980) anheben möchte, dann muß ich mit Mg anfangen und erst den Ca-wert????

    MfG, Frank


    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
    Bremsen ist die Umwandlung hochwertiger Geschwindigkeit in sinnlose Wärme....

  • Zitat

    Original von iXware
    Hallo Jörg,

    bedeutet das dann, wenn ich in meinem neue eingerichteten Becken die momentanen Werte (Ca = 340, Mg = 980) anheben möchte, dann muß ich mit Mg anfangen und erst den Ca-wert????

    Ja, genau, wobei das bei Deinen Werten schon recht viel Magnesium sein wird, was Du dann ins Becken kippen mußt. Ich würde erst mal Magnesium so auf 1200 mg/L bringen. Danach Calcium auf 380 - 390 mg/L. Dann am nächsten Tag morgens mit NaHCO3 die KH auf 7-8°dKH anheben, dann abends Mg weiter auf 1400 mg/L und Calicum auf 420 mg/L.
    Dann nach und nach den Rest NaHCO3.

    Wenn's fertig ist, 10 % Wasserwechsel.

    H Hersteller

  • Hallo alle zusammen,

    ich habe auch ca. ein halbes Jahr Ballingflüssigkeiten zugegeben. Da mir das ganze zu viel wurde, bin ich auf BioCalcium umgestiegen und bin voll damit zufrieden. Ich habe mit Hans-Werner darüber gesprochen, es erhöht gleichzeitig die KH und den Calciumgehalt und bewirkt keine Ionenverschiebung. So halte ich die KH bei 7-8 °dH und den Ca-Gehalt bei 430-460 mg/l. Habe auch mal den Preis verglichen, ist etwa genau so teuer wie die Ballingsalze. Wie Jörg schon schrieb, löst es sich sehr gut.

    Viele Grüße Ines

  • Hallo zusammen,

    ich kann zwar der Diskussion nicht mehr ganz folgen, aber die Aussagen in der Koralle und im Sindelfingen-Manuskript auf Roberts Homepage sind folgende: Wenn man eine zu hohe KH feststellt, im Verhältnis zum Calcium-Wert, kann man die KH senken und Ca erhöhen, indem man Calciumchlorid oder die entsprechende Lösung alleine oder zusätzlich dosiert.

    Eine Ionenverschiebung, die sich gravierender als das vorher vorhandene KH/Ca-Ungleichgewicht auswirkt, ist nicht zu befürchten.
    Aber, wie Jörg schon sagte, was das angeht bewegen wir uns teilweise in nicht messbaren bereichen.
    Die Maßnahme ist aber eher als ein zurechtrücken des Ionengleichgewichtes zu sehen.

    Wenn ich, wie Jörg die Methode in Pulverform anwenden würde, würde ich es wohl so wie er machen. Seine Hintergrundinformationen sind plausibel.

    Bei Lösungen ist die Gefahr von Ausfällungen geringer, insbesondere, wenn man jeweils nur ein paar ml über Dosierpumpe dosiert. Ich habe deshalb immer beide Dosierpumpen über EINE Zeitschaltuhr angesteuert.

    Grüße

    Hans-Werner

  • Hallo Hans-Werner,

    Ich habe deshalb immer beide Dosierpumpen über EINE Zeitschaltuhr angesteuert.

    ... womit Du meinst, das Du unabhängig von der Tageszeit beide Lösungen gleichzeitig dosierst, nur an unterschiedlichen Stellen im Aquarium, also räumlich getrennt?

    H Hersteller

  • Vierzehn (alle bei der elektronischen Zeitschaltuhr möglichen) Einstellungen über den Tag verteilt. Stündlich von morgens sechs bis abends sieben Uhr.
    Der "Aquarientag" entsprach etwa dem normalen Tag. (7 - 19 Uhr)

  • Zitat

    Original von Hans-Werner
    Vierzehn (alle bei der elektronischen Zeitschaltuhr möglichen) Einstellungen über den Tag verteilt. Stündlich von morgens sechs bis abends sieben Uhr.
    Der "Aquarientag" entsprach etwa dem normalen Tag. (7 - 19 Uhr)

    Ok, das wollte ich noch hören.

    Also besteht hier zwischen uns eine etwas unterschiedliche Meinung, so dass sich letztlich jeder für die Variante entscheiden sollte, die für ihn am passensten, einfachsten und plausibelsten ist. Ich denke, das hier der praktischen Erfahrung eine wichtige, vielleicht auch übergeordnete Rolle zukommen sollte. Ich fahre mit "meiner Variante" bisher einwandfrei, den anderen geht es sicher genauso mit ihrem Vorgehen. Und Hauptsache, es wächst ...

    Damit wäre das Thema glaube ich auch in seinem ganzen Umfang behandelt, es sei denn, es besteht noch Diskussionsbedarf.

    H Hersteller

  • Hallo Jörg,

    Zitat

    Original von Jörg Kokott
    Ja, genau, wobei das bei Deinen Werten schon recht viel Magnesium sein wird, was Du dann ins Becken kippen mußt. Ich würde erst mal Magnesium so auf 1200 mg/L bringen. Danach Calcium auf 380 - 390 mg/L. Dann am nächsten Tag morgens mit NaHCO3 die KH auf 7-8°dKH anheben, dann abends Mg weiter auf 1400 mg/L und Calicum auf 420 mg/L.
    Dann nach und nach den Rest NaHCO3.

    Wenn's fertig ist, 10 % Wasserwechsel.


    um den Ca-Wert anzuheben wollte ich die Ballingmethode anwenden und so mit die fehlenden 28g Ca bei ca 350LWasser zu ersetzen. Wenn ich richtig gerechnet habe fehlen bei einem Ca-Wert von 340mg ca 80mg/L Ca und bei 930mg Mg fehlen ca 470mg/L Mg um die optimalen Werte zu erreichen.

    Die Mg-Menge, die ich erreichnet habe um die fehlenden 164,5g Mg nachzudosieren, ist schon gigantisch:

    1247g MgCl2 x 6H2O und
    156,3g MgSO4 x 7H2O)

    ist das ok, wenn ich die Menge in 5L Wasser auflöse?

    um den Ca. anzuheben würde ich folgende Mengen verwenden:

    103,6g CaCl2 +2H2O,
    117,6g NaHCO3 und
    35g Preis Mineralsalz

    kann jemand meine Rechnungen bestätigen?

    MfG, Frank


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    Einmal editiert, zuletzt von iXware (13. Januar 2003 um 11:06)

  • ist das ok, wenn ich die Menge in 5L Wasser auflöse?

    ==> Für Magnesium? Ja, das reicht dicke aus. Kannst ja erst mal in drei Liter probieren, wenn es sich nicht gut löst, erhöhst Du halt das Volumen um einen weiteren Liter. Sollte aber eigentlich mit maximal fünf Liter hinhauen.


    Die Mg-Menge, die ich erreichnet habe um die fehlenden 164,5g Mg nachzudosieren, ist schon gigantisch:

    1247g MgCl2 x 6H2O und
    156,3g MgSO4 x 7H2O)

    um den Ca. anzuheben würde ich folgende Mengen verwenden:

    103,6g CaCl2 +2H2O,
    117,6g NaHCO3 und
    35g Preis Mineralsalz

    kann jemand meine Rechnungen bestätigen?[/quote]


    ==> Also, ich komme auf 102,7 g CaCl2 x 2H2O: (147,1 g/mol / 40,1 g/mol) * 28 g = 102,7 g. Aber das ist egal, runde auf 103 g auf und fertig.

    Mg ist richtig berechnet.

    H Hersteller

  • Hallo Jörg,

    ich danke dir.


    Was würd ich nur ohne diese Forum machen???

    MfG, Frank


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  • Hallo Frank,

    zum Berechnen der notwendigen Mengen an Calciumchlorid-Dihydrat, Natriumhydrogencarbonat und NaCl-freiem Meersalz um den Ca-Wert auf einen bestimmten Wert zu bringen, hat mir Jörg Kokott beim Erstellen folgender Excel-Tabelle geholfen:

    http://www.riffaquarium.de/balling.xls

    Macht das Rechnen etwas einfacher :grinning_squinting_face:
    Gruß
    Steffen

    Einmal editiert, zuletzt von Steffen P. (13. Januar 2003 um 13:08)

  • Hallo Frank

    Betrachte es als Warnung und lasse dir sehr viel Zeit das Magnesium so nach zufüllen. Das geht so schief, da verwette ich einiges wenn du denkst das geht an einem Tag oder Woche.

    Ich hoffe das ist noch verständlich.

    1,2 Kilo!!!!!!

    Mfg Michael Hannig

    angefügt

    Der Rechner empfielt mir bei einer Anhebung von 350 auf 420 mg/l doch glatt 256 gr Calziumchlorid aufeinmal zuzugeben. Das wäre mir auch viel zu gefährlich. Andert mal mit "Wenn/dann" die Bedingung wie wieviel man auf einmal von was zugeben kann.

    Einmal editiert, zuletzt von Michael Hannig (13. Januar 2003 um 13:22)

  • Hans-Werner:

    Zitat

    Vierzehn (alle bei der elektronischen Zeitschaltuhr möglichen) Einstellungen über den Tag verteilt. Stündlich von morgens sechs bis abends sieben Uhr.
    Der "Aquarientag" entsprach etwa dem normalen Tag. (7 - 19 Uhr)

    Jörg:

    Zitat

    Das Natriumhydrogencarbont grundsätzlich nur morgens, vor Einschalten der Beleuchtung, wenn der pH-Wert niedrig ist.
    Wegen des niedrigen pH-Wertes bleibt das Hydrogencarbonat-Ion länger stabil und dissoziiert nicht so schnell zum Cabonat-Ion, CO32-. Vereinfacht gesagt, wenn Calcium mit zwei Hydrogencarbonat-Ionen regiert, dann bildet sich ein in Wasser gut lösliches, allerdings nicht lange stabiles Produkt: Ca(HCO3)2. Wenn Carbonat mit Calcium reagiert, dann ist dies eine Fällungsreaktion, das heißt das Produkt ist in Wasser schlecht löslich und fällt als Niederschlag aus (das passiert dann letztlich auch bei der Calcifikation, dort aber eben kontrolliert).

    Deshalb nur morgens, und keinesfalls das Calcium füf Minuten später. Ich würde das Calcium erst Nachmittags oder am frühen Abend dosieren. Also zeitlich völlig getrennt.

    Hans-Werner,

    wo liegt der Vorteil, das nur tagsüber zu dosieren?

    Bei der GroTech Dosieranlage lässt sich eine kontinuierliche Dosierung nur über den ganzen Tag verteilt einstellen (also auch nachts). Mann kann auch jede Flüssigkeit einmalig - 24malig dosieren

    Wie sollte man diese Dosierung denn nun am besten durchführen? :confused_face:

    Andre

  • Hallo Jörg,

    Zitat

    Original von Jörg Kokott
    Wenn wir also unseren Kalkreaktor voll aufdrehen, dann werden wir eine Menge Kalk lösen. Aber gleichzeitig wird die KH sehr stark ansteigen, dabei wird entsprechend die Wahrscheinlichkeit höher, das Ca2+ mit CO32- reagiert, und es wird dann so lange Calciumcarbonat ausfallen, bis beide Ionen im Wasser so weit "ausgedünnt" sind, das sie nicht mehr so wahrscheinlich miteinander reagieren.
    Konsequenterweise haben wir uns durch diese Maßnahme wieder alles Calcium ausgefällt, was wir durch den Kalkreaktor zuführen wollten, vielleicht sogar noch mehr.

    Wenn nun ein Kalkreaktor als Grundlast mitläuft, würdest Du diesen dann so einstellen, daß die KH im richtigen Bereich ist, und ein zu wenig an Calcium mit Calciumchlorid nachführen? Oder wäre es besser den Kalki auf korrekten Calciumgehalt zu optimieren und den KH dann anderweitig zu optimieren?
    Das alles unter der Annahme, daß bei einer Kalkreaktor/Becken-Kombination eine korrekte Einstellung beider Werte schlecht hinzukriegen ist (ich kann z.B. bei meinem Becken über den Kalki Calcium und Magnesium sehr schön halten, jedoch ist der KH dann schon Richtung 11)

    Gruß Ralf :grinning_squinting_face:
    {400l-Riff,Aquastar-automatisiert,HQI 2x150W+Blau/Mondlicht,Ström.-Ebbe/Flut/Wellen,Kalkreaktor,Ozon,UV,Stand+Dichte-Regelung mit autom. Wasserwechsel,Titan-Kühler,Rieselfilter,Zeovit,autom. Plankton+Spurenelemente/Aminosäuren-Dosierung}

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