Hallo Paulie,
der Weißkehldoc, wie alle anderen Acanthurus-Arten auch, sind etwas empfindliche Fische, die sehr schnell vom Transport oder Fang einen Schleimhautschaden davon tragen. Ich kenne natürlich die Aussagen, dass Weißkehldocs und andere schnell Pünktchen bekommen.
Zitat
Viele meinen ja, dass der Erreger irritans immer im Becken ist und nur die schwächsten Fische befallen werden. Aber diese Theorie ist ja eigentlich falsch, wie ich das verstehe und wie ich das teilweise wohl auch schon erfahren habe.
Richtig, C. irritans, der Erreger der Pünktchenkrankheit ist nicht immer im Becken! Nur wenn er einen geeigneten Wirtsfisch infizieren kann, dann hält sich der Erreger im Becken. Er sitzt also nicht viele Wochen und Monate irgendwo im Sand oder auf Steinen und wartet darauf, dass wieder neue Fische zugesetzt werden, die dann plötzlich über Nacht weiße Pünktchen zeigen. Wenn das Becken vorher absolut frei war von dem Erreger, dann haben immer die neuen Fische den Erreger mitgebracht.
In der Praxis erlebt man aber auch folgende Geschichte. Und an diesem Beispiel sieht man, wie komplex die Abläufe in einem Aquarium sein können und warum man manche Rätsel lösen muss, um das Geschehen zu verstehen. Ich habe die Geschichte deshalb auch etwas ausführlicher beschrieben, weil die Herkunft mancher Krankheiten eher einer "Detektivgeschichte" ähnelt:
In einem Becken lebt eine Fischgesellschaft, die bereits seit einigen Monaten dort zusammenlebt und kein Anzeichen von Krankheiten zeigt. Ganz selten tauchen immer mal wieder sporadisch einige Pünktchen auf, aber merkwürdigerweise vermehren sie sich nicht und die Fische zeigen auch keine Symptome einer Krankheit. Der Besitzer des Beckens hat sich damit "arrangiert", kennt aber die eigentlichen biologischen Hintergründe nicht. Jetzt kommt noch hinzu, dass er noch nicht einmal eine UV-Anlage hat und trotzdem bleibt es bei vereinzelten Pünktchen, die keinen Schaden anrichten, aber auch nie ganz verschwinden. Dann tritt plötzlich eine Änderung in diesem "Gleichgewicht" ein. Er kauft neue Fische, setzt sie ein und jetzt ist er da! C. irrtans zeigt sich in Form von vielen neuen Pünktchen nur auf den neu zugesetzten Fischen! Die Fische sehen schlimm aus. Sie atmen heftig, sind apathisch, gehen nicht mehr ans Futter. Die Pünktchen werden immer mehr, einige Fische sterben - alle alten Fische zeigen nur vereinzelt Pünktchen, manche haben gar keine und vor allem, sie sind putzmunter! Der Aquarianer versteht die Welt nicht mehr. Schon wieder schlechte Fische gekauft! Das muss doch wohl am Händler liegen ?
Was ist hier passiert? Nun, der alte Bestand wurde von einer bestehenden und latent im Becken vorhandenen C.irrtans-Infektion immer mal wieder infiziert. Aber der Erreger konnte sich nicht ausbreiten. Seine Vermehrungsrate lag am absolut unteren Level, so dass er gerade noch in dem Becken überleben konnte und nicht ganz ausgestorben ist. Alle Fische hatten nämlich die Infektion früher bereits durchgemacht und überlebt. Sie hatten gegen den Erreger einen hohen Antikörperspiegel im Blut gebildet und alle Neuinfektionen wurden erfolgreich von dem Immunsystem der Fische abgewehrt. Die sporadisch weiterhin über vereinzelte C.irritans erfolgten Attacken auf die Fische verhinderten den Abbau der wichtigen Antikörper und das Immunsystem wurde immer wieder neu trainiert. Die "alten" Fische waren dadurch sehr gut geschützt. Die neu hinzu gekauften Fische hatten diesen Schutz aber nicht. Jeder einzelne Erreger konnte sich hier erfolgreich ansiedeln und nach mehreren Vermehrungszyklen war ihre Anzahl so angestiegen, dass die neuen Fische massiv infiziert wurden und erkrankten.
Natürlich sollte man jetzt nicht auf den Gedanken kommen, Krankheitserreger ständig in geringer Anzahl im Becken zu halten, damit die Fische ihr Immunsystem trainieren können. Es gibt viel zu viele Einflußgrößen, die eine deratige Situation schnell eskalieren lassen. Und nach ca. 6 Monaten ohne Infektion haben die meisten Fische bereits keinen Immunschutz mehr gegen C.irritans. Besser ist auf jeden Fall eine vorgeschaltete Quarantäne von 6-8 Wochen, um die Erreger erst gar nicht ins Becken zu bekommen.