Seemandelbaumblätter

  • Hallo,

    da die Suchfunktion hierzu nichts ausspuckt, eröffne ich mal diesen Thread.

    In der Süßwasseraquaristik werden schon lange die Blätter des Seemandelbaumes (Terminalia catappa) zur Behandlung unterschiedlichster Krankheiten und zur Vorsorge eingesetzt. Da ich selber schon etliche positive Erfahrungen in eigenen Becken und denen von Vereinsfreunden erlebt habe (Süßwasser), dachte ich mir das es evtl. eine interessante Alternative für andere Medikamente im Seewasser sein könnte.

    Ich sehe nur eine Gefahr in einer leichten Ansäuerung des Wassers, die aber bei der üblichen Dosierung (zwei Blätter auf 100 Liter) eher gering ausfallen dürfte. Gibt es einen Grund das diese noch nicht im Seewasser eingesetzt werden?
    Vorallem Pilzerkrankungen könnten damit schonend behandelt werden, und das vielleicht sogar korallenverträglich?

    Wenn jemand hier schon irgendwelche Erfarungen mit Seemandelbaumblättern gesammelt hat, würde ich mich über einen Erfahrungsbericht sehr freuen.

    Gruß
    Benjamin

  • Hallo Benjamin,


    Seemandelblätter werden in der Tat vielfältig bei Süßwasserfischen zur Zucht, zur Herstellung naturnaher Wasserverhältnisse bei Schwarzwasserfischarten und zur Behandlung von leichten Krankheitsbildern verwendet.

    Der Effekt beruht auf der Abgabe von Taninnen und anderen Gerbstoffen, zudem wird das Wasser mit der Zeit angesäuert, d.h. der pH-Wert geht bei dem häufig eingesetzten Weichwasser für z.B. Amazonasfischarten langsam in Richtung "sauer" (pH 5-6). An Amazonas-Nebenflüssen im Schwarzwasserbereich habe ich schon Werte von pH 4,5-4,8 und eine Gesamthärte von <1°dGH bzw. eine Leitfähigkeit von 2-8 µS/cm gemessen. Daher muss man beim Einsatz dieser Blätter im Weichwasserbereich (Osmosewasser) mit sehr geringer Karbonathärte extrem vorsichtig sein, da der pH-Wert sonst leicht in einen für Fische tödlichen Bereich absinken kann (Säurekrankheit).

    Früher hat man Erlenzapfen bzw. ganz einfach Eichenblätter gesammelt und diese ins Wasser gegeben. Ähnliche Effekte bekam mit der Filterung über Schwarztof. Ich selbst habe viele Jahre im Großhandel den roten Neonsalmler (Paracheirodon axelrodi) so als Wildfang eingewöhnt. Wenn keine Blätter verfügbar waren, tat es aber auch ersatzweise eine Ansäuerung mit verdünnter Phosphorsäure.

    All diese Verwendungen sind aber für die Verhältnisse im Meerwasser wenig tauglich bis schädlich für die Wasserchemie bzw. werden von dem stark gepufferten Meerwasser einfach wegkompensiert. Daher hat sich der Einsatz der Seemandelblätter bisher hier wohl nicht etablieren können. Manche Seemandelblätter können auch gefährlich wirken. Wenn sie zu früh geerntet wurden, befinden sich noch fischschädliche Stoffe, ähnlich agressiv dem Teebaumöl, in den Blättern. Über das einigen und Trocknen in alten Telefonbüchern wird in Indien häufig auch viel schädliche Druckerschwärze in bzw. auf die Blätter gebracht.

    In Süßwasserforen werden den Blättern inzwischen leider oft viel zuviel gute Eigenschaften zugeschrieben- und der Beweis fehlt meistens. Das endet dann mit der pauschalen Behauptung, ein Blatt ins Aquarium und man ist alle Sorgen los. Wie gesagt, schon mein Großvater hat Pilzerkrankungen und Flossenfäule mit Eichenblättern bzw. selbstgebrauten Eichenextrakten behandelt. Heute sind die Seemandelblätter "in" und die alten Techniken werden mehr und mehr vergessen.

    Sehr informativer Link zum Thema Seemandelblätter

    englische Bezeichnung für Seemandelblätter: Terminalia Catappa Leaves

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hi Torsten

    Auf den Philippinnen heisst der Baum TALISAY und wächst auch an der Küste
    Die Blätter werde da verbrannt weil die Bäume eine unglaubliche Zahl an Blättern entwickeln :winking_face:
    Wir haben die auch schon zur besten Zeit kofferweise mitgenommen und der Zöllner hat echt gedacht
    das es was verbotenes ist ggg

    Die Blätter wirken nicht in Salzwasser sondern in den Ebbetümpeln wo zuviel Blätter lagen waren
    die meisten Tiere bis zur nächsten Flut tot.

    Gruss Claude

  • Hallo,

    Danke euch für die ausfühlichen Antworten.

    Ich kann zwar falsch behandelte Blätter ausschließen, da ich seit drei Jahren einen eigenen Baum pflege, aber wenn es dennoch keine Wirkungen ergibt die wir uns wünschen dann ist es natürlich sinnlos. Schade, aber interessant.

    Übrigens habe ich schon Heilungserfolge im Süßwasser erlebt, die mit Erlenzäpfchen und Eichenlaub nicht funktioniert hätten. Die Blätter säuern ja nicht nur an, sondern enthalten Wirkstoffe wie Tomatin u.a. die unseren einheimischen Arten fehlen.

    Gruß
    Benjamin

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