Hallo zusammen,
mir persönlich ist MAS (Motile Aeromonas Septicemia) bisher nur aus Hochleistungs-Aquakulturen mit Süßwasser und Brackwasser bekannt - dort vor allem bei der Tilapienhaltung.
So wie die Fische aussehen, haben sie eine massive Infektion mit Ektoparasiten und wahrscheinlich ebenso eine bakterielle Infektion der Schleimhaut und der Kiemen.
Die geschilderten Symptome wie "stark und schnell schnaufte, starkes, schnelles und ruckartiges/würgendes Atmen und bei fast allen Fischen starkes, schnelles Atmen und Punkte oder grauen, trüben belag auf der Schleimhaut oder große weiße Flecken (wie Schimmel) im Kopf-und Kiemenbereich" deuten auf eine massive Schädigung und Beeinträchtigung der Kiemenfunktion hin. Die zuletzt gemachte Beobachtung grauen trübe Beläge und große weiße Flecken (wie Schimmel) ist wahrscheinlich die optische Umsetzung der Reaktion des Fisches auf die Ektoparassiten bzw. die bakterielle Infektion. Weiße Flecken sind evtl. schon nekrotisches Gewebe, welches dann schnell von Pilzen besiedelt wird.
Leider wird man ohne mikroskopische Untersuchung der Haut und der Kiemen eines noch lebenden Fisches nur Vermutungen anstellen können. Ich glaube nicht, dass es sich hier um eine Vergiftung handelt. Merkwürdig ist nur der gedehnte Zeitraum, indem die Fische nach und nach umkippen. Auch dass offensichtlich zwischendurch über einen kurzen Zeitraum (Krankenhausaufenthalt) keine weiteren Verluste zu verzeichnen waren ?
Für mich klingt der Verlauf zugegeben etwas untypisch nach einer eingeschleppten Oodinium-Infektion in deren Fahrwasser aber noch andere Parasiten mitschwammen. Deutlich sichtbare Punkte weisen zumindest auch auf Cryptocaryon irrtitans hin. Da ich die technische Ausstattung und die Besatzhistorie nicht kenne, ist eine genaue Analyse so kaum möglich. Gesunde Fische, die weder gestresst noch über Schadstoffe geschwächt waren und schon einige Jahre im Becken leben, sind i.d.R. parasitenfrei. Auch ein paar fischpathogene Aeromonaden können dort nicht angreifen, sollten sie mit Transportwasser o.ä. mitkommen - in Aquakulturen liegt eine Hochleistungsmast mit maximaler Nährbodenfracht und sehr enger Besetzung und Stress vor - diese Verhältnisse sollten nicht in ein privates MW-Becken übertragbar sein.
Ich stimme Claude zu, dass enge Haltung beim Zwischenhändler bzw. im Transportbeutel extrem hohe Bakterienzahlen begünstigt und diese dann verheerend wirken können - aber diese Infektionen kommen meistens erst in der zweiten Welle, wenn Parasiten wie Oodinium oder Cryprocaryon ihnen die Pforten geöffnet haben.
Leider häufen sich in letzter Zeit derartige Meldungen über Totalverluste in gut eingefahrenen Becken mit langjährigem Fischbestand und Gegenmassnahmen sind meistens sinnlos oder kommen viel zu spät. So kann ich hier nur hypothetisch die Frage stellen, ob dieser Verlauf auch eingetreten wäre, wenn die neu eingesetzten Fische zuvor in Quarantäne gehalten worden wären ?
MAS