Zum Thema Anemonen moechte ich auch etwas schreiben.
Ich habe mich seinerzeit darum bemueht, meinen beiden wildgefangenen Amphiprion ocellaris eine Anemone anzubieten. Im Internet gab und gibt es (soweit ich weiss) immer noch eine kurze englische online-Fassung des Standardwerkes (es gibt uebrigens fuer jedes Thema ein Standardwerk...) ueber Anemonenfische und ihre symbiontischen Anemonen von Fautin & Allen. Mittlerweile habe ich die letzte Ausgabe der Originalfassung, die ist nicht mehr 10 Jahre alt sondern nur 1 oder 2, aber viel anderes steht da nicht drin, was auch?) Buecher veralten, dass stimmt, heisst aber nicht das sie dadurch schlecht sind. Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Warum sollte alte Literatur schlecht sein. Es gibt jede Menge neue Riffaquaristikbuecher wo sachen drin stehen, ueber die man nur den Kopf schuetteln kann, meistens weil wirklich (wortwoertlich) abgeschrieben wird, das wurde ja bereits schon gesagt.
Apropos Internet: diese Tabelle die Du da am Anfang gelinkt hast, die ist total fuer die Fuesse, weil Amphiprion clarkii da gar nicht aufgefuehrt ist, der in diese Anemone in der Natur sehr wohl geht (ist uebrigens der einzige Anemonenfisch, der in alle tropischen Symbioseanemonen geht). Soviel zum Thema Schrott im Internet... Es gibt kein Medium wo so viel Mist erzaeht wird wie im Internet, mehr sag ich dazu nicht.
Jedenfalls habe ich mir bei Fautin & Allen rausgeschaut, mit welchen Anemonen A. ocellaris zusammenlebt, dass sind Heteractis magnifica, Stichodactyla gigantea und Stichodactyla mertensii. S. gigantea wird zu gross, S. mertensii ist selten im Handel, also hab ich mir eine H. magnifica gekauft. Bei meinem damaligen Grossaquaristik-Laden hat dann der Verkaeufer die Anemone vom Substratstein gekratzt, eingetuetet und nach nicht mal 5 Tagen war die Anemone hinueber. Das gleiche passierte mir mit einer zweiten Anemone, die von meinem neuen Haendler vorsichtig entnommen wurde, aber die wurde wohl vom Sammler vom Riff gekratzt und ist nach drei Wochen gestorben. Eine dritte hat es bei mir etwa 4 Monate gemacht, bis sie von Borstenwuermern und Krabben vom Fuss her angefressen wurde.
Die A. ocellaris Wildfaenge sind in eine Lederkoralle gefluechtet, eine Heteractis malu und eine Entacmea quadricolor haben sie uber Monate hinweg ignoriert. Als sie dann anfingen, am Fuss der Lederkoralle abzulaichen, war fuer mich das Thema Anemone durch.
Lange Geschichte, kurzer Sinn:
Es steht in Buechern drin, z.B. bei Fossa & Nilsen, welche Anemonen schwierig und welcher gut zu halten sind. Das bewahrt einen Anfaenger wie ich damals einer war, jedoch nicht davor, dass der Haendler sie abkratzt (manche sollen dazu sogar einen richtigen Schaber benutzen, wie ich mal hoerte ?(), oder das Borstenwuermer sie anfressen.
Will damit sagen, dass gerade bei Anemonen die Ursachen fuer das Sterben schon in der Entnahme aus der Natur liegen koennen, lange bevor man sie ueberhaupt ins Becken setzt. Das hat also nicht unbedingt was mit Literaturwissen zu tun, und das Forum kann einen auch nicht davor bewahren. Sehr wohl steht aber in der Literatur, welche Haltungsanforderungen eine bestimmte Anemonenart hat, und wenn man ein gesundes Tier erhaelt, und die entsprechenden Rahmenbedingungen auch schafft, dann stehen die Chancen nicht schlechter als wenn man sich eine heute unkaputtbare Stueber-Acropora kauft.