Filtertechnik

  • Hallo zusammen,

    habe da mal eine Frage:
    Wie man ja, auch hier im Forum, immer wieder hört und liest, stellen sogenannte Topffilter oder sonstige biologische Filter "Nitratbomben" dar.
    Viele sagen, dass sie (wenn überhaupt) ab und zu einen Schnellfilter einsetzen, welchen Sie aber ca. alle 2 Tage reinigen (Filterwatte erneuern).
    Wenn man aber nun einen Topffilter, welcher beispielsweise mit Siporax gefüllt ist, betreibt und ihn, mal angenommen, alle 2 Monate reinigt, verstehe ich bis heute nicht ganz, was daran nun "schlecht" sein soll :confused_face:
    Sicher stellt die Dekoration den Filterbakterien genügend Substat zur Verfügung. Wenn aber allerdings gar kein Filter (evtl. noch nicht einmal ein Schnellfilter) eingesetzt wird, so wird doch rein gar nix an Dreck aus dem Becken entfernt?(!).
    Hatte nämlich bis vor kurzem noch einen besagten Topffilter (Eheim) am System angeschlossen und war förmlich entsetzt zu sehen, was sich da im Laufe der Zeit an Dreck angesammelt hat.
    Genau dieser Dreck verbleibt doch ansonsten im AQ bzw. dann wird eben Nitrat nicht im Topffilter etc. sondern im Becken selbst entstehen :confused_face:
    Oder ist ein Topffilter besser als gar kein (Schnell-)Filter???

    Vielleicht stehe ich auch nur irgendwie auf dem Schlauch...

    Gruß
    Rüdiger

  • Hallo Rüdiger,

    nun, ein biologischer Filter egal mit welchem Substrat dieser gefüllt ist, hat die Aufgabe Nitrat zu produzieren, denn er setzt mit seinen Bakterien, welche sich überall im Filter in Massen befinden, die Schadstoffe, Partikel, Ausscheidungsstoffe etc., welche ja Ammoniak und Nitrit abgeben um in die weniger giftigen Stoffe Ammonium und Nitrat. Also produziert dieser Filter Nitrat. Der biologische Filter ist ein Prinzip, welches aus früherer Zeit bei den Fischbecken weitverbreitet genutzt wurde und produzierte Nitrat, welches nicht giftig für Fische war, denn diese ertrugen Mengen von Nitrat von mehr als 100 m/l. Auch spielte es früher keine Rolle ob Fadenalgen in den Fischbecken entstanden, ja man war sogar froh darüber, dass man überhaupt ein Fadenalgenwachstum hatte ( war auch für Doktorfische und andere herbivore Tiere nicht schlecht ! ).
    Und dann kamen schon die ersten Korallen, erst weniger empfindliche Weich - und Steinkorallen und heute sind es empfindliche Steinkorallen, welche so hohe Nitratgehalte oder besser einen so hohen Nährstoffhaushalt des Beckenwassers nicht dulden.
    Ich bin der Meinung, wenn man einen biologischen Filter betreibt und empfindliche Steinkorallen pflegt, sollte man einen Denitrifikationsfilter als inverser Bypass zum Nitratfilter betreiben, dieser senkt den Nitratwert, so dass dieser Werte gut unter die 40mg/l bei guter Effektivität bringt.
    Ansonsten bei einer Pflege von empfindlichen Steinkorallen, sollte auf eine reine Biofilterung verzichtet werden und nur eine rein mech. Filterung nutzen, welche alle 2-3 Tage gereinigt werden sollte.
    Denn wie Du selber gesehen hast, sammelt sich mit der Zeit am Boden des Topffilters eine Menge Detritus und Mulm mit verschiedensten Schadstoffen ab, welche von den Bakterien nicht überwältigt werden können und sich so langsam Zersetzen und die ausgelösten Schadstoffe wieder ins Becken zurückkehren.
    Die Effektivität eines Biofilters hängt auch vom Sauerstoffgehalt im Wasser, resp. von der Strömung ab. Da Biofilter aerob arbeiten ( besonder Rieselfilter ), baut sich, mit Zunahme der Wasserströmung oder des Sauerstoffgehaltes, die Baterienfauna massiv auf, was einen grösseren Umsetzungsprozess zu Folge hat, welcher wiederum mehr Nitrat produzieren kann. Daher der Ausdruck " Nitratbombe oder Schleuder ". Es ist eigentlich kein schlechtes Filtersystem, ganz im Gegenteil, es arbeitet sogar sehr effektiv, nur wird es von vielen Aquarianern falsch angewandt und meist von denen die sich beklagen immer Fadenalgenprobleme zu haben.

  • Ich halte eine mech. Filterung auch für notwendig. In meinem Technikbecken habe ich 2 KAmmern eingebaut, in die ich blaue Filterschaummatten gesteckt habe. 1. Kammer grob, 2. Kammer fein.

    Alle 2 Wochen beim Wasserwechsel wasche ich die Schwämme mit heissem und danach mit kaltem Wasser aus. Unglaublich, was da an Dreck rauskommt. Heiss / Kalt soll bewirken, dass möglichst viele Bakterien absterben, so jedenfalls meine Vorstellung.

    Ich habe trotz 2-wöchigem Intervall keine Probleme mit Nitrat (0-5 mg/l), alle 2 Tage zu reinigen wäre mir auch viel zu aufwendig - in dem Fall würde ich mich auch für einen Schnellfilter entscheiden, der mal eben schnell ausgewaschen ist.

    Gruß
    Sven

    Einmal editiert, zuletzt von Sensay (4. Dezember 2003 um 10:30)

  • Hallo Sensay,

    da ich leider kein Technik,- sprich Unterschrankbecken besitzte, habe ich eine Schnellfilterung schon mal über die Filterkörpe meiner Strömungspumpen Powerhead 802 versucht. Da gibt es von Hagen auch spezielle Einsätze an Filterwatte, leider unverschämt teuer (wenn auch effektiv).
    Zwischendurch habe ich die Körbe mit "normaler" Filterwatte gefüllt was leider zur Folge hatte, dass sich immer mal wieder einzelne Teile der Watte lösten und ins Becken gelangten und dabei die Pumpen von Abschäumer etc. verstopfte oder sich gar an der Antriebswelle niederliesen.
    Wenn Du meinst, dass ein Wechsel der Watte alle 14 Tage nicht zu einer Nitratanreicherung führt, wäre für mich wohl die Idellösung, einfach meinen Eheim Außenfilter damit zu füllen, da dieser ja relativ einfach durch die Kupplungen abzutrennen und zu öffnen ist.
    Siehst du das ebenso?

  • Hallo Rüdiger!

    Da Du beabsichtigst,einen Topffilter (Eheim o.a.) einzusetzen, möchte ich Dich darauf aufmerksam machen, daß die bekannten grünen Schläuche, die ja mit solchen Filtern geliefert und zu deren Anschluß verwendet werden, Weichmacher enthalten (ja, auch die Eheim), die sich nach Beobachtung einiger Aquarianer im Meerwasser aus dem Material lösen. Dies ist an Verfärbung und spröde werden der Schläuche erkennbar. Auch die transparenten Schläuche enthalten Weichmacher.

    Über die Suchfunktion des Forums kannst Du bisherige Beiträge dazu finden (Stichwort Weichmacher oder PVC). Einigkeit besteht darüber, das sich die Weichmacher lösen. Nicht einig ist man sich, ob die herausgelösten Weichmacher dem AQ schaden.

    Ich habe ´mal bei Ciba-Geigy gejobt. Dabei arbeitete ich im Versand, von wo aus Muster von Weichmachern, Stabilisatoren, UV-Blockern u.a. versandt wurden. Diese bestanden zumeist aus metallorganischen Verbindungen (Kadmium, Zinn etc.) und waren überwiegend giftig bis hochgiftig (Zinnverbindungen), teils ätzend etc. Sie mußten fast alle als Gefahrgut verpackt und versand werden. War ´ne interessante Tätigkeit.

    Ich hätte es nicht gerne, wenn solche metallorganischen (künstlichen) Verbindungen in meinem AQ herumschwimmen würden. Daher würde ich zum Anschluß eines Topfaußenfilters entweder Silikonschlauch (teuer, nicht einfach zu finden) oder PVC-Rohre (hart, kein Weichmacher) in Kombination mit kurzen Stücken Silikonschlauch nehmen.

    Ich beabsichtige selbst, einen Eheim-Filter als mechanischen Filter sowie für (Phosphat-, Silikat-)Adsorber einzusetzen und ihn mittels PVC-Rohr und Silikonschlauch anzuschließen.

    Gruß,

    Michael

  • Hallo Michael,

    Mensch, da hört man ja immer wieder neues :(!!!
    Daran habe ich bisher wirklich nicht gedacht.
    Der Eheim wird mittlerweile seit über 3 Jahren als Filter eingesetzt.
    Bisher geht es den Tieren insgesamt, zumindest augenscheinlich sehr gut.
    Hast du eine Idee, wo man Silikonschläuche in der Stärke herbekommt?

    Gruß
    Rüdiger

  • Hallo Rüdiger!

    Zitat

    Bisher geht es den Tieren insgesamt, zumindest augenscheinlich sehr gut.

    Wie gesagt, ob die Weichmacher den Tieren wirklich schaden, ist hier im Forum umstritten. Es war auch nicht meine Absicht, Dir Angst zu machen!. Zu dem Thema noch ein Link:

    http://forum.korallenriff.de/index.php?page…ght=Weichmacher

    Ich benutze einen grünen PVC-Schlauch in 4/6er-Größe zur Zufuhr von Frischwasser ins Becken (Verdunstungsausgleich). Die wenigen Zentimeter, die dieser Schlauch unter Wasser reicht, waren bereits nach drei Wochen deutlich getrübt und starrer als der Rest des Schlauches. Das da etwas vorgeht, was gut für das Becken ist, glaube ich nicht. Kann natürlich sein, daß ich da etwas überempfindlich bin, aber wie gesagt, durch die Arbeit bei der Ciba-Geigy bin ich da sensibilisiert.

    Zitat

    Hast du eine Idee, wo man Silikonschläuche in der Stärke herbekommt?

    Schau ´mal in den "gelben Seiten" oder über Google nach. Kunststoffverarbeitende Betriebe, Laborbedarf evtl. auch Baumärkte sollten so was führen. Ich habe allerdings gehört, daß diese Schläuche recht teuer seien (20,- € der Meter - oder so). Ich werde also mit PVC-Rohr (ohne Weichmacher) und Silikonschlauch (sobald ich einen Händler dafür gefunden habe) arbeiten.

    Gruß,

    Michael

  • Hoi,

    also die grünen Eheim-Schläuche waren auch in meinen Süßwasser-Becken nach ein paar Jahren immer hart! Die konntest du mit dem Hammer in Stücke hauen...
    Dort stört´s doch auch niemand...

    Ich habe jedenfalls seit Anfang an einen Eheim Topffilter an meinem Meeres-Aq, allerdings mit extrem kurzen Schlauchverbindungen (max 30cm; steht auf Beckenhöhe), und kann bis jetzt keine negativen Auswirkungen feststellen (wie sollte das auch gehen :D).

    Ich würd mich nicht so verrückt machen.
    (Wenn ich ein Haustier wäre, würde mein Herrchen sicher die Hände über´m Kopf zusammenschlagen wieviel Teer und Nikotin ich täglich inhaliere :grinning_squinting_face: :grinning_squinting_face: :D)

    Grüße
    Hanno

  • Hallo Hanno

    Zitat

    Original von Hanno
    also die grünen Eheim-Schläuche waren auch in meinen Süßwasser-Becken nach ein paar Jahren immer hart! Die konntest du mit dem Hammer in Stücke hauen...
    Dort stört´s doch auch niemand...

    Da wird auch wesentlich mehr Wasser gewechselt.

  • Hallo Bernd,

    sicher ??

    Gruß Jürgen

    Panoramabecken 200x70x60, Photon Plus 2x400W Megachrome Coral 14K E40 + 4x54W T5 Aqua Science Special 15K, 2x Tunze Stream 12000 l/h,ATK Abschäumer150cm mit The Pump 40

    Die Summe der auf der Erde vorhandenen Intelligenz bleibt ewig gleich. Nur die Bevölkerung wächst ständig...

  • Hallo Jürgen

    Zitat

    Original von Jürgen Rathje
    Hallo Bernd,

    sicher ??

    Hast recht, hätte schreiben sollen. "Im Süßwasserbereich sollte man aber auch von größeren Wasserwechselmengen ausgehen".

  • Zitat

    Original von Rüdiger Scharm

    Wenn Du meinst, dass ein Wechsel der Watte alle 14 Tage nicht zu einer Nitratanreicherung führt, wäre für mich wohl die Idellösung, einfach meinen Eheim Außenfilter damit zu füllen, da dieser ja relativ einfach durch die Kupplungen abzutrennen und zu öffnen ist.
    Siehst du das ebenso?

    Hallo Rüdiger,

    ich kann nur von meiner Erfahrung sprechen, ob sich innerhalb der 14-Tage GENERELL noch kein Nitrat bildet kann ich dir nicht versichern. Ich sage nur, dass das bei MIR (und meinem Besatz usw.) keine negativen Auswirkungen zeigt. Ich würde das einfach selbst ausprobieren. Wenn du vorher einen relativ konstanten Nitratwert hast und dann beobachtest, kannst du dich ja an die max. Zeit bis zum Wechsel rantasten.

    Gruß
    Sven

    4 Mal editiert, zuletzt von Sensay (5. Dezember 2003 um 14:17)

  • Hallo alle,

    also ich seh das nicht so eng mit den 'Nitratbomben'.
    Ich hab unbeabsichtigt als Nebeneffekt einen kleinen Rieselfilter, der als Kühlanlage fungiert (hängt ein Ventilator dran, ein Testgerät der Fa Zinn) . Da sind so 5L Biobälle drin.
    Kurzzeitig ist Nitrat von 3 auf 8mg/L gestiegen, nach einigen Tagen hatte sich das erledigt und war wieder bei 3.
    Im Algenfilterbecken ist auch eine 50*50*3cm Filtermatte als Abgrenzung zur Technik.
    Beides ist nie gereingt worden und werd ich auch nicht wegen der Schwämme etc darin.
    Caulerpas, hoher Bodengrund und/oder Lebendgestein haben das locker abgefangen.
    An Schläuchen sind da einige Meter dran u.a. 5m dünner Schlauch zur Wassernachfüllung und 3m zum Kühlgerät. Probleme hab ich nie bemerkt (10% Wasserwechsel pro Woche und gelegentlich Kohle).
    Auch Hartwerden nie (nur etwas an den Rohranschlüssen), auch nicht im Süßwasser nach 4,5 Jahren.Nur ein bißchen steifer als neue sind sie schon. Vielleicht gibt es unterschiedliche Fabrikate? Meine stammen aber von Eheim bzw größtenteils vom Baumarkt.
    Silikonschäche sind einfach viel zu wabbelig und knicken dann.
    Es ist halt eine Frage der Dosierung und Anreicherung. Mit Literflaschen Weichmachern kann man natürlich nicht so locker umgehen *g*
    Was ich eher für bedenklich halte sind Gartenschläuche zum Wasserwechseln. Die Stinken manchmal ordentlcih und das Restwasser darin ist bestimmt giftig. Die spül ich immer gut durch.

    Grüße
    Ulrike

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