Erklärung gelöstes PO4-und nicht gelöstes?

  • Hallo,
    kann mir einer mal erklären wie das mit dem PO4 so ist? Ich verstehe das so, dass man das gelöste PO4 messen kann. Ich habe auch schon gelesen das sich PO4 Depots (im Sand, Steine) teilweise auch wieder lösen. Ist das richtig? Lösen sich dann die genazen Depots komplett auf oder wie muss man das verstehen?
    Wenn ich teilweise lese das manche Becken mit PO4 n.n. fahren, heißt das dann das kein gelöstes PO4 und auch keine Depots mehr im Becken sind wo sich nichts mehr freisetzen kann, oder können da trotzdem noch PO4 Depots sein, die sich nicht mehr lösen lassen?
    Ich frage deshalb, da ich momentan versuche meinen PO4 Wert herunter zu bekommen. Muss man soviel Absorber oder sonstige Mittel einsetzen bis alle Depots geknackt sind oder sind die Depots egal?

    Wäre super wenn mir das einer erklären könnte.

    Gruß Sven

  • HI

    Also ganz vereinfacht

    gelöstes Po4 ist im Wasser -- das kannste zum Teil messen da du ja nur das Wasser zum testen entnimmst.
    ungelöstes Po4 ist auf der Deko oder im Sand z.B. als Detritus. Das kannste natürlich nicht messen denn das nimmste ja nicht raus.
    Auch wenn du Po4 nn misst hast du trotzdem Po4 im Aquarium Das kann sich je nach PH Wert und Bakterienaktivität wieder lösen bzw es wird immer ein Gleichgewicht hergestellt.

    Gruss Claude

  • @ claude:
    Aber wie muss ich mir das vorstellen mit dem lösen? Kann es auf einen Schlag z.B. 0,2 oder so ausmachen? Was verstehst Du unter Gleichgewicht?

    Gruß Sven

  • Hallo Sven,

    es ist tatsächlich noch um einiges komplizierter: Es gibt vier Arten von Phosphat, von denen man drei messen kann, es reichen aber zwei Messmethoden.
    Es gibt:
    Reaktives anorganisches Phosphat - das was wir mit Tröpfchentests messen;
    Säurehydrolysierbares Phosphat, großteils anorganische Polyphosphate - messbar nach Säurehydrolyse; behelfsmäßige Messung durch Erhitzen zum Sieden nach Zugabe von Phosphat-Reagenz A;
    Gesamtphosphat - messbar nur nach Säure- + Persulfat-Aufschluß; Gesamtphosphat = saurehydrolysierbares + organisches Phosphat;
    Phosphatdepots - natürlich im Wasser nicht messbar.

    Messtechnisch und biologisch interessant sind nur reaktives anorganisches Phosphat und Gesamtphosphat. Gesamtphosphat kann leicht das 4- bis 5-Fache des reaktiven anorganische Phosphates sein, wenn letzteres sehr niedrig ist, so bei 0,01 mg/l.

    Mit der normalen Phosphat-Messung, ob mit Tröpfchentest oder Photometer, wird nur reaktives anorganisches Phosphat erfasst.

    Das im Wasser gelöste reaktive anorganische Phosphat steht mit den Depot-Phosphaten im Austausch, in einem Gleichgewicht, wie Claude schon schrieb. Normalerweise lösen sich die Depots nicht schlagartig sondern es besteht ein +/- konstanter Austausch in die eine oder andere Richtung.

    Bei sehr niedrigen Konzentrationen an reaktivem anorganischen Phosphat gibt dieser Messwert keine wirklich gute Information über die Phosphat-Situation im Aquarium da das Gesamt-Phosphat durch das Enzym alkalische Phosphatase biologisch verwertbar ist.

    Grüße

    Hans-Werner

  • Hallo Hans Werner,
    das ist mir jetzt doch ein wenig zu hoch. :smiling_face: Ich frag dann mal so herum, die Korallen können theoretisch nur das gelöste PO4 das im Wasser sich befindet aufnehmen. Ist das richtig? Hat das gebundene PO4 überhaupt was damit zu tun z.B. mit dem Korallenwachstum, etc...?
    Wenn ich jede Menge Absorber rein geben würde über einen langen Zeitraum, dann müsste ich doch irgendwann alle PO4 Depots aus dem Becken raus haben oder ist dies auch ein falscher Gedankengang? Wäre es sinnvoll diese Depots zu knacken egal mit was auch immer und dann über Absorber aus dem Becken zu entfernen?
    Ich frag hier, da ich momentan einen PO4 Wert von knapp 0,4 habe und ich dabei bin mal auf Werte zu kommen unter 0,1. Ich messe momentan mit dem Hanna Phosphor Checker. Wenn ich bei 0,25 bin, dann teste ich mal wieder mit Gilbers dagegen.

    Hoffe dafür gibt es Antworten damit ich das endlich mal kapiere.

    Gruß und Danke!

    Sven

    Einmal editiert, zuletzt von svenn1973 (30. August 2012 um 07:37)

  • Hallo Sven,

    die Korallen können nur das im Wasser gelöste Phosphat aufnehmen. Wenn sie das aber aufgenommen haben, geht neues Phosphat aus den Depots in Lösung, was sie dann wieder aufnehmen können.

    Dein Gedankengang mit dem Adsorber ist richtig.

    Knacken mit was? Organischen Wasserzusätzen? Keine Ahnung ob das so klappt.

    Grüße

    Hans-Werner

  • Hi Sven,

    in der Biologie und in der Trenn- und Umwelttechnik unterteilt man Phosphor in 3 Erscheinungsformen:
    - DIP
    Das heisst 'disolved inorganic phosphorus', übersetzt = 'gelöster anorganischer Phosphor' oder auch P-PO4.
    Das ist der errechnete Phosphorgehalt aus dem Phosphattest den wir machen.
    - DOP
    'disolved organic phosphorus'= 'gelöster organischer Phosphor'. Das ist der Phosphorgehalt von gelösten organischen
    Verbindungen zB von Eiweis. Messtechnisch ist das der Phosphorgehalt ,errechnet aus dem Phosphatgehalt abzüglich
    DIP, einer feinstgefilterten Wasserprobe deren organischen Bestandteile oxidiert/aufgeschlossen wurde.
    (vgl. Gesamtphosphat bei Hans-Werner)
    - POP
    'particular organic phosphorus' = Phosphor der in organischen Partikeln(zB tot als Detritus aber auch in lebenden Bakterien)
    gebunden ist.
    Messtechnisch der errechnete Phosphorgehalt einer ungefilterten aufgeschlossen Wasserprobe abzüglich DIP und DOP
    oder der Phosphorgehalt des Filtrates.

    Gesamtphosphor ist rechnerisch DIP + DOP + POP.

    Je nach Erscheinungsform (DIP, DOP,POP) steht das essentielle Element Phosphor Organismen zur Verfügung um ihren
    Phosphorbedarf zu decken. Sämtliche Lebewesen enthalten Phosphor. Phosphor ist ein essentielles Element!
    zB. Filtrierer nehmen POP auf, grüne Algen brauchen Phosphor als DIP (P-PO4).

    Je nach Erscheinungsform (DIP, DOP,POP) ist Phosphor für technische Prozesse erreichbar.
    zB POP kannst du rausfiltern oder abschäumen, DIP mit Adsorbern entfernen.

    Die Erscheinungsformen werden aber auch ineinander umgewandelt.
    zB: Grüne Alge nimmt DIP also PO4 auf und fixiert es in seine Biomasse. Eine Schnecke frisst die Alge einschliesslich des
    darin enthaltenden Phosphors und gibt den Phosphor teilweise über den Kot als Partikel an Wasser ab. Jetzt liegt Phosphor
    als Partikel also POP vor.
    zB: Eine Bakterie zersetzt POP und gewinnt aus der Oxidation Energie. Dadurch wird DOP in DIP(P-PO4) umgewandelt.

    An dem 1. Beispiel sieht man u.a die Wichigkeit einen angemessenen "Putztruppe". Ohne Putztruppe keine Mobilisierung
    subtratfixierter Elemente (Phosphor+Stickstoff).
    Insgesamt sieht du auch an den 2 Beispielen den Kreislaufcharakter.

    Zwischen dem freien Wasser und dem Substrat(Bodengrund, Steine) finden Wechselwirkungen durch Stoffaustausch statt.
    Massgebend sind:
    -Diffusion
    -Bioturbation
    -Advektive Strömung
    Diese 3 Prozesse sind direkt oder indirekt von einander anhängig und abhängig von der Zusammensetzung/Stuktur
    des Substrats und abhängig von den Tieren im Substrat und insgesamt kompliziert bzw nicht verallgemeinerbar.

    Grundsätzlich kann man aber sagen, dass mehr Strömung über dem Subtrat und mehr grabende Tiere den
    Stoffaustausch begünstigen. Damit wirst du deine "Depots" los wenn du Diakat und geeignete Tiere/Technik einsetzt.

    Unabhängig von diesem "Depot", wie kommt dein Phosphatgehalt im freiem Wasser zustande?
    Wie hoch ist dein Fischbestand und wie ist deine technische Ausstattung? Der momentane Phosphorgehalt ist immer
    abhängig von Austrag und Eintrag.


    Gruss Rainer

    Einmal editiert, zuletzt von Rainer S. (3. September 2012 um 09:58)

  • Hallo,

    sorry fuers dumme Fragen, folgendes:

    wenn der Magnesiumwert bei ?????? liegt, wird doch Phosphat ausgefaellt.

    Woran kann man das sehen, kann man das ueberhaupt sehen und kann Dieses wieder in Loesung gehen, sobald der MG Wert sinkt??

  • Hallo Rainer,
    danke erst mal für die ausführliche Erklärung. Muss die bestimmt noch ein oder zweimal durchlesen das ich es richtig verstanden habe. Auf mein Becken kommen 9 Fische. 1 Doc, 2 Occelaris, 1 sexguatta, 3 Pyjamabarsche und noch zwei drei kleinere.
    Ich habe dann noch nen Knallkrebs drin der eigentlich den Boden komplett durchwühlt genauso wie die sexguatta.
    Mein Becken besteht zum größten Teil aus LS und Tuff.
    Ich hatte mal noch zwei grabende Seesterne, die ich aber schon ne Weile nicht mehr gesehn habe fällt mir gerade ein. Die waren Jahrelang im Becken bei mir. Einsiedler habe ich nur 3 Stück drin genauso sieht es mit den Algenschnecken aus.

    Gruß Sven

    Einmal editiert, zuletzt von svenn1973 (3. September 2012 um 14:26)

  • Hi Sven,

    schätzen brauch man nicht wenn man die Maße hätte dann könnte man es ausrechnen.

    Valenciennea sexguttata wird im Meerwasserlexikon mit einem Raumbedarf von
    500l angegeben. Egal welches Doktorfisch du im Becken hast, das Becken ist zu klein für jeden Doc.
    Die Wasserbelastung durch die Fütterung dieser beiden Fische lassen es unwahrscheinlich erscheinen
    dass du deine Wasserwerte jemals in den Griff bekommst. Kleiner werden die ja mit der Zeit auch nicht.
    Du gibst nur nen Haufen Geld aus und machst dir ne Menge Arbeit mit ungewissen Ausgang.
    Gib die 2 Fische bitte in gute Hände ab, in deinem und dem Interesse der Fische.

    mit Gruss
    Rainer

  • Ich werde nächstes Jahr vergrößern auf 550-600 Liter. Deswegen sind sie noch bei mir. :winking_face: Das mit dem ausrechnen ist mir schon klar. Wenn das Becken voll ist mit Steinen, dann ist es sehr viel weniger Wasser womit wir wieder beim Thema wären. Großes Becken zugebaut bis oben hin und kaum Schwimmraum ist genauso nichts für Docs und co. Aber das ist ein anderes Thema.
    Meine Korallen wachsen und meine Farben sehen eigentlich auch ganz gut aus. Nur wollte ich halt doch etwas runter mit dem PO4 Wert. Ich hab SPS und LPS im Becken und die stehen alle gut da.


    Gruß Sven

  • hi,

    natürlich bekommt er mit den paar fischchen auch die ww in den griiff.

    ausreichende korallenbewuchs, übliche ww's und das ding läuft.

    edith sacht: aber erst bei dem geplanten, größeren becken..

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