"Malaria des Ozeans" verursacht Korallenbleiche
Würmer werden für Riffsterben verantwortlich gemacht
Tel Aviv (pte, 11. April 2003 15:22) - Israelische Forscher haben ein
Indiz dafür gefunden, dass Würmer ähnlich wie Malariaerreger die
Korallenstöcke zum Sterben bringen. Die Wissenschaftler haben, so das
Magazin New Scientist http://www.newscientist.com, an einer tropischen
Korallenart ein Bakterium entdeckt, das durch einen korallenfressenden
Wurm weiter transportiert wird. Die Forscher wollen nun herausfinden, ob
auch andere Korallenarten infiziert werden können. Das könnte in Zukunft
auch zur Vorbeugung der Bleiche führen.
Korallen sind von Algen, die in ihrem Inneren leben, abhängig. Diese
erzeugen Kohlenhydrate und Sauerstoff durch Photosynthese. Diese
Partnerschaft ermöglicht Korallen auch in unfruchtbaren Arealen der
Ozeane zu leben und erklären das reichhaltige Leben am Riff. Durch den
Anstieg der Temperaturen sterben die Algen ab oder die Korallen geraten
so stark unter Stress, dass sie die Algen abstoßen. Wie eine Epidemie hat
sich der Tod der Korallenriffe über die ganze Welt ausgedehnt. Die
internationalen Forscher gehen davon aus, dass die Hälfte aller Riffe
absterben wird. Nur eine drastische Abkühlung durch eine Verminderung des
CO2-Ausstosses könnte die Korallenbleiche eindämmen. Die israelischen
Forscher glauben aber, dass die Entdeckung der Bakterien die Bleiche
möglicherweise auch verhindern kann.
Bereits in den späten 90-er Jahren hatten Yossi Loya und Eugene Rosenberg
von der Tel Aviv University ein Bakterium gefunden, das in unmittelbarem
Zusammenhang mit der Korallenbleiche steht. Damals konnten die Forscher
auch feststellen, dass dieses Bakterium unter höheren Temperaturen
aktiver wurde. "Korallenforscher sind aber keine Mikrobiologen", so
Rosenberg. Daher hatten die Forscher zwar eine Korrelation mit den
höheren Temperaturen hergestellt, konnten das Bakterium aber nicht
zuordnen, erklärt der Experte. Die Mikrobe namens Vibrio shiloi war
verantwortlich für das Auftreten der Korallenbleiche an der mediterranen
Steinkoralle Oculina patagonica. Die Forscher waren erstaunt, dass das
Bakterium nur im Sommer aktiv war. Auf der Suche nach der Ursache mit
Hilfe von floureszierenden Substanzen stießen die Wissenschaftler auf den
Feuerwurm Hermodice carunculata, der das Bakterium offensichtlich nach
und nach über die Korallen verteilte, wenn er an den Korallenstöcken
Nahrung aufnahm.
Rosenberg geht davon aus, dass auch andere Korallenspezies im Indischen
und Pazifischen Ozean durch ähnliche Pathogene zerstört werden. Ein
weiteres Bakterium, das für die Korallenbleiche im Roten Meer
verantwortlich ist, hat Rosenberg nun entdeckt. Der Experte Ove
Höegh-Guldberg vom Centre for Marine Studies an der University of
Queensland ist zwar der Ansicht, dass das Massensterben der Korallen zu
schnell vor sich geht, als dass es von infektiösen Krankheiten ausgelöst
wird. "Es ist allerdings möglich, dass die Mikrobe die Koralle blockiert,
etwa so wie Escherichia coli im menschlichen Darm. Wenn die Temperatur
steigt, führt das Bakterium zum Ausbleichen", so der Spezialist.
Über die neuesten Erkenntnisse von Rosenberg berichtet auch das
Fachmagazin Environmental Microbiology http://www.blackwell-synergy.com .
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Aussender: pressetext.austria
