Grammas vorsorglich in Quarantäne?

  • Guten Tag!

    Morgen erwarte ich per Lebendtierversand ein Pärchen Gramma loreto. Da die Tiere offenbar durch den Transportstress pünktchenanfällig sind, überlege ich schon seit längerem, sie zunächst in meinem 84-Liter-Becken zwischenzuhältern zur Beobachtung und wenn nötig auch zur Behandlung.

    Zum einen stellt sich mir die Frage, ob das Becken überhaupt dafür geeignet ist. Es hat die Maße 60x35x40, ist bis auf Abschäumer voll eingerichtet und steht seit einigen Monaten fischlos. Es befinden sich außer einigen Schnecken und kolonialen Röhrenwürmern keine Wirbellose darin. Ein Foto hänge ich an.

    Der Steinaufbau ist zwar niedrig, bietet aber zwei kleineren Fischen reichlich Versteckmöglichkeiten. Und da liegt das Problem: Zum Herausfangen müsste ich vermutlich, falls die Fische nicht in eine Fischfalle gehen, die Steine herausnehmen. Das ist zwar ohne weiteres machbar, stresst aber natürlich wieder die Fische.

    Wie würdet ihr entscheiden?

    Grüße
    Ingrid

  • Ich halte Gramma für einen sehr stabile und wenig anfällige Fische und tue sie immer ohne Quarantäne sofort ins Becken. Ich mache Quarantäne nur bei sehr empfindlichen WF Anemonenfischen und sonst würde ich es nur bei Acanthurus machen. Ich persönlich bin kein Freund von dem Quarantäne Stress

    Grüße und schönen Tag
    Peter

  • Hallo Ingrid,

    nun, ich bin eine Anhänger der Quarantänemethode, da ich inzwischen so viele Geschichten über Nachkaufbesetzungen kenne, die ganze Beckengesellschaften infiziert und dezimiert haben.

    Wenn die Tiere absolut parasitenfrei sind, bekommen sie auch auf dem Transport keine Pünktchen. Wenn aber nicht, dann werden sie aufgrund des Transportstresses geschwächt und die Erreger können sich ausbreiten.
    Meistens setzt man die Neuankömmlinge in ein bereits gut besetztes Becken mit einem hohen persönlichen und finanziellen Wert. Wenn dein Becken so ausgestattet ist, dass es eine Infektion abfangen könnte (starker UV-Brenner im Dauerlauf), dann ist es immer noch eine Riskoentscheidung.

    Dein Quarantänebecken halte ich für eine Quarantänehaltung für die zwei Barsche geeignet. Allerdings hast Du zu recht darauf hingewiesen, dass das erneute Herausfangen ziemlich stressig für die Fische und für Dich wird. Es gibt sehr viele Verstecke, was für die Eingewöhnung gut ist, beim Fangen aber sehr lästig wird.

    Ich füttere meine Fische in der Eingewöhnungsphase meistens nur aus dem Kescher. In 6-8 Wochen Quarantänezeit gewöhnen sich die Fische daran und schwimmen freiwillig in den Kescher. Am Anfang dauert es immer etwas, bis sich das Mißtrauen gelegt hat. Das Umsetzen in anderes Wasser ist immer noch Stress, aber eine Pünktcheninfektion ist auch Stress für den Fisch und der hält über Wochen an.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Vielen Dank für eure Rückmeldungen.

    Das Füttern aus dem Käscher ist eine gute Idee. Da das Becken ziemlich leer ist, könnte ich dafür vielleicht auch die Fischfalle nehmen und sie so daran gewöhnen.
    Es laufen weder UV noch Ozon und ich würde mich sehr ärgern, wenn es schiefgeht und ich die Möglichkeit einer Quarantäne ungenutzt gelassen hätte. Daher werde ich sie wohl zunächst ins kleine Becken stecken, auch wenn sechs Wochen eine lange Zeit sind.

    Allerdings verschiebt sich das Problem noch auf unbestimmte Zeit, da ich heute Nachmittag telefonisch die Nachricht erhielt, dass einer der beiden Grammas unauffindbar war, als es ans Verpacken ging. Ein Einzeltier wollte ich nicht und nun heißt es wieder warten. :frowning_face:

    Grüße
    Ingrid

  • Hallo zusammen!

    Am Freitag sind nun zwei Gramma loreto in das "Quarantänebecken" eingezogen und ich bin heilfroh, dass ich sie nicht gleich ins Hauptbecken gesetzt habe. Äußerlich sehen die beiden gut aus, aber sie scheuern sich. Zuerst tat es nur der Kleinere, jetzt fängt auch der Größere damit an. Pünktchen oder sonstige Hautveränderungen sind noch nicht zu sehen und sie fressen beide.
    Für den Kleinen kommt erschwerend hinzu, dass er vom Größeren attackiert wird, wenn er aus seinem Versteck kommt. (Sie haben beide eine komplett gelbe Afterflosse und ich nehme an, dass sich das Männchen jetzt erst entwickeln wird. Nach meinen Recherchen sind die Grammas Geschlechtswandler, liege ich da richtig?)

    Nun meine eigentlichen Fragen:
    Sollte ich jetzt schon mit der Malachitgrün-Behandlung beginnen, aufgrund des Scheuerns? Und auf welche Verluste muss ich mich dann bei den im Becken befindlichen Korallen einstellen?

    Grüße
    Ingrid

  • Hallo Ingrid,

    wenn Du im Quarantänebecken auch Korallen hast, würde ich mit Tetra MarinOopharm behandeln. Dabei kommt es erfahrungsgemäß kaum mal zu Verlusten, auch wenn das Mittel erst einmal das Wasser stark einfärbt. Berhandeln würde ich gleich, nicht erst dann, wenn Pünktchen sichtbar sind. Das Scheuern an Gegenständen ist ein Hinweis auf Ektoparasiten und die zeigen sich nicht immer als Pünktchen.

    Das schwächere Tier muss man im Auge behalten, denn gerade in Q-Becken sind die Platz- und Versteckverhältnisse oft ungünstig und da kann dann leicht das schwächere Tier dem innerartlichen Mobbing zum Opfer fallen. Das wäre dann genau das Gegenteil von dem, was man mit der Quarantäne eigentlich erreichen wollte.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo Torsten,

    vielen Dank für deine rasche Antwort.

    Dann werde ich morgen versuchen, das Mittel beim Händler zu bekommen. Mir ist auch wohler dabei, nicht erst lange abzuwarten.

    Die Korallen würde ich opfern, wenn es nötig wäre. Es handelt sich um Reste, von denen ich überwiegend noch Ableger in den anderen Becken habe. Aber sie sollen nicht das Wasser belasten, wenn sie durch die Behandlung Schaden nehmen, daher meine Nachfrage. Wenn das Tetra MarinOopharm für die Behandlung ausreicht, ist es natürlich umso besser.

    Und das Verhalten der beiden Grammas werde ich gut im Auge behalten. Ich hoffe, dass sie ihre Rollen bald verteilt haben. Der Größenunterschied ist schon deutlich.

    Grüße
    Ingrid

  • Hallo,

    es sieht nicht gut aus für die Grammas. Besonders der Große macht mir Kummer.

    Bis Freitag war alles bestens; die Fische fraßen alles und zeigten keine Auffälligkeiten mehr. Das Tetra MarinOopharm kam am Mittwoch (ich musste es bestellen) und wurde gleich nach Anleitung dosiert. Am Freitagnachmittag scheuerte sich der Große, verkroch sich dann und kam auch zum Füttern am Abend nicht raus. Am Samstag Mittag war wieder alles gut, er erkundete das Becken und fraß. Am Samstagnachmittag dann wieder Scheuern und anschließend totale Apathie, die bis jetzt anhält. Äußerlich ist ihm nichts anzusehen. Er frisst nicht mehr.

    Der kleinere Gramma hatte zwischendurch Pünktchen, im Moment nicht, frisst nach wie vor und scheuert sich gelegentlich.

    Ich will morgen, fünf Tage nach der Erstdosierung, einen 10prozentigen Wasserwechsel machen, anschließend 24 Stunden über Kohle filtern und dann wieder das Mittel dosieren. Ist das richtig so? Und sollte ich die Dosis erhöhen? Ich habe beim ersten Mal die kleinstmögliche Menge gegeben (5 ml auf 50 l), so wie es für Becken mit Korallen angegeben war. Zu dem Zeitpunkt hielt ich die Therapie aber auch noch für eine reine Vorsichtsmaßnahme, das sieht ja jetzt leider anders aus.

    Grüße
    Ingrid

  • Hallo Ingrid,

    das ist die Krux mit der korallenverträglichen Dosierung. Was den Korallen nicht schadet, schädigt auch die Parasiten nur wenig. Als Prophylaxe gegen eine evtl. vorliegende unklare Erkrankung im Spektrum Bakterien bis parasitische Protozoen hat es seine Berechtigung. Das Mittel ist besonders für vollbesetzte Korallenbecken "designt" worden. ein echtes Quarantänebecken sollte daher auch nie andere Bewohner mitführen, die dann noch wesentlich sensibler als die eigentlichen Patienten auf derartige Mittel reagieren.

    Ohne Korallen hätte ich sera costamed F bevorzugt, es wirkt deutlich stärker, schädigt aber alle Mitbewohner der Fische. Das Tetra-Mittel würde ich jetzt beim klaren Vorliegen einer parasitischen Erkrankung nach Angaben des Herstellers höher dosieren. Du bist jetzt inkl. Mittwoch beim 5.Tag der Behandlung. 5-7 Tage ist die Empfehlung des Herstellers. Evtl. noch einmal in den verbleibenden 2 Tagen etwas nachdosieren und dann erst den Wasserwechsel und die Aktivkohlefiltration lt. Anleitung durchführen.

    Anwendung MarinOopharm

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo Torsten,

    ich habe jetzt noch einmal die gleiche Menge nachdosiert und werde mit dem Wasserwechsel und der Kohlefilterung bis Dienstag warten.
    Am Mittwoch setze ich die Dosis dann gleich höher an, so wie für Becken ohne Korallen angegeben.
    Ich danke dir für deine Unterstützung.

    Grüße
    Ingrid

  • Hallo Torsten,

    die Grammas haben es leider nicht geschafft.

    Wie lange muss das Quarantänebecken jetzt fischlos stehen, bis die letzten Erreger abgestorben sind?

    Grüße
    Ingrid

  • Hallo Ingrid,

    ich lese das jetzt erst.

    Schade, dass die Grammas es nicht geschafft haben!

    Viele Grüße
    Friedhelm

    P.S.
    Willst Du es noch einmal mit ihnen versuchen?

  • Hallo Friedhelm,

    ich habe gerade dein Bild gesehen und musste schlucken.
    Eigentlich möchte ich es schon noch mal probieren, aber da verlässt einen doch die Zuversicht, dass es auch mal klappen könnte.

    Grüße
    Ingrid

  • Zitat

    Wie lange muss das Quarantänebecken jetzt fischlos stehen, bis die letzten Erreger abgestorben sind?

    Hallo Ingrid,

    sehr schade um die Grammas - da es nicht sicher ist, welcher Ektoparasit bzw. welche Kombination aus Krankheitserregern dafür letztendlich verantwortlich war, würde ich mind. 6 Wochen warten.

    Allles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben - ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.
    E.P. Odum 1980 - Grundlagen der Ökologie

  • Hallo Torsten,

    danke, dass du dich noch mal gemeldet hast.
    Dann habe ich ja jetzt noch genug Zeit, mir zu überlegen, ob ich es noch einmal probiere und wie ich dann vorgehe.

    Grüße
    Ingrid

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