Abgabe von Zooxanthellen nach Jodbad

  • Hallo,

    da ich ein Problem mit Acroporastrudelwürmern habe mußte ich heute drei Stöcke in Jodlösung baden. Ich habe 4ml Betaisodona pro Liter eingesetzt 5 Minuten gebadet und anschließend nochmals in Aquarienwasser gespült. Es gab keine Temperaturunterschiede. Mir ist aufgefallen das die Korallen anschließend stark schleimten, besonders bei einem unter Blaulicht flureszierendem Exemplar fiel mir auf das der Schleim grünlich war. Jetzt sieht das Exemplar nicht sehr gut aus, hat sie Ihre Zooxanthellen abgegeben und ist es generell normal das unter Blaulicht flureszierende Korallen nach dem Jodbad nichtmehr leuchten? Wie lange sollte ich generell zwischen zwei Bädern warten.
    So viele Fragen aber Dane im Voraus.

    Gruß Henry

  • tag henry,

    nun, solche aktionen stressen die jkorallen enorm.

    abschleimen ist normal und nach dem jodbad wirken sie meist recht stumpf.

    ratsam ist die badewiederholung nach rd. 10 tagen, da dann evtl. nachgeschlüpfte sofort vernichtet werden.

    die koralle ist am ende der behandlung im wasser gut durchzuschütteln.

    um evtl noch anhaftende würmer zu entfernen.

  • Zitat

    Original von Henry
    Hallo,

    da ich ein Problem mit Acroporastrudelwürmern habe mußte ich heute drei Stöcke in Jodlösung baden. Ich habe 4ml Betaisodona pro Liter eingesetzt 5 Minuten gebadet und anschließend nochmals in Aquarienwasser gespült. Es gab keine Temperaturunterschiede. Mir ist aufgefallen das die Korallen anschließend stark schleimten, besonders bei einem unter Blaulicht flureszierendem Exemplar fiel mir auf das der Schleim grünlich war. Jetzt sieht das Exemplar nicht sehr gut aus, hat sie Ihre Zooxanthellen abgegeben und ist es generell normal das unter Blaulicht flureszierende Korallen nach dem Jodbad nichtmehr leuchten? Wie lange sollte ich generell zwischen zwei Bädern warten.
    So viele Fragen aber Dane im Voraus.

    Gruß Henry

    Hallo Henry,

    was Dir passiert ist, hat nichts mit den Zooxanthellen zu tun. Die Zooxanthellen befinden sich intrazellulär in der inneren Gewebeschicht der Korallen und bleiben (Gott sei Dank) von einer Iodbehandlung unbeeinträchtigt.
    Das was Du beobachtet hast, ist eine Ausschwemmung von Fluoreszenzpigmenten, die in der oberen Gewebeschicht lokalisiert sind und teilweise auch entweder aktiv oder passiv in den Schleim exportiert werden. Das die Korallen nach dem Iodbad und dem Auswaschen in Meerwasser nicht mehr fluorezieren, bedeutet ein Verlust dieser Chromoproteine. Sie müssen erst wieder neu synthetisiert werden.
    Im übrigen kann man dieses Ausspülen der epidermal gelegenen Pigmente auch "einfach" durch kräftiges Schütteln der Korallen im Meerwasser erreichen. Dies zeigt, das diese Pigmente mehr oder weniger frei, unassoziiert vorliegen. Wahrscheinlich war dies auch hier mit der Fall.

    H Hersteller

  • Hallo Jörg,

    Deine Antwort ist wie immer sehr interessant und ich hoffe die Korallen überstehen die Behandlung. Aber gleich noch eine Frage zu meinen Beobachtungen: Wenn ich neue Korallen eingesetzt habe hat sich bei einigen erst nach einiger Zeit dieses flureszieren gezeigt, bedeutet es das die Korallen diese Chromoproteine von anderen Korallen aus dem Wasser entnehmen und einlagern.

    Gruß Henry

  • Zitat

    Original von Henry
    Hallo Jörg,

    Deine Antwort ist wie immer sehr interessant und ich hoffe die Korallen überstehen die Behandlung. Aber gleich noch eine Frage zu meinen Beobachtungen: Wenn ich neue Korallen eingesetzt habe hat sich bei einigen erst nach einiger Zeit dieses flureszieren gezeigt, bedeutet es das die Korallen diese Chromoproteine von anderen Korallen aus dem Wasser entnehmen und einlagern.

    Gruß Henry

    Hallo Henry,

    die Korallen werden diese Behandlung wohl überstehen. Die Methode ist alleine von Michael Mrutzek schon beinahe hundertfach angewendet, mit großem Erfolg und minimalen Verlusten.

    Was die fluoreszierenden Chromoproteine (Pocilloporine) angeht, so können diese nicht von anderen Korallen aufgenommen werden. Die Proteine sind, wenn sie wie in Deinem Falle ins Wasser abgegeben werden, nicht lange stabil und unterliegen einer baldigen Zersetzung (bzw. Abschäumung). Außerdem wäre dann die Verdünnung viel zu niedrig. Auch sind die Proteine zu groß, als das sie einfach so über die Korallenoberflächen aufgenommen werden könnten.

    Die meisten Steinkorallen sind genetisch dazu befähigt, diese Pigmente zu synthetisieren (unabhängig von den Zooxanthellen, die haben damit nichts zu tun). Die Synthese der Pigmente ist sehr energieaufwendig, d.h. sie werden nur dann gebildet, wenn sie benötig werden, bzw. wenn ein "Lichtsignal" vorliegt, das die Synthese induziert.
    Wenn Du also eine Koralle erwirbst, die erst nach einiger Zeit diese Pigmente bildet, dann liegt dies daran, das Deine Beleuchtung bestimmte Strahlungsanteile emittiert, die vorher nicht so stark oder gar nicht vorhanden waren.
    Du hast wahrscheinlich eine sehr blaulastige Beleuchtung, z.B. einen 14000 K Brenner oder einen hohen Anteil an Blauröhren an der Gesamtbeleuchtung. Diese Leuchtmittel emittieren v.a. kurzwellige Violett- und Blaustrahlung, und genau diese Wellenlängen zwischen 380 und 500 nm induzieren die Fluoreszenzpigmentbildung sehr gut. Dazu kommt, das durch das Fehlen anderer Strahlungsanteile im Gesamtspektrum, z.B. gelbe und rote Anteile, die Fluoreszenzpigmente besser zur Geltung kommen.

    Aber auch hier gilt: Wenn die Korallen transportiert werden, dann geht ein großer Anteil dieser Pigmente durch das Schütteln verloren, so dass die Korallen erst einmal neu synthetisieren müssen, was einige Tage bis wenige Wochen dauern kann, deshalb vielleicht auch die zeitliche Verzögerung der Fluoreszenzpigmentbildung.

    H Hersteller

  • Hallo Jörg,

    wie verhält es sich mit den Fluoreszenzpigmenten in der natürlichen Strömung eines Riffs? Sind da nicht teilweise wesentlich größere Kräfte zugange als bei bloßem Schütteln?

  • Zitat

    Original von Thomas Chronz
    Hallo Jörg,

    wie verhält es sich mit den Fluoreszenzpigmenten in der natürlichen Strömung eines Riffs? Sind da nicht teilweise wesentlich größere Kräfte zugange als bei bloßem Schütteln?

    Hi Thomas,

    mit Sicherheit, allerdings ist es dennoch eine andere Stressituation, wenn z.B. in der Natur eine starke aber regelmäßige Brandung auf die Koralle trifft, oder ob man eine wohl behütete und eher mäßig (im Vergleich mit der Natur) umströmte Koralle vom Substrat abhebt und schüttelt. Letztere kriegt da eher einen "Schreck".

    Es ist mir auch noch nicht so ganz klar, ob bestimmte Substanzen wie UV-Schutzverbindungen oder eben auch solche Chromoproteine, die wie gesagt nicht gerade klein sind (Molekulargewicht 30 - 60 kDa) aktiv aus den Zellen in die schleimsezernierenden Zellen exportiert werden oder ob sie eher passiv als Abfallprodukte abgegeben werden. Letzteres würde einen energetischen Verlust bedeuten, gerade Proteine sind durch ihren hohen Stickstoffgehalt in dem extrem stickstoffarmen Milieu des Ozeans eher als "Luxusgüter" zu betrachten.
    Eine weitere Möglichkeit wäre, das tatsächlich Zellmembranen aufbrechen und der Zellinhalt samt seiner löslichen und frei vorliegenden Substanzen ausgeschwemmt wird.

    Vermuten würde ich eher einen aktiven Transport, so was ist aber nicht experimentell belegt. Hier spricht jedoch dafür, das sich eben unter solchen mechanischen Stressbedingungen die Koralle einschleimt und dabei die Schleimzellen ihren Inhalt freilassen.

    H Hersteller

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