Planktonschonende Filterung

  • Ich bin Neuling und plane gerade ein Riff-AQ 110 x 80 x 80.
    Tiere: 20% Weichkorallen, 70% LPS, später 10% einfache SPS, Paar Blennys, Einsiedler, Garnelen, Seeigel, Seestern, Schnecken, 5x Kardinalbarsche. Filter im Unterschrank: Einlaufkammer mit Siporax, Skimmer Tunze DOC 9210, dahinter ein Biotop mit Caulerpa (miracle mud??), Kalkreaktor Marine Concept CA-Basic 90, Rückförderpumpe Red Dragon 4500. Wenn ich mir Filtersysteme ansehe, haben alle einen Vorfilter (Schaum, Flies etc.). Ich vermute, daß in diesen Vorfiltern neben der erwünschten Beseitigung von Verunreinigungen auch Plankton ausgefiltert wird. Ich möchte aber das AQ möglichst naturnah betreiben (deshlab auch DOC 9210). Die Fragen: Wie bekomme ich Mulm und Schwebstoffe planktonschonend aus dem AQ? Führen diese Stoffe zu Problemen im Abschäumer bzw. Kalkreaktor?
    Danke für Eure Unterstützung.

  • HI,

    Also das meiste kling ganz gut...
    Allerdings hoffe ich, du willst nicht wirklich ein Paar (oder sogar ein paar :winking_face: ) Blennis einsetzen... das geht sogar in sehr großen Becken meist schief...

    Die Siporax in TB kannst/solltest du auch weglassen... was bezweckst du damit ??
    Rieselfilter sind überholt, und auch sonst ist das nicht wirklich ein gutes Material (geschlossenporiges Sinterglas)... Coulerpa und Miracle Mud sind auf jedenfall eine gute Wahl, die bringen dem Becken einiges an Nährstoffenzug und Microfauna...

    Den Vorfilter kannst du auch weglassen, dann hast du nur etwas mehr Schwebstoffe im Becken, viele verzichten darauf. Wenn doch ein Vorfilter, dann alle paar Tage säubern, da er sich sonst zusetzt --> Pumpenleistung wird geringer, und außerdem Nährstoffe zu Nitrat umwandelt, bevor sie den AS erreichen (die oft genannte "Nitratschleuder")...

    Mulm, welcher sich abgesetzt hat, kannst du beim WW absaugen.

    Der Austrag an Plankton durch einen Vorfilter wird nicht soo hoch sein, du solltest aber, wenn du speziell darauf wert legst, den Schnellfilter und den AS vor dem Miracle Mud-Teil platzieren, um zu verhindern, dass "frisches" Plankton aus dem MM-Filter gleich im AS/Schnellfilter landet...

    Gruß Mike

    Who the f*** is General Failure, and why is he reading my harddisk ??

  • Liege ich falsch wenn ich annehme, daß ein Filterfließ oder Schwamm in der Einlaufkammer des Unterschrankfilters nahezu alles lebende Planton aus dem AQ ausfiltert? Schließlich wird doch das AQ-Wasser zig mal pro Stunde diese Filter passieren.

    Gibt es Lösungen, die Schebstoffe im Unterschrankfilter zu sammeln, ohne Plankton erheblich zu reduzieren?

  • Hi hjp 14 (hast du auch einen Namen?),

    ja, da liegst du falsch. Bei mir entfernt ein grober Filterschwamm alle Schwebestoffe, während es z.B. die neu geschlüpften Seepferdchenbabys schaffen, diesen Schwamm zu passieren. "Totes" Material wird offenbar besser zurück gehalten.

    Wenn du einen Schlammfilter ins Auge gefasst hast, kannst du auf den Abschäumer komplett verzichten, das schont in jedem Fall das Plankton, was ja unter anderem auch der Vorteil des MM ist. Beim Miracle Mud-Filter ist der Schwamm in der dritten Kammer angebracht, bevor das Wasser zurück ins Becken gepumpt wird.

    Viele Grüße
    Christine

  • Hallo,

    wenn du biologisch arbeiten willst ist ein Schlammfiltersystem optimal. den Abschäumer benötigst du zunächst nicht. Später ist jedoch ein kleines luftbetriebenes Gerät als Ozonrektor für wenige Stunden täglich sehr sinnvoll.
    Wichtig ist das System zunächst langsam und nach Anweisung einzufahren. Andere Überlegungen sind derzeit noch sehr spekulativ..... Irgendwelche Experimente zu Beginn könnten dir schnell die Lust verderben. Die Rad Dragon würde ich als Bypass schalten und ggf. noch einen Abzweig für UV , Po4 mit einplanen.

    Gruß Birger

  • Hallo hjp14 (ein echter Name waere schon ganz nett..)

    Wenn Du ein Becken in dieser Groesse und mit so einem Refugium aufbauen willst, dann kannst Du den Abschaeumer mehr oder weniger vergessen.
    Mein eigenes Becken hat 120x60x60, das Refugium netto 50x60 Grundflaeche und eine 6,5 Red Dragon als Rueckfoerderpumpe. Trotz extremer Fuetterung (Filtrierer etc) und nicht ganz wenig Fischen habe ich eine akute Naehrstofflimitierung und muss permanent Nitrat nachgeben. Trotzdem muss ich permanent etwas PO4 Adsorber im Bypass mitlaufen lassen.
    Auch wenn er meistens arbeitslos ist, wuerde ich niemals auf einen Schaeumer verzichten wollent. Wenn irgendwas aus dem Ruder laeuft schalte ich das Teil an und gut ist.
    Auf jeden Fall wuerde ich das Siporax weglassen, teuer und bringt nichts. Die Ueberlaufschaechte fuelle ich mit den guten alten Filterigeln um das entstehende Ammonium so schnell wie moeglich zu Nitrat zu oxidieren, was dann im Filter abgebaut wird.
    Was die Planktonschonung angeht, so haben ein paar Lagen Filterschaum etc. keine grossen Auswirkungen auf das Plankton, eine starke Rueckfoerderpumpe oder ein Schaeumer ist da schon wesentlich uebler. Mach Dir wegen des Planktons nicht so viele Gedanken.
    Evtl. wuerde ich eine staerkere Rueckfoerderpumpe nehmen, die Verrohrung kostet einiges an Leistung und etwas Reserve ist auch nicht schlecht. Da Du bei einem Schlammfilter relativ viel Wasser durch das Filterbecken leiten musst, wuerde ich auf ausreichende Bohrungen in der Ueberlaufkammer (besser 2 Kammern) achten, und auch einen Notueberlauf einplanen, falls mal was verstopft.

    Gruesse

    Jens

    Von all den Dingen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe vermisse ich meinen Verstand am meisten (Ozzy Osbourne)

  • Hallo Neuling :smiling_face:

    Auch ich will meinen Senf dazugeben.
    Interessant für jemanden der möglichst naturnah "arbeiten" möchte wären anstatt einem normalen Berliner System eher

    Jaubert,
    Miracle Mud
    DSB

    Ich kopiere dir mal ein paar links rein, die die jeweiligen Systeme ein wenig beschreiben.

    DSB Zusammenfassung

    ist sehr interessant zu lesen - mit - so finde ich - wichtigen Anmkerungen von Dr. Jens Kallemyer zum System von Dr. Shimek

    Schlammiflter Miracle Mud

    Jaubert Zusammenfassung

    Der Ordnung halber auch noch das Berlinersystem

    Berliner System Zusammenfassung

    Es gibt einige Dinge zu beachten:
    Im MM System zum Beispiel nimmt man vor dem eigentlichen Schlammabteil Biobälle um das Wasser in Nitrat umzuwandeln, erst dann arbeitet der Filter so wie er soll.

    Ganz andes im Berliner System oder allen Abschäuemrsystemen wo ein vorgeschalteter Filter (auch Watte, Vlies oder Schaumstoff) eher kontraproduktiv ist. Diese Filter bauen Nitrat auf, welches ein Abschäumer nicht mehr erfassen kann.

    So ist es schon wichtig zu wissen was genau du planst.

    Detritus - Schwebstoffe und dergleichen kann man später durchaus durch eine Pumpe mit Schnellfiter austragen.

  • Danke für die vielen Tips, werde sie beherzigen.
    Übrigens heiße ich Hermann, kann man das im Profil noch ändern?

    Hoffe, meine Ableitung ist so richtig:
    Zulauf in Filterkammer 1 über Bio-Bälle, Kammer 2 Tunze Doc 9210 (planktonschonend) für den Notfall, Kammer 3 Miracle Mud mit Caulerpa 24h/Tag beleuchtet, Kammer 4 grober Schwamm, Kammer 5 Kalkreaktor Marine Concept CA-Basic 90 24h/Tag, Kammer 6 Pumpe Red Dragon 6000.
    Im AQ Unterbau aus Kalkgestein, darüber Lebendgestein, lebender Sand mittlere Körnung 3-6 cm hoch, Lampe Giesemann System 400 plus 400W + 2x9W, Kühlung Aqua Medic Titan 2000 (Betrieb in Alanya). Umkehr-Osmose HW Super 100.

    Verbesserungsvorschläge nehme ich gerne entgegen? Vielen Dank.

    Gruß aus Mönchengladbach
    Hermann

    PS: anstatt unverträglichen Blennies lieber ein Paar Grundeln?

  • Hallo und einen guten Tag,
    habe inzwischen etwas gelesen. Dabei sind eigentlich mehr Fragen aufgetaucht als beantwortet worden.
    Mit dem Abschäumer werden nicht nur Plankton, sondern auch Spurenelemente abgeschäumt. Ist die Menge der abgeschäumten Spurenelemente auch vom Abschäumertyp abhängig oder nur von der Abschäumerleistung? Gibt es Erfahrungswerte?
    Soll ein Abschäumer nur Oberflächenwasser (Kamhaut) oder auch Bodenwasser einziehen?
    Könnte es sinnvoll sein, ein gemischtes System zu betreiben, also einen schwach dimensionierten Abschäumer, der Planton und Spurenelemente schont und zusätzlich einen Bio-Filter (Schlammfilter), der den Rest verarbeitet? Der Schlammfilter dient ja zudem als Biotop für viele Lebewesen, die sich positiv auf das Gesamtsystem auswirken können.
    Denke gerade darüber nach, ob ich einen schwachen Abschäumer installiere, der ausschließlich und direkt Oberflächenwasser einzieht. Bodenwasser würde ich dann in den Schlammfilter leiten.
    Was haltet ihr davon?
    Habe gesehen, es gibt "miracle mud" und "mineral mud". Kennt jemand den Unterschied? Zudem habe ich Analysen gelesen, die "miracle mud" in Frage stellen. Andererseits habe ich davon gelesen, das ein Schlammfilter mit anderem Bodengrund für die Caulerpas keine vergleichbare Resultate erbringt. Und nicht zuletzt habe ich auch bis jetzt keine Erklärung gefunden, warum ein Schlammfilter mit 10x Beckeninhalt oder mehr durchströmt werden soll. Die Biologischen Prozesse laufen doch nicht derart schnell ab.
    Hoffe das waren nicht zu viele Fragen. Ich freue mich schon auf die Antworten.
    Gruss Hermann

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