Hallo Timo,
das ist ein sehr vielschichtiges Thema. Hier gibt es alle Varianten, so wie sie in den angegebenen Quellen auch angegeben wurden. Da gibt es vorbildliche Fang- und Hälterungsstationen, die die Tiere schonend und optimal versorgen und über das nötige Know-How und die Technologien verfügen. Sie beschäftigen wiederum entweder eigene Fänger oder kaufen von unabhängigen Fängern zu.
Gefangen wird mit Netzen, Reusen und manchmal leider auch noch mit Chemikalien, um die Fische zu betäuben. Leider sieht man diese Fangmethoden den Fischen nicht (sofort) an und man muss sich schon manchmal fragen, wie kommt ein blitzschneller kleiner Fisch, der im eigenen MW-Becken sofort im Gestein verschwindet lebend in die Hände der Fänger?
Zur Zwischenlagerung verfügen die meisten über Plastikboxen oder Beutel, es gibt aber auch sehr einfache Lösungen, wie ich sie einmal selbst erleben dürfte. Da wurde z.B. einfach eine große Plastik-Plane am Ufer im Schatten der Bäume in eine Mulde gelegt und mit Meerwasser befüllt. Ein Kind wurde dort zurück gelassen, um Vögel und Raubtiere zu verscheuchen und mit einer Art Holzpatsche das Wasser zu bewegen (Sauerstoffeintrag). Dort wurde der Tagesfang gesammelt und am Abend in Eimern und Boxen umgeladen und per Boot weiter transportiert.
Ein Fänger bekommt meistens nur wenige Cent pro Fisch, die Hälterungsstation verkauft dann weiter an Zwischen - und Großhändler, die meistens in den Hauptstädten sitzen und dort wiederum die Fische zwischenhältern. Diese bieten dann die Tiere international an und übernehmen den Export in alle Welt. Der Preis pro Fisch steigt zwischenzeitlich schnell in die Höhe, d.h. jede Zwischenstation erhöht den Preis um einige Dollar bei wertvollen Arten. Teilweise wird von Station zu Station mehrfach verdoppelt. Das kommt auch von dem mit jeder Zwischenstation steigenden Risiko. Je länger die Fische gehältert werden müssen, umso schneller können einzelne mitgeschleppte Parasiten sich vermehren und ausbreiten. Kleinste Verletzungen von den Fangnetzen können selbst gesunden Fischen unter Stressbedingungen, wie sie die Zwischenhälterung und der Transport unzweifelhaft darstellen, gefährlich werden. Zudem wird beim schnellen Umschlag der Tiere in den Hälterungsstationen meistens nicht mehr gefüttert, um das Transportwasser nicht zu verschmutzen. Wenn die Tiere dann final in Transportbeutel mit Sauerstoff verpackt werden, beginnt eine meist bis zu 24 / 36 stündige Reise in alle Welt, bis sie wieder in frisches Wasser kommen. Es hängt sehr viel vom Know-How der Exporteure und aufnehmenden Importeure ab, in welchem Zustand die Tiere ankommen.
Da es sich bei MW-Fischen i.d.R. um wertvolle und hochpreisige Fracht handelt, haben sich die Bedingungen beim Transport in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert und die Verlustrate ist meistens gering. Wir "Verbraucher" der Fische sollten uns nicht nur am Preis orientieren (wie so oft), sondern für gesunde und optimal transportierte und gehaltene Fische auch bereit sein, diesen Mehrwert zu honorieren. Leider sieht man es dem Fisch nicht an, woher er kommt und welchen Weg er nahm. Hier hilft nur das kritische Gespräch mit dem Händler, Transparenz des Handels und eine nachhaltige Nutzung der Fischbestände, die den Fängern und Händlern in den Herkunftsländern eine Basis ohne Ausbeutung und Überfischung bietet.
Viele Grüße,
Torsten