Hallo Claudia,
ich denke, es hängt von vielen Faktoren ab. Neben Erfahrung und Wissen des Aquarianers und "seinem Konzept" spielt hier natürlich auch eine entscheidende Rolle, wie gut ist sein "Abwehrsystem" gegen solche unerwünschte Eindringlinge und woher und wie oft kommt der Neubesatz ins Becken ?
Leider liest man auch immer wieder, wenn die Fische ernsthaft erkrankt sind, dass dann erst "UV" angestellt wurde. Aber natürlich nur so lange, bis sie wieder gesund sind.
Viele Becken sind auch total überbesetzt und die Tiere stressen sich ständig gegenseitig. Kommt dann ein Pünktchen dazu, findet es ein tolles Revier vor, um sich zu vermehren und seine unheilvolle Arbeit zu beginnen.
Es fehlen i.d.R. Quarantänebecken - und man spielt mit jedem Neubesatz so eine Art russisches Roulette - da man ja ausreichend Erfahrung hat und Pünktchen nicht ernst genommen werden. Ist es dann doch mal eine übersehende Oodnium-Infektion, kann das schnell in einer Katastrophe enden.
Wenn ich heute in einen Meerwassershop gehe, dann finde ich häufig kranke Fische vor. Um diese Krankheiten zu sehen, benötige ich kein Mikroskop. Da hängen Fische müde am Ablauf und haben nur noch Reste ihrer einstigen Flossenpracht. Man erkennt die schnelle Atmung und dass es sich hier wohl um Todeskandidaten handelt. Im selben Becken schwimmen aber zwei wunderschöne Gramma loreto herum und zeigen keine Symptome. Sie wurden erst einen Tag zuvor dort reingesetzt !?! Und, man glaubt es kaum, sie werden natürlich verkauft - und der Kunde ? - er sieht es nicht !
Anderer Händler: Er hat einen schon länger sitzenden gesunden Bestand an Verkaufstieren. Aus Platzmangel werden aber alle Neuimporte ständig in diese Becken dazu gesetzt. Einige Fische sind für 4 Wochen reserviert für einen Kunden, der sich Gedanken gemacht hat und diese Quarantänezeit haben möchte und sich darauf verläßt, dass die Fische nach dieser Zeit gesund sind. Ob er mitbekommt, dass sein eigentlich guter Gedanke mit der Reservierung über den ständigen wechselnden Neubesatz völlig sinnlos geworden ist ???
Aber es gibt natürlich auch andere Händler, die ihr Geschäft gut verstehen und bewusst derartige Fische niemals verkaufen würden.
Es gibt auch Aquarianer, die kaufen ständig dazu, obwohl in ihrem Becken laufend Verluste entstehen. Sie warten nicht ab, bis eine Krankheit vollständig elimiert ist oder die Ursache gefunden ist. Sie versuchen gegen diese Verluste "gegenanzukaufen". Einmal war es Pech, das nächste Mal war der Fisch beim Händler schon etwas labil, das dritte Mal war der Fisch dafür bekannt, dass er schnell umkippt - eine fragwürdige Methode...?
Ich könnte ein ganzes Buch zu diesem Thema schreiben - ich wollte mit den paar Beispielen nur zeigen, dass es hier doch einige, ganz entscheidende Einflussfaktoren gibt, die letztendlich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können. Nur wer sie kennt und danach handelt, minimiert das Risiko zum Wohle der gehaltenen Tiere und seines Geldbeutels...