Ohne dass ich jetzt hier einen Glaubenskrieg vom Zaun brechen möchte, aber es gibt einige Metalldampflampen und auch Leuchtstoffröhren, die speziell auf PAR Strahlung optimiert sind, die z.B. professionell in der Pflanzenzucht eingesetzt werden.
Es gab vor Jahren schon Vorträge z.B. von Jörg Kokott zu PAR Strahlung im Korallenriff oder von Oliver Pritzel (ATI) der die T5 Technologie bei uns in der Meerwasseraquaristik berühmt gemacht hat. PAR ist aber ein sehr schwammiger Begriff und im Zusammenhang mit Korallen nochmals komplexer, da Korallen z.B. je nach Herkunft Licht in passende Wellenlängen umwandeln können (z.B. durch Fluoreszenz).
Weiter ausgefahrene Polypen bedeuten jedenfalls typischerweise, dass die Koralle weniger Licht bekommt. Sie versucht dann die Oberfläche zu maximieren um mehr Photosynthese zu ermöglichen.
Es ist überhaupt kein Problem im Aqurium soviel Licht zu erzeugen, dass die Photosynthese der Korallen für sie selbst toxisch wird (durch übermäßige Sauerstoffproduktion).
Mehr Licht ist also nicht unbedingt immer das was angestrebt ist und LEDs sind sicher lange nicht die Allheilsbringer, als die sie zur Zeit angesehen werden. Sie sind halt gerade hip, aber von der techinschen Seite her klassichen Beleuchtungslösungen nicht unbedingt überlegen. Mit Röhren z.B. bekommt man immer noch gleichmässiger ausgeleuchtet, mit HQI erreicht man schöne Kringeleffekte. LEDs liegen irgendwo dazwischen.
Auch sehr kompliziert ist z.B. die Messung der Effizienz. Lumen / Watt ist bspw. kein besonders gutes Maß, denn Lumen ist keine Maßeinheit für Lichtstärke sondern eine Maßeinheit für (menschliches) Helligkeitsempfinden. Die besten Lumen / Watt Werte erreichst du mit Tageslicht HQI Brennern über 400W. Diese sind aber als Beleuchtung für ein Riffaquarium aus verschiedenen Gründen nur mässig geeignet und nur weil etwas für unser Auge hell ist, ist es für die Korallen noch lange nicht hell (Stichwort PAR).
Hier ein immer noch aktueller Link http://archiv.korallenriff.de/06_lichtartikel_2.html
Zooxanthellen arbeiten im Bereich von 380 – 600 nm, das Spektrum von LEDs besonders von farbigen ist immer sehr schmalbandig. Es gibt auch HQI Brenner die ein sehr schmales Spektrum um 450nm haben (die reinen "Blaustrahler" von Osram, Radium, BLV etc. die als 20.000K Brenner verkauft werden). Mit diesen erreicht man ganz sicher höhere PAR Werte in dem Bereich um 450nm als mit den 470-490nm LEDs.
Je nach Farbe einer Koralle reagiert sich besonders gut auf eine spezifische Lichtwellenlänge. Es gibt auch Farben die besonders durch die LEDs angeregt werden und wieder andere, die durch keins dieser Leuchtmittel angeregt werden.
Für die Korallen ist es notwendig, dass der Bereich von 380-600nm gut abgedeckt wird, am besten immer so, dass die Absortionskurve der am meisten gepflegten Tiere erreicht wird.
Der menschliche Betrachter will aber auch noch was sehen und es gibt auch plakative Farben, die einfach unter Tageslicht am besten aussehen (viele Acroporas, rot-töne). Daher braucht man immer auch gelbes/weißes Licht.
Hier ist ein schöner Vortrag von Jörg Kokott verlinkt, aus dem man einige Erkenntnisse ziehen kann http://archiv.korallenriff.de/vortraege_beckum_04.html
Der von Oliver Pritzel dort ist auch sehr interessant.
Fazit also: LEDs sind inzwischen eine gangbare Alternative zu HQI und T5 aber genauso wie diese beiden mit Kompromissen behaftet. Schon die Tatsache, dass LEDs aktiv gekühlt werden müssen (!) lässt doch jedem sofort klar werden, dass hier viel Leistung einfach verloren geht und ergo der Wirkungsgrad einfach nicht gut sein kann!