Hi Joe,
die Versuche wurden in einem "Standard-Kalkreaktor" durchgeführt:
Volumen: 2,77 l
Innendurchmesser: 105,6 mm
Turn-Over: 24 h (also im Sättigungsbetrieb)
Kreislaufvolumenstrom: 400 l/h = interner Turn-Over = 25 s
CO2-Eintrag: Injektor an der Saugseite der Pumpe bzw. Kolonne
CO2-Steuerung: über pH-Wert
Temperatur: 25°C
Einfahrzeit der Materialien: > 1 Woche
Tiefst erreichbare pH-Werte (der gilt nur für das oben genannten System - bei anderen Reaktoren kann das vollkommen anders aussehen! Es gibt Reaktoren, die bis auf pH 5,3 herunterkommen
Calciumcarbonatbruch grau, Injektor: 6,3
dito, Kolonne: 6,1
Calciumcarbonatbruch weiß: 6,3
dito, Kolonne: 6,1
Muschelbruch, Injektor: 6,3
dito, Kolonne: 6,1
Turbo-Granulat, Injektor: 6,35
dito, Kolonne: 6,15
Korallenbruch grob oder fein, Injektor: 6,4
dito, Kolonne: 6,2
Diese Werte sehen erst einmal ziemlich ähnlich aus. Aber die erzielte Leistung (unter den oben genannten Bedingungen) unterscheidet sich zwischen dem schlechtesten und dem besten Material um den Faktor 1,7 und zwischen Injektorbetrieb und Kolonnenbetrieb um den Faktor 1,2.
Es ist zu beachten, dass der tiefst erreichbare pH-Wert im Reaktor umgekehrt proportional zur erzielten Leistung ist (für Wissenschaftler). D.h. je niedriger der pH-Wert einstellbar ist (ohne dass sich große CO2-Blasen im Reaktor sammeln), desto geringer ist die Leistung im Sättigungsbetrieb eines Kalkreaktors. Hört sich erst einmal blöd an, weil man immer denkt, je niedriger der pH-Wert desto höher die Leistung - das gilt aber nur für ein und das selbe Material der gleichen Charge. Die obige Regel hat damit zu tun, dass der tiefst erreichbare pH-Wert von der im Reaktor befindlichen Karbonathärte/Calciumkonzentration abhängig ist. Je löslicher (je größer das Löslichkeitsprodukt) das Material ist, desto besser bildet sich KH/Ca bei relativ hohem pH-Wert. - Die Theorie und meiner Meinung nach auch die Praxis von Kalkreaktoren haben es in sich. Während unseres 3,5jährigen Forschungsprojektes haben wir viel dazugelernt, obwohl wir schon seit 1995 Erfahrungen mit dem Kalkreaktorenbau haben und meinten, dass Wichtigste zu wissen. Ich werde demnächst einige Ergebnisse posten.
Wir haben leider schon einige Aquarianer erlebt, die sich ihren pH-Wert im Aquarium durch falsche Einstellung bis in den Bereich von 7,0 herunter-"gebombt" haben. Das ist zwar nicht gleich der Totalausfall (mit Super-GAU habe ich vielleicht ein wenig übertrieben), zu Algenplagen hat es jedoch meist geführt und teilweise lange gedauert, bis sich alles wieder normalisiert hat. Das will ich jedem Tier und natürlich auch jedem Aquarianer ersparen
So weit, Burkhard