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Original von Aurora
Als erstes erst mal ein Hallo an alle die in diesem Forum aktiv sind!
Ich habe schon seit vielen Jahren (so ca. seit ich 9 bin) ein Aquarium, bisher jedoch ausschließlich Süsswasser. Ich trage mich jedoch mit dem Gedanken mich an der Herausforderung Seewasser zu versuchen. Da als Student meine Mittel naturgemäß ziemlich knapp sind schwebt mir eine Lösung mit Low Tech aber Know How (klingt doch schon mal toll *g*) vor. So betreibe ich mein Süßwasserbecken (325l) mit einer Schaumstoffmatte von Obi und einer Aquabee 1000, funktioniert ganz gut.
Da Information erst mal alles ist habe ich bereits recht gründlich das Netz umgegraben und mir so einen ersten Überblick besorgt. Dabei ist mir aufgefallen, dass gerade in den USA eine größere Anzahl von kleineren bis kleinsten Becken (Nanoreefs) mit scheinbar gutem Erfolg betrieben werden. Ich überlege jetzt ein eigenes Meerwasserbecken zu beginnen. Dabei schwebt mir eine Größenordnung von etwa 60x30x30 cm vor, denn irgendwie muss ich das ganze ja auch bezahlen können (Bafög is leider nich, und Papa schmeißt mir die Kohle auch nicht gerade nach). Ich habe mir jetzt erst mal Literatur bei Amazon bestellt (z.B. Das Riffaquarium Bd. 1 und Riffaquaristik für Einsteiger (Knopp)). Da ich aber ein funktionierendes Becken will versuche ich jetzt abzuklären was andere so von der Idee und später auch von meinen Planungen halten.
Deshalb folgende Fragen: Habt ihr bereits Erfahrungen mit Becken um 50-60l? Welche? Haltet ihr eine Kombination von biologischem System nach Jaubert mit Abschäumung nach Bedarf (Wie genau weis ich noch nicht) für sinnvoll und in einem solchen Becken für realisierbar? Ist eine starke Beleuchtung (z.B. 2*24W T5-Röhren) sinnvoll? Wie beurteilt ihr die Wärmeproblematik (Kühlung)eines solchen Beckens im Sommer in Zusammenhang mit der Verdunstungsproblematik/Dichte?
Mir ist klar das in einem solchen Becken nur eine geringe Zahl von Tieren gehalten werden kann und das auch nur ein gewisses Spektrum von Arten in Betracht kommt. Die Haltung von Fischen in einem solchen Becken ist vorläufig nicht angedacht (frühestens nach 1 Jahr denke ich da nochmal drüber nach).
So das war jetzt hoffentlich nicht zu viel auf einmal. Gebt mal eure Meinung zu kund, möglichst viel konstruktives Feedback fände ich echt toll.
P.S.: (an Admins) Bitte schmeißt mich nicht gleich wieder raus wenn ihr feststellt das noch kein Geld gespendet wurde
. Heute hab ich mich einfach angemeldet, da hatte die Bank schon zu, ich leite das aber morgen in die Wege.... versprochen...
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Hallo Aurora,
herzlich Willkommen im Forum und in der Welt der Meerwasseraquaristik!
Du stehst jetzt vor der gleichen Herausforderung, vor der ich vor etwas mehr als vier Jahren gestanden habe: ich habe genau so angefangen wie Du es jetzt tun wirst. Es ist durchaus möglich ein kleines Riffaquarium erfolgreich zu pflegen. Ich selbst habe einen Würfel 50 x 50 x 50 cm und damit 125 L Bruttovolumen. Das Becken hat zwischendurch einen Umzug überstanden und steht heute immer noch, mit einem gemischten Besatz aus Weich-, Röhren- und Steinkorallen.
Es gibt heute sehr gute Möglichkeiten, ein solches Aquarium zu planen und aufzubauen. Du mußt nur beachten, das Du durch das geringe Wasservolumen anfangs nicht eine solche Stabilität bezüglich der Wasserparameter erreichen wirst, wie mit einem großen Becken. Das ist allerdings nicht weiter problematisch, wenn Du bestimmte "Richtlinien" befolgst. Mit dem Fischbesatz solltest Du Dich auf jeden Fall eine Weile gedulden. Gutes Lebendgestein ist unbedingt erforderlich und auch die Strömung sollte gut durchdacht sein. Du wirst mehrere kleine Pumpen benötigen, mit einer 1000 L Pumpe kannst Du wenig anfangen. Es ist wichtig, daß Dein Becken möglichst gleichmäßig stark durchströmt wird und Du damit die Ablagerung von Sedimenten und Detritus im Griff behalten kannst. Denn hier entwickeln sich schnell Zonen, in denen Nitrat entwickelt wird, das in einem kleinen Wasservolumen schnell akkumuliert. Auch Phoshpat, das Du später einmal durch die Fischfütterung einträgst, akkumuliert deutlich schneller.
Es gibt Abschäumer auf dem Markt, die man an der Aussenseite des Beckens plazieren kann, so dass der Abschäumer keinen Platz im Becken wegnimmt. Du brauchst also auch kein externes Filterbecken zu installieren, was dann mit Überlauf, Pumpe zur Rückführung des Wassers und dem Filterbecken Geld kosten würde.
Beleuchtung: Es hängt davon ab, welche Organismen Du pflegen möchtest. Denke aber nicht, das Du niemals Steinkorallen halten wirst, irgendwann spielst Du mit dem Gedanken. Deshalb solltst Du Dir von Anfang an eine gute Beleuchtung zulegen. Aber Vorsicht: eine starke Beleuchtung wird unter optimalen Wasserbedingungen ein starkes Korallenwachstum hervorrufen. Prinzipiell nicht schlecht, aber denk dran, das Du wenig Platz hast. Je schneller die Koralle wachsen, desto stärker ist der Konkurrenzkampf und desto öfters muß Du pflegerisch eingreifen. Also liebe Wert auf ein gutes Strahlungsspektrum legen, als das Du Dir einen "fetten" HQI-Strahler zulegst. Der Vorschlag 2 x 24 W T5 ist schon sehr gut und bei den Beckenmaßen 60 x 30 x 30 cm ausreichend, auch zur Haltung von Steinkorallen. hier könntst Du mit einer Vollspektrumröhre und einer Blauröhre ein sehr schönes Licht erzeugen. Zwei Vollspektrumröhren sind auch in Ordnung.
Von Jaubert würde ich Dir bei diesem kleine Becken abraten, weil Du hier einen sehr hohen Bodengrund brauchst. Von einer Beckenhöhe von 30 cm kannst Du dann direkt mal 15 cm für den Bodengrund abziehen, da bleibt also nicht mehr viel übrig. Aber 60 x 30 x 30 cm ist ein wenig arg klein, daß ist zwar möglich, aber Du willst sicherlich mehr haben als eine Lederkoralle und ein Stein mit Scheibenanemonen. Deshalb nimm Dir lieber ein etwas größeres Becken.
Es gibt ein System, das sich Miracle Mud nennt, ich weiß nicht, ob Du es kennst. Hier betreibst Du einen externen Algenfilter, mit einem speziellen Substrat, dem Miracle Mud. Es ist heute noch fraglich, wie genau es funktioniert und aus welchem Material dieses Substrat besteht. Aber es ist sehr teuer und deshlab würde ich Dir auch hiervon abraten.
Ich würde Dir empfehlen, Dich an das Berliner System zu halten. Ein kleiner Eiweißabschäumer, gutes Lebendgestein und ein 2-3 cm hoher Bodengrund (eher feinkörnig als grobkörnig) an manchen Stellen (nicht im Bereich der Steine) und das sollte es eigentlich sein. Du kanst zumindest im ersten Jahr einige Makroalgen wie Caulerpa-Arten halten, die Dir durch die Aufnahme und Akkumulation von Nährstoffen den Nährstoffgehalt im Wasser minimieren. Durch das Entfernen der Algen entfernst Du auch die Nährstoffe.
Dann will ich noch das Zeovit-System erwähnen. Hier verwendest Du ein spezielles Gemisch aus Zeolithen, die einerseits den Phosphatgehalt senken und darüber hinaus sowohl den Ammonium- wie auch den Nitratabbau effektiv ermöglichen. Das kann ich für kleine Becken empfehlen.
Was die Calcium- und Carbonatversorgung angeht kannst Du sehr einfach mit der Balling-Methode arbeiten, einen Kalkreaktor wirst Du nicht benötigen. Weisst Du, wie die funktioniert ? Auch Kalkwasser ist geeignet, allerdings mußt Du mit der Faustregel aufpassen, dass das gesamte Verdunstungswasser mit Kalkwasser ausgeglichen wird. Bei kleineren Becken ist das manchmal schon zu viel des Guten, so dass 500 mL Kalkwasser am Tag schon ausreichen. In meinem Becken verdunstet etwa täglich 1,5 L Wasser, bei einer Wassertemperatur von 26,5 ° C und einem 70W HQI-Brenner in 20 cm Entfernung zur Wasseroberfläche. Übrigens steigt die Wasserverdunstung i.d.R. in den Wintermonaten an, weil dann die trockene Heizungsluft die Luftfeuchtigkeit stark herabsetzt und dadurch mehr verdunstet.
Wasserwechsel kann wöchentlich 5% betragen, Spurenelemente solltest Du möglichst täglich in geringer Dosis verabreichen. Lebendes Phytoplankton eignet sich sehr gut, um Kleinstlebewesen im Aquarium zu ernähren, so dass Du schnell zu einer intakten Fauna kommst.
So, mehr fällt mir erst mal nicht ein. Die Informationen müßten Dich aber eigentlich erst einmal beschaftigen. Deine Literaturwahl ist sehr gut! Ich kann darüber hinaus die Fossa & Nilsen Bände sehr empfehlen (erschienen im Schmettkamp Verlag). Es gibt auch sehr gute Fachzeitschriften, die kannst Du auch mal durchstöbern.
Viel Erfolg !