Ralf, ich antworte mal zwischen den Zeilen.
1. nach Deinen Gedankengängen sollte eigentlich der bestimmende Faktor für die Dauer des Einsatzes von Zeovit die Abgabefähigkeit von Eisen und Mangan sein. Gibt es da
Erfahrungen, wie lange dieses abgegeben wird (natürlich auch in Abhängigkeit vom Durchsatz)? Solange könnte man dann das Zeovit bis zum Austausch im System lassen.
Nein, dazu gibt es keine Untersuchungen, sondern nur die Erfahrungen von Thomas. Wie gesagt, meine "Hypothesen" zu dem Zeolithgemisch "Zeovit" basiert bezüglich der Phosphatentfernung auf der Analyse von Lars Sebralla, die man ja auch noch auf seiner HP lesen kann, soweit ich weiß. Wie ich es noch in Erinnerung habe, hatte Lars neues, nicht benutztes Material, 4 Tage altes Material und solches, das 4 WOchen im Einsatz war.
Bei dieser Analyse besteht folgendes Problem, was die ganze Sache auf wacklige Beine stellt. Erstens handelt es sich beim Zeovit um ein Gemisch aus drei, unbekannten Zeolithen, und dieses Gemisch variiert, so zumindest der optische Eindruck, von Charge zu Charge. Das heißt, von Charge zu Charge kann theoretisch immer ein Unterschied bestehen, der sich auf die Eigenschaften des Gesamtmaterials auswirkt.
Darüber hinaus hat Lars für die Analyse nur sehr wenig Material verwendet, d.h. er hat möglicherweise nur ein einziges Zeolithsteinchen genommen (etwas extrem formuliert, Lars hat die Einwaage angegeben), aber die beiden anderen Zeolithe im Gemisch gar nicht beachtet.
Deshalb kann man sich nur auf die bisherigen Erfahrungen berufen, die gemacht wurden. Prinzipiell könnte man den Verbrauch am Phosphatgehalt festmachen, d.h. sollte dieser wieder steigen, könnte man das Material wechseln. Allerdings wird das mit Sicherheit extrem unterschiedlich sein. Ich kann eben nur raten, wenn man den Phosphatgehalt langfristig nicht runterbekommt, aber der Stickstoffgehalt schon ziemlich am Boden ist, einen Phosphatadsorber zusätzlich einzusetzen, um sich hier kein Ungleichgewicht einzuhandeln.
2. wo sollte Deiner Meinung nach der Phosphatadsorber gesetzt werden, vor oder nach dem Zeovit?
Das ist wurscht. Was aber wichtig ist: jedes Adsorbermaterial, das man einsetzt, ob Aktivkohle, Zeovit, Phosphatadsorber oder sonst was, immer vor den Abschäüumer, damit wenn was abschäumbares abgegeben wird das Zeug auch abgeschäumt wird. Hier noch ein Hinweis. Weil Phosphat und alles andere mögliche bei der Zeovit-Methode eben über den Abschäumer entfernt wird, kann auf einen Abschäumer nicht verzichtet werden.
Das steht wiederum im Gegensatz zu vielen Becken, die ohne Abschäumer betrieben werden und auch so betrieben werden müssen, damit sie gut stehen. Beispiel Michael Mrutzek: sowohl bei seinem Privatbecken wie auch bei vielen seiner Kunden bringt das dauerhafte abschäumen nur Cyanos zum Vorschein bzw. viele Korallen, v.a. Gonioporas, stehen bei Abschäumung nur schlecht da. Das zeigt wieder, es geht auch vollkommen anders.
3. wie wirkt sich eigentlich eine zu große Dosierung von Spurenelementen bei Einsatz von Zeovit aus? Welche Nachteile könnte es geben (außer natürlich dem Kostenfaktor)?
Spurenelemente müssen stehts dem Nährstoffgehalt angepaßt werden. Wenn man es mal nüchtern betrachtet, dann sind auch Spurenelemente Nährstoffe, nur eben solche, die ausschliesslich in Spuren benötigt werden.
Wenn der Nährstoffgehalt hoch ist, also sagen wir mal Nitrat 30 mg/L und Phosphat 0,5 mg/L (und das ist schon ne Menge Phosphat!), dann muß auch Eisen in höherer Konzentration vorhanden sein, damit die Algen und Korallen wachsen können, ohne das es an Eisen mangelt. Also muß Eisen dazudosiert werden.
Jetzt seien die Nährstoffgehalte niedrig, Nitrat 0,05 mg/L und Phosphat 0,005 mg/L. Das wird allerdings der Korallen-Zooxanthellen-Symbiose nicht viel ausmachen, weil eben die Koralle ihre Zooxanthellen eigenständig und mehr oder weniger unabhängig vom exogenen Nährstoffgehalt versorgen kann. Den Zooxanthellen geht es also prima. Wenn Du jetzt Eisen überdosierst, dann werden sich die Zooxanthellen freuen und das Eisen aufnehmen. Und weil Eisen genau wie Stickstoff und Phosphor ein Nährelement, und zwar das 4. häufigste in marinen, pflanzlichen Organismen ist, werden die Zooxanthellen gedüngt und dadurch werden sie sich teilen. Aus der Teilung resultieren entsprechend mehr Zooxanthellen, die dann das Korallengewebe braun färben. Dadurch werden
1) u.U. Pigmente der Koralle überlagert
2) ist eine hohe Zooxanthellendichte im Gewebe der Korallen, verknüpft mit einer erhöhten Nährstoff- und Spurenelementverfügbarkeit, damit gekoppelt, das die Zooxanthellen durch ihr Wachstum und ihre Teilungsaktivität viele der Zucker, Aminosäuren, Fettsäuren etc. selbst beanspruchen und nicht mehr der Koralle abgeben. Die Koralle hungert also und wächst entsprechend langsam oder stirbt sogar.
Was man auch nicht unterschätzen darf: Viele Spurenelemente sind in hohen Konzentrationen toxisch, z.B. Schwermetalle wie Kupfer, die wir in den Spurenelementen haben. V.a. wenn die Nährstoffgehalte sehr niedrig sind, kann eine normale Dosierung von Spurenelementen (so wie sie auf der Verpackung steht) schon toxisch sein, und dann macht eine Koralle schnell mal den Abgang. Deshalb: Spurenelemente immer dem Nährstoffgehalt anpassen und die Verpackungsbeilage nie grundsätzlich einhalten!