Hallo Oliver,
dieser Thread ist eine gute Idee 
Ich bin neugierig, wer aller sich beteiligt. Auch bei uns in Österreich erfreut sich das Thema Planktonzucht zunehmenden Interesses.
Lebendfutter ist z.B. für meine Zostera-Seepferdchen essentiell, und Artemien als Alleinfutter sind, wie ich gelernt hab, aus mehreren Gründen nicht optimal. Deshalb versuch ich jetzt schon länger, meine Zooplankton-Kulturen zu optimieren und vor allem stabil zu halten. Das ist grad innerhalb der 4 Wände nicht immer ganz einfach, weil man ja meist mit vergleichsweise kleinen Zuchtbehältern arbeitet und oft geneigt ist, den Futtertieren mehr Nahrung zu geben als sie brauchen.
Mit der Lebendfutterzucht verbunden ist meist auch die Eigenproduktion von Schwebealgen - obwohl sehr gute Algenkonzentrate im Handel erhältlich sind, die auch höherwertig sind als die bei privaten AquarianerInnen noch am weitesten verbreitete Nannochloropsis salina.
Trotzdem: Es macht Spaß und ist interessant, auch das Phytoplankton selbst zu kultivieren.
An Phyto hab ich die schon erwähnte Allerweltsalge Nannochloropsis salina, die ich in der Wohnung züchte bei 24-28°. Im Keller hab ich mir eine kleine Anlage gebastelt für Rhodomonas baltica. Die braucht's kühler, außerdem ist es bei der konsequenten Trennung einfacher, die Kulturen rein zu halten. Rhodomonas ist weitaus empfindlicher als Nannochloropsis.
Als 'Reaktoren' für die Schwebealgen verwend ich transparente PET-Flaschen mit 1,5 Liter Fassungsvermögen, für die Nannochloropsis nehm ich auch Halbliterflaschen. Belüftet werden sie mittels Membranpumpen über Druckrohre.
Beide Schwebealgenarten halte ich (aus Bequemlichkeit, weil das der Standard-Salzgehalt in den meisten meiner Aquarien ist) bei 3° Salinität, gefüttert werden sie mit F/2-Dünger. Für die Rhodomonas setz ich das Kulturwasser meist frisch an, um ja keine Fremdalgen einzubringen, für die Nanno nehm ich auch vorbereitetes, in Flaschen abgefülltes Seewasser.
Zur Verfütterung gieße ich die vorgesehene Menge Algenbrühe direkt in die Haltungsbecken. In der Regel ist zu diesem Zeitpunkt die Düngerkonzentration bereits so gering, dass es zu keinen unerwünschten Nährstoffeinträgen kommt. Zur Sicherheit teste ich die Algensuppe vorher mit Merck-NO3-Teststreifen.
Reif zum Verfüttern sind die Algen, sobald die Algenkultur die für ihre Art jeweils typische Farbe in kräftiger Ausprägung aufweist Damit ist auch ein Neuansatz fällig. Wartet man da zu lange, stirbt ein Teil der Algen aus Nahrungsmangel ab, und dann kippt in kurzer Zeit die ganze Kultur. Es empfieht sich also, immer mehrere Ansätze mit eventuell unterschiedlichem Alter gleichzeitig zu kultivieren.
Gereinigt werden die Flaschen mit Natriumhypochloridlauge und anschließend mit Essigwasser.
Seit kurzem versuch ich mich auch in der Kultur von Arthrospira (Spirulina) platensis. Da hab ich noch kaum Erfahrung, aber ich bin froh, dass ich erstens einen lebenden Ansatz bekommen und zweitens das Rezept für das Kulturmedium gefunden hab. Arthrospira ist eine 'Süßwasseralge', was allerdings nur bedeutet, dass sie in der Regel nicht mariner Herkunft ist. Das Kulturmedium besteht hauptsächlich aus Natriumsalzen.
Auf die Idee, es mit der Zucht von Spirulina zu versuchen, hat mich eine liebe Bekannte gebracht. Sie meinte, die Blaualgen wären vielleicht eine gute Nahrungsquelle für meine Salzwasserflöhe. Das liegt nahe, denn auch Moina salina kommt in sodahaltigen Binnengewässern vor. Und Spirulina müsste als Bakterium eine höhere Reproduktionsrate haben als 'echtes' Phytoplankton. Bis jetzt freu ich mich halt nur darüber, dass die Kultur nicht eingegangen ist 
Mit den Salzwasserflöhen bin ich auch schon beim Zooplankton. Davon hab ich neben den schon genannten Moina salina mehrere kleine Copepodenarten in bunter Mischung (auch mit Brachionus) sowie separat Tigriopus californicus und eine calanoide Spezies, die an Acartia tonsa erinnert.
Das Zooplankton halt ich indoor überwiegend in 5 Liter-Plastikboxen, z.T. auch in solchen mit 10 Liter Inhalt.
Alle Ruderfußkrebse füttere ich abwechselnd mit Phytoplankton aus eigener Kultur, Phytokonzentrat (Tetraselmis und Pavlova), Artemiagranulat, Blütenpollen und Culture Selco Plus (bzw. das Nachfolgeprodukt S.Parkle). Beim Neuansatz und später alle paar Tage geb ich eine Messerspitze eines Futtermittelzusatzstoffs mit probiotischen Bakterien zu und eine Prise Guano.
Die Wasserflöhe bekommen derzeit nur Blütenpollen und Culture Selco Plus zu essen, ebenfalls mit BioPlus und Guano.
Liebe Grüße
Linda