Hallo,
habe mir lange überlegt, ob ich es schreiben soll, da mir der nötige chemische Durchblick fehlt, aber vielleicht weiß jemand eine Antwort:
ich habe heute mal mit Grausen genauer in mein größeres Becken geschaut und bin eigentlich zu einem, vielleicht nicht nur für mich, interessanten Ergebnis gekommen.
Nachdem ich mir mit dem weißen Phosphatabsorber in geringster Dosierung einiger Acroporen entledigt hatte
PO4-Meßung 0,0 ) NO³ bei 3mg/Ltr.(künstlich erhöht), und die Cyanos eigentlich nicht weniger werden (alte Beläge gehen ab, 1 Woche später ist der rote Anflug wieder da) nehme ich mittlerweile schwer an, daß die Cyanos von gebundenem Phosphat im Bodengrund und den Steinen leben. und das eigentlich nur in der obersten mm-Schicht.
sobald man nämlich den mm am Korallensand-Boden abnimmt, ist bei mir zumindest der Boden sauber (Becken steht erst 1/2 Jahr) um aber die kommenden Tage wieder rot zu werden.
Da ja bekannterweise alle Korallen PO4 benötigen, meine SPS aber derzeit sehr fertig am Riffaufbau im großen Becken aussehen, habe ich die nächste interessante Beobachtung gemacht. Abgebrochene Montipora-Ableger, aber auch Seriatopora mit direktem Kontakt zum Bodengrund haben die beste Polypenexpansion und sehen in keinster Weise ungesund aus. Sie behaupten sich inmitten der Cyanoteppiche, fast kann man sehen, daß im Umkreis der abgebrochenen Ableger von 1 bis 2 cm der Bodengrund vollkommen sauber ist.
Anscheinend sind Korallen in der Lage, auch das gebundene PO zu verwerten.
In 5 Becken verwende ich jeweils immer einen anderen Bodengrund in verschiedenen Körnungen. Hierbei habe ich auch unterschiedliche Entwicklungen der Cyanos bis zum garnicht Vorhandensein festgestellt.
Im am schlimmsten mit Cyanos befallenen Ablegerbecken (sogar Scheiben rot) mit feinem Korallensand (nicht leb. Sand) wachsen seltsamerweise sowohl die SPS, als auch GPS am besten???
Es wäre einmal interessant, wie man den PO-Gehalt des Bodengrunds messen könnte??, selbst wenn das umgebende Wasser 0 enthält??
PO4, Korallensand und Cyanos
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Hallo Stefan,
also wenn ich Claude richtig verstanden habe, den Bodengrund ioder Gesteinsproben in Osmosewasser auskochen über Nacht stehen lassen und dann das Wasser messen. Ob es da aber Rezepte gibt, man nehme jeweils soundso viel, keine Ahnung, aber vieleicht sagt ja Claude was dazu.
Ich für meinen Teil bin gerade dabei verschiedene Proben nacheinander zu nehmen und auf diese Art zu testen, wobei mir wichtig ist immer die gleiche Menge einer Trockensubstanz in der selben Menge Wasser zu kochen.
Gruß Henry
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Hallo Stefan,
ich habe bei über Monate messtechnisch konstanten schulmäßgen Wasserwerten (siehe Sig.) auch ein "sehr gutes" Algenwachstum (nicht nur Cyanos, sondern alles, was es so gibt). Viel Lesen hier im Forum (und da besonders einige teilweise schon ältere Beiträge von Peter Schmiedel) sowie der jüngere SiFi-Vortrag von Jörg Kokott haben mein Denken dann auch in die Richtung der Reservoire von gebundenem Phospat u/o gelöster organischer Substanzen gelenkt.
Der Teil mit den gebundenen Phospaten erschien dann auch zunächst ein schlüssiger Erklärungsansatz zu sein, insbesondere da ich die Ca-Versorgung ausschließlich über Kalkwasser sicherstelle und auch keinen Abschäumer verwende. Wo mein "Logikkette" dann allerdings zerbrach, war an den Aquarienscheiben. Vermutlich macht hier jeder die selbe Erfahrung: an den Scheiben fühlen sich die Algen besonders wohl (und das schreibst Du ja auch zu Deinem Ablegerbecken). Aber wo in aller Herrgottsnamen (ver)stecken sich die gebundenen Phospate auf den Scheibenoberflächen??? Kurzum: "Superalgenhabitat" Aquarienscheibe und "gebundenes Phosphor-Mangelgebiet" Aquarienscheibe beissen sich irgendwie.
... genau am diesem Punkt bin ich nun mit meinen Überlegungen (=Auflösung habe ich - noch - nicht parat, denke aber, daß es in Richtung DOM gehen wird).
Deine Beobachtung/Hypothese mit den gebundenes Phosphat-fressenden Korallen hört sich sehr überzeugend an. Denkbar wäre aber auch, daß sich ein abgebrochenes Korallenfragment einfach mit chemischen Keulen à la "new kid on the block" erstmal mächtig Respekt verschafft und seine Nachbarn mit einer Art chemisch-teutonischem Jägerzaun um seinen Vorgarten in die Schranken zu verweisen sucht. Aber das ist nun eher spekulative Bauernschläue als fundiertes biologisches Wissen.
CU AS
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Hallo Andreas!
ZitatAber das ist nun eher spekulative Bauernschläue als fundiertes biologisches Wissen.
Damit wirst Du trotzdem zu den erfolgreichen Landwirten gehören.
Im Tier- und Pflanzenreich sowie bei den Pilzen gibt es Unmengen chemischer Kampfstoffe, die mit unterschiedlichem Erfolg eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür ist ja das berühmte Penicillin.
Das sich (bestimmte) Korallen mit solchen Substanzen gegen Cyanos wehren können, erscheint mir nicht unwahrscheinlich.
Ein wichtiger Punkt bezüglich des Wachstums von Cyanos abseits von Phosphat- und Nitratwerten ist mir jetzt aufgefallen. An schlechter beleuchteten Stellen (z.B. in den unteren Ecken) sehe ich keine Spur von Cyanos. Und damit meinte ich noch nicht einmal die ganz dunklen Stellen. Die Cyanos scheinen die pralle "Sonne" zu genießen.
Was die Sache mit den Glasscheiben angeht: Die Glasscheiben sind ja genau betrachtet nicht so glatt, wie wir das mit unseren eingeschränkten Sinnen wahrnehmen. Es finden sich feinste Unebenheiten, die nicht nur Bakterien und anderen Mikroorganismen Möglichkeiten zur Besiedlung geben, sondern auch als "Kristallisationskeime" eine Ausfällung und Ablagerung von Phosphaten ermöglichen könnten. Diese könnten dann von den Cyanos (und anderen) als Nährstoffquelle genutzt werden (spekulativ).
Gruß,
Michael
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...vielleicht habe ich es nicht so klar verständlich ausgedrückt; ich bin der Meinung, daß sich SPS,GPS von gebundenem PO4 ihren überlebensnotwendigen PO-Anteil sichern, und das in direkter Konkurrenz zu allen Algen, bzw. Cyanobakterien. Das Korallengewebe von astförmigen Montiporas übernimmt relativ schnell den Korallenbruch als Siedlungssubstrat, um hierauf bie beste Polypenexpansion zu zeigen.
Dies aber nur bei nicht mehr aufnehmbarem, bzw verwertbaren PO in der freien Wassersäule.
Cyanos scheinen mehr eine Katalysatorrolle zu spielen. In einem Ablegerbecken, das sich mehr oder weniger selbst überlassen ist, wachsen an den Scheiben zuerst die kurzen Fadenalgen, darauf dann als Siedler die Cyanos.
Ein anderes Ablegerbecken mit gemischten höheren Algen (Ulva, Caulerpa div.) hat beispielsweise mit Cyanos überhaupt keine Probleme.Es scheint fast so, als ob Cyanobakterien in die Nische fehlender höherer Algen als PO4 Verwerter, bzw -Speicher einspringen.
So jedenfalls meine laienhafte Beobachtung, bzw Verständnis der PO4 Chemie.
Welche Rolle jetzt Kalkrotalgen spielen, die ja wiederum die Lücke zwischen höheren Algen und Cyanos besetzen, erklärt sich ja selbstredend. Wobei ich eigentlich immer noch auf einen gemischten Bestand an höheren und Kalkrotalgen wert lege, wenn da nur nicht 'Schädlinge' wie Fisch und Seeigel wären.... -
Hallo zusammen,
hat der Cyanofilm an den Scheiben vielleicht Kontakt mit den Cyanos am Bodengrund? Unter dem Cyanobelag herrschen andere Verhältnisse, von denen die Cyanos an der Scheibe profitieren können.
Grüße
Hans-Werner
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Zitat
Original von Hans-Werner
Hallo zusammen,hat der Cyanofilm an den Scheiben vielleicht Kontakt mit den Cyanos am Bodengrund? Unter dem Cyanobelag herrschen andere Verhältnisse, von denen die Cyanos an der Scheibe profitieren können.
Grüße
Hans-Werner
Hallo Hans-Werner,
meine Beobachtung zu Cyanos an den Scheiben ist der, daß immer ein leichter Algenfilm an der Scheibe vorhanden sein muß, bevor sie 'aufspringen'. Der Bodengrund bzw jedes Körnchen wird ja auch von einem Algenfilm umhüllt sein.
Kontakt haben die Bakterien an den Scheiben sicherlich in irgend einer nicht mit dem Auge sichtbaren Form zu den substratgebundenen Cyanos.
Ich denke mal, daß unter diesen stark anaerobe Verhältnisse herrschen?da ja jede Alge PO4 und CO2 speichert, bzw. zum Wachstum benötigen, denke ich logischer Weise ,daß Cyanos nur bei einem Ungleichgewicht von gebundenem Phosphat zu gelöstem Phosphat auftreten. Wobei hier natürlich sicherlich noch weitere Bausteine wie Silikat u.a. eine Rolle spielen, was ich natürlich nicht beweisen kann.
All das lenkt jetzt natürlich weit von meiner Beobachtung ab, das Korallen bzw deren lebendes Gewebe, gebundenes substratfremdes PO4 aufnehmen können, um ihr Überleben zu sichern.
Anders kann ich mir auch nicht erklären, daß eine fast abgestorbene Acropora verstärkt ihre Basalscheibe über einen Stein ausbreitet um hier mit veränderter kurzpoylpiger Wachstumsweise eine 'Neubesiedelung' zu beginnen. -
Hallo Stefan!
Zitatich bin der Meinung, daß sich SPS,GPS von gebundenem PO4 ihren überlebensnotwendigen PO-Anteil sichern
Ich bezweifle es doch sehr stark, daß sie das können. Bei Phosphorlimitierungen strecken sie laut dem Vortrag von Jörg Kokott in SiFi ihre Polypen sehr weit aus, um möglichst viel Plankton damit zu erhaschen, als Phosphorquelle. Und sie verarbeiten wohl auch ihr eigenes Gewebe, um an Phosphor heranzukommen, was aber letztlich das Absterben nur verzögert.Zitatda ja jede Alge PO4 und CO2 speichert, bzw. zum Wachstum benötigen, denke ich logischer Weise ,daß Cyanos nur bei einem Ungleichgewicht von gebundenem Phosphat zu gelöstem Phosphat auftreten.
Dem kann ich jetzt nicht folgen.
Ich glaube eher, daß die Cyanos durch Störungen der Stickstoffversorgung, sei es ein Überangebot (Nitrat und andere Formen hoch), sei es ein Mangel, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber niederen Tieren gewinnen, da diese zum einen bei höheren Nitratwerten schlechter bis gar nicht mehr wachsen, zum anderen bei Mangelsituationen nicht wie die Cyanos auf physikalisch im Wasser gelösten Stickstoff zurückgreifen können.Gruß,
Michael
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