Buntbarsch in Meerwasserbecken!

  • Hallo zusammen!

    Ich war gerade bei Zoo Kölle in Ludwigshafen-Oggersheim. Dort habe ich ein sehr nettes Gespräch mit einem Verkäufer geführt. Im Laufe dieses Gespräches kamen wir auf die Anpassungsfähigkeit von Tieren zu sprechen. Da führte er mich zum Hai-Schaubecken und zeigte mir dort (im Meerwasser) einen Buntbarsch (es war wirklich einer, das war unzweifelhaft)!

    Wie er schilderte, war das Tier in seinen Becken in der Süßwasserabteilung verletzt worden und war sterbend gewesen. Man entschloß sich daher, ihn den Hai als Futter zukommen zu lassen. Die hatten wohl aber keinen Appetit auf Buntbarsch und fraßen ihn nicht.

    Jetzt kommt das Erstaunliche: Er verstarb nicht, die Verletzung heilten aus und er schwimmt munter, wenn auch in der Nähe von Deckung, zwischen Imperatorfischen, Doktorfischen, diversen anderen und drei kleinen Riffhaien!

    Wie ich vom Verkäufer erfuhr, ist der Salzgehalt in diesem Becken etwas verringert (ich habe in meinem Ertsaunen nicht näher nachgefragt). Es handelt sich bei diesem Buntbarsch wohl um eine südamerikanische Art, die ich allerdings nicht genauer bestimmen konnte. Das Exemplar ist zumindest 20 cm groß. Seine Atmung war normal, sein Verhalten wirkte mir jetzt nicht sehr auffällig. Seine Schwimmlage war normal.

    Ich weiß jetzt nicht so recht, was ich davon halten soll: Einerseits bin ich einfach baff, daß er das so gut überstanden hat. Andererseits denke ich, das man ihn aus dieser Lage wieder befreien sollte. Allerdings frag ich mich, wie gut er ein Umsetzen in Süßwasser (auch wenn man den Salzgehalt langsam absenkt) dann überhaupt überstehen würde. Zum dritten bin ich natürlich interessiert, wie es dem Fisch möglich war (von der Biochemie und Physiologie her) sich anzupassen. Vielleicht kann sich Harald Mülder ja dazu äußern?

    Um das auch noch zu sagen: Ich hatte nicht den Eindruck, als ob man dort bei Zoo Kölle rücksichtslos mit den Tieren umgehen würde. Im Gegenteil. Der Verkäufer der Meerwasserabteilung nahm sich extrem viel Zeit für mich, demonstrierte mir bei den Tieren, für die ich mich interessierte, von sich aus, was sie an Futter fressen, riet mir vom Kauf zweier Kaudernis ab, da aus der gesamten Gruppe bereits mehrere Tiere aus unklarem Grund verstorben seien (obwohl sie lebhaft ans Futter gingen). Er wollte sie erst noch einige Tage beobachten, bevor er sie evtl. verkaufen würde. Auch die Beratung und Pflegehinweise bei den Korallen fand ich korrekt.

    Aber zurück zum Thema. Was haltet ihr den von der Sache mit dem Buntbarsch?

    Gruß,

    Michael

    P.S.: Ich werden Ende dieser oder Anfang nächster Woche noch einmal dorthinfahren und bei dieser Gelegenheit mich noch nach der genauen Salinität und der Dauer des Aufenthaltes in diesem Becken erkundigen.

  • Zitat

    Original von Michael Riediger
    Es handelt sich bei diesem Buntbarsch wohl um eine südamerikanische Art, die ich allerdings nicht genauer bestimmen konnte. Das Exemplar ist zumindest 20 cm groß.


    Hi Michael,
    meines Wissens werden versch. Buntbarscharten (ich glaube Tilapia-Arten) in Netzkäfigen im Meer gezüchtet.

  • Zitat

    Wie ich vom Verkäufer erfuhr, ist der Salzgehalt in diesem Becken etwas verringert (ich habe in meinem Ertsaunen nicht näher nachgefragt).


    da sind die krankheitserreger nicth so überlebensfähig, dann gibts auch weniger pünktchen etc.
    wenn ich es richtig aufgeschnappt hab vertragen die niedrigere dichte nicht so! (glaube auch schon mal gelesen zu haben, dass man bein manchen krankeheiten die dichte absenken soll, oder ganz krass ein süsswasserbad!)

    der kölle in heilbronn macht das genauso, aber ich hab keine ahnung ob das in händlerbecken üblich ist?!?


    viele grüsse
    timo

  • Hi,

    unsere rezenten Suesswasserknochenfische (Teleostei) stammen aus dem Meer, von daher haben Suesswasserknochenfische in Suesswasser das Problem, das sie andauernd Wasser aufnehmen, weil sie in ihren Zellen eine hoehere Osmolaritaet besitzen als das Umgebende Wasser. Also produzieren sie einen stark verduennten Harn und versuchen so viele Ionen aus der Umgebung aufzunehmen, wie moeglich.

    Seewasserteleostei sind gegenueber Meerwaser hypoosmotisch, d.h., sie verlieren andauernd Wasser, folglich muessen sie Meerwasser trinken und haben dann das Problem, uebschuessige Ionen wieder los zu werden.

    Das wird u.a ueber sog. Chloridzellen in den Kiemen reguliert.

    Von daher ist es zwar spektakulaer, aber nichts unmoegliches, weil eben Suesswasserknochenfische urspruenglich aus dem Meer kommen.

    H Hersteller

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