Nachtabsenkung der Strömungspumpen Vor/Nachteile Diskussion

  • Guten Morgen Paulie,

    ja diese Beobachtung teile ich genau so, im Beitrag 16 habe ich auch eine Erklärung für dieses
    Phänomen "gelinkt".

    Salzigen Gruß
    Daniel

    Mein WohnzimmerRiff

    Wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen,
    bleibt es trotzdem eine Dummheit.
    Anatole France

  • Hallo zusammen,

    ich möchte mal folgendes zu Bedenken geben:

    1) Strömungen sind vor allem von Großwetterlagen und Gezeiten abhängig. Zu Vollmond und Neumond sind bekanntlich Springtiden, sollten also bei normalem Tidenverlauf Zeiten der stärksten Strömung sein. Oft findet gerade zu diesen Zeiten eine Abgabe von Geschlechtsprodukten statt. Ein Meer-/Landwind-Wechsel kann zwar die Meeresoberfläche mal glatter mal stärker gekräuselt erscheinen lassen, das hat aber praktisch keinen Einfluss auf Strömungen. Dazu ist die Dichte und somit die Masseträgheit des Wassers viel zu hoch. Korrekt ist, dass hier in den Morgenstunden oft ein Minimum ist weil das Land sich erst wieder erwärmen muss, der auslösende Temperaturunterschied ist dann also eine Zeit lang minimal.

    Wenn nun aber Strömungen in hohem Maß tidenabhängig sind, was sicher in den meisten Meeren zutrifft, wechseln die Zeiten der stärksten Strömungen die Tageszeiten durch, so wie die Tiden auch. Außerdem erfolgt zirka alle 6 1/4 Stunden ein Maximum, mit auflaufendem bzw. ablaufendem Wasser, und 6 1/4 Stunden darauf ein Minimum, mit dem Gezeitenwechsel und dadurch bedingtem Strömungsstillstand. Es ist also in der Natur ein eher dynamischer Zustand, der keine ganze Nacht anhält. Allerdings gibt es auch andere Tidenverläufe, 12 1/2-stündige und Übergangsformen, die aber ebenfalls die Tageszeiten im Verlauf des Mondmonats durchwechseln.

    2) In der Nacht verbrauchen alle Tiere, Algen und Bakterien Sauerstoff, der Sauerstoffbedarf ist also in der Nacht am höchsten. Ich habe deshalb bisher auf eine Nachtabsenkung der Strömung verzichtet, würde die aus genannten Gründen auch keinesfalls auf die ganze Nacht ausdehnen. Was den Sauerstoffbedarf der Korallen angeht, ist hier eindeutig das Maximum in der Nacht zu suchen, da dann auch die Zooxanthellen keinen Sauerstoff produzieren sondern solchen verbrauchen. Ebenso ist die CO2-Produktion innerhalb der Koralle in der Nacht maximal, ein verringerter Stoffaustausch an der Korallenoberfläche in der Nacht sollte also nicht optimal sein.

    Außerdem möchte ich zu bedenken geben, dass es zumindest bei Seeigeln Auslöser für die Abgabe von Geschlechtsprodukten gibt, die eindeutig als Streß zu betrachten sind, wie z. B. plötzliche Dichteschwankungen oder Schwankungen in der chemischen Zusammensetzung des Wassers. Daraus eine positive Wirkung des Auslösers abzuleiten, halte ich für gewagt.

    Grüße

    Hans-Werner

  • Hallo miteinander

    nach nun zehn Jahren greife ich dieses Thema nochmal auf, weil es inzwischen vermutlich weitergehende Erkenntnisse und Erfahrungen gibt?

    Ich habe nämlich festgestellt, dass trotz meiner durchaus kräftigen Ringströmung an den toten Zonen schleimige Gammelecken entstehen, die dann dort allmählich zu dickschwartigen Schmieralgennestern mutieren.

    Ohne Nachtabdenkung wären solche Zonen jedenfalls geringer.

    Grüße vom Nordeifelrand,
    Werner

    Reefer 425, 2 x Hydra 32 + 40 Watt umlaufende LED-Leisten 13.000 K.+ 5 Spots
    6 Turbellen, Rundströmung mit Wellen im 1-Sekundentakt, "Ebbe - Flut" alle 3,5 h
    Deltec 600i, Fe-Adsorber (Ramsch-Perlen), Biopellets, Balling light
    15 % Wasserwechsel/Woche

    Täglich lebende Artemianauplien + 120 cm³ frisch gezapftes Phytoplankton

    Einmal editiert, zuletzt von Werner F. (30. Mai 2026 um 23:52) aus folgendem Grund: erg.

  • Hallo Werner,

    damit hast du dir doch deine Frage schon selbst beantwortet. :smiling_face_with_halo:

    So simpel ist es nicht, sonst hätte ich das Thema nicht nochmals angesprochen.

    Es geht letztendlich primär um Fische & Korallen, zumal letztere andere Ansprüche als die Fische haben.

    Grüße vom Nordeifelrand,
    Werner

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  • Ohne Nachtabdenkung wären solche Zonen jedenfalls geringer.

    Sagt sich zwar so einfach, aber das Ziel sollte sein, dass selbst mit evtl. Nachtabsenkung, solche Zonen gar nicht erst entsehen.
    Ich fahre ebenfalls mit einer Nachtabsenkung & habe bisher keine negativen Auswirkungen auf meine Korallen feststellen können.
    Okay, ich betreibe natürlich auch kein High-End-SPS Becken und habe bei mir, aufgrund meines Riffaufbaus, sicherlich auch die eine oder andere Zone, wo keine / kaum Strömung hinkommt.

    Verlasse mich da auf meine L.debelius, Kegelfechter, Turbos usw...:smiling_face:

    Grüße Andreas

    180x70x65 (OptiWhite-Glas)
    Technikbecken 100x50x40
    Giesemann Aurora V4 150cm
    2x Tunze 6075 Hub / 1x Tunze 6105 Hub
    Tunze smartcontroller 7000
    Nyos Quantum 160
    Dupla RO 600

  • Insgesamt 6 Strömungspumpen machen zwar eine brauchbare Zirkulation und der Riffaufbau ist hinten "hohl". Aber im Laufe der Jahre verwächst alles, teilweise rotkohlgroße Stöcke, und da gibt es trotz stündlichem "Sturm", bei dem alle Pumpen gleichzeitig volle Leistun geben, dennoch unvermeidliche Zonen.

    Ist die Turbulenz auch des nachts, gäbe es weniger Totraum.

    Aber möglicherweise gibt es Fische, Korallen und ich denke auch an Plankton, die eine ruhige Nachtphase benötigen.

    Exakt das ist der obige Grund, dieses Thema nach 10 Jahren weiterer Erkenntnisse nochmals zu erwähnen.

    Grüße vom Nordeifelrand,
    Werner

    Reefer 425, 2 x Hydra 32 + 40 Watt umlaufende LED-Leisten 13.000 K.+ 5 Spots
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  • Sehr schönes Becken.
    Mein Riff-Aufbau ist ähnlich & wird auch durch zusätzlichen, mehrmaligen Sturm-Modus beströmt.

    und da gibt es trotz stündlichem "Sturm", bei dem alle Pumpen gleichzeitig volle Leistun geben, dennoch unvermeidliche Zonen.

    Dann würde sich aber bei einer Nachtabsenkung auch nichts groß verändern, oder?

    Aber möglicherweise gibt es Fische, Korallen und ich denke auch an Plankton, die eine ruhige Nachtphase benötigen.

    Davon gehe ich persönlich aus...

    Grüße Andreas

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  • So lange ruhige Eckchen im Aquarium vorhanden sind - und das sind sie meist - kann die Strömung auch nachts laufen. In der Natur wird sie auch nicht abgeschaltet. Bei einigen sehr spärlich eingerichteten Becken (bare bottom, etc.) können die Ruhezonen zum Mangelfaktor werden und das führt zu Stress, Aggressionen, Krankheit.

    So lange man aufpasst, dass die Sedimentecken nicht zu groß oder gar schwarz werden, haben auch diese schwach durchströmten Gebiete ihre Daseinsberechtigung (Stichwort Denitrifikation).

    LG Burkhard

  • (...) kann die Strömung auch nachts laufen. In der Natur wird sie auch nicht abgeschaltet. (...)

    So lange man aufpasst, dass die Sedimentecken nicht zu groß oder gar schwarz werden, haben auch diese schwach durchströmten Gebiete ihre Daseinsberechtigung (Stichwort Denitrifikation).

    Genau das ist ein beleuchtbares Thema!

    In der Natur dennke ich, dass - geschätzt - in 1 - 2 m Wassertiefe kaum noch Wellen spürbar sind, da sie primär durch Wind auf der Oberfläche entstehen. Somit erleben Fische und Korallen ab dort eher eine laminare Gezeitenströmung.

    Wenn ich das richtig verstehe, ist die Rauhigkeit primär im Oberflächenbereich, nicht tiefgehend und hauptsächlich tagsüber bei Wind durch Sonneneinstrahlung.

    Da meine Pumpen im Takt kräftig pulsieren um Wellenresonanz zu erzeugen, könnte das im Nachtbetrieb tatsächlich widernatürlich sein.

    Ich habe das noch nie gemacht, nachts laufen die Pumpen ohne Puls und mit 30 %. Möchte das nicht "einfach so" ausprobieren, um unnötigen Stress zu vermeiden. Daher mein Hinterfragen zu diesem Thema.

    Dankeschön auch für die Teilnahme.

    Grüße vom Nordeifelrand,
    Werner

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