Nitrat senken - aber wie?

  • Hallo an alle,
    ich hab ein hoffentlich nur kl. Nitrat- und Algenproblem.

    Becken 560l
    Hauptsächlcih Weichkorallen, Anemonen und zwei Steinkorallen (genau Liste kann ich bi Bedaf gerne posten).

    Das Becken steht seit Juni 2010 und es läuft mal schlecht - mal recht :smiling_face:

    Seit geraumer Zeit habe ich folgende Symptome:

    • massiver Anwuchs der pumpenden Xenien
    • starker Algenwachtum an zwei Stellen im Becken
    • massive Verbreitung von Glasrosen

    Den Glasrosen und pumpenden Xenien werde ich demnächst wieder mit Calziumhydroxid an den Leib gehen - aber sehr langsam. Pro Tag max 5 Tierchen.

    Ich habe bewusst seit ca 2 Monaten kein Calziumhydroxid verwendet weil ich dachte, das das das Becken belastet.

    Aktuelle Wasserwerte:

    • Magnesium 1500
    • Nitrat 30
    • Nitrit 0,05
    • Phosphat 0,05
    • Karbonathärte 6
    • PH 7,5
    • Salz 1,024

    Das Nitrat ist zu hoch und ich vermute, dass daher auch das Algenwachstum kommt. Wir waren nun in den Ferien 14 Tage in Ägypten und als wir wiederkamen konnte ich an zwei stellen richtig viel Fadenalgen "ernten".

    Ich meine gelesen zu haben, dass man Aktivkohle in einem Sack in den Ablaufschacht hängen soll um das Nitrat zu senken - richtig?

    Wenn ja - kann mir jemand sagen wieviel Gramm ich da nutzen sollte?

    Wasserwechsel mache ich alle 3 Wochen und das Nitrat bleibt dann immer so zwischen 15-30. Wasserwechsel und wurde heute gemacht und danach war Nitrat eher wieder bei 30. Gewechselt wurden 50l.

    Die KH wird duch Balling angehoben. Ansonsten gibt es 2cm Spurenelemente pro Woche.

    Was haltet Ihr von dem Versuch mit Aktivkohle?

    Danke & Gruss
    Alex

  • Hallo Alex !

    Wieder kann ich nur sagen,..... nicht NO3 bekämpfen, sondern den Grund dafür finden ! ! !

    Lass die Spuries weg und geh auf 10% Wasserwwechsel die Woche, dann sollten die Algen verschwinden.
    Warte dann auch ab wie sich der NO3-Wert verhält.

    Gruß Gerd

  • Hi Gerd,
    das hatte ich zu Beginn des Beckens gemacht - aber ohne grossen Erfolg.

    Ich versuchs aber gerne nochmal.

    Nur: Was könnten die Gründe sein? Wo kann ich ansetzen?

    Kann das Wachstum der Glasrosen und pumpenden Xenien mit dem Wachstum der Algen zusammenhängen?

    Gruss
    Alex

  • Hallo Alex !

    Deine Urlaubsvertretung wird wohl zuviel gefüttert haben !?

    Generell sollte man mindestens 10% die Woche Wasser wechseln, deine Tiere werden es dir Danken.
    Dann brauchst Du auch keine Spuries zu dosieren.

    No3 kann viele Gründe haben...

    Zuviel Fisch (Futter) ?
    Kunstliche Filtermaterialien (Schaumstoff, Watte, Keramikröhrchen etc) ?
    Bodengrund, welche Körnung und wie hoch ist die Schichthöhe?
    Wasseraufbereitung ?
    Zu wenig Lg, Strömung ?
    Schäumer, bis wieviel Liter ausgelegt ?

    Gruß Gerd

    Einmal editiert, zuletzt von Gerd Guddat (20. November 2011 um 16:32)

  • Vielleicht hilft Dir dieser erste Wurf eines Nitrattextes:

    Die Menge von Nitrat im Becken wird bestimmt durch das Gleichgewicht von nitratbildenden und nitratreduzierenden Prozessen. Dieses Gleichgewicht stellt sich für jedes Becken anders ein und hängt von sehr vielen Faktoren ab. Zur Behebung eines Nitratproblems sollte man immer eine Änderung der Parameter vornehmen und dann in 2 Monaten nochmal schauen. In der Folge werden die einzelnen Prozesse vorgestellt.

    Was ist Nitrat?

    Nitrat - chemisch auch NO3 genannt ist die Endstufe eines Oxidationsprozesses im Aquarium. Diese Oxidation erfolgt auf 2 Arten:

    1. Durch Bakterien. Eine bestimmte Sorte Bakterien macht dieses. Sie werden auch als Nitrifizierer bezeichnet. Zitat Wikipedia:
    Nitrifizierer, auch Nitrifikanten oder Salpeterbakterien genannt, sind gramnegative aerobe Bakterien, die durch ihren Stoffwechsel entweder Ammoniumionen zu Nitrit oder Nitritionen zu Nitrat oxidieren (Nitrifikation). Sie gehören dadurch zu den wichtigsten Organismen im Stickstoffkreislauf. Man unterscheidet die Ammoniumoxidierer deren Gattungsname stets mit "Nitroso-" beginnt, von den Nitritoxidierern, deren Gattungsname stets mit "Nitro-" beginnt. Zwei sehr bekannte Gattungen sind Nitrosomonas und Nitrobacter.

    2. Zwangsoxidation durch zum Beispiel Ozon. Wird Ozon ins Becken eingeleitet, so geschieht dieses aus dem Grund, dass man ein frei verfügbares Sauerstoffradikal im Becken haben möchte. Dieses spaltet in der entsprechenden Reaktionskammer (bitte nicht direkt im Becken) organische Verbindungen auf und dockt sich an die nun freien Bruchstücke an. Auch hierbei entsteht NO2 und NO3.

    Nitratbildung im Becken:

    Durch bakterielle Tätigkeit auf sämtlichen Oberflächen wird Nitrat gebildet. Auf jeder Oberfläche existieren die oben genannten Nitrosomonas und Nitrobacter Bakterien. Diese nehmen freie Ammoniumionen auf und oxidieren diese zu NO3. Je höher die Strömung ist bei der verfügbaren Oberfläche, desto besser können diese das tun. Als frei verfügbare Oberfläche zählen hierbei vor allem: Oberfläche der lebenden Steine, verbaute, zwangsdurchströmte Schwämme oder andere Filtermaterialien in denen dank der Durchströmung ein sauerstoffreiches Milieu existiert. Paradebeispiel hierfür ist der HMF Filter im Suesswasserbecken.

    Ausgangsmaterialien für diesen Prozess sind sämtliche sterbenden Tiere, Pflanzen und Bakterien. Weiterhin die Zersetzung von freigewordenen Ausscheidungsprodukten der Tiere und natürlich nicht gefressenes Futter.

    Nitratreduktion im Becken:

    Hierzu hat der Aquarianer viele Möglichkeiten:

    1. Abschaeumung:

    Der Abschaeumer entfernt die biologischen Abfallstoffe bevor diese zu NO2 und NO3 gewandelt werden können. Schon gewandeltes NO3 kann er nicht entfernen.

    2. Wachstum:

    Sowohl Pflanzen wie auch Tiere bauen beim Wachstum Stickstoff in den Körper ein. Pflanzen und niedere Tiere können dabei den NO3 Wert reduzieren, da sie sich den Stickstoff wieder aus dem NO3 herausknacken und verwenden. Hierauf beruht zum Beispiel die Funktion eines Algenfilters.

    3. Anaerobe Prozesse:

    Die Bakterien, welche den Nitrat produzieren können diesen auch wieder aufspalten. Das tun die jedoch nur ungern. Wenn sie jedoch in einem sauerstoffarmen Milieu leben - wie zum Beispiel im inneren von Steinen - oder auch in einem Nitratfilter, so spalten sie das NO3 wieder auf, verwenden selber den Sauerstoff und der Stickstoff geht als Gas an die Oberfläche.

    4. Wasserwechsel:

    Im Süßwasser das Hauptmittel um NO3 aus dem Becken zu bekommen, Im Salzwasser wegen den hohen Salzkosten nicht in dem Masse machbar. Jedoch als Schnellhilfe bei Problemen erste Wahl.

    5. Schnellfilter:

    Nimmt die herumschwebenden Kleinstteile auf und entfernt diese bevor sie zersetzt werden können. Muss jedoch alle 2 Tage gereinigt werden, da sonst der Schnellfilter durch Bakterienbesiedelung wieder als Nitratproduzent auftritt. Auch wird hierbei Filtrierern Nahrung entzogen.

    Eine dauerhafte Änderung des Nitratwertes kann man also durch Manipulation der oben beschriebenen Prozesse machen.

    Sollte der Nitratwert zu hoch sein, so schlage ich folgende Reihenfolge vor:

    1. Schwämme und andere Filtermaterialien: Existieren diese, so sind diese oft ein Grund für einen zu hohen Nitratwert. Entweder die Schwämme entfernen oder alle 2-3 Tage mit heißem Wasser ausspülen um die daran haftenden Bakterien zu killen.

    2. Angepasst füttern: Lieber mehrmals am Tag wenig Füttern statt einmal richtig viel. Auch die Wahl des Futtermittels kann hierbei ausschlaggebend sein.

    3. Abschaeumer: Leistet er genug, ist er effizient? Wird er oft genug gereinigt? Ist er richtig eingestellt?

    4. Verstärkung der anäroben Prozesse oder der Wachstumsprozesse durch entweder DSB Abteil im Filterbecken oder ein Algenrefugium - idealerweise mit einer Drahtalge.

    5. Wodkamethode - oder ähnliche Mittel. Durch Wodka oder andere Kohlestofflieferanten wird die Produktion von Bakterien im Becken erhöht. Dadurch erhöht sich die in Bakterien und Kleinstlebewesen gebundene Biomasse. Da diese Bakterien und Tiere oft sterben erhöht sich damit der Stoffwechsel des gesamten Beckens. Hier kann nun ein guter Abschaeumer ansetzen und die nun vermehrt existierenden Abfallstoffe herausholen.

  • Hallo "RHT",

    schön recherchiert und geschrieben, nur die Denitrifikation wird natürlich nicht von denselben Bakterien übernommen wie die Nitrifikation. Dafür sind im Meerwasser im Wesentlichen Pseudomonas, Paracoccus und Flavobacterium Stämme zuständig und die leben in Zonen negativen Redoxpotentials um ihre Arbeit leisten zu können.

    Lg, Berny

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!